Müller | Klare Worte, starke Teams | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 124 Seiten

Müller Klare Worte, starke Teams

Kommunikation im Kinder- und Jugendsport
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-7963-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kommunikation im Kinder- und Jugendsport

E-Book, Deutsch, 124 Seiten

ISBN: 978-3-6957-7963-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Klare Worte, starke Teams zeigt, wie Kommunikation im Kinder- und Jugendsport zu einem der wichtigsten Werkzeuge für gelingendes Training wird. Kindertraining ist lebendig, emotional und manchmal chaotisch. Trainerinnen und Trainer erleben immer wieder ähnliche Situationen: Unruhe beim Erklären, Zwischenrufe, Frust nach Niederlagen, Konflikte im Team oder Diskussionen am Spielfeldrand. Dieses Buch hilft, genau diese Situationen besser zu verstehen und souverän zu gestalten. Statt theoretischer Modelle bietet es praxisnahe Einblicke aus dem Trainingsalltag und zeigt anhand konkreter Beispiele, wie Kommunikation Orientierung geben kann. Viele Szenen werden aus verschiedenen Perspektiven betrachtet: Aus Sicht der Kinder, der Trainer und teilweise auch der Eltern. Dadurch wird sichtbar, warum bestimmte Dynamiken entstehen und wie Trainerinnen und Trainer ruhig, klar und wirksam reagieren können. Das Buch verbindet Erfahrung aus der Trainingspraxis mit verständlichen pädagogischen Impulsen. Es zeigt, wie Trainerinnen und Trainer eine Atmosphäre schaffen können, in der Kinder sich sicher fühlen, Verantwortung übernehmen und als Team wachsen. Im Mittelpunkt stehen praktische Werkzeuge für den Trainingsalltag, zum Beispiel: - Aufmerksamkeit und Ruhe in der Gruppe herstellen - Zwischenrufe und Unruhe konstruktiv begleiten - Frust nach Niederlagen auffangen - Konflikte im Team lösen - Motivation und Eigenverantwortung stärken - Gruppeneinteilungen fair gestalten - klare und hilfreiche Sprache im Training nutzen Das Buch richtet sich an Trainerinnen und Trainer im Kinder- und Jugendsport, besonders im Fußball, aber auch in anderen Teamsportarten. Ebenso profitieren Übungsleiter, Sportlehrkräfte und engagierte Eltern, die Kinder im Sport begleiten. Es ist kein theoretisches Lehrbuch, sondern ein praxisnaher Begleiter für Trainerinnen und Trainer, die mit Klarheit, Freude und innerer Ruhe führen möchten. Denn gute Kommunikation ist kein Zusatz im Training. Sie ist der Schlüssel zu starken Teams.

Stephanie Müller bringt jahrelange Erfahrung im Kinder- und Jugendbereich mit: als Trainerin auf dem Fußballplatz, als Mutter und als Expertin für bewegtes Lernen und gelingende Kommunikation mit Kindern. Sie arbeitet intensiv in Schulen, Vereinen und weiteren Kinder-Settings, um Bewegung, Sozialkompetenz und Lernfreude miteinander zu verbinden. Für Sportvereine und Lehrkräfte bietet sie Schulungen an. Mit ihrem Ansatz bei 2b4kids setzt sie bewegte Lerneinheiten um, bei denen spielerische Bewegung, Teamdynamik und motivierende Medienimpulse genutzt werden, um Kinder zu aktivieren und ihre Aufmerksamkeit zu fördern, mit Fokus auf Spaß, Motivation und positive Gruppenprozesse. Als Mutter von drei fußballbegeisterten Kindern kennt die Autorin die Dynamiken zwischen Training und Alltag aus erster Hand. Diese persönlichen Erfahrungen fließen direkt in ihre Arbeit ein: Sie weiß, wie wichtig eine klare, wertschätzende Ansprache auf dem Platz ist und wie sehr sich eine entspannte Kommunikation auf Beziehung und Trainingserfolg auswirkt. Dieser Blick von innen heraus macht ihren Zugang besonders praxisnah und lebendig, für Trainierinnen und Trainer, für Kinder und für pädagogische Fachkräfte, sowie für Eltern gleichermaßen. Die tägliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat ihren Blick für das geschärft, was Training wirklich trägt: Beziehung, Orientierung und Vertrauen. Dieses Wissen nutzt sie, um in Theorie- und Praxiseinheiten vor Ort, Lern- und Trainingsräume bewusst zu gestalten.
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TEIL II – Konkret Handeln


7. Die richtige Nummer wählen


Bevor wir in konkrete Situationen und Handlungsmöglichkeiten gehen, möchte ich ein Bild mit dir teilen, das vieles im Umgang mit Kindern verständlich macht. Eine kleine Metapher, die man, einmal verstanden, im Trainingsalltag immer wieder erkennt.

In diesem Buch hast du bereits gelesen, wie wichtig Kommunikation im Training ist. Vielleicht denkst du dabei: „Ich bin doch Sporttrainer und kein Pädagoge.“ Und das stimmt. Du bist Trainer, wahrscheinlich ehrenamtlich, mit Herz und Leidenschaft. Du möchtest Kindern dein Hobby ermöglichen und selbst Freude an deiner Aufgabe haben.

