Moszkowski | Das Buch der 1000 Wunder | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 409 Seiten

Moszkowski Das Buch der 1000 Wunder


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-3222-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 409 Seiten

ISBN: 978-3-8496-3222-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
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In diesem Buch erzählt der Autor die Geschichte der Wunder in mehreren Kapiteln: Bauwunder Wunder des Menschenlebens Wunder der Tierwelt Wundes des Wahns Mystische Wunder Zahlenwunder Wunder der Physik und Chemie u.a.

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Quelle: Saltarino: »Abnormitäten«. Verlag Eduard Lintz, Düsseldorf, 1900.

In einem kleinen Dorf in dem amerikanischen Staat Wisconsin wurde im Jahre 1890 ein Zwillingspärchen geboren, das eigentlich ein einziges zweiköpfiges Baby darstellte. Die Unterleiber waren so zusammengewachsen, daß die Längsachsen der beiden Körper eine durchlaufende gerade Linie bildeten. Jedes der Kinder hatte aber zwei Beine. Die geistigen Funktionen waren getrennt; ein Kind konnte schlafen, während das andere wachte. Eins starb denn auch fünf Stunden früher als das andere, und das geschah glücklicherweise schon, als das Gebilde erst acht Monate alt war.

Ein Berliner, »Hermann mit der Wunderhand«, besitzt an der rechten Seite keinen Arm, sondern nur eine Hand, die unmittelbar an die Schulter angewachsen ist. Er kann die Hand, die vollständig ausgebildet ist, gut bewegen und zum Halten und Tragen von Gegenständen benutzen.

Eine Parallelerscheinung hierzu war Eli Bown, der keine Beine hatte, 49 sondern nur Füße besaß, die dicht am Hüftgelenk ansetzten. Er vermochte sich mit ihnen ausgezeichnet fortzubewegen, bestieg allein die Straßenbahn, konnte sogar mit dem linken Fuß schreiben und sich als Akrobat produzieren. Er war glücklich verheiratet und Vater von vier ganz normalen Kindern.

James Morris, der 1859 in Boston, also auch in Amerika, der Heimat so vieler Abnormitäten, geboren wurde, besaß eine richtige Gummihaut. Er vermochte die Haut, mit der seine Brust überspannt war, bis zum Haupthaar hinaufzuziehen, die Haut der Backen konnte acht Zoll weit abgezogen werden, und mit der Haut des einen Beins konnte er das andere umwickeln.

Der Schmied James Wilson besaß eine so gewaltige Ausdehnungskraft der Brust, daß er damit herumgespannte Lederriemen zerreißen, ja sogar eiserne Ketten sprengen konnte. Im Jahre 1889 gewann er den Weltmeisterschaftsgürtel in seinem etwas eigentümlichen Fach.

Die schwarze Riesendame Lucie Morris hatte das ansehnliche Gewicht von 605 Pfund. Der schottische Riese William Campbell war, als er das 45. Lebensjahr erreicht hatte, bereits 685 Pfund schwer. Obgleich er vollständig gesund war, mußte er sich doch für die Fortbewegung zweier Krücken bedienen, da das Knochensystem die gewaltige Fettlast nicht zu tragen vermochte.

Einen überaus seltsamen Zustand hatte der Körper des Russen Iwan Orloff. Durch eine seltsame Art von Atrophie war der Oberkörper vollkommen verknöchert, und zwar so, daß z. B. an Stelle der Armgelenke vollkommen starre Knochenverbindungen getreten waren. Das Gegenteil dieser Mißbildung zeigte sich an den Beinen, die infolge einer weitgehenden Erweichung der Knochen durchsichtig waren, so daß es möglich gewesen sein soll, durch einen der Unterschenkel eine Uhr abzulesen. Der Unglückliche verbrachte sein ganzes Leben vom vierzehnten Jahr an im Rollstuhl, bildete aber lange Zeit eine der größten Sehenswürdigkeiten.

Eine überaus seltsame Ausbildung der Beine zeigte auch der Körper der Miß Violet, eines Mädchens, das unter diesem Namen viel in Varietés aufgetreten ist. Sie vermochte sich nur auf allen Vieren fortzubewegen, da das Kniegelenk bei ihr die umgekehrte Lage hatte, wie es gewöhnlich der Fall ist, so daß die Kniescheibe hinten an den Beinen saß. Daher war es ihr nicht möglich, die Beine geradezurichten.

Eine Französin, namens Brison, besaß Hände und Füße, deren Formen sehr stark an Krebsklauen erinnerten; die Gliedmaßen waren fast bis zu den Gelenken gespalten und von Fingern und Zehen fast nichts entwickelt. Trotzdem konnte sie Handarbeiten anfertigen und ihren Haushalt besorgen. Diese Möglichkeiten waren für sie sehr wichtig, denn sie besaß einen Mann und Kinder. 50

32. Genies der Muskeltechnik

Quelle: Max Nordau: »Paradoxe«, Abschnitt »Psycho-Physiologie des Genies und Talents«. Verlag Elischer, Leipzig, 1885.

