E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Morgan Zweite Chance für Dr. Avanti
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-2904-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-2904-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dramatischer Rettungseinsatz auf den Klippen von Penhally Bay: Der kleine Eddi ist beim Spielen verunglückt. Zum Glück sind Dr. Marco Avanti und seine Frau Amy gerade in der Nähe und können sofort helfen. Gemeinsam kämpfen sie um das Leben des kleinen Jungen, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber gilt das auch für ihre Ehe? Amy will die Scheidung - und doch spürt Marco, dass sie ihn noch immer liebt. Wie soll er es schaffen, sie von der Tiefe seiner Gefühle zu überzeugen?
Sarah Morgan ist eine gefeierte Bestsellerautorin mit mehr als 21 Millionen verkauften Büchern weltweit. Ihre humorvollen, warmherzigen Liebes- und Frauenromane haben Fans auf der ganzen Welt. Sie lebt mit ihrer Familie in der Nähe von London, wo der Regen sie regelmäßig davon abhält, ihren Schreibplatz zu verlassen.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Ich will die Scheidung … Ich will die Scheidung … Ich will die Scheidung …
Wie ein Mantra kreiste der Satz in ihrem Kopf. Amy sah aus dem Fenster, während das Taxi auf schmalen, gewundenen Landstraßen zur Küste im Norden Cornwalls fuhr. In der Nacht hatte es geschneit. Felder, Bäume und Sträucher waren mit Schnee bedeckt, und die winzigen Kristalle glitzerten und funkelten im Licht der Morgensonne. Ein herrlicher Wintertag kündigte sich an … jedenfalls für alle diejenigen, denen nicht das bittere Ende ihrer Ehe bevorstand!
In ihrem ganzen Leben hatte Amy sich noch nie so elend gefühlt. In der Ferne tauchte das Meer auf, und der Druck in ihrem Magen verstärkte sich. Tiefe Atemzüge halfen ihr auch nicht, ruhiger zu werden, und am liebsten wäre sie auf der Stelle umgekehrt.
Und dann?
Er hatte weder auf ihre Briefe noch auf ihre Anrufe in der Praxis reagiert. Ihr war gar nichts anderes übrig geblieben, als sich persönlich auf den Weg zu machen.
Die vertraute Landschaft zog an ihr vorbei, aber sie nahm kaum etwas wahr. Dieses Schweigen war so untypisch für ihn. Insgeheim hatte sie damit gerechnet, dass er sie mit Anrufen bombardieren oder unverhofft vor ihrer Tür stehen würde. Schließlich war er Italiener, heißblütig, leidenschaftlich und voller Glut wie ein Vulkan, der jederzeit ausbrechen konnte.
Marco wusste genau, was er vom Leben wollte. Und was er wollte, das nahm er sich.
Allerdings schien sie nicht dazuzugehören!
Ihr wurde die Kehle eng, und plötzlich brannten Tränen in ihren Augen. Du spinnst doch, schalt sie sich. Eine heftige Auseinandersetzung war das Letzte, was sie gewollt hatte. Das hätte alles noch viel schwerer gemacht, als es ohnehin schon war.
Die Stimme des Taxifahrers riss sie aus ihren Gedanken.
„Entschuldigung, was haben Sie gesagt?“
Der Mann blickte sie im Rückspiegel an. „Ich wollte nur wissen, ob Sie in Penhally Bay wohnen?“
Amy setzte ein höfliches Lächeln auf. „Nein, nicht mehr …“ Nicht mehr, seit mein Leben den Bach hinunterging.
„Ach so.“ Vorsichtig lenkte er den Wagen die schneebedeckte Straße entlang. „Dann sind Sie wieder hier, um mit Ihrer Familie Neujahr zu feiern? Bleiben Sie lange?“
Sie hatte hier keine Familie. Und zu feiern gab es auch nichts.