Gerade deshalb ist Kommunikation entscheidend. Wenn du langfristig motiviert bleiben und positiv wirken möchtest, dann reicht ein guter Trainingsplan nicht aus. Es braucht die Bereitschaft, Verbindung herzustellen.

Denn selbst das beste Thema nützt nichts, wenn die falsche Nummer gewählt wird. Wähle ich statt der 54311 die 54322, kommt kein Gespräch zustande. Nicht, weil der Inhalt schlecht ist, sondern weil keine Verbindung entsteht.

Genauso im Training: Erst wenn es „klingelt“ und jemand innerlich abhebt, dann kann Information fließen. Die richtige Nummer steht sinnbildlich für die passende Art der Ansprache. Es geht nicht nur darum, was du sagst, sondern darum, ob du dein Gegenüber innerlich erreichst. Erst wenn deine Worte Beziehung herstellen und das Kind sich angesprochen und gesehen fühlt, entsteht Verbindung, und damit die Grundlage für wirksame Kommunikation.

8. Fünf Situationen, die jeder Trainer kennt


Dieses Kapitel begleitet dich durch fünf Situationen, die im Training immer wiederkehren. Es gibt dir keine starren Rezepte an die Hand, sondern klare, strukturierte Vorgehensweisen mit nachvollziehbaren Schritten und praktischen Formulierungen, die du direkt im Trainingsalltag nutzen kannst.

Denn genau in den Momenten, in denen es unruhig wird, Emotionen hochgehen oder scheinbar Chaos entsteht, braucht es Orientierung. Nicht Theorie. Nicht Druck. Sondern Sicherheit im Handeln.

1. Unruhe beim Erklären

2. Zwischenrufe

3. Frust nach Niederlagen

4. Übermotivation / Reingrätschen

5. Wenn Verhalten herausfordert

Situationen, die dich herausfordern können, und die gleichzeitig Entwicklungsmöglichkeiten in sich tragen.

Die beschriebenen Methoden verstehen sich als Werkzeuge. Als kleine Anker im Alltag. Als innere Struktur, auf die du zurückgreifen kannst, wenn es laut wird, wenn Gefühle hochkochen oder wenn du selbst merkst, dass dich etwas trifft. Sie geben dir Halt, damit du Halt geben kannst.

Die fünf Situationen bilden eine Grundlage. Später im Buch schauen wir auf weitere Trainingsrealitäten und darauf, wie sich ähnliche Dynamiken dort zeigen.

8.1. Unruhe beim Erklären


Unruhe beim Erklären gehört zu den häufigsten Situationen im Kindertraining. Bälle rollen weiter, werden geprellt oder dem Mitspieler an den Kopf geworfen. Kinder reden dazwischen, zwei schubsen sich oder machen Ringkämpfe. Und währenddessen versuchst du, eine Übung zu erklären.

Je länger du redest, desto unruhiger wird es. Laut werden oder Drohungen aussprechen wird hier nicht helfen. Häufig fehlt den Kindern in diesem Moment schlicht eine klare Orientierung.

Was passiert hier? Kinder können ihre Aufmerksamkeit noch nicht lange bewusst steuern, Bewegung ist für sie ein natürlicher Grundzustand. Fehlt eine klare Struktur, richtet sich die Energie der Gruppe nicht auf die Aufgabe, sondern aufeinander: Einer beginnt zu reden, der Nächste reagiert, zwei fangen an zu toben und die Unruhe breitet sich schnell aus.

Dein Ziel: Du möchtest Aufmerksamkeit bündeln und aus dem Durcheinander einen gemeinsamen Startmoment machen. Ruhig und klar beginnen, ohne zu schimpfen oder zu drohen.

Methode 1: Der klare Übergang

Eine Erklärung beginnt nicht mitten im Chaos. Sie beginnt mit einem bewussten Übergang. Bevor du mit der Erklärung beginnst, sorgst du dafür, dass die Bälle ruhig liegen, dass die Kinder sichtbar gesammelt stehen oder sitzen und dass es einen Moment der Ruhe gibt. Dies kannst du mit einem einfachen Satz erreichen:

„Wenn alle Kinder leise sind, dann erkläre ich die Aufgabe.“

Du sagst das langsam und entspannt, je nach Situation auch leise. Nicht genervt. Nicht drängend. Sondern präsent. Dieser kurze Moment verändert die Dynamik. Du startest nicht gegen die Unruhe, sondern erst dann, wenn Aufmerksamkeit möglich ist. Damit sendest du eine klare Botschaft: Wir beginnen gemeinsam.

Dieser Satz droht nicht. Er erklärt die Bedingung ohne zu erpressen. Er verschiebt die Verantwortung in die Gruppe. Und sobald Ruhe entsteht, beginnst du, klar, ruhig und gesammelt. So wird aus einem wilden Durcheinander ein gemeinsamer Startpunkt.

