Muelle | Lügen und Betrügen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

Muelle Lügen und Betrügen

Max Ander I
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-86361-757-8
Verlag: Himmelstürmer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Max Ander I

E-Book, Deutsch, 232 Seiten

ISBN: 978-3-86361-757-8
Verlag: Himmelstürmer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Lügen und Betrügen' ist eine funkelnde, unterhaltsame Geschichte mit aktuellem Hintergrund. Ein Buch mit Spannung, Humor und Wortwitz. Nicht nur für Leseratten der Gay Community. Maximilian ist ein Loser. Alle prügeln auf ihn ein: Arbeitgeber, Freundin und Verkehrsteilnehmer im Allgemeinen. Als die Demütigungen überhand nehmen, schreibt Max ein Buch. Allerdings verliert er dabei die Kontrolle und erlebt das, was er schreibt, wie einen realen Traum. Alexander - sein Charakter in der entstehenden Geschichte - ist ganz anders: cool, beliebt und hat ein spannendes Privatleben. Das ist neu für den verachteten Maximilian. Was zunächst für Begeisterung sorgt, verkehrt sich nach wenigen Kapiteln ins Gegenteil. Denn der Autor muss feststellen, dass sein Buchcharakter schwul ist. Aber obwohl er Homosexuelle hasst, kann Max nicht mit dem Schreiben aufhören. Während Alexander sich in seinen millionenschweren Nachbarn verliebt und die sexuellen Kapriolen des schillernden Fabian erlebt, muss Maximilian mit ansehen, wie seine lebenslang unterdrückte Homosexualität hervordrängt. Was macht eigentlich die nicht erwünschte Untermieterin bei ihm, die schon vor Tagen wieder hatte verschwinden sollen? Und dann wird Maximilians Buch richtig rasant: Alexanders dunkle Vergangenheit kommt heraus, er findet sich im Fokus einer Spionageaktion des eigenen neuen Freundes wieder. Ausgerechnet ein Schwule hassender Kommissar soll ihm helfen. Das Finale rast mit einem Porsche Carrera GT ins Sternelokal, bringt Alex mehrfach in Lebensgefahr, bietet eine Verfolgungsjagd mit Fabian als Oma und endet unerwartet. Auch für Maximilian. 'Lügen und Betrügen' ist eine funkelnde, unterhaltsame Geschichte mit aktuellem Hintergrund. Denn noch immer lebt ein Großteil der Homosexuellen versteckt - auch vor sich selbst. Ein Buch mit Spannung, Humor und Wortwitz. Nicht nur für Leseratten der Gay Community.

Marc H. Muelle ist freier Pressereferent in München. Privat schreibt er Bücher über das, was er kennt und liebt: Freunde, Schwulsein und München.