„Es wird nur ein kurzer Besuch“, erklärte sie und räusperte sich. „Heute Abend fahre ich wieder zurück. Um acht Uhr geht mein Zug.“
„Achten Sie bloß auf den Wetterbericht. Können Sie sich vorstellen, dass es letzte Nacht wieder geschneit hat, bei uns an der Küste? Und diese Kälte! Das kommt sonst alle Jubeljahre einmal vor.“ Er schüttelte den Kopf. „Globale Erwärmung, daran liegt’s. Das Klima spielt verrückt. Für unsere Gegend sind sogar schwere Stürme angesagt. Sie sollten entsprechend Zeit einplanen, bevor Sie zurückfahren, sonst verpassen Sie noch Ihren Zug.“
Amy hörte kaum zu, während sie aus dem Fenster sah. Komme, was wolle, sie würde Penhally Bay heute Abend wieder verlassen. Und wenn sie zu Fuß gehen musste!
Der Wagen bog in die Hauptstraße ein, und ihr Herz fing an zu rasen. Unwillkürlich rutschte sie in ihrem Sitz ein Stückchen tiefer.
Im nächsten Moment seufzte sie unterdrückt und richtete sich wieder auf. Was tat sie da eigentlich? Sie benahm sich ja, als müsste sie sich verstecken. Dabei war sie fünfunddreißig, eine erfahrene Ärztin, die schon einiges von der Welt gesehen hatte!
Leider genügte nur der Gedanke an ein Wiedersehen mit Marco, und ihr Selbstbewusstsein verabschiedete sich. In den letzten beiden Jahren hatte sie von ihm geträumt, an ihn gedacht und sich seinetwegen die Augen aus dem Kopf geheult. Und weil es ihr irgendwann reichte, dass er ständig ihre Gedanken und Gefühle beherrschte, war sie nicht nur aus Penhally Bay verschwunden, sondern auch aus England.
Erst auf einem anderen Kontinent fühlte sie sich sicher.
Um ihm auch jetzt nicht zufällig über den Weg zu laufen, beschloss sie, nicht direkt vor der Praxis auszusteigen.
„Bitte, halten Sie dort an der Ecke.“ Als der Wagen hielt, bezahlte sie den Fahrer. „Vielen Dank.“
Das Taxi wendete und fuhr davon. Reglos stand Amy eine Weile auf dem Bürgersteig, ihre Handtasche unter dem Arm. Die Geschäfte an der Hauptstraße von Penhally Bay hatten noch nicht geöffnet, aber in den Schaufenstern blinkten und funkelten Sterne, Engel, bunte Päckchen und andere Weihnachtsdekorationen. Wie mit einer dicken Puderzuckerschicht bestäubt lagen Straßen, Bäume und Häuser da.
Der Schnee schluckte jedes Geräusch, und Amy fühlte sich in eine Wintergeschichte von Charles Dickens versetzt. Plötzlich war ihr weihnachtlicher zumute als während der Feiertage selbst. Erinnerungen an die Kindheit tauchten vor ihrem inneren Auge auf: Wie sie Hand in Hand mit ihrer Großmutter durch die Läden ging und Christbaumschmuck aussuchte oder beim Schlachter am Tresen stand, um den Truthahn für den Festschmaus abzuholen.
Für sie war Penhally Bay schon immer ein magischer Ort gewesen, voller Zauber und die perfekte Kulisse für ein Märchen. Die wenigen glücklichen Stunden ihrer Kindheit waren untrennbar mit diesem malerischen Fischerdorf an Cornwalls Küste verbunden.
Früher hatte sie davon geträumt, dass ihre Kinder hier aufwachsen würden.
„Amy? Amy Avanti?“
Wie ertappt drehte sie sich um. Ihr Herz hämmerte in der Brust, ihre Handflächen wurden feucht.