Die Idee der Wenn–Dann-Pläne stammt aus der Motivationspsychologie und geht auf die Forschung von Peter Gollwitzer zurück. Wer eine typische Trainingssituation bewusst mit einer klaren Reaktion verknüpft (Wenn …, dann … ), erhöht die Wahrscheinlichkeit, im entscheidenden Moment ruhig, klar und handlungsfähig zu bleiben, gerade unter Druck.3

Wichtig bei dieser Methode: Deine Haltung muss deine positive Vision der ruhigen und aufmerksamen Gruppe ausstrahlen. Du musst darauf vertrauen, dass es leise wird und dir selbst, wie auch der Gruppe die notwendige Zeit und Geduld geben.4

Methode 2: Kurz erklären, sofort starten

Kinder brauchen keine langen Ansprachen. Sie brauchen Klarheit, Tempo und einen schnellen Übergang ins Tun. Je länger wir reden, desto größer wird die Unruhe. Gedanken wandern, Bälle beginnen wieder zu rollen, erste Gespräche entstehen. Nicht aus Absicht, sondern weil Kinder Bewegung brauchen.

Deshalb gilt: Maximal zwei bis drei Sätze. Klar. Konkret. Verständlich. Dann vormachen. Und starten lassen.

Statt einer langen Erklärung wie: „Also, ihr dribbelt jetzt hier entlang, passt dann dort rüber und achtet bitte auf Abstand und Technik“ hilft eine einfache, klare Ansage: „Du startest hier. Du dribbelst bis zum gelben Hütchen. Dann passt du weiter. Ich zeige es einmal.“

Mehr braucht es nicht. Kinder lernen durch Sehen und Tun. Wenn sie ins Handeln kommen, entsteht Fokus. Wenn sie in Bewegung sind, sammelt sich Aufmerksamkeit fast von selbst. Unruhe entsteht oft nicht deshalb, weil Kinder nicht wollen, sondern weil wir zu lange erklären.

Kurz erklären. Vormachen. Starten lassen.

Methode 3: Blickführung und Raum halten

Wenn Kinder während deiner Erklärung anfangen zu reden, brauchst du nicht sofort lauter zu werden. Du musst auch nicht dagegen ansprechen. In solchen Momenten kann eine kurze Pause wirken. Ruhig bleiben. Den Satz nicht zu Ende bringen. Den Blick gelassen durch die Gruppe schweifen lassen.

Nicht fixierend. Nicht tadelnd. Nicht suchend nach einem „Schuldigen“. Einfach präsent.

In diesem Moment entsteht ein stiller Raum. Deine Haltung spricht, bevor deine Worte es tun. Die Kinder spüren, dass etwas wichtig ist. Dass du nicht kämpfst, sondern führst. Oft beginnt die Gruppe sich von selbst zu regulieren. Einzelne werden ruhiger, andere folgen, und langsam sammelt sich die Aufmerksamkeit wieder.

Deine Präsenz wirkt stärker als Lautstärke. Sie gibt Orientierung, ohne Druck aufzubauen. Wenn du ruhig bleibst, können die Kinder sich an dir ausrichten. Sie lernen, dass Führung nicht laut sein muss. Dass Klarheit auch leise entstehen kann.

Vertraue darauf, dass deine nonverbale Kommunikation wirkt. Manchmal ist genau dieses ruhige Aushalten der stärkste Impuls im ganzen Training.

Du hältst den Raum. Du bleibst ruhig. Du nimmst niemandem Würde, aber du gibst der Gruppe klare Orientierung. Und genau dadurch entsteht wieder Ruhe.

Methode 4: Führung zurückholen, ruhig und klar

Manchmal entsteht Unruhe nicht durch Lautstärke, sondern durch Verschiebung von Rollen. Ein Kind übernimmt plötzlich deine Aufgabe und ruft in die Gruppe: „Der Trainer hat gesagt, ihr sollt leise sein!“ oder „Habt ihr nicht gehört, was er gesagt hat?“ Es wirkt zunächst unterstützend. Doch oft steckt dahinter mehr: Der Wunsch nach Kontrolle, nach Einfluss oder nach Aufmerksamkeit.

In diesem Moment entsteht eine zweite Führungsebene. Kinder beginnen, andere Kinder zu steuern. Und genau hier ist es wichtig, die Verantwortung wieder ruhig zu dir zu holen, nicht streng, nicht abwertend, sondern klar.

Du unterbrichst freundlich und eindeutig: „Danke, das ist meine Aufgabe.“

Damit schützt du die Struktur. Du verhinderst, dass sich Kinder gegenseitig korrigieren oder kontrollieren. Gleichzeitig stellst du das helfende Kind nicht bloß. Du würdigst die Absicht aber du hältst die Rolle.

Wenn es passt, kannst du später ergänzen: „Ich sehe, dass du helfen wolltest. Danke dafür. Aber ab jetzt übernehme ich wieder das Leiten.“

So lernen Kinder zwei Dinge: Erstens: Führung liegt beim Trainer. Zweitens:...



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