Mous | Paradise Project | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Mous Paradise Project

Der Schein lügt
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-401-80791-1
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Schein lügt

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-401-80791-1
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mink ist entsetzt, als er bei einem Spaziergang den Journalisten Herman van Romondt tot in einem Flussbett findet. Noch am Vormittag hatte Mink ihn während seines Schulpraktikums in der Redaktion getroffen. Dabei hatte der Journalist ihm anvertraut, dass er gerade an einer richtig großen Sache dran ist. Aber was noch viel schlimmer ist: Herman ist der Lieblingsonkel von Jool, Minks bester Freundin. Wie soll er ihr das nur beibringen? Denn eins ist Mink sofort klar: Jools Onkel ist nicht einfach in den Fluss gefallen und ertrunken. Ob diese 'große Sache' etwas mit seinem Tod zu tun hat?

Mirjam Mous, geboren 1963 in Made in den Niederlanden, arbeitete als Sonderschullehrerin, bevor sie hauptberuflich Schriftstellerin wurde. Sie schreibt Bücher für Kinder und Jugendliche und ist besonders bekannt für ihre mitreißenden Thriller. Ihr erster Jugendroman 'Boy 7' wurde verfilmt und lief 2015 in den deutschen Kinos.
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Mink Bekkering

Sonntag, 3. Mai 2015

Opa rief an. »Könntest du noch mal nach Zonneheuvel kommen?«

»Um dir im Garten zu helfen?«, fragte Mink und seine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

»Nein, es geht um etwas anderes. Meine Nachbarin sucht einen Zauberer für das Kinderfest ihres Enkels Luuk.«

Es dauerte einen Augenblick, bevor das bei Mink angekommen war. »Du meinst …«

»Magic Mink! Das klingt doch großartig?«

Mink konnte geradezu hören, wie Opa ins Telefon lächelte.

»Aber ich bin doch noch nie vor echtem Publikum aufgetreten.« Er zögerte.

»Oh, und was bin ich dann?«, fragte Opa. »Eine Schaufensterpuppe? Und deine Eltern und Tante Helga …«

»Familie zählt nicht.«

»Du bekommst fünfundzwanzig Euro dafür«, sagte Opa.

Mink vergaß einen Moment zu atmen. Das war mehr als sein Taschengeld für einen ganzen Monat!

»Hallo?«, fragte Opa. »Bist du noch dran?«

Er könnte ja immer noch so tun, als wäre er eine Reinkarnation von Tommy Cooper. Der ließ seine Tricks absichtlich schiefgehen und war damit weltberühmt geworden.

»Ich mach’s«, sagte Mink.

Am Wochenende danach stand er im Haus von Opas Nachbarin und zog seine präparierte Zauberjacke an. Er war völlig fertig mit den Nerven. Was, wenn dieser Luuk ein verwöhnter Bengel war – so ein Ekelpaket, das sich sogar bei einer Show von Hans Klok zu Tode langweilen würde?

»Fertig?«, fragte Opa. »Sie warten auf dich.«

Mick kam durch die Verandatür, schob die gelben Vorhänge zur Seite …

Eine ganze Wiese voller Kinder. Erwachsene auf Stühlen und Hockern und – Hilfe! – ein paar Jungen und Mädchen in seinem Alter, die auf einer Gartenbank hingen und völliges Desinteresse zur Schau stellten. Er wusste auf einmal, wie sich ihr Mathelehrer Melkers jeden Tag fühlen musste.

Ein zögernder Applaus erklang, als Mink den Garten betrat.

»Ich habe gehört, hier hat jemand Geburtstag?«, rief er. »Aber wer, oh wer?«

Er zauberte eine Girlande aus seiner Innentasche und hängte sie dem Geburtstagskind um den Hals. »Herzlichen Glückwunsch!«

Luuk machte ein völlig verblüfftes Gesicht. »Woher weißt du das denn?«

Der Junge trug eine Krone mit einer Sieben auf dem Kopf! Schlagartig fiel alle Nervosität von Mink ab.

»Magic Mink weiß alles«, sagte er. »Genau wie der Nikolaus.«

Sogar von der Gartenbank kam ein Kichern.

Die Show lief wie geschmiert. Er zauberte Münzen hinter den Ohren des Geburtstagskinds hervor, knotete Ballonhunde und zeigte Tricks mit Softbällen und Karten.

»Könnt ihr ein Geheimnis bewahren?«, fragte er dann.

Alle nickten.

»Eigentlich bin ich kein Zauberkünstler, sondern ein gefährlicher Ninja.«

Er zog eine Spielkarte aus einer Innentasche. »Und das ist meine Geheimwaffe.«

Ein großes, dünnes Mädchen auf der Gartenbank hielt sich die schlaksigen Arme schützend vor ihr Gesicht. »Uh! Passt bloß auf, Leute!«

Das Publikum lachte. Mink starrte sie an. Diese heisere Stimme!

»Würdest du mir assistieren?«, fragte er.

»Von mir aus.« Das Mädchen zwängte sich nach vorn und stellte sich neben ihn.

Sie sah total anders aus, als Mink sie sich im Dunkeln vorgestellt hatte. Ihre kurzen schwarzen Haare waren glatt und wirkten so samtweich, dass er sich zwingen musste, sie nicht kurz zu berühren. Ein eher schmaler als breiter Mund mit nach oben zeigenden Mundwinkeln, der aussah, als würde sie nonstop lächeln.

»Wie heißt du?«, fragte er.

»Jools«, sagte sie.

Mink glaubte nicht, dass sie seine Stimme erkannt hatte. Und wenn doch, hatte sie ein gutes Pokerface.

