Müller | Salz - Das weiße Gold der Erde | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 152 Seiten

Müller Salz - Das weiße Gold der Erde

Die Geschichte des Salzes und die besten und schönsten Natursalze der Welt.
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-99146-329-0
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Geschichte des Salzes und die besten und schönsten Natursalze der Welt.

E-Book, Deutsch, 152 Seiten

ISBN: 978-3-99146-329-0
Verlag: novum pro Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Salz - weißes Gold oder weißes Gift? Lebenselixier oder Krankmacher? Wie das Urelement Salz unser Überleben gesichert und unser Leben verändert hat, ist eine spannende Reise vom Beginn der Evolution bis in die Neuzeit. Wie konnten diese weißen Körnchen, denen wir heute kaum noch Beachtung schenken, einst als 'weißes Gold' bezeichnet werden? Die Geschichte des Salzes ist hochspannend, die Salzgewinnung brachte uns wichtige technische Errungenschaften, es veränderte Landschaften. Durch Abbau und Handel entstanden Städte und Straßen. Um Salz wurden Kriege geführt, es brachte Kolonialmächte zum Einsturz. So ist Salz eng mit der Geschichte der Menschheit verwoben.

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Geschichte des Salzabbaus und Salzhandels

Der Salzabbau hat in der menschlichen Historie eine besondere Bedeutung und eine eigene, uralte Geschichte. Diese reicht mindestens bis in die Jungsteinzeit zurück, vermutlich sogar noch weiter. In unserer heutigen Zeit, in der durch die Industrialisierung der Abbau und die Förderung riesiger Salzmengen möglich wurden, ist Salz allgegenwärtig und in Hülle und Fülle vorhanden. Werden heute weltweit jährlich rund 240 bis 250 Millionen Tonnen Salz produziert, sah das bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch ganz anders aus. Dass Salz, einst rar und begehrt, einmal ein Synonym für Wohlstand, Reichtum und Macht war, ist heute kaum noch vorstellbar.

Bis zum Beginn der Industrialisierung gab es nur wenige Abbaustätten, das Salz wurde durch harte, körperliche Arbeit mit den wenigen vorhandenen Werkzeugen abgebaut. Salz gab es immer genügend, jedoch war es nicht in allen Teilen unserer Erde einfach verfügbar. Die unterschiedlichen Arten der Salzvorkommen, Meersalz oder Steinsalz, erforderten unterschiedliche Techniken bei der Gewinnung bzw. dem Abbau. Während die Ernte von Meersalzen von jeher durch Verdunstung mithilfe von Wind und Sonne in Verdunstungsbecken stattfand, änderte sich der bergmännische Abbau im Laufe der Jahrtausende grundlegend. Der hohe Stellenwert des Salzes quer durch alle Kulturen trieb die konsequente Weiterentwicklung von Abbautechniken stetig voran, immer bessere Werkzeuge brachten schnell höhere Erträge.

Eine dritte Möglichkeit der Salzgewinnung ist das Salzsieden von in Wasser gelöstem Salz, der Salzsole, durch unterschiedliche Wärmequellen.

Heute kommt der Wissenschaft bei ihren Studien, Forschungen und Auswertungen die konservierende Eigenschaft des Salzes zugute. Zahlreiche Funde in alten Salzstollen wurden durch das Salz vollständig erhalten. Das in den Salzstollen vorherrschende Klima verhindert das Zersetzen organischer Stoffe durch Mikroben, sodass zahlreiche Fundstücke hervorragende Zeitzeugen vergangener Epochen darstellen. Solch glückliche Situationen kennt die Archäologie sonst nur bei Eis- oder Moorfunden.

