Morschitzky | Wenn Angst das Leben bestimmt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Morschitzky Wenn Angst das Leben bestimmt

Erfolgreiche Selbsthilfe bei Angststörungen
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8436-1204-3
Verlag: Patmos Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Erfolgreiche Selbsthilfe bei Angststörungen

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-8436-1204-3
Verlag: Patmos Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Platzangst, Spinnenphobie, Panikattacken - Ängste haben unterschiedliche Gesichter. Doch immer geht es um die Bedrohung von fünf zentralen Grundbedürfnissen: Gesundheit, Sicherheit, Geborgenheit, Selbstwertstärkung und Kontrolle. Gemeinsam ist den verschiedenen Ängsten, dass sie eine große Belastung sind, denn Angst kann das ganze Leben bestimmen und psychisch krank machen. In diesem Selbsthilfebuch beschreibt der erfahrene Verhaltenstherapeut Hans Morschitzky die neuesten Entwicklungen zur Diagnostik und Behandlung der bekannten fünf Angststörungen: Agoraphobie, Soziale Phobie, Spezifische Phobien, Panikstörung und Generalisierte Angststörung. In einem Selbsthilfeprogramm ermöglicht er den Leserinnen und Lesern, ihre Ängste besser zu verstehen und wirksame Strategien zur Angstbewältigung zu erlernen. >>praktische Hilfen zum Erkennen und Bewältigen von Ängsten - Schritt für Schritt >> die wirksamsten Strategien gegen Angststörungen >> von einem ausgewiesenen Experten >> mit bewährtem Selbsthilfeprogramm

Dr. phil. Hans Morschitzky ist Klinischer Psychologe und Psychotherapeut in freier Praxis. Er arbeitete über drei Jahrzehnte in den Abteilungen Psychiatrie und Psychosomatik an der Landesnervenklinik in Linz, Österreich. Sein Spezialgebiet sind Angst- und psychosomatische Störungen. Bei Patmos hat er viele erfolgreiche Ratgeber veröffentlicht.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Normale Ängste – wenn Angst das Leben schützt


Angst – eine überlebenswichtige Emotion


Angst ist ein biologisch festgelegtes Alarmsignal wie Fieber oder Schmerz. Es handelt sich dabei um eine starke emotionale und körperliche Reaktion auf Ereignisse, Situationen, Gedanken und Vorstellungen, die als bedrohlich, ungewiss oder unkontrollierbar beurteilt werden.

Angst alarmiert unseren Körper zur Vorbereitung auf Kampf oder Flucht und ermöglicht uns damit ein schnelles Handeln, wenn dieses ohne langes Nachdenken geboten erscheint. Wir sind durch Angst schon »auf dem Sprung«, um bei einer tatsächlichen Bedrohung von Leib und Leben rasch reagieren zu können.

Akute Angst (Furcht) als körperliche Notfallreaktion zur Sicherung des Überlebens tritt bereits auf, bevor eine äußere oder innere Bedrohung bewusst wahrgenommen wird. Nach der Abwehr einer Bedrohung kehrt der Organismus bald wieder in den Ruhezustand zurück. Andauernde Angst ohne reale Gefahr stellt eine permanente Fehlalarmierung des biologisch sinnvollen Kampf-Flucht-Systems dar. Eine derartige chronische Übererregung führt im Laufe der Zeit zu Erschöpfungszuständen und psychosomatischen Beschwerden.

Angst gilt – genauso wie Traurigkeit, Wut, Ekel, Verachtung, Freude oder Überraschung – als Basisemotion, die am Gesichtsausdruck von Menschen aller Kulturen gleichermaßen erkannt werden kann. Im Wort Emotion steckt das lateinische Wort motio – auf Deutsch Bewegung. Gesunde Angst möchte uns dazu bewegen, unser Leben zu schützen, unser Wohlbefinden sicherzustellen und alle möglichen Bedrohungen rasch abzuwehren.

Es ist kein sinnvolles Ziel, ohne Angst leben zu wollen. Es kommt vielmehr darauf an, die Kraft der Angst zu nutzen, um reale Gefahren für uns und unsere Umwelt zu beseitigen oder wenigstens zu vermindern, um unsere Lebensqualität auch für die Zukunft sicherzustellen oder sogar zu verbessern.