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Maximilian: Ich bin der Sandsack für alle!
Die Ampel leuchtete rot. Max saß in seinem kleinen Ford und stand an dritter Stelle vor der Kreuzung, (und wartete wie allen anderen) Da kam von links, auf der freien Abbiegerspur, ein kleiner Peugeot, der dann aber gar nicht wie vorgeschrieben abbog, sondern sich mit der Schnauze seitlich zwischen den Vorderwagen und sein Auto quetschen wollte. Wäre Maximilian jetzt einfach losgefahren, hätte er den Kleinwagen eventuell geschrammt oder Schlimmeres. Also ließ er sie vor, die Dame im 207. Hinter ihm begann ein Hupkonzert: Alle anderen Autos warteten brav in der Schlange vor der Ampel und dann zog da so eine Tussi mittleren Alters einfach links vorbei, um sich unverschämt vorbei zu drängeln! Ja, in dem Peugeot saß eine Mittdreißigerin, die ihn auch noch triumphierend angrinste. Max fühlte sich schon wieder unter Druck, denn das laute Hupen der anderen dokumentierte hörbar sein Fehlverhalten: er hätte verhindern müssen, dass diese Zicke sich vorpfuschte. Die Frau in dem kleinen Peugeot, jetzt frech vor ihm, zeigte den Stinkefinger. Dabei hatte er gar nichts gemacht – außer sie vorzulassen! „Was muss noch alles passieren, bis du aufwachst?“, hatte ihn seine Freundin Iris vor einer halben Stunde angeschrien. Dabei war er wach! „Der ist ein Schlappschwanz“, hatte ihre Mutter dazu beigesteuert. „So einen hast du nicht verdient.“ Iris fasste sich dann kurz und warf ihn einfach raus. Die Ampel wurde grün und was machte die im Peugeot? Sie würgte ihre vierrädrige Kosmetiktasche ab! Noch mehr Hupen von hinten! Max zog schon mal den Kopf ein. So wie er es auch bei Iris getan hatte. Noch während sie ihn entsorgte, hatte er gefragt, wann man sich denn wiedersehe. „Nicht mehr in diesem Leben!“, hatte sie ihm hinterher gebrüllt. Max konnte sie ja verstehen: Er sah nicht besonders gut aus und hatte auch keine besonderen Fähigkeiten. Was aber auch nicht der Grund ihres anfänglichen Interesses war: die Mutter hatte beschlossen, dass ein Bankkaufmann der Familie gut stünde. Mann, hatte die sich verrechnet! Die Frau im Auto vor ihm hatte den Anlasser gefunden und fuhr endlich an, sie rutschte soeben noch bei dunkelorange über die Kreuzung. Max musste bei rot halten. Wieder mal ausgetrickst! Und hinter ihm hupte man fröhlich weiter. Eigentlich hätten sich alle über die Vorpfuscherin aufregen müssen. Stattdessen waren sie sauer auf ihn, weil er sich nicht gewehrt hatte! Dass er nicht das schärfste Messer im Besteckkasten war, hatte Iris ihm heute deutlich gesagt. Völlig überflüssig, denn sein Filialleiter war ihr zuvorgekommen: „Sie mögen ordentlich und pünktlich sein, aber das reicht heutzutage nicht mehr!“, hatte der Niederlassungschef geäußert und ihm ein Schreiben hingehalten: Abmahnung! „Sie schaden dem Image unseres Hauses. Schauen Sie sich nur mal Ihre Krawatte an, die sieht ja aus wie eine historische Speisekarte: Auszüge Ihrer letzten zwanzig Mahlzeiten.“ Maximilian war sich bewusst, dass das eine sarkastische Aussage gewesen war. Aber wie reagiert man darauf? Entweder schlagfertig und schnell, oder gar nicht! Er hatte die Gelegenheit verpasst. Mal wieder. „Und dann Ihr Geruch. Wie oft duschen Sie in der Woche?“ Max wusste sehr genau, dass Geruchsbelästigung kein Kündigungsgrund sein durfte. Der Filialleiter machte einen daraus, fast. „Wenn man in Ihrer Nähe steht, wird der Drang, eine frische Dusche zu nehmen, überwältigend! Sie sind als Kontoführer im direkten Kundenkontakt. Da müssen Sie schon auf Ihre Ausdünstungen achten!“ Eigentlich hätte Maximilian sich mit dieser Abmahnung nur an den Betriebsrat wenden müssen, denn keiner der angegebenen Gründe war rechtlich tragbar. Zugleich wusste Max aber, dass er nichts dagegen unternehmen würde. Die Ampel sprang wieder auf grün und er fuhr endlich weiter. Nach zwei Kreuzungen war er zu Hause. „Hast du dir deine Wohnung mal wirklich angesehen?“, hatte Iris ihn zwischendurch angeschnauzt. Warum war er eigentlich zu ihr gefahren? Wahrscheinlich, um seelischen Beistand nach der Abmahnung in der Bank zu bekommen. Max schüttelte den Kopf: Hatte er wirklich daran geglaubt? Ja, er war so blöd. Dabei hätte er sich an einer Fingerkuppe abzählen können, dass sie in dieselbe Kerbe hackte: „Meine Güte, schau dich doch mal an! Sieht so ein Bankkaufmann aus?“ Die Vorlage hatte ihre allgegenwärtige Mutter geliefert. Es war unvermeidbar, dass auch die Schwiegerplage von der beruflichen Schmach erfuhr. Und sie hatte dann auch beschlossen: „So eine Null passt nicht zu meiner Tochter!