Muchamore | Top Secret 8 - Der Deal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 08, 448 Seiten

Reihe: Top Secret

Muchamore Top Secret 8 - Der Deal


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-12001-6
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 08, 448 Seiten

Reihe: Top Secret

ISBN: 978-3-641-12001-6
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sein achter Fall – sein Comeback

Der blutige Revierkampf der beiden mächtigsten Drogen-Gangs hält die Unterwelt in Atem – und ruft die CHERUB-Agenten auf den Plan: Der Beginn einer hochgefährlichen Mission! Genau das Richtige für James, um nach seiner Suspendierung endlich wieder undercover zu gehen. Tatsächlich gelingt es ihm, sich bei den berühmt-berüchtigten »Mad Dogs« einzuschleusen – und schon bald eine zentrale Rolle innerhalb der Gang zu spielen. Als sich James an einem Raubüberfall beteiligen soll, kann er seine wahren Agentenqualitäten erneut unter Beweis stellen ...

Überzeugende, sympathische Charaktere und temporeiche Action: "Top Secret" ist brillante Action mit Tiefgang und aktuellen Themen.

Robert Muchamore, Jahrgang 1972, lebt und arbeitet in London. Als Teenager träumte er davon, Schriftsteller zu werden. Er wusste nur nicht, worüber er schreiben sollte. Daher arbeitete er dreizehn Jahre als Privatdetektiv, doch als sich sein Neffe darüber beschwerte, dass es nichts Vernünftiges zu lesen gäbe, beschloss er, das Schreiben wiederaufzunehmen. Seine Agentenreihe TOP SECRET wurde in über 28 Länder verkauft und zum internationalen Millionenbestseller.

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1


Die Toilette in einer Hercules-Transportmaschine ist selbst für ein Flugzeug beengend klein. James Adams’ Schultern berührten zu beiden Seiten die Kunststoffwände, als er sich über die stählerne Kloschüssel beugte und auf die Spuren seines Mittagessens im desinfektionsmittelblauen Wasser schaute.

Von draußen rief seine Freundin Dana Smith: »Alles okay da drinnen?«

James hörte sie bei all dem Maschinenlärm nicht, denn er hatte gerade die Klospülung betätigt und sein Erbrochenes wurde weggesaugt. Er richtete sich auf und betrachtete sich im Spiegel.

Die vergangenen acht Tage hatte er im Dschungel von Malaysia verbracht, und obwohl er regelmäßig Sunblocker aufgetragen hatte, schälte sich seine Haut.

»James!«, rief Dana erneut und hämmerte an die Tür.

»Ich komme ja gleich!«

Der Pappbecherspender war leer, daher spülte James den bitteren Geschmack aus dem Mund, indem er das Wasser in die Handfläche laufen ließ und daraus trank.

»Habe ich dich gerade kotzen gehört?«

James gurgelte und spuckte aus. »Das muss an diesen ekligen Hamburgern liegen, die wir zu Mittag hatten...«

Doch mit dem Essen hatte es nichts zu tun, und Dana wusste das. »Du schaffst das schon, James«, redete sie ihm gut zu.

James trocknete sich die Hände an der Tarnhose ab und zog den Kopf ein, als er durch die niedrige Toilettentür in den riesigen Innenraum des Flugzeugs trat. Seine Hände zitterten so sehr, dass er fürchtete, die Toilette bald wieder aufsuchen zu müssen.

»Ich wusste gar nicht, dass du Höhenangst hast«, empfing ihn Dana grinsend, legte ihm eine schmutzige Hand in den Nacken und küsste ihn auf die Wange.

»Habe ich auch nicht«, wehrte James ab. »Mit Höhen komme ich gut klar, aber ein Sprung aus einem Flugzeug ist ja wohl ein bisschen was anderes.«

»Mich wundert’s, dass du schon so lange ein Cherub bist und noch nie einen Sprung gemacht hast. Ich habe einen in der Grundausbildung gemacht. Und wenn ich es mir genau überlege, bin ich sogar schon davor, als Rothemd, einige Male gesprungen.«

»Ich glaube, ich bringe das nicht«, argwöhnte James, als sie sich schwankend auf den Weg durch den großen Frachtraum machten und das Cockpit hinter sich ließen. Das Schwanken und Schaukeln bekam seinem Magen gar nicht gut.

Die Hercules C5 ist ein Flugzeug mit Doppelfunktion. Für Frachtflüge kann die Maschine mit Lebensmittelpaketen der Vereinten Nationen bis hin zu Challenger-Panzern beladen werden. Kommt das Fallschirmspringerregiment zum Einsatz, werden Sitzreihen auf den Boden geschraubt, und aus den Seitentüren kann binnen neunzig Sekunden eine ganze Kompanie Springer hinausgelassen werden.