Betrachten Sie Ihre Angst nicht als bösen Feind, den Sie besiegen müssen, bevor Sie ein glückliches und erfülltes Leben führen können, sondern als liebe Freundin und gutmeinende Mahnerin, als Ihren Schatten, der Sie überallhin begleitet, den Sie nicht loswerden können – doch Sie bestimmen den Weg, im Vertrauen auf Ihre Fähigkeiten, Ihren Mut und Ihre Entschlossenheit, mit und trotz Angst das zu tun, was Ihnen aufgrund Ihrer Bedürfnisse, Werte und Ziele wichtig ist.

Drei Grundformen von Angst: Erwartungsangst – Furcht – Panik


»Angst« gilt als Überbegriff für drei unterschiedliche Ausdrucksformen: Furcht, Panik und Erwartungsangst (»antizipatorische Angst«).

Furcht ist die Reaktion auf eine akute Bedrohung in der Gegenwart, die mit einer Kampf-Flucht-Reaktion zur Sicherung des Lebens einhergeht. Eine krankheitswertige Ausprägung in Form einer Phobie entwickelt sich dann, wenn objektiv völlig ungefährliche Objekte, Orte und Situationen vorschnell als reale Bedrohungen wahrgenommen und entsprechende Flucht- und Vermeidungsstrategien eingesetzt werden – zum Nachteil (und nicht zum Schutz) von Leib und Leben.

Panik ist eine starke Furcht, die in einer massiven körperlichen und psychischen Aktivierung besteht. Bei krankheitswertiger Ausprägung werden einzelne, an sich normale und ungefährliche Panikattacken andauernd im Sinne eines falschen Alarmsignals als unmittelbare Bedrohung für Leib, Leben und Verstand bewertet.

Angst im Sinne einer Erwartungsangst ist die Befürchtung einer möglichen Bedrohung in der Zukunft, während gegenwärtig keine akute Gefahr besteht. Die ängstliche Erwartung einer unbestimmten Bedrohung zu einem ungewissen Zeitpunkt, die man im Hier und Jetzt nicht durch konkretes Handeln völlig abwehren, ja oft nicht einmal vermindern kann, bewirkt eine unangenehme geistige, psychische und körperliche Daueranspannung, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Wenn derartige diffuse oder ständig wechselnde Bedrohungserwartungen ohne mentale Kontrolle und ohne zeitliche Begrenzung immer mehr ausufern, entsteht daraus das Krankheitsbild einer Generalisierten Angststörung.

Das Wichtigste noch einmal in aller Kürze: Furcht ist eine gerichtete Angst und subjektive Bedrohung durch äußere Gefahren im Hier und Jetzt, Panik ist eine extreme Furcht mit einer massiven körperlichen und/oder geistigen Überwältigung, (Erwartungs-)Angst ist ein Gefühl unbestimmter Bedrohung durch zukünftige Gefahren. Oder noch knapper zusammengefasst: Die subjektive Bedrohung geht bei Furcht von der aktuellen Umwelt, bei Panikattacken von der eigenen Person mit den jeweiligen Körpersymptomen, Gedanken und Gefühlen und bei Erwartungsangst von der Zukunft aus.

Diese drei Grundformen von Angst – Erwartungsangst, Furcht und Panik – sind normale psychische und körperliche Reaktionen angesichts von Unsicherheit und realer oder vermeintlicher Bedrohung; krankheitswertig werden sie erst durch die Unfähigkeit, damit erfolgreich umzugehen.

Jede dieser drei Angstformen kann in eine andere übergehen: Angst kann zu einer situationsspezifischen Furcht werden, Furcht kann bis zu einer heftigen Panikattacke ansteigen, aus objekt- und situationsspezifischer Furcht sowie erlebten Panikattacken können im Laufe der Zeit belastende Erwartungsängste werden.