»Okay, Jools. Hier hast du die Karte und einen Bleistift. Würdest du bitte überprüfen, ob sie irgendwie bearbeitet worden sind?«

Sie kontrollierte die Gegenstände gewissenhaft.

»Nein, da wurde nicht geschummelt«, sagte sie feierlich zu den Kindern.

Er ließ sie den Bleistift an beiden Enden festhalten.

»Seid ihr bereit?«

»Ja!«, riefen die Kinder.

Mink stieß einen Karateschrei aus. Dann zerschlug er den Bleistift mit der Karte.

Na ja, jedenfalls sah es so aus. In Wirklichkeit hatte er hinter der Karte heimlich seinen Zeigefinger ausgestreckt und nach dem Karateschlag blitzschnell wieder zurückgezogen.

»Wie hast du das gemacht?«, fragte Jools erstaunt.

»Ich habe doch gesagt, das ist eine Geheimwaffe.«

»Haha.«

Mink dachte an die zusammengeknoteten Taschentücher in seinem Ärmel – ein endlos scheinendes Band, das eigentlich für das große Finale gedacht war – und zog sie in einer Anwandlung heraus.

»Hier, für den Fall, dass du dir Hachi noch einmal anschaust.«

Ihr Gesicht verwandelte sich in ein einziges Fragezeichen.

»Den Film.«

»Wie bitte?« Sie gab ihm die beiden Bleistifthälften zurück.

»Schon gut.« Offensichtlich hatte er sie damals im Schuppen nicht besonders beeindruckt und er musste zugeben, dass ihn das ziemlich wurmte. »Einen großen Applaus für Jools!«

Mit gerunzelten Augenbrauen mischte sie sich wieder unters Publikum und Mink zeigte noch einen Trick mit einem Plüschkaninchen. Anschließend bekam er seine fünfundzwanzig Euro und alle waren zufrieden. Er sammelte seine Zaubersachen ein und stopfte sie hastig in seine Schultertasche. Wenn er sich ein wenig beeilte, konnte er den nächsten Bus noch kriegen.

Während er zur Haltestelle unterhalb von Zonneheuvel lief, tauchte Jools neben ihm auf.

»Ich weiß es«, sagte sie. »Du bist der Junge vom Schuppen.«

»Und du der Aggressivling, der mich totwerfen wollte.«

»Das tut mir leid.« Sie gab sich große Mühe, schuldbewusst auszusehen. »Ich hätte mich nicht an dir abreagieren sollen.«

»Wohl wahr.«

Ihre Augen leuchteten auf. »Aber du übertreibst schon ein bisschen. Das war mein Schuh, keine elektrische Heckenschere.«

Mink nickte zu ihren Füßen hinunter. »Größe dreiundvierzig kann auch Schaden anrichten.«

»Zweiundvierzigeinhalb«, sagte sie gespielt empört.

»Immer noch Ruderbootgröße. Bist du eigentlich nicht schon viel zu alt für Kinderfeste?«

»Ich war zum Helfen da. Luuks Mutter ist mit Tante Susanne befreundet und hat mich darum gebeten.«

»Musst du dann nicht zurück?«

»Sie können ruhig mal einen Moment auf mich verzichten.«

Vom anderen Ende der Straße kam der Bus.

»Das ist meiner«, sagte Mink.

Jools lief einfach neben ihm weiter. »Von wem hast du so gut zaubern gelernt?«

»Die meisten Tricks hole ich mir aus dem Internet. Aber ich habe auch Bücher und DVDs.«

»Könnte ich das auch lernen?«

»Wenn du jeden Tag übst, vielleicht.« Er dachte an Sebas mit seinen ungeschickten, steifen Fingern. »Manche lernen es nie.«

Mink überquerte die Straße. Jools folgte ihm wie sein Schatten.

»Mir kommt da plötzlich eine großartige Idee«, sagte sie. »Stell dir vor, ich hätte Talent …«

Der Bus stoppte an der Haltestelle.

»Sorry, ich muss los!« Mink begann zu rennen, während er wild die Arme schwenkte, um die Aufmerksamkeit des Fahrers auf sich zu lenken.

Ja, der Bus blieb stehen! Keuchend stieg er ein und setzte sich.

Kaum waren die Türen zu, bollerte Jools an die Scheibe.

Der Fahrer ließ sie rein. »Fast zu spät, Fräulein.«

»Ich muss nur schnell was abgeben.« Sie ließ den Blick schweifen, bis sie Mink sah. »Aus deiner Tasche gefallen.«

Sein Plüschkaninchen! Sobald sie es hochhielt, brachen alle Fahrgäste in Lachen aus. Mink wäre am liebsten im Erdboden versunken.

»Danke!«, sagte er mit zusammengepressten Kiefern und riss ihr das Ding aus der Hand.

»Guck nur, wie er sich über sein Kuscheltier freut«, sagte ein Junge mit einer Berglandschaft aus Pickeln. »Kann er heute Nacht wieder gut schlafen.«

Mink hätte ihn würgen können – und Jools dazu. Mit knallrotem Kopf begrub er das Kaninchen, so tief es ging, in seiner Tasche.

Jools bedankte sich beim Fahrer fürs Warten und rief dann zu Mink hinüber: »Ich schreib dir über WhatsApp!«

Berglandschaft gab ein Grölen von sich.

Jools sah ihn mitleidig an. »Das Kuscheltier ist übrigens ein Zauberkaninchen, Idiot.«

Sie stieg aus.

»Skelettbitch«, murmelte Berglandschaft.

»Du meinst wohl, die hat Feuer«, sagte der Fahrer.

Als Mink ein paar Stunden später bei Sebas im Zimmer saß, bekam er eine Nachricht.

Hab in der Cafeteria von Zonneheuvel einen Zettel ausgehängt.

Zauberer...



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