Zu den ältesten bekanntesten Salzabbauregionen Europas gehört der Ort Hallstadt im oberösterreichischen Salzkammergut. Die Region ist seit Jahrtausenden für ihre reichen Salzvorkommen bekannt. Doch wie kam der Mensch zum Wissen um die Wichtigkeit des Salzes und des Salzabbaus? Vermutlich wurde das Verhalten einheimischer Rot- und Schwarzwild-Arten bereits vor Jahrtausenden von umherziehenden Jägern beobachtet, die immer wieder zu den in der Region vorhandenen salzhaltigen Quellen und Salzadern zogen. Möglicherweise erwiesen sich diese Stellen als ideale Jagdreviere, kamen die Herden doch regelmäßig zu den Salzquellen, um sich instinktiv mit den lebenswichtigen Mineralien zu versorgen. Neugierig geworden, übernahm man die Rituale der Tiere und entdeckte nach und nach die positiven Eigenschaften des Salzes. Um die neuen, wertvollen Funde mit anderen Jägern tauschen zu können, trug man die salzig schmeckenden Steine ab, und nach und nach entstand so der erste Salzhandel in Europa. Alte, zum Salzabbau verwendete Steinäxte sowie ein als Pickel verwendetes Hirschgeweih konnten durch die Archäologie auf ein Alter von bis zu 7.000 Jahren datiert werden. Man darf also gesichert davon ausgehen, dass zu dieser Zeit bereits der erste Salzabbau um Hallstadt stattfand – vermutlich die älteste Salzabbaustätte Europas. Um das Jahr 1.500 v. Chr. begann der Bau erster größerer Schachtanlagen und somit die organisierte bergmännische Salzförderung. Um an das wertvolle Gut zu kommen, bedurfte es größter körperlicher Anstrengungen. Mit Hilfe von Bronzepickeln wurden kleine Salzbrocken aus den Salzstöcken geschlagen, in Lederbeutel gepackt und mühevoll durch enge Stollen nach oben geschafft. Die harte Schufterei schien bereits damals lohnenswert, und die Ausbeute wurde gegen wertvolle Felle, Gegenstände aus Gold, Schmuckstücke aus Bernstein und neue Werkzeuge getauscht. Man geht heute davon aus, dass der Schatz der Alpen über Händler seinen Weg in große Teile Zentraleuropas fand. Über die Jahrhunderte entwickelte sich Hallstadt zu einem regen Wirtschaftszentrum und brachte der Region großen Wohlstand. Neben dem Salzabbau entdeckte man einen neuen Wirtschaftszweig – dank des inzwischen erlangten Wissens über die konservierenden Eigenschaften des Salzes wurden ganze Teile von Schweinen, aber auch Rindern, Schafen und Ziegen in Solebecken gepökelt und dann in die Salzstollen gebracht. Das dort vorherrschende einzigartige Mikroklima erwies sich als perfekt für eine gezielte Vorratswirtschaft und sicherte so die Versorgung der Arbeiter.

Im 6. Jahrhundert v. Chr. begann nach weiteren Salzfunden auch der bergmännische Salzabbau im nur wenige Kilometer entfernten Dürrnberg. Es wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrere Minenschächte angelegt. Interessanterweise gab es in Dürrnberg einen entscheidenden Unterschied zur Mine in Hallein. Die Arbeiter hier verwendeten bereits Werkzeuge aus dem viel härteren Eisen, während man in Hallein immer noch auf Pickel aus Bronze setzte. Zudem hatte sich die Abbautechnik weiterentwickelt, was sich deutlich in den Ertragsmengen widerspiegelte. Das begehrte und wertvolle Salz aus dem Salzkammergut wurde inzwischen über neu entstehende Handelsstraßen in immer weitere Teile Europas gebracht. Die Arbeit in den Minen war nicht ungefährlich, Schachteinstürze oder Wassereinbrüche nach Starkregen brachten den Salzabbau zeitweise zum Erliegen. Trotz aller Rückschläge und Gefahren setzte man den Abbau unbeirrt fort, zu wertvoll war die Ernte, zu lukrativ der Ertrag.