“ Was dann die Tochter auch fand, wie gesagt: Rauswurf. Max bog in seine Wohnstraße ein und suchte einen Parkplatz. Einige Lücken waren zwar da, aber in die hätte höchstens ein Smart gepasst. So suchte er weiter, bis er eine Stelle fand, die groß genug schien. Er fuhr an der Parkbucht vorbei, hielt an und legte den Rückwärtsgang ein. Zum Glück schaute er noch mal nach hinten, denn soeben wetzte eine Frau mit einem Smart frech voraus in genau diese Lücke! Warum konnte sie nicht die kleinere nehmen? Natürlich passte ihm das nicht. Natürlich wurde er wütend. Natürlich hätte er jetzt aussteigen müssen, um dieser Tussi den Marsch zu blasen! Max aber fuhr weiter, bis er nach einigen weiteren hundert Metern seinen Wagen abstellen konnte. Zum Psychiater, hatte Iris gesagt, solle er gehen. Weil er so gar nicht ins gesellschaftlich geforderte Raster passen wollte. Jetzt überlegte er, ob eine psychologische Beratung vielleicht wirklich angebracht war. Schließlich wollte er sie nicht verlieren, seine Arbeitsstelle. Der Verlust seiner Freundin schien sich emotional in Grenzen zu halten. Max schloss die Haustür auf. Im Hausflur hingen die Briefkästen und seiner war mal wieder mit Reklame vollgestopft. Dabei hatte auch er einen kleinen Bitte keine Werbung – Aufkleber unter dem Einwurf. Okay, der sah nicht so gefährlich aus, wie auf dem Briefkasten des Computerfreaks vom ersten Stock links. Da prangte eine schwarz-rote Warnung: „Keine Werbung – keine Zeitschriften – keine Anzeigenblätter! Alles wird unfrankiert zurückgeschickt! Sie werden angezeigt!“. Das fand Max dann doch ein wenig krass. Aber es schien zu wirken. Während er an den hineingestopften Wurfzetteln rumzupfte, die sich gegenseitig verfaltet hatten, zerriss er dabei den einzigen wirklich an ihn gerichteten Umschlag: die Stromrechnung. Mist! Und natürlich gab es keinen Papierkorb im Hausflur: Feuergefahr. Also stopfte Maximilian sich die zerrupften Reste der Rechnung in die rechte Hosentasche und die Faltblätter aller gängigen Billigmärkte, die Wurfzettel von Nagelpflege und Umzugsservice, Flyer vom Pizzaboten, dem nächsten Inder und vom Chinesen um die Ecke, das als Stadtteilbote verkleidete Anzeigenblatt und den eingerissenen Katalog vom Elektronikmarkt, bei dem er sein Lebtag noch nie eingekauft hatte, unter den Arm und machte sich auf den Weg nach oben, zu seiner Wohnung. Komisch, aber dass seine Liebesbeziehung beendet sein sollte, belastete ihn überhaupt nicht. Viel schlimmer war die Gefahr, den Arbeitsplatz zu verlieren. Und das nur, weil er nicht immer die neueste Mode trug! Lahme Füße krochen langsam Stufe um Stufe nach oben. Am Absatz vor der ersten Etage blieben sie stehen und ließen den Augen genügend Zeit, triste Wände und den 40 Jahre alten Linoleumboden zu bewundern. Eine Hälfte der unter seinem Arm gesammelten Werbeblätter fiel zu Boden und als er sich bückte, um sie aufzuheben, rauschte der zweite Teil hinterher. Hilflos stöhnend stellte Max seine Tasche ab und klaubte den Müll wieder ein. Dann ging er weiter nach oben. Waren es Iris’ Worte, die ihm durch den Kopf gingen, oder die des Filialleiters? Sie hatte ihm gesagt, dass er auf jeden Fall umziehen müsse. Weg aus dieser günstigen, aber sozial wenig akzeptablen Gegend. Hier konnte man ja niemanden mit hinnehmen! Und dieser Geruch im Treppenhaus! Der Filialleiter hatte ihm nur empfohlen, sich umzuziehen. Wenn möglich in was frisch Gewaschenes; falls notwendig auch eine ganze Wohnung – ob Max das firmeneigene Hypothekenprogramm kenne? Was von beidem war jetzt schlimmer? Es war doch nichts Falsches, in einem älteren Haus mit günstigen Bedingungen zu wohnen, und das auch noch mitten in der Stadt. Okay, auch wenn das Treppenhaus einmal die Woche geputzt wurde, es hatte inzwischen einen Eigengeruch, der sich nur mittags, wenn die meisten kochten, veränderte. Ansonsten war es ein leicht säuerlicher Fäulnisdunst. „Alte Leute riechen halt mal so!“, brummte Max und machte sich daran, die nächste Treppe zu erklimmen, belehrend fordernde Worte seiner Freundin im Ohr. Korrektur: Ex-Freundin. Schritt für Schritt näherte er sich der zweiten Etage. Okay, er entsprach nicht den Ansprüchen eines Bankers! Max musste zugeben, dass sein Chef zum Teil wirklich Recht hatte: Vom Träger einer bekleckerten Krawatte erwartete man weniger...



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