E-Book, Deutsch, Band 55, 280 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
Morlar / Marks / Steinhart Dorian Hunter 55 - Die Hexe am Lech
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95572-055-1
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 55, 280 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
ISBN: 978-3-95572-055-1
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Auf Madagaskar will Jeff Parker, reicher Filmfinanzier und einer der engsten Freunde des Dämonenkillers Dorian Hunter, einen Dokumentarfilm über die Rituale eines religiösen Kults drehen. Seine Kontaktperson: Wu Gunma, eine schöne Hellseherin. Bald schon pflegt Jeff engeren Kontakt zu ihr, als gut für ihn zu sein scheint - denn als Dorian Hunter und Coco Zamis wenig später auf Madagaskar eintreffen, ist ihr Freund spurlos verschwunden ... Der 55. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 226: 'Der Dämon von Madagaskar' 227: 'Die Hexe am Lech' 228: 'Das Kastell der Qualen'
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Der Dämon von Madagaskar
von Geoffrey Marks
1. Kapitel
Keuchend drängte sich Wu Gunma mit ihrem dunklen Leib noch einmal an Jeff Parker und drehte sich dann weg. Jeff wollte nach der jungen Frau greifen, sie entschlüpfte jedoch seinen Händen und schwang sich aus dem Bett.
Jeff seufzte, verschränkte die Hände im Nacken und beobachtete Gunma dabei, wie sie mit anmutigen Bewegungen ihr langes schwarzes Haar am Hinterkopf zu einem Knoten zusammenband. Ihre aufregenden Kurven zeichneten sich verführerisch vor dem Fenster ab, das von dem schummerigen Schein des tropischen Abends schwach erhellt wurde.
Jeff hatte Wu Gunma während seiner Weltreise kennengelernt, die er in diesem Jahr mit seiner Luxusjacht unternommen hatte. Nun war er zu ihr nach Madagaskar zurückgekehrt. Er hatte diese exotische Frau einfach nicht vergessen können, die sich so aufregend von den anderen Liebschaften abhob, die er während seiner letzten Weltreise gehabt hatte.
Durch das geöffnete Fenster drang ein kühler Lufthauch in das Zimmer, das lediglich mit einem französischen Bett und zwei Holzstühlen möbliert war. Das Moskitonetz war zurückgeschlagen und wallte wie ein fahler Nebelschleier hin und her.
»Was ist?«, erkundigte Gunma sich. Ihre Zähne schimmerten im Halbdunkeln, als sie ihren Mund zu einem stummen Lachen öffnete. »Hat die Liebe dich etwa träge gemacht, Jeff? Wir haben heute Nacht noch einiges vor.«
»Nicht träge«, erwiderte Jeff und richtete sich in dem Bett auf. Sein durchtrainierter, gebräunter Körper hob sich schemenhaft in der Dunkelheit ab. »Ich könnte mich die ganze Nacht mit dir in diesem knarrenden Bett vergnügen.«
Wie eine Schlange glitt Gunma unter das Moskitonetz, kauerte plötzlich im Vierfüßlerstand neben Jeff auf der Matratze und verschloss seinen Mund mit einem Kuss.
Als sie die Lippen wieder von ihm löste, sah sie Jeff mit ihren dunklen Augen unverwandt an. »Ich bin eine Wahrsagerin«, flüsterte sie. »Ich lasse mich nur mit Männern ein, wenn ihre leidenschaftlichen Umarmungen meine hellseherischen Fähigkeiten zu beflügeln versprechen. Aber das waren bisher nicht allzu viele, das kannst du mir glauben.« Sie lächelte hintergründig. »In deinen Armen werde ich zu einem Orakel, Jeff. Aber jetzt habe ich einen Job zu erledigen.«
Jeff grinste geschmeichelt, und obwohl er sich nicht sicher war, ob Gunmas Worte ihn nur besänftigen sollten, verspürte er doch ein erhebendes Triumphgefühl in seiner Brust.
Er griff nach Gunmas Brüsten, doch sie entzog sich ihm, verließ das Bett und schlüpfte in ihr schwarzes Seidenkleid. Dann warf sie sich eine weiße Stola über die Schultern und verbarg ihr Haar unter einem dreieckigen Kopftuch.
