Motsch / Gaigulo / Ulrich | Wortschatzsammler | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 299 Seiten

Motsch / Gaigulo / Ulrich Wortschatzsammler

Evidenzbasierte Strategietherapie lexikalischer Störungen im Kindesalter
4. überarbeitete Auflage 2022
ISBN: 978-3-497-61676-3
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Evidenzbasierte Strategietherapie lexikalischer Störungen im Kindesalter

E-Book, Deutsch, 299 Seiten

ISBN: 978-3-497-61676-3
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der 'Wortschatzsammler' ist eine erfolgreiche, evidenzbasierte Therapiemethode für lexikalische Defizite bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen. Im Mittelpunkt stehen dabei - im Gegensatz zu bestehenden Elaborationstherapien - nicht einzelne Wörter, sondern Strategien zum Wortschatzerwerb: Die Kinder lernen, wie sie lexikalische Lücken erkennen und füllen können. Das Buch führt verständlich in das therapeutische Know-how ein und stellt ausgearbeitete Therapieeinheiten zum Wortschatzerwerb für das Vor- und Grundschulalter zur Verfügung. Neu in der 4. Auflage: Die Transferbausteine aus den Konzepten wurden in einem eigenen Kapitel zusammengefasst und durch Vorschläge für Eltern mehrsprachiger Kinder ergänzt. Ebenfalls enthalten sind neueste Erkenntnisse aus internationalen Studien zur Therapie lexikalischer Störungen. Die Elternbriefe sind in weiteren Sprachen zum Download erhältlich.

Prof. Dr. Hans-Joachim Motsch lehrte bis Oktober 2017 Sprachbehindertenpädagogik in schulischen und außerschulischen Bereichen an der Universität zu Köln. PD Dr. Tanja Ulrich, Dipl.-Lehrlogopädin, ist am Lehrstuhl für Sprachbehindertenpädagogik in schulischen und außerschulischen Bereichen an der Universität Köln tätig. Dr. Dana Gaigulo arbeitet als Akademische Rätin am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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Zielgruppe


SprachtherapeutInnen, LogopädInnen sowie SprachheilpädagogInnen

Weitere Infos & Material


Einleitung 9

1 Erwerb lexikalischer Fähigkeiten 12

1.1 Wort - Bedeutung - Konzept 12
1.2 Wie kommen die Wörter in das mentale Lexikon? 13
1.3 Wie entwickelt und strukturiert sich das mentale Lexikon? 21
1.4 Wie werden die Wörter aus dem Lexikon abgerufen? 27

2 Lexikalische Störungen 30

2.1 Begriffsklärung 30
2.2 Quantitative und qualitative lexikalische Störungen 32
2.3 Umgang mit lexikalischen Lücken 35
2.4 Verlauf des gestörten Erwerbs lexikalischer Fähigkeiten 39
2.5 Wie entsteht eine lexikalische Störung - Verursachungshypothesen 42

3 Diagnose lexikalischer Störungen 50

3.1 Ziele und Methoden der Diagnostik 50
3.2 Standardisierte Einzeltestverfahren 62
3.3 Subtests aus standardisierten (Sprach-)Entwicklungstests 67

4 Therapiemethoden 76

4.1 Das Ziel lexikalischer Therapiemethoden: Generalisierung 76
4.2 Elaborationstherapien 79
4.3 Elternbeteiligung 92
4.4 Strategieansätze 98
4.5 Effektivität lexikalischer Therapiemethoden 105
4.5.1 Evidenz in Interventionsstudien 105
4.5.2 Effektivität von Elaborations- und Abruftherapien 107
4.5.3 Effektivität von Therapieformaten mit Strategieelementen 109

5 Der Wortschatzsammler 120

5.1 Prinzipien und Voraussetzungen 120
5.2 Transferarbeit als obligatorischer Therapiebaustein 134
5.2.1 Vorbereitung des Transfers 134
5.2.2 Inhalte der Elternberatung 135
5.2.3 Konkrete Umsetzung des Tagespiraten (Hausaufgabe für die Vorschulkinder) 137
5.2.4 Konkrete Umsetzung des Wochenend- und Unterrichtspiraten (Hausaufgabe für die Schulkinder) 142
5.3 Umsetzung des Wortschatzsammlers im Vorschulalter 149
5.4 Umsetzung des Wortschatzsammlers im Schulalter 201
5.4.1 Unterschiede im Vergleich zum Vorschulalter 201
5.4.2 Therapiemethodik und 20 Therapieeinheiten 207
5.5 Der Wortschatzsammler im Unterricht 276
5.5.1 Lehrereinstellungen zu den neuen Lernstrategien 276
5.5.2 Methodisches Vorgehen 278
5.5.3 Der Wortschatzsammler - Methodik für die Vermittlung von Lernstrategien 281 5.6 Evidenz 282
5.6.1 Interventionsstudien 282
5.6.2 Randomisierte und kontrollierte Studie im Vorschulalter 283
5.6.3 Randomisierte und kontrollierte Studie im Schulalter 286