Etwa zur selben Zeit begann auch die Salzförderung im französischen Lothringen, südlich der Mosel, nahe der heutigen Stadt Nancy. In der Region gab es mehrere salzhaltige Quellen. Die klimatischen Bedingungen für eine Salzgewinnung durch natürliche Verdunstung waren nicht gegeben, also musste eine neue Methode her. Die Verwendung großer Siedepfannen war noch nicht bekannt, jedoch wusste man, dass man durch Verwendung von Feuer das Wasser verdunsten lassen konnte. Also wurde gewonnene Sole zuerst konzentriert und dann in Terrakotta-Gefäße gefüllt. Diese wurden anschließend auf Feuerstellen so lange von unten befeuert, bis jegliche Flüssigkeit verdunstet und das Salz komplett kristallisiert war. Die Gefäße wurden vorsichtig zerschlagen, und man konnte Laibe aus purem Natursalz entnehmen. Der enorme Aufwand schien gerechtfertigt, wurde doch das Salz zur damaligen Zeit mit Gold und Edelsteinen aufgewogen. In der Region wurden im Laufe vieler Jahre bei Ausgrabungen Schichten von Terrakottaresten entdeckt, die teilweise mehrere Meter dick waren. Es gilt als gesichert, dass die Gewinnungsmethode, im Fachjargon als „Briquetage de la Seille“ bezeichnet, bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. angewendet wurde, bevor sie dann durch erste Siedepfannen ersetzt wurde.

Auch in anderen Regionen weltweit wurde die Gewinnung von Salz aus Solequellen durch Sieden in Tontöpfen betrieben, wie Ausgrabungen heute zweifelsfrei beweisen. Die ältesten Funde stammen aus China und sind rund 5.000 Jahre alt. Diese Technik wurde rund 2.500 Jahre angewendet, erst danach entwickelte man verbesserte Salzgewinnungsmethoden. Auch auf der japanischen Hauptinsel Honshu, in der Region des heutigen Tokios, wo die Herstellung von Keramik seit mehr als 10.000 Jahren bekannt war, kannte man das Salzsieden bereits vor über 3.500 Jahren. Zu dieser Zeit galt Salz in Japan als Zahlungsmittel und konnte entsprechend für die Beschaffung jeglicher Handelsgüter und Dienstleistungen verwendet werden. In Vietnam wurde die sogenannte Brikettierung ebenfalls bereits vor fast 3.000 Jahren angewendet.

Selbst auf dem amerikanischen Kontinent gibt es Funde, die belegen, dass die Maya-Kultur das Salzkochen kannte. So wurden in der südlichen Yukatan-Wüste sowohl Öfen als auch Gefäße zum Produzieren von Salzlaiben gefunden, die aus dem 7. bis 10. Jahrhundert stammen – also lange bevor die Europäer Amerika entdeckten.

Auch in Deutschland sind mehrere Orte bekannt, an denen Salz mit Hilfe der Briquetage gesiedet wurde. So geschehen im sächsischen Halle um 1.000–300 v. Chr., im heutigen Schwäbisch Hall circa 500–100 v. Chr. sowie in Bad Nauheim, im hessischen Wetteraukreis, von circa 500 bis 100 v. Chr.

Hall ist heute ein Bestandteil vieler Ortsnamen im deutschsprachigen Raum und häufig ein Hinweis auf die Verbundenheit mit dem Salz. Ein Grund dafür könnte das aus dem Germanischen stammende Wort „hal(l)“ sein, was übersetzt Saline bedeutet. Möglicherweise beziehen sich die Namensgebungen auch auf die keltische Bezeichnung „Hall“ für Salz.

Im polnischen Dorf Barycz, zehn Kilometer südöstlich von Krakau gelegen, wurden zahlreiche Salzsiederei Werkzeuge aus der Jungsteinzeit gefunden. Hier gibt es viele salzhaltige Quellen. Als im frühen Mittelalter die Quellen langsam versiegten, wurden erste Salzbrunnen angelegt, um die Sole zu fördern. Dabei stieß man auf große Steinsalzvorkommen, aus der das berühmte Salzbergwerk von Wieliczka entstand. Dank der enormen Erträge aus den Salzminen gründete der polnische König Kasimir der Große 1364 die Krakauer Akademie, die heute als Jagiellonen-Universität bekannt ist. Sie ist nach der 16 Jahre zuvor gegründeten Karls-Universität zu Prag die zweitälteste Universität Europas. Die UNESCO erklärte 1978 das Salzbergwerk sogar zu einem der ersten besonders schützenswerten Weltkulturgüter. 1996 fasste man zwar den Entschluss, die industrielle Salzproduktion in den Minen einzustellen. Jedoch werden die Minen heute als Heilstollen genutzt, zudem entwickelte sich die unterirdische Salz Welt schnell zu...



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