Bei diesem Einsatz würden die Kapazitäten des Fliegers nicht ausgeschöpft werden: Nur zwölf Leute würden abspringen. Acht davon waren Zehn- bis Zwölfjährige am Ende ihrer einhunderttägigen Grundausbildung, James und Dana waren fertig ausgebildete Cherubs, und die letzten beiden Springer waren erwachsene Trainer.

Mr Pike war der Trainingsleiter. Er war taff, aber fair, und James brachte ihm großen Respekt entgegen. Bei Mr Kazakov, der erst vor einem knappen Monat eingestellt worden war, war er sich da nicht so sicher. Der Mann war ein Tyrann, was James nur zu gut wusste, nachdem er sich die letzten sieben Nächte ein Zelt mit ihm geteilt hatte.

Wie alle CHERUB-Trainer hatte Kazakov eine beeindruckende Statur. Von Geburt war er Ukrainer. Sein spärliches graues Haar war kurz geschoren, und die Narbe in seinem Gesicht hätte auch einer Actionfigur gut gestanden. Nach seinem Dienst bei den SpezNas — einer Spezialeinheit des russischen Geheimdienstes — und Kampfeinsätzen bei der Invasion von Afghanistan hatte Kazakov zehn Jahre lang SAS-Soldaten in Guerillakampftechniken ausgebildet, bevor er zu CHERUB gekommen war.

»Was treibt ihr zwei Turteltäubchen da eigentlich?«, dröhnte Mr Pike und deutete wütend auf die Absprunguhr.

Die helle LED-Anzeige über der Flugzeugtür zeigte an, dass es bis zum Zielgebiet nur noch einhundertsechsundachtzig Sekunden waren.

»Er macht sich in die Hose«, erklärte Dana.

Mr Pike schüttelte den Kopf. »Nicht zu fassen, dass du noch nie gesprungen bist.«

»Jetzt fangen Sie nicht auch noch an ...«, knurrte James, dem noch mulmiger wurde, als er feststellte, dass Auszubildende, die nur halb so groß waren wie er, bereits den Fallschirm auf den Rücken und das Gepäck vor die Brust geschnallt hatten. Einige von ihnen waren so klein, dass sie kaum über ihr Gepäck hinwegschauen konnten.

Mr Kazakov kontrollierte Springer für Springer: Er prüfte Helme, zog Gurte fest und brüllte herum, wenn etwas falsch war. Gerade knöpfte er sich den zehnjährigen Kevin Sumner vor. Ironischerweise hatte James diesem Jungen vor ein paar Monaten geholfen, seine Höhenangst zu überwinden.

»Was ist das, Sumner?«, tobte Kazakov beim Anblick einer Metallgabel, die sich durch den Stoff des Rucksacks auf Kevins Brust abzeichnete. Kazakov schnallte den Rucksack ab, riss den metallenen Gegenstand heraus und wedelte Kevin damit vor der Nase herum. »Ich habe dir gesagt, du sollst scharfe Objekte dick in etwas Weiches einwickeln! Willst du vielleicht darauf landen? Willst du dich an einem einsamen Inselstrand mit einer Gabel in der Brust wiederfinden, eine Bootsstunde von der nächsten Notaufnahme entfernt?«

James schnallte sich den Fallschirm um, als Kevin schuldbewusst antwortete: »Nein, Sir.«

»Zum Umpacken ist keine Zeit«, schrie Kazakov und warf die Gabel mit einem Schwall russischer Flüche scheppernd durchs Flugzeug. »Die kriegst du nicht wieder! Das wird dir eine Lehre sein, wenn du ab jetzt mit den Fingern essen musst.«

Anders als die Prüflinge musste James keine Ausrüstung mitschleppen, weil das Gepäck der Trainer mit dem Boot angeliefert wurde.

»Einhundertzwanzig Sekunden«, rief Mr Pike. »Hakt euch ein, Leute!«

Dana flüsterte Mr Pike etwas ins Ohr, während sich die acht Auszubildenden aufstellten und die Aufziehleine an ihrem Fallschirm — auch als Reißleine bekannt — in ein Metallseil einhakten, das über ihren Köpfen gespannt war. Die Kinder würden einen Static-Line-Sprung machen, was bedeutet, dass die Aufziehleine sich spannen und den Fallschirm automatisch öffnen würde, wenn sie abgesprungen waren.

Als der Countdown einhundert Sekunden unterschritt, marschierten sowohl Mr Kazakov als auch Dana zu James, der seinen Helm aufgesetzt hatte, sich aber immer noch mit seinem Fallschirm abmühte.