6 Ausblick 290

Literatur 292
Bild- und Übersetzungsnachweis 310
Sachregister 312

Übersicht über die Therapieeinheiten

Vorschulalter

Therapieeinheit 1 - Thema: "Obstsaft auspressen" 158
Therapieeinheit 2 - Thema: "Im Bad" 169
Therapieeinheit 3 - Thema "Schreibtisch" 179
Therapieeinheit 4 - Thema "Im Schwimmbad" 181
Therapieeinheit 5 - Thema "Obstsalat" 182
Therapieeinheit 6 - Thema "Kleidung bügeln" 183
Therapieeinheit 7 - Thema "Werkzeug" 185
Therapieeinheit 8 - Thema "Nähen" 186
Therapieeinheit 9 - Thema "Fahrzeuge" 187
Therapieeinheit 10 - Thema "Tierbewegungen" 188
Therapieeinheit 11 - Thema "In der Küche" 189
Therapieeinheit 12 - Thema "Tiere im Wald" 191
Therapieeinheit 13 - Thema "Einkaufen" 192
Therapieeinheit 14 - Thema "In den Urlaub fahren" 193
Therapieeinheit 15 - Thema "Pflanzen" 195
Therapieeinheit 16 - Thema "Indianer" 196
Therapieeinheit 17 - Thema "Hausputz" 197
Therapieeinheit 18 - Thema "Zirkus" 198
Therapieeinheit 19 - Thema "Beim Arzt" 199
Therapieeinheit 20 - Thema "Polizei" 200

Schulalter

Die erste Therapiestunde 207
Die zweite Therapiestunde 212
Die dritte Therapiestunde: Entdecken lexikalischer Lücken

in der -unmittelbaren Umwelt des Kindes - Schatzsuche

im Therapieraum und Einführung des Tagespiraten 216
Therapieeinheiten zu Hyperonymen (Oberbegriffe) 222
Therapieeinheiten zu Antonymen (Gegenteile) 228
Therapieeinheiten zu Polysemen und Homonymen 239
Therapieeinheiten zu Synonymen (I und II) 251
Therapieeinheit


2 Lexikalische Störungen

2.1 Begriffsklärung

Sabrina, 4;6 Jahre alt, malt ein Bild von einem Besuch im Schwimmbad

„?/?Das ist ein Wasserfall …?/?schwimmen kann …?/?das ist ein nicht

Wasser schwimmen?/?das ist nur nur eine ein?/?ich mal ein so ein?/?

Was ist das??/?Ein Wasser stecke so?/?das ist …?/?das ist …?/?

das nur das ist ein?/?Warte mal …?/?Mama runter runter so

Wasser macht [Geste]“

Mehmet, 6 Jahre alt, spielt mit der Therapeutin ein Ratespiel

Therapeutin: „Meine Frucht ist gelb und süß. Sie hat eine Schale. Innen ist sie ganz weich.“

Mehmet: „Zi-krone!“

Therapeutin: „Ist die Zitrone denn süß?“

Mehmet schüttelt den Kopf.

Therapeutin: „Nein, die Zitrone ist ganz sauer, ne? Aber meine Frucht ist süß.“

Mehmet: „Tomate?“

Wie die obigen Beispiele deutlich machen, können Störungen des Wortschatzes auf unterschiedliche Art in Erscheinung treten. Einigen lexikalisch gestörten Kindern fehlt ein umfangreiches Inventar an Wörtern – sie haben bisher zu wenige Wörter gelernt und abgespeichert. Andere Kinder „kennen“ zwar viele Wörter, verfügen aber nur über grobe, undifferenzierte Informationen über die Bedeutung oder die Klanggestalt eines Wortes und haben zu wenige Verknüpfungen von Wörtern untereinander hergestellt. Während manchen Kindern das Verstehen von Wörtern schwerfällt, bereitet anderen Kindern besonders der aktive Gebrauch eines Wortes Schwierigkeiten. Dabei ersetzen Kinder entweder konstant die „richtigen“ durch „beinahe richtige“ Wörter oder sie können in einer Situation auf ein Wort zugreifen, in einer anderen Situation aber wieder nicht.

