E-Book, Deutsch, 184 Seiten
Müller Legal Tech
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-5754-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Praxishandbuch
E-Book, Deutsch, 184 Seiten
ISBN: 978-3-6957-5754-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Peter Müller ist Volljurist und seit über acht Jahren als Legal Engineer tätig. Er hat in dieser Zeit mit verschiedenen No-Code-Anwendungen gearbeitet, diverse Projekte und Produktentwicklungen begleitet und ein Legal-Engineering-Team aufgebaut.
Autoren/Hrsg.
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B. Funktionen und ihre Umsetzung
Der Begriff Funktion dient hier als Oberbegriff im Sinne von Werkzeug sowohl für einzelne Aufgaben als auch für eine Verbindung von Aufgaben zu mehrteiligen, komplexeren Teilen der potenziellen No-Code-Software. Im Rahmen der Umsetzung geht es jeweils um die Gestaltung im Sinne von Methode und Design.
I. Dokumentengenerierung
Die Dokumentengenerierung beinhaltet die Arbeitsoberfläche des Legal Engineers zur Umsetzung der Automatisierung und die Arbeitsoberfläche des Anwenders, der die Automatisierung zur Generierung des Dokuments nutzt.
Dokumentengenerierung ist in diesem Kontext die inhaltliche und formale Erzeugung eines Dokuments auf der Grundlage der Automatisierung und der jeweiligen Anwendereingaben.
Im Folgenden wird zunächst auf die Anforderungen für das Legal Engineering eingegangen.
1. Erstellung der Automatisierung
Wenn in diesem Abschnitt von Automatisierung gesprochen wird, dann ist jene in Bezug auf die Generierung von Dokumenten gemeint, andernfalls wird ein Zusatz verwendet.
Automatisierung ist im vorliegenden Kontext das Instrument, mit dem Regeln und Abläufe für die selbsttätige Erzeugung des Dokuments definiert werden.
Im Funktionskomplex der Automatisierung werden zum einen die Voraussetzungen für die Einbindung der Texte in das Dokument und ihr Format als Abhängigkeit von konkreten Nutzereingaben und Auswahlentscheidungen festgelegt und zum anderen wird die Abfrage dieser Eingaben und Auswahlentscheidungen erzeugt.
Wesentliche Arbeitsschritte bei der Erstellung der Automatisierung sind der Import des Musters bzw. der Kunden-Vorlage, die Bearbeitung der Vorlage, die Erstellung der Abfrage notwendiger Eingaben und Antworten, die Definition von Voraussetzungen und Bedingungen für Textpassagen und Formate sowie die Verknüpfung der Vorlage mit solchen Eingaben, Entscheidungen und Bedingungen.
Vorlage ist im vorliegenden Kontext der Text einschließlich aller Elemente, Varianten und Optionen, der innerhalb der Anwendung hinterlegt ist, und nach entsprechender Verknüpfung die Basis für die Generierung der Dokumente bildet.
Dokument meint im vorliegenden Kontext das Erzeugnis, das auf Basis der Automatisierung mit der Anwendung generiert wird.
Im Hinblick auf die Vielzahl der einzubindenden Funktionen und dem oft hohen Schwierigkeitsgrad in diesem Arbeitsbereich wird zunächst auf die grundlegende Gestaltung der dafür notwendigen Arbeitsoberfläche eingegangen.
a) Gestaltung der Arbeitsoberfläche
Zu diesem Zweck werden die diesbezüglichen Bedürfnisse des Legal Engineers etwas näher beleuchtet und verschiedene Möglichkeiten diskutiert, solche Funktionen umzusetzen.
aa) Kombination von Ebenen
Der Fokus des Legal Engineers liegt zum einen auf dem Inhalt der Vorlage, so dass ein unbeschränkter Zugang zu dieser Vorlage und der Überblick über den gesamten Text essenziell sind. Zum anderen ist die zentrale Tätigkeit des Legal Engineers darauf gerichtet, Bedingungen für die Einbindung variabler Textpassagen anzulegen, weswegen ein Überblick über diese Abhängigkeiten und ihr Zustandekommen mindestens genauso wichtig sind.
Zudem müssen sich die Abfragen von Daten und Antworten, welche die Basis für die Auswahl von Textpassagen und Formaten bilden, sinnvoll organisieren lassen.
Wird die Sichtbarkeit von Textpassagen abhängig von den Befehls- und Organisationsfunktionen gemacht, gehen der Überblick über die Gesamtheit der Vorlage und die Möglichkeit, sich im Text zu orientieren und gegenzulesen, verloren. Der Grad an Abstraktion und die damit verbundenen Anforderungen an das Vorstellungs- und Erinnerungsvermögen erhöhen sich extrem, wodurch die Arbeit wesentlich anstrengender und fehleranfälliger wird.
Eine Zusammenführung der Arbeitsebenen, indem man beispielsweise Zuweisungen und Organisation direkt fortlaufend am Text vornimmt, verursacht den bereits ausgeführten Volumenzuwachs und den damit verbundenen zusätzlichen Lese- und Orientierungsaufwand.
An dieser Stelle hat sich ein Nebeneinander von Text- und Befehlsebene bewährt, wobei die Befehlsebene sowohl die Elemente mit inhaltlicher Relevanz selbst als auch ihre Organisation enthält.
