E-Book, Deutsch, 329 Seiten
Mueller Nocturnes. Dressed in Darkness
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-646-60993-6
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
: Enemies-to-Lovers-Romantasy über eine verbotene Liebe zwischen einer Vampirin und einem Werwolf
E-Book, Deutsch, 329 Seiten
ISBN: 978-3-646-60993-6
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carina Mueller wurde 1984 im schönen Westerwald geboren, wo sie heute immer noch lebt und arbeitet. Neben ihrem Hund und ihren Pferden zählte das Lesen schon immer zu ihren größten Hobbies, woraus sich dann die Idee entwickelte, eigene Romane zu schreiben. Sie selbst liebt Jugendbücher und auch Fantasy-Romane, vor allem die ganz spannenden, weshalb sie auch in diesen Genres schreibt.
Autoren/Hrsg.
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1. Kapitel
Ein gefährlicher Plan
»Es sind schon wieder zwei Vampire verschwunden, König Vlad.«
Ich hörte, wie mein Vater scharf ausatmete, danach folgte erst einmal Stille. Angespannt lauschte ich an der massiven Holztür seines Arbeitszimmers, doch er und der Kommandant der königlichen Wache schienen zu schweigen. Hätte ich mir denken können. Als Vampirin waren meine Sinne überdurchschnittlich gut ausgebildet. Ich müsste mich eher anstrengen, Dinge zu hören. Nach einer gefühlten Ewigkeit ergriff mein Dad das Wort.
»Hat man etwas gefunden, was Aufschluss über den Verbleib der Vampire geben könnte?«
»Eure Majestät sprechen von Fell, einer abgebrochenen Kralle oder einem Reißzahn …« Das war keine Frage gewesen. Mein Dad und der Kommandant dachten in die gleiche Richtung.
»Oder Blut«, ergänzte mein Vater.
»Nein, Eure Majestät. Bislang keine Anzeichen, dass die Werwölfe dahinterstecken. Sie sind einfach wie vom Erdboden verschluckt.«
»Oder diese verdammten Tiere sind gerissener geworden«, brummte mein Dad missmutig.
»Nun ja, Eure Majestät. Sie sind unsere einzigen Feinde, da ist der Gedanke durchaus berechtigt.« Mein Vater seufzte schwer. »Beten wir dafür, dass sich die dunklen Zeiten nicht wiederholen werden.«
Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich das hörte. Mit dunklen Zeiten meinte mein Vater den jahrelangen Krieg zwischen den Vampiren und den Werwölfen, der unzählige Todesopfer gefordert hatte.
»Viorel, sagen Sie mir noch einmal, warum wir seinerzeit Schloss Bran verlassen haben und stattdessen in diese Burg am Rande von diesem unsäglichen Los Angeles gezogen sind.«
Viorel räusperte sich. »Weil Eure Majestät Ihren Vater nicht mehr ertragen konnten und so weit wie möglich von ihm wegwollten.«
Mein Dad schnaubte höhnisch. »Dracula. Richtig. Mein größenwahnsinniger Vater, der sich anmaßt, der Urvater aller Vampire zu sein. Dabei weiß doch jedes Kind, dass das Nosferatu war.«
Wieder folgte Schweigen, bevor der Kommandant sich erneut an meinen Vater wandte.
»Und was gedenken Eure Majestät jetzt zu tun? Lange können wir das nicht mehr verheimlichen. Der Clan wird langsam misstrauisch.«
»Suchen Sie die Vermissten, Sie Armleuchter! Was sonst?«
»Ich bedaure, Eure Majestät, aber wir haben unser komplettes Gebiet bereits mehrfach durchkämmt«, antwortete Viorel demütig.
»So. Haben Sie das? Und wo sind dann die vermissten Vampire?«, fragte mein Dad erzürnt.
»Nicht in unserem Teil der Stadt, Eure Majestät. Sollen wir die Suche ausweiten?«
Mein Dad ließ sich Zeit mit seiner Antwort, dann sagte er wieder etwas ruhiger: »Nein. Finden Sie zuerst Beweise, dass diese räudigen Kläffer auch wirklich ihre Finger im Spiel haben.«
»Nein?!«, rief ich entsetzt, stieß die Tür auf und marschierte entschlossen in das Arbeitszimmer, welches wie so gut wie jeder Raum hier noch burgtypisch eingerichtet war. Es hatte einen runden dunklen Holztisch mit etlichen Stühlen daran, welche mit rotem Samt bezogen waren. Schwere dunkle Vorhänge hingen wie überall in der Burg vor den Fenstern, damit tagsüber nirgendwo Licht eintrat, und nebst einem kristallenen Kronleuchter an der Decke, rotbraunen Teppichen mit Rautenmustern auf dem Fußboden, zierten wertvolle alte Gemälde die Wände.
Mein Vater stand mit Viorel mitten im Raum, fuhr herum und sah mich wütend an. Seine dunklen Augen funkelten vor Zorn, seine Eckzähne waren bedrohlich ausgefahren, sein schulterlanges schwarzes Haar hing ihm aufgrund der ruckartigen Kopfbewegung teilweise im Gesicht und obwohl ich mit meinen eins fünfundsiebzig nicht unbedingt klein war, überragte mich seine imposante Erscheinung um mindestens einen Kopf. Einen langen Kopf. Ja, mein Vater war durchaus respekteinflößend und die schwarzen Anzüge, die er immer trug, ließen ihn meiner Meinung nach wie einen Mafioso aussehen, auch wenn er das partout nicht hören wollte. Ich konnte jeden verstehen, der ihm lieber nicht widersprach, aber ich war erstens seine Tochter und zweitens wusste ich, dass er trotz seiner oftmals aufbrausenden Art nie ungerecht handeln würde.