Lexikalische Störungen bei Kindern sind also ein sehr vielschichtiges Problem. Dies spiegelt sich auch in der Fachliteratur wider: Es gibt keine einheitliche Nomenklatur, mit der auf das Phänomen von Schwierigkeiten im Bereich des Wortschatzerwerbs referiert wird. In der deutschen Forschungsliteratur findet sich – wie in der folgenden Definition von Glück – die Bezeichnung semantisch-lexikalische Störung:

„Eine semantisch-lexikalische Störung äußert sich, aufgrund fehlenden, unzureichenden oder nicht abrufbaren, semantischen oder lexikalischen Wissens, als Sprachproduktionsstörung, bei der es dem Kind häufig und anhaltend nicht altersentsprechend gelingt, eine sprachliche Form zu bilden, die entsprechend der Äußerungsintention angemessen lexikalisch besetzt ist, sowie als Sprachverständnisstörung, bei der es dem Kind nicht oder nicht vollständig gelingt, eine sprachliche Äußerung lexikalisch zu interpretieren“ (Glück 2007, 152).

Gänzlich unproblematisch ist diese Definition allerdings nicht. Denn grundsätzlich sind die lexikalischen Störungen den semantischen Störungen untergeordnet. Semantik, also die Lehre von der Bedeutung der Sprache, ist dabei jedoch nicht beschränkt auf die lexikalische Ebene, da auch andere sprachliche Ebenen ihren Beitrag zur sprachlichen Bedeutung leisten, zum Beispiel die Satz- oder die Textsemantik (Crystal 1981).

Die lexikalische Semantik beschäftigt sich „mit den wörtlichen, kontextunabhängigen Bedeutungen von Wörtern, d. h. mit den im mentalen Lexikon gespeicherten Bedeutungen“ (Schwarz?/?Chur 2014, 19). Daher ist der Begriff semantisch-lexikalische Störung etwas irreführend, da er suggeriert, dass es sich hierbei nur um Störungen der Bedeutung im lexikalischen Sinne, also ausschließlich um Wortbedeutungsstörungen handele (Ulrich 2012). Störungen im Bereich des Wortschatzes können sich jedoch sowohl auf die Wortbedeutungen als auch auf die Wortformen, den Wortabruf und auch auf die Struktur der lexikalischen Einträge beziehen. Daher wird im Folgenden angelehnt an die englischsprachige Fachliteratur (Lexical Deficit) der Terminus lexikalische Störung verwendet. Damit sind sämtliche Formen von Störungen im Bereich des mentalen Lexikons – einschließlich der Störungen der Wortsemantik – gemeint:

„Lexikalische Störungen sind Störungen im Lexikoninventar (Wortschatz und Komposition des Wortschatzes), Störungen im semantischen Lexikon (Bedeutungsaufbau und Bedeutungsbeziehungen) und im Wortformlexikon (phonologische Repräsentation) sowie lexikalische Zugriffsstörungen (Wortfindung, Wortabruf und Worterkennung)“ (Rothweiler 2001, 97).

Störungen des Wortschatzes treten im Kindesalter häufig im Rahmen von umfassenden Entwicklungsstörungen auf, insbesondere im Rahmen von Sprachentwicklungsstörungen (Glück 2009). Auch Kinder mit kognitiven Einschränkungen haben häufig Schwierigkeiten beim Erwerb lexikalischer Fähigkeiten. Ebenso wurden lexikalische Störungen im Zusammenhang mit kindlichen Hörstörungen sowie frühkindlichem Autismus beobachtet (Glück 2011; McGregor 2017).

Bemerkenswert ist der offensichtlich starke Zusammenhang zwischen lexikalischen Störungen und Lese-Rechtschreibstörungen. Möglicherweise führen bei einigen Kindern Defizite in der phonologischen Informationsverarbeitung zunächst zur Ausbildung einer lexikalischen Störung, dann mit Schuleintritt zudem zu Schwierigkeiten im Erwerb der Schriftsprache (Beier?/?Siegmüller 2013).