„Tony …“ Das Lächeln misslang ihr kläglich. Musste der Wirt vom Smugglers’ Inn ausgerechnet jetzt hier entlangspazieren? „Du bist früh auf.“
„Viel zu tun um diese Jahreszeit.“ Über den hochgeschlagenen Mantelkragen hinweg musterte er sie prüfend. „Ist das alles, was du zu sagen hast? Dass ich früh unterwegs bin? Wir haben uns eine Ewigkeit nicht gesehen, Amy.“
„Entschuldige.“ Amy verkroch sich tiefer in ihren Mantel. „Mir ist nichts Besseres eingefallen.“
„Du warst schon immer eine Frau, die mehr zugehört als geredet hat.“ Tony grinste. „Was eine nette Abwechslung ist. Weiß Marco, dass du wieder zu Hause bist?“
„Nein.“ Sie wollte den Überraschungseffekt nutzen. Amy hoffte, dass er so schockiert wäre, sie zu sehen, dass er nicht viel sagen würde. Dann machte er ihr vielleicht keine Schwierigkeiten. „Es war ein spontaner Entschluss. Wir müssen ein paar Sachen bereden.“
„Vorhin habe ich seinen Maserati gehört. Ich schätze, Marco ist schon in der Praxis.“
Seine Worte beschworen Erinnerungen an einen heißen Sommertag vor zweieinhalb Jahren herauf. Jung verheiratet und voller Pläne waren sie kurz zuvor nach Penhally Bay gezogen, und Marco hatte Amy zu einer Fahrt in seinem geliebten Maserati mitgenommen. Der glänzende schwarze Sportwagen passte zu ihm. Testosteron und Pferdestärken.
Eine Hand am Steuer, hatte Marco den anderen Arm besitzergreifend auf Amys Rückenlehne gelegt, während sie die Küstenstraße entlangsausten. Amy hatte wieder das satte Brummen des PS-starken Motors im Ohr und erinnerte sich, wie sie Marco von der Seite angeblickt hatte, bewundernd und so verliebt …
Wahrscheinlich wusste er, was in ihr vorging. Dunkelhaarig, groß und gut aussehend war Dr. Marco Avanti es gewohnt, Erfolg bei Frauen zu haben. Sein weltgewandtes Auftreten verriet Lebenserfahrung und ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. In dem Punkt konnte Amy ihm nicht das Wasser reichen.
Warum war er dann mit ihr zusammen?
Wie oft hatte sie sich das schon gefragt? Amy schluckte und schob den Gedanken beiseite. Er war nicht mehr mit ihr zusammen. Obwohl sie sich von ihm getrennt hatte, kam es ihr vor, als hätte sie das Unvermeidliche nur beschleunigt. „Es wundert mich, dass er den Maserati fährt. Das Ding hasst Kälte.“
„Und wie! Letzte Woche stand sein Liebling am Straßenrand und wollte einfach nicht anspringen. Du hättest deinen Mann sehen sollen. Wild gestikulierend überschüttete er den Wagen mit Worten, die kein Mensch kannte. Das gesamte Dorf wurde neugierig. Jedenfalls war die Buchhandlung plötzlich überfüllt, weil alle im Wörterbuch blättern wollten. Aber wenn es um seine Schleuder geht, benutzt Marco nicht immer Ausdrücke, die im Lexikon stehen.“
Tony kratzte sich am Kopf. „Ich habe ihm vorgeschlagen, einen englischen Wagen zu kaufen, der für englisches Wetter gebaut ist. Er hat nur mit den Achseln gezuckt.“
„Das kann ich mir vorstellen.“
„Es ist echt schön, dass du wieder da bist, Amy. Wir waren völlig von den Socken, als du von einem Tag auf den anderen einfach verschwunden warst.“
Sie nickte. Natürlich hatte sie die Leute damit schockiert. Wie konnte sie einen charmanten, atemberaubenden Mann wie Marco Avanti verlassen? Schließlich war sie keine Schönheit und sollte dankbar sein, dass sich überhaupt jemand für sie interessierte.
Wie hätte sie ihre Entscheidung erklären sollen? Die Hintergründe gingen niemanden etwas an, dafür waren sie zu persönlich. Niederschmetternd persönlich.
„Na, ich freue mich jedenfalls, dass du wieder aufgekreuzt bist. Wenn du dich beeilst, erwischst du Marco vielleicht, bevor er mit der Sprechstunde anfängt. Hast du das mit Lucy gehört? Ihr Baby ist früher gekommen, und jetzt fehlt ein Arzt in der Praxis.“
Aha.
Seit einem Jahr hatte sie nichts mehr aus Penhally Bay gehört. Und davor auch nur einmal, nachdem Kate Althorp, die Praxismanagerin, ihr einen Brief geschrieben hatte. Kate war früher...