Gunma deutete auf das Fenster, hinter dem ein karger, mit wenigen Bäumen bewachsener Hügel zu sehen war. Zweigeschossige Backsteinhäuser, deren Fenster vom Schein der Öllampen erhellt wurden, schmiegten sich an den Hang. Die Behausungen in den Dörfern auf Madagaskar waren keine primitiven Lehmhütten, wie sie in Afrika vorzufinden waren, sondern Häuser mit steilen Dächern, die kleine Gauben aufwiesen. Die Vorderfronten wurden von überdachten Balkonen beherrscht, die von quadratischen dünnen Säulen gestützt wurden. Rechts neben dem Hügel öffnete sich eine Ebene aus Reisfeldern, deren rechteckige Wasserflächen silbern in der hereinbrechenden Nacht schimmerten.
»Der Vollmond geht gleich auf«, verkündete Gunma. »Wir müssen uns beeilen, Jeff. Und schärfe deinen beiden Mitarbeitern noch einmal ein, dass sie sich unauffällig verhalten sollen!«
Jeff, der eingesehen hatte, dass er nicht länger im Bett bleiben konnte, erhob sich und begann sich anzuziehen. Er hatte sich in Tananarive, der Hauptstadt von Madagaskar, einen einfachen Anzug gekauft, da er mit den maßgeschneiderten, farbenfrohen Klamotten, die er sonst bevorzugte, unter den Eingeborenen nur unnötig aufgefallen wäre.
Plötzlich stand Gunma vor ihm, stülpte ihm einen Strohhut auf den Kopf, trat zurück und musterte ihn aufmerksam von oben bis unten.
»Perfekt«, beschied sie. »Du siehst wirklich wie ein amerikanischer Kaufmann aus und nicht wie ein Millionär, der sich auf eine verrückte Idee eingelassen hat.«
Mit ihren Worten spielte Gunma auf Jeffs Vorhaben an, einen Dokumentarfilm über sie zu drehen. Es war jedoch nicht nur Gunmas ungewöhnliche Tätigkeit als Wahrsagerin, die ihn zu diesem Schritt veranlasst hatte. Ihm ging es vielmehr um die erschreckend realistischen Visionen, von denen Gunma ständig heimgesucht wurde.
Während seiner Weltreise hatte Jeff sich zwei Wochen auf Madagaskar aufgehalten und die meiste Zeit an Gunmas Seite verbracht. Er hatte sie in der Hauptstadt kennengelernt, als sie die Träume eines madagassischen Geschäftsmanns deutete, bei dem Jeff zu Gast gewesen war. Zwischen Jeff und Gunma hatte es gleich bei ihrer ersten Begegnung heftig gefunkt. Es dauerte nicht lange, und die beiden fanden sich in Jeffs Bett auf seiner Luxusjacht wieder. Nachdem sie sich ausgiebig auf der komfortablen Liegestatt vergnügt hatten, waren sie schließlich Arm in Arm eingeschlummert. Doch Jeff wurde schon bald aus seinem Schlaf gerissen, denn Gunma hatte begonnen, sich unruhig hin und her zu werfen. Sie stöhnte, und ihr dunkler, nackter Leib war mit glitzernden Schweißperlen bedeckt.
Jeff wollte Gunma wecken, um sie aus ihrem Albtraum zu reißen. Doch die junge Frau reagierte nicht auf sein sanftes Rütteln und Rufen. Schließlich begann sie zu murmeln. Gebannt lauschte Jeff den geflüsterten Worten; sie kamen wie ein Hauch über Gunmas Lippen und wandelten sich schließlich in einen Singsang, der wie eine fremdartige Beschwörung anmutete.