Bezüglich der Prävalenz von lexikalischen Störungen gibt es bisher keine gesicherten Angaben. Nach German (1994) zeigen 40 % aller Kinder mit sprachlichen oder kognitiven Entwicklungsstörungen lexikalische Defizite. Dockrell et al. (1998) ermittelten anhand einer Befragung unter britischen Sprachtherapeuten einen Anteil von 23 % lexikalischer Auffälligkeiten im Rahmen von Sprachentwicklungsstörungen. Glück (2007) berichtet, dass an Regelgrundschulen jedes dritte Kind von den Lehrkräften als wortschatzschwach eingeschätzt wird. Im Rahmen unserer Interventionsstudie zum Wortschatzsammler-Konzept im Schulalter zeigte sich, dass der Anteil der lexikalisch gestörten Drittklässler an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Sprache sogar knapp 90 % betrug (Motsch?/?Marks 2015 b).

Trotz des offensichtlich häufigen Vorkommens von Störungen im Bereich des Wortschatzes treten diese im Rahmen der komplexen sprachlichen Symptomatik spracherwerbsgestörter Kinder meist weniger offensichtlich zutage als Störungen der Aussprache oder der Grammatik; dies mag ein möglicher Grund dafür sein, weshalb ihnen lange Zeit in der Fachliteratur wenig Beachtung geschenkt wurde (Grohnfeldt 1991).

2.2 Quantitative und qualitative lexikalische Störungen

Während lange Zeit sämtliche lexikalisch gestörte Kinder pauschal mit dem Etikett „eingeschränkter Wortschatz“ beschrieben wurden, richtet sich seit etwa 20 Jahren das Interesse der (Sprachtherapie-)Forschung auf dieses lange Zeit vernachlässigte Störungsbild (Grohnfeldt 1991). Im Zuge dessen bemühen sich die Autoren aktueller Veröffentlichungen um eine differenzierte Beschreibung der unterschiedlichen Erscheinungs- und Ausprägungsformen von Defiziten im Bereich des Wortschatzerwerbs (Kauschke?/?Rothweiler 2007; Glück 2010; Rupp 2013).

Uneinheitliche Bezeichnungen für die verschiedenen Störungsschwerpunkte einer lexikalischen Störung führen jedoch auch hier zu einer oftmals verwirrenden Begriffsvielfalt. Ein guter Überblick über die unterschiedlichen Subgruppeneinteilungen findet sich bei Rupp (2013). An dieser Stelle wird hingegen der Versuch unternommen, die unterschiedlichen Einteilungen zusammenzubringen.

Grundsätzlich lassen sich lexikalische Störungen in quantitative und qualitative Störungen unterteilen (Kauschke?/?Rothweiler 2007; Rupp 2013).

Kinder mit einer quantitativen Störung haben bisher zu wenige Wörter „gelernt“. Es liegt eine Störung im Umfang der Lexikoneinträge vor – der Wortschatz ist eingeschränkt.

Die Wissenslücken können dabei bereits auf der Ebene der Konzepte bestehen. Fehlen dem Kind konkrete Erfahrungen mit den Dingen, können auch keine umfassenden Konzepte dazu aufgebaut werden. Ohne konkreten Handlungs- und Erfahrungsbezug bleiben dann Worte leere Hüllen. Andere Kinder haben zwar eine Vielzahl von Konzepten aufgebaut. Ihnen fehlt jedoch die entsprechende Wortform, um dieses Konzept zu benennen. In der Diagnostik zeigen sich fehlende lexikalische Einträge in schlechten Leistungen sowohl beim Benennen als auch beim Verstehen von Wörtern. Ein Kind mit einer quantitativen Störung wird also vergleichbare, unterdurchschnittliche Leistungen in rezeptiven und expressiven Wortschatztests zeigen (Ulrich 2017a; 2017b; Rupp...


Prof. Dr. Hans-Joachim Motsch lehrte bis Oktober 2017 Sprachbehindertenpädagogik in schulischen und außerschulischen Bereichen an der Universität zu Köln.
PD Dr. Tanja Ulrich, Dipl.-Lehrlogopädin, ist am Lehrstuhl für Sprachbehindertenpädagogik in schulischen und außerschulischen Bereichen an der Universität Köln tätig.
Dr. Dana Gaigulo arbeitet als Akademische Rätin am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.



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