»Valea Eufrosine Harilda von Vlad! Du wagst es immer noch zu lauschen, obwohl ich es dir ausdrücklich verboten habe?«, fragte mein Vater aufgebracht. Sein Blick glitt an mir herunter. »Wie siehst du überhaupt schon wieder aus? Kannst du dich nicht einmal standesgemäß kleiden? Du bist die Tochter eines Königs, Valea!«
Ich schaute auf meine Kleidung. Ich trug eine schwarze Lederjacke, darunter ein dunkelrotes Top, eine enge schwarze Lederhose und ein Paar schwarze Lederstiefel. »Ich mag Schwarz. Wie so ziemlich jeder Vampir. Und ich war auch noch nie der Püppchentyp für Rüschenkleider, wie du hoffentlich weißt.«
»Das verlangt ja auch keiner! Aber musst du deswegen immer gleich rumlaufen wie die erste Vorsitzende der Hells Angels?!«, wetterte er weiter.
Ich warf ihm einen abschätzigen Blick zu. »Wär dir eine Mafiosi-Tochter lieber?«
»Valeeea«, hob er drohend seine Stimme, doch ich starrte nur ungerührt zurück. Nur weil mein Dad schlechte Laune hatte, musste er diese noch lange nicht an mir auslassen. Ich konnte schließlich auch nichts dafür, dass nach und nach Vampire verschwanden und niemand wusste, wo sie abgeblieben waren.
»Warum willst du die Suche nicht ausweiten?«, fragte ich, anstatt weiter auf das leidige Klamottenthema einzugehen, doch er hatte sich bereits wieder Viorel zugewandt. Als ich noch jünger gewesen war, so um die fünfzehn Jahre, war ich mal verknallt in ihn gewesen. Viorel war groß, gut gebaut, hatte dunkelblondes Haar und blaue Augen. Und er hatte ein echt hübsches Gesicht. Außerdem hatte mir seine damalige lässige Kleidung gut gefallen, die er aber mittlerweile auch gegen klassische schwarze Anzüge eingetauscht hatte. Verknallt war ich auch nur so lange gewesen, bis mir Darick, mein bester Freund, erzählt hatte, dass Viorel bereits 150 Jahre alt war. Gut, immer noch 100 Jahre jünger als mein Dad, aber auch 135 Jahre älter als ich! Das fand ich dann doch ein bisschen arg gewöhnungsbedürftig. Das Problem bei uns geborenen Vampiren war, wir alterten wie Menschen, bis wir 35 waren, und danach sehr viel langsamer. Somit war es schier unmöglich, das wahre Alter eines Vampirs anhand seiner Optik bestimmen zu können.
»Ich will, dass alle zur Verfügung stehenden Wachen die Grenzen sichern. Ich will von jeder noch so winzigen Made wissen, die sich in unser Gebiet verirrt, und auch von jeder, die es verlässt!«, ordnete mein Vater an.
»Sehr wohl, König Vlad.« Viorel verbeugte sich, dann verließ er den Raum.
»Was soll das, Dad? Warum lässt du die Suche nicht ausweiten?«, fragte ich und schaute ihn verständnislos an.
»Das einzige Gebiet, wo wir noch nicht gesucht haben, ist im Süden der Stadt«, erklärte er.
»Okay. Und was hindert dich?«
»Das ist Werwolfsgebiet.«
Ich nickte. »Ich weiß. Ein Grund mehr, dort zu suchen. Diese räudigen Flohkisten haben doch garantiert Dreck am Stecken.«
Mein Vater legte mir eine Hand auf die Schulter. »So einfach ist das nicht, Valea. Du kennst doch die Geschichte, weißt von dem Krieg und dem Abkommen, welches wir mit den Werwölfen getroffen haben. Erst seit dieses existiert, können wir hier in Ruhe und Frieden leben und damit das auch so bleibt, müssen wir uns an die Absprache halten. Das heißt, wir bleiben im nördlichen Teil von L.A. und die Wölfe im südlichen. Wer sich nicht daran hält und in das Gebiet des jeweils anderen eindringt, darf sofort und ohne weitere Konsequenzen getötet werden.«
»Und was willst du dann machen?«
»Jedenfalls nicht aufgrund von bloßen Vermutungen einen erneuten Krieg provozieren. Wir suchen nach Anhaltspunkten, verstärken den Wachschutz und sind einfach noch aufmerksamer.«
Ich atmete tief durch. »Und was ist mit den Vampiren, die bereits verschwunden sind?«
Mein Dad antwortete nicht.
Ich kniff die Augen zusammen. »Du willst sie den Wölfen überlassen?«
»Wir haben aktuell keinen Beweis dafür, dass die Werwölfe etwas damit zu tun haben«, sagte er in einer stoischen Ruhe, die mich wütend machte.
»Wer denn sonst? Die Wölfe sind unsere einzigen Feinde!«, erwiderte ich aufgebracht, doch dann wurde auch mein...