Vier Ebenen von Angst: Körper – Gedanken – Gefühle – Verhalten


Angst und Furcht gehen mit bestimmten Gedanken, Vorstellungen, Erinnerungen, anderen Emotionen, körperlichen Symptomen und sichtbaren Verhaltensweisen einher. Angst umfasst vier Komponenten, die bei Angststörungen ein sehr belastendes Ausmaß annehmen und das Leben erheblich einschränken:1

1. Emotionale Komponente. Es gibt unterschiedliche Arten von Ängsten, die oft auch mit anderen Gefühlen zusammenhängen:

  • Angst als angemessene (adaptive) primäre Emotion angesichts einer unmittelbaren Bedrohung in der Gegenwart.
  • Angst als unangemessene (maladaptive) primäre Emotion angesichts einer relativ harmlosen Situation in der Gegenwart, die jedoch an frühere schlimme Erfahrungen und Gefühle in der Vergangenheit erinnert, z. B. an ein traumatisches Erlebnis, wie etwa körperliche oder sexuelle Gewalt.
  • Angst als sekundäre Emotion in Form der »Angst vor der Angst« (Erwartungsangst), z. B. Angst vor einer weiteren Panikattacke oder einer erneuten Traumatisierung.
  • Angst als sekundäre Emotion in Bezug auf eine andere Emotion, z. B. Angst vor Wut, Scham, Peinlichkeit, Traurigkeit, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Schuldgefühle.
  • Angst als sekundäre Emotion in Bezug auf bestimmte Gedanken, z. B. Angst vor unkontrollierbaren Katastrophen-Gedanken (»Was wäre, wenn …?«-Horrorszenarien).

2. Kognitive Komponente. Ungünstige oder gar schädliche (dysfunktionale) Denkmuster wirken angstmachend oder zumindest angstverstärkend, z. B. Überaufmerksamkeit auf Gefahren, Überschätzung von Gefahren bei gleichzeitiger Unterschätzung der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten, erhöhtes Kontrollbedürfnis, Intoleranz gegenüber jeder Form von Unsicherheit, Fixierung auf den Ausschluss eines Restrisikos, perfektionistischer Anspruch, Bewertung harmloser körperlicher Symptome als bedrohlich mit angstmachender Verstärkung der Beschwerden (»Teufelskreis der Angst«), falsche Schlussfolgerungen von Angstgefühlen und Körpersymptomen auf eine äußere Gefahr (»emotionaler Trugschluss«), vorschnelle Gleichsetzung (»Fusion«) von bestimmten Gedanken und Vorstellungen mit der Realität.

3. Körperliche Komponente. Angst und Furcht angesichts von Bedrohung oder Unsicherheit bewirken eine körperliche Aktivierung zur Sicherung von Leib und Leben. Je nach Angststörung und Persönlichkeit stehen unterschiedliche Symptome im Mittelpunkt des Erlebens. Typisch sind zwei Arten von Fehlregulationen:

  • Störungen des vegetativen Nervensystems: sogenannte »vegetative« Störungen, wie etwa Herz-Kreislauf-Symptome (z. B. Pulsbeschleunigung, Schwitzen, Ohnmachtsneigung), Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit, Magenschmerzen, Stuhldrang), Atembeschwerden (z. B. Atemnot, Hyperventilation), urogenitale Beschwerden (z. B. Harndrang), Schwindelzustände. Vegetative Symptome dominieren bei akuter Angst und Furcht sowie bei Panikattacken. Eine Herzratenbeschleunigung ist sowohl bei Panikattacken als auch bei vielen Phobien nachweisbar. Bei einer Generalisierten Angststörung besteht oft eine verminderte »Vagus-Bremse«: Das parasympathische Nervensystem, das für Entspannung und Regenerierung zuständig ist, kommt angesichts des übersteuerten sympathischen Nervensystems, das für Aktivität und Leistung zuständig ist, nicht ausreichend zum Zug, was sich in einer verminderten Herzratenvariabilität zeigt: Der Puls bleibt auch ohne Bewegung dauerhaft erhöht, statt in Abhängigkeit von Aktivität oder Ruhe zu schwanken.
  • Störungen des Zentralnervensystems: sogenannte »zentralnervöse« Störungen, wie etwa Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, rasche Ermüdbarkeit, Schlafstörungen, innere Unruhe, chronische...


Dr. phil. Hans Morschitzky ist Klinischer Psychologe und Psychotherapeut in freier Praxis. Er arbeitete über drei Jahrzehnte in den Abteilungen Psychiatrie und Psychosomatik an der Landesnervenklinik in Linz, Österreich. Sein Spezialgebiet sind Angst- und psychosomatische Störungen. Bei Patmos hat er viele erfolgreiche Ratgeber veröffentlicht.



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