Für die Leistungen der Feinmechanik im Betrieb menschlicher Muskeln sind gewisse Gehirnstellen maßgebend, die als »Koordinations-Zentren« bezeichnet werden. In ihrer Höchstleistung begründen sie, da es sich eben um eine geistige Veranlagung handelt, den Anspruch auf die Bezeichnung des Genies. Bei ihm spielen die Tricks und Hilfen, auf die sich das bloße Muskeltalent vorzugsweise stützt, nur eine untergeordnete Rolle. Lange und ausdauernde Übung ist aber auch beim Genie unerläßlich.

Hier einige Proben der bedeutendsten Leistungen aus diesem Gebiet.

Blondin schritt auf dem gespannten Seil über den Niagara. Benutzte er die Balanzierstange, so konnte er einen ausgewachsenen Gefährten auf den Schultern hinübertragen. Schritt er allein, so genügte ihm das eigene Gleichgewicht ohne Stange.

Die Billardmeister Vignaux, Slosson und Kerkau haben es in den Carambolage-Partien zu Serien über 1000 gebracht, in dem unvergleichlich schwierigeren Cadre-Spiel oft die Hundert hintereinander überschritten. Einer ihrer Kollegen, der übrigens im korrekten Serienspiel weit hinter ihnen zurückblieb, brachte folgendes mit nie fehlender Sicherheit zuwege: er produzierte die Carambolage mit drei Bällen dergestalt, daß der Spielball auf dem Billard lag, der zweite weit davon im Saal an der Fußbodenkante, und der dritte auf dem Hals einer Flasche, die sich im Saal auf einem Tisch befand.

Erstaunliches zeigten die Jonglierkünstler Cinquevalli, Kara und Spadoni: minutenlanges Luftballspiel mit den drei Körpern Kanonenkugel, Glasflasche und Papierstückchen; Balanzierakte mit zwei Billardstäben, die, mit den Spitzen einander zugewendet, durch eine Billardkugel getrennt waren und in dieser linearen Schwebung verharrten.

Während der vormals berühmte Hofzauberkünstler Bellachini höchstens als ein Talent gelten konnte, war Fox ein Genie. Er zeigte ein lebendes Kaninchen, hielt es sorgsam an den Ohren weitab (Fox arbeitete mit nackten Armen), und – zog es langsam in zwei lebendige Kaninchen von derselben Größe auseinander!

Den Gipfel solcher Technik erreichte ein Schweizer Prestidigitateur. Irgend ein Zuschauer wählte aus einem Kartenspiel ein beliebiges Blatt. Diese Karte wurde verbrannt. Alsdann wurde jener Zuschauer aufgefordert, auf seiner eigenen Taschenuhr die Zeit nachzusehen; und dabei ergab es sich, daß sich nunmehr ein stark verkleinertes Abbild der gewählten Karte in der Uhr befand, und zwar bei den Zeigern unter dem Deckglas!

51 Im alten Zirkus Renz trat ein Artist namens Price auf, der, auf der obersten Sprosse einer freischwebenden Leiter stehend, Konzertstücke auf der Violine vortrug.

Der Kunstschütze Ira Paine wiederholte die Tat des Wilhelm Tell auf der Bühne unter erschwerenden Umständen: er durchschoß über seine Schulter hinweg auf fünfzehn Schritt mit der Pistole den Apfel auf dem Haupt eines Knaben, während er nach der entgegengesetzten Seite gewendet dastand und mit einem Spiegel in der linken Hand nur den Widerschein des Zielobjekts wahrnehmen konnte!

33. Riechschnecken

Quelle: Dr. Richard Hesse: »Der Tierkörper als selbständiger Organismus«, erster Band des Werks: »Tierbau und Tierleben in ihrem Zusammenhang betrachtet« von Dr. Richard Hesse und Dr. Franz Doflein. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin, 1910.

Wenn die Hausfrau bei der Tafel feststellen will, wie das Essen ihren Gästen behagt, so sollte sie richtig fragen: »Wie riecht es Ihnen?« Denn was wir als Geschmack bezeichnen, ist seltsamerweise größtenteils eine Empfindung der Nase und nicht der Zunge. Unsere eigentlichen Schmeckorgane, die Zunge und der Gaumen, empfinden nur vier verschiedene Reize: bitter, süß, salzig und sauer. Alle anderen Geschmacksempfindungen werden uns durch das Nervensystem der Nase übermittelt. Wir sprechen ja auch von würzigem Geschmack, von einem Aroma z. B. des Kaffees oder des Tees. Jeder weiß, daß er fast nichts mehr schmeckt, wenn er einen tüchtigen Schnupfen hat, die Nasenschleimhaut also durch Entzündung in ihrer Tätigkeit stark beeinträchtigt ist.

Die Bedeutung der Riechwerkzeuge für den Geschmack ist auch durch wissenschaftliche Beobachtung in sehr interessanter Weise festgestellt worden. Zwei Kranke hatten, wie Professor Richard Hesse berichtet, durch einen Sturz auf den Kopf den...



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