»Mach schon!«, brüllte Kazakov, und ein Spuckeregen ging auf James nieder. »Du bist erbärmlich. Eigentlich solltest du da vorne stehen und den Kleinen helfen!«

Kazakov ergriff James’ Fallschirmgurte und zog sie so stramm, dass es James die Schultern zusammenquetschte. Sein Magen verkrampfte sich, als ihn der große Russe drohend anstarrte.

»Ich kann das nicht«, erklärte er schwach. »Ich bin total am Ende!«

Dana mischte sich ein. »Mr Kazakov, ich habe mit Mr Pike über James gesprochen, und er hat die Absprungreihenfolge geändert. Ich springe als Letzte vor Mr Pike und James als Vorletzter, so kann ich ihn ermutigen, falls seine Nerven versagen.«

Kazakov sah James finster an. »Ich teile mein Zelt nicht mit Feiglingen. Entweder du machst den Sprung, oder du schläfst heute Nacht draußen bei den Spinnen und Schlangen!«

»Ich bin kein kleiner Auszubildender!«, empörte sich James. »Sie können mich nicht herumkommandieren.«

»Sie springen jetzt an sechster Stelle«, erklärte Dana und wies Kazakov diplomatisch in die Schlange der Auszubildenden an der Tür. »Ich werde mich um James kümmern. Sie sollten sich lieber einhaken.«

Als Mr Pike die Flugzeugtür öffnete und Sonnenlicht die düstere Metallröhre flutete, ertönte ein warnendes Summen. Die Zahlen auf der Absprunguhr begannen zu blinken, als der Countdown unter sechzig Sekunden fiel.

»Ich komme mir so blöd vor«, gestand James mit Blick auf die Kinder. »Manche von denen sind erst zehn!«

»Konzentrier dich!«, befahl Dana und fasste mit ihrer behandschuhten Hand nach seiner. »Du bist für so etwas ausgebildet. Jetzt hol tief Luft und bleib ruhig.«

»Einhaken, ihr beiden!«, rief Mr Pike von seinem Platz neben der Tür. »Noch achtzehn Sekunden.«

James kämpfte gegen Magenkrämpfe an, als Dana ihn zu den Auszubildenden zog, die sich längs des Flugzeugrumpfes aufgereiht hatten. Keiner von ihnen sah besonders fröhlich drein, allerdings war auch keiner von ihnen so aufgeregt wie James.

»Viel Glück, Kinder«, rief Kazakov. »Und denkt dran: drei Elefanten zählen, den Schirm checken und vorsichtig steuern, wenn ihr einem anderen Springer zu nahe kommt.«

James und Dana hakten sich in das Metallseil ein, und eine Ankündigung, die laut genug war, um auch in einem Kampfgebiet gehört zu werden, tönte aus dem Lautsprecher neben ihnen.

»Hier spricht der Kopilot. Wir befinden uns über dem Zielgebiet. Der Wind kommt mit neun Knoten aus Nordost, was uns nach meiner Berechnung ein Absprungfenster von achtundfünfzig Sekunden verschafft.«

James sah über die Helme der anderen hinweg, als auf der Countdown-Uhr eine dreifache Null aufleuchtete. Kaum zwanzig Zentimeter vor ihm stand ein elfjähriger Junge, Dana war direkt hinter ihm und hatte beruhigend den Handschuh auf seine Schulter gelegt, und trotzdem fühlte er sich allein.

Ein Teil von ihm hätte gerne den Fallschirm abgeworfen und sich wieder aufs Klo verkrümelt, der andere Teil wusste nur zu genau, wie viel Spott er sich damit auf dem Campus einhandeln würde. Und wenn er seine Nerven in den Griff bekam, wäre er in weniger als zwei Minuten...


Ohlsen, Tanja
Tanja Ohlsen studierte klassische Archäologie und Anglistik in Heidelberg und Berlin. Neben ihrer Tätigkeit auf verschiedenen Ausgrabungen machte sie ihre staatliche Übersetzerprüfung im Fachgebiet Geisteswissenschaften und hat mittlerweile über 150 Titel aus dem Englischen, Norwegischen und Dänischen übersetzt. Wenn sie nicht gerade übersetzt, unternimmt sie mit Vorliebe lange Expeditionen mit dem Seekajak an der norwegischen Küste.

Muchamore, Robert
Robert Muchamore, Jahrgang 1972, lebt und arbeitet in London. Als Teenager träumte er davon, Schriftsteller zu werden. Er wusste nur nicht, worüber er schreiben sollte. Daher arbeitete er dreizehn Jahre als Privatdetektiv, doch als sich sein Neffe darüber beschwerte, dass es nichts Vernünftiges zu lesen gäbe, beschloss er, das Schreiben wiederaufzunehmen. Seine Agentenreihe TOP SECRET wurde in über 28 Länder verkauft und zum internationalen Millionenbestseller.



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