Gunma erzählte im Schlaf von den üppigen Regenwäldern auf Madagaskar, von den großäugigen Lemuren, die sich von Ast zu Ast schwangen, von Nasenaffen und den schlanken Raubtieren mit ihren otterartigen, spitzen Gesichtern. Wispernd schilderte sie, wie der Himmel sich verdunkelte, wenn der gigantische Vogel Rock mit seinen mächtigen Schwingen durch die Lüfte streifte. Sie schilderte die Insel, wie sie gewesen sein mochte, bevor Madagaskar 1500 von portugiesischen Seefahrern entdeckt wurde. Die viertgrößte Insel der Welt war damals von tropischen Regenwäldern vollständig bedeckt gewesen. Tiere, die nur auf diesem Eiland vorkamen, tummelten sich in den Urwäldern, und in den Dörfern lebten Protomalaien, deren Wurzeln in Süd-China lagen, und von denen Gunma ihren eigenen Angaben zufolge direkt abstammte. Dieser Volksstamm vermischte sich später mit den Bantus aus Afrika, die die Straße von Mosambik überquerten und nach Madagaskar gelangten.
In Gunmas Visionen hielten einige der malaiischen Ureinwohner grausame Riten ab. Sie versklavten die schwarzhäutigen Bantus, behandelten sie wie Vieh, und hin und wieder opferten sie einen von ihnen ihrem Gott, den sie ehrfürchtig Zana nannten.
Jeff war geschockt, aber auch fasziniert, wie plastisch und detailliert Gunmas Schilderungen waren. Der Regenwald, seine tierischen Bewohner und sogar die blutrünstigen Eingeborenen erschienen ihm so real, dass er es durchaus für möglich hielt, durch Gunmas Vision einen Einblick in die dunkle Vergangenheit Madagaskars zu erhalten.
Gunmas Träume wiederholten sich während Jeffs zweiwöchigem Zusammensein mit der Wahrsagerin siebenmal. Nach diesen Träumen war Gunma jedes Mal so erschöpft, dass sie bis zum Mittag durchschlief. Sie selbst konnte sich an ihre Visionen nicht erinnern und lauschte Jeff mit weit aufgerissenen Augen, während er ihr von seinem nächtlichen Erlebnis an ihrer Seite erzählte.
Dann kam der Tag, an dem Jeff seine Weltreise fortsetzen musste. Es fiel ihm schwer, sich von Gunma zu trennen. Er war jedoch fest entschlossen, noch einmal nach Madagaskar zurückzukehren und Gunma zu besuchen.
Die kommenden Wochen und Monate, während denen Jeff auf seiner Jacht die Weltmeere bereiste, ging ihm Gunma nicht mehr aus dem Kopf. Sie schlich sich sogar in seine Träume, in denen sie ihn in das alte Madagaskar entführte, das er durch ihre Visionen kennengelernt hatte.
Langsam reifte während dieser Zeit in Jeff die Idee heran, über Gunma einen Film zu drehen. Er wollte sie, zusammen mit einem kleinen Team, auf Madagaskar begleiten und sie während ihrer Arbeit filmen. In einem Studio in Hollywood wollte er dann später die Szenen aus ihren Visionen drehen lassen und mit den Dokumentarszenen vermischen. Auf diese Weise würde ein spannungsreicher, ungewöhnlicher Film über eine bemerkenswerte Frau und die wilde, unbekannte Vergangenheit von Madagaskar entstehen.
Plötzlich ergriff Gunma seine Hände und brachte ihn wieder in die Gegenwart zurück. »Was ist mit dir?«, erkundigte sie sich zurückhaltend. »Kommen dir jetzt doch Zweifel, ob du mich in dieser Nacht mit deinem Team begleiten sollst?«
Jeff schüttelte lächelnd den Kopf. »Ich habe nur ein wenig in Erinnerungen geschwelgt.«
Gunma wich vor Jeff zurück, um zu verhindern, dass er sie wieder in seine Arme schloss. »Wir müssen jetzt los«, ermahnte sie ihn. »Die Famadihana wird in einer halben Stunde beginnen!«
Jeff nickte gefasst. Die bevorstehende Zeremonie, der er und seine Crew beiwohnen durften, sollte später einen zentralen Teil des Dokumentarfilms bilden. Die Famadihana war ein alter Brauch auf Madagaskar. Dabei wurde ein Toter aus seinem Grab geholt, in ein frisches Leichentuch gehüllt, durch das Dorf getragen und am Ende der Zeremonie wieder in das Grab zurückgelegt.
Für gewöhnlich wurde eine Famadihana am Tag abgehalten und glich mehr einem...