Innerhalb der jeweiligen Ebene muss man frei navigieren und arbeiten können, da die Inhalte der Textebene nicht zwingend linear zu den Elementen der Befehlsebene relevant sind.
Mit Hinblick auf die durch die jeweilige Bildschirmgröße begrenzte Ansicht sollte es möglich sein, die Ebenen auszublenden und so bei Bedarf die Ebene fokussieren zu können, auf der gerade gearbeitet wird.
In diesem Zusammenhang sollten auch eine Vergrößerung der Ansicht und eine Suchfunktion für Begriffe auf jeder Ebene für sich zur Grundausstattung gehören.
Eine weitere wesentliche Weiche in der Gestaltung der Arbeitsoberfläche wird dadurch gestellt, welche Form für die Befehlsebene gewählt wird.
bb) Form der Befehlsebene
Dreh- und Angelpunkt auf dieser Ebene sind die Fragen und Antworten, anhand derer die Auswahl der alternativen oder optionalen Textpassagen ausgeführt werden soll.
Das können Ja-Nein-Fragen, eine Auswahl von vorgegebenen Begriffen oder Aspekten oder die Erfragung von Daten sein. Antworten und Eingaben können direkt oder in Kombinationen entscheidend sein.
Um bei der Erstellung der Abfragen und der Relevanz der Antworten und Eingaben und ihrer Kombinationen für die Generierung des Dokuments eine gute Orientierung und ein effizientes Arbeiten zu ermöglichen, bedarf es einer passenden Methode.
(1) Textform
Als naheliegend und angenehm wird oft die bekannte und vertraute Textform empfunden.
Alle Aspekte, Verknüpfungen, Abhängigkeiten und Prioritäten unterscheidbar für jede Variable als Text auszudrücken, erzeugt jedoch seinerseits eine Menge zusätzlichen Textes. Einzelne Informationen müssen dann immer erst aus dem Text herausgefiltert und lesend erschlossen werden.
Eine Abbildung von Fragen und den jeweils dazugehörigen Antwortmöglichkeiten, der Beziehung dieser Antwortmöglichkeiten zueinander, der Bedeutung für weitere Fragen und Antworten und letztendlich der Anweisung für das Dokument könnte als Text beispielsweise so aussehen:
Auf Frage 1 gibt es Antwort 1 und Antwort 2. Antwort 1 und Antwort 2 können nur alternativ ausgewählt werden. Antwort 1 bewirkt die Einbeziehung von Frage 2. Auf Frage 2 gibt es Antwort 3, Antwort 4 und Antwort 5. Antwort 3, Antwort 4 und Antwort 5 können optional ausgewählt werden. Die Auswahl von Antwort 4 bewirkt die Einbeziehung von Text xy.
Als verkürzter Text:
Frage 1: Antwort 1 oder Antwort 2, wenn Antwort 1, dann Frage 2: Antwort 3 und/oder Antwort 4 und/ oder Antwort 5. Wenn Antwort 4, dann Text xy.
Mit Abkürzungen:
F1: A1 oder A2, wenn A1, dann F2: A3 und/ oder A4 und/oder A5. Wenn A4, dann Text xy.
Für wenige, einfache Bedingungen mag das noch funktionieren, aber wenn man bedenkt, dass dies nur eine Variante von vielen in der Vorlage darstellt und diese zudem noch nicht die Ausformulierung für die konkreten Fragen und Antworten enthält, wird schnell klar, wieviel mehr Text hier für komplexere Vorlagen aufgewendet werden muss. Und je mehr Text, desto größer ist der Bedarf an Orientierung.
Der Ansatz, solche Texte in Anlehnung an Inhaltsverzeichnisse in Dokumenten anhand von Labeln und Hierarchien zu organisieren, lässt sich aus den folgenden Gründen nicht übertragen.
Die Beziehung zwischen den einzelnen Labeln im Inhaltsverzeichnis ist immer gleich, sie entspricht in der Bedeutung einem „Und“ und zeigt die Reihenfolge der Wiedergabe an. Lediglich die Hierarchie der Label variiert entsprechend ihrer Nummerierung.
Diese Linearität ist für eine Automatisierung unzureichend.
Zum einen finden nicht zwingend immer alle Elemente Anwendung im Sinne einer „Und“-Verknüpfung, denn welche Fragen in der konkreten Anwendung „gelesen“ werden, kann ebenfalls bedingt werden.
Zum anderen können die Beziehungen der Bedingungen nicht nur anders als „Und“, sondern auch mehrgliedrig und wesentlich komplexer sein, wodurch Reihenfolge und Hierarchie in solchen Konstellationen ihre Bedeutung verlieren.
Text für sich ist daher kein geeignetes Medium zur Abbildung derartiger Sachverhalte.
(2) Mathematische Elemente
Mit Hinblick darauf, dass sich in der Praxis tatsächlich oft Bedingungen aus einer Kombination von Antworten auf verschiedene Fragen zusammensetzen, kommt eine Anlehnung an mathematische Formeln in Betracht.
Ein Beispiel mit drei Fragen:
F1: A1 oder A2, wenn A1, dann F2: A3 und/oder A4 und/oder A5, wenn A2, dann F3: A6 und/ oder A7. Wenn A3 und A6 oder A4 und A7, dann Text xy.
Als Text ist nicht eindeutig, welche Antworten in welcher Verbindung mit anderen Antworten die Bedingung abbilden. Präziser ist dies durch die Einbeziehung mathematischer...




