E-Book, Deutsch, 289 Seiten, Web PDF
Müller-Seitz Positive Emotionalität in Organisationen
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8349-9628-2
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Identifikation realtypischer Erscheinungsformen und Gestaltungsoptionen aus Sicht des Humanressourcen-Managements
E-Book, Deutsch, 289 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8349-9628-2
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Gordon Müller-Seitz nähert sich dem Phänomen der positiven Emotionalität im organisationalen Kontext aus der Perspektive des HRM an. Er zeigt, dass hier noch immer ein verengtes, an psychologischen Konstrukten orientiertes Verständnis von zumeist negativen Emotionen dominiert und erweitert den Blickwinkel konsequent auf die wichtigsten realtypischen Erscheinungsformen positiver Emotionalität. Der Autor entwickelt einen theoretischen Bezugsrahmen hinsichtlich der Entstehung positiver Emotionalität und leitet davon konkrete praxeologische Gestaltungsoptionen zur Kultivierung positiver Emotionalität auf intra-, interpersoneller und kollektiver Ebene ab. Abschließend unterzieht der Autor die skizzierten Maßnahmen einer kritischen Reflexion und gibt einen Ausblick auf weiterführende Forschungsbemühungen.
Zielgruppe
Research
Weitere Infos & Material
Einführende Bemerkungen.- I: Positive Emotionen—Konturierung Eines Erklärungsbedürftigen Phänomens Auf Basis Gängiger Ansätze.- II: Ansatzpunkte Für Einen Transfer Positiver Emotionen Zu Positiver Emotionalität.- III: Auf Dem Weg Zu Einer Kultivierung Positiver Emotionalität.- Schlussbetrachtung.
TEIL I: POSITIVE EMOTIONEN–KONTURIERUNG EINES ERKLÄRUNGSBEDÜRFTIGEN PHÄNOMENS AUF BASIS GÄNGIGER ANSÄTZE (S. 17)
Prima facie wurde zu dem Komplex positiver Emotionen eine Vielzahl konzeptioneller Ansätze aus unterschiedlichsten Disziplinen vorgelegt. Daher erscheint es zweckvoll, sich dem Phänomen zunächst im Wege einer Skizzierung interdisziplinärer Ansätze anzunähern, um so zu einer theoretisch sowie praxeologisch fundierten und zielführenden Definition gelangen zu können. Scherer stuft diesen Sachverhalt ähnlich ein und formuliert:
„The definition of emotions, distinguishing them from other affective states or traits, and measuring them in a comprehensive and meaningful way have been a constant challenge for emotion researchers in different disciplines of the social and behavioral sciences over a long period of time" (Scherer 2005, S. 724).
Eine solche Annäherung ist dabei mit zwei zentralen Schwierigkeiten konfrontiert. Einerseits scheint das Definiendum – nicht nur alltagsweltlich – kaum im Konsens greifbar zu sein. Denn vermutlich prägen bereits persönliche Beurteilungen das Begriffsverständnis zu einem gewissen Grad, wobei zwar die Auslegung des Phänomens Emotion zunächst als gemeinhin identisch beurteilt wird. Indes scheint bislang kaum näher darüber reflektiert worden zu sein. Andererseits ist die Anzahl unterschiedlicher Definitionsansätze hoch und vielfach sind diese untereinander inkommensurabel.
Aus diesen Komplikationen resultiert denn auch die Zielsetzung dieses ersten Teils. Zunächst kommt es zur Skizzierung des interdisziplinären Forschungsfeldes, wobei die Ausführungen zunächst noch keine explizit organisationale Ausrichtung aufweisen, sondern eine eher ordnende Funktion haben (I.1). Anschließend erfolgt eine Konzentration auf primär sozialwissenschaftliche Erkenntnisse mit konkretem Bezug auf Organisationen (I.2).
Aufbauend auf den in diesen beiden Kapiteln gewonnenen Erkenntnissen kommt es zu einer Arbeitsdefinition von positiven Emotionen, die aus der Gegenüberstellung der Perspektive des Mitarbeiters und derjenigen des HRM resultiert (I.3). Diese gleichsam „klassische" Begriffsauslegung bildet dann den Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung von Emotionen hin zur Konzeption von positiver Emotionalität in Teil II.
I.1 Interdisziplinäre Annäherung
Unbeschadet der Zielsetzung, eine interdisziplinäre Definition von positiven Emotionen zu generieren, kann es hier nicht darum gehen, die gesamte Emotionsforschung in toto zu referieren. Die Auseinandersetzung erfolgt vielmehr selektiv – primär an Ansätzen orientiert, die wiederum als Grundlage für die spätere Argumentationslinie dienen. Dabei steht zunächst das breite Spektrum definitorischer Konzeptionen zur Diskussion. Einer knappen Vorstellung der unterschiedlichen Ansätze folgt eine Definition, die der Arbeit vorläufig zugrunde gelegt werden soll (I.1.1). Basierend auf diesen begrifflichen Zusammenhängen kommt es zur Kontrastierung von Emotionen gegenüber verwandten Phänomenen (I.1.2). Die Erörterung einiger markanter Besonderheiten positiver Emotionen schließt dieses Kapitel ab (I.1.3).
I.1.1 Emotion als eine definitorische Gemengelage
Wie aus Abbildung I-1 ersichtlich, kann eine Kategorisierung der Forschungsdisziplinen anhand einer Unterteilung in Sozial- und Naturwissenschaften erfolgen. Dabei kommt der Psychologie eine Art „Zwitterstellung" zu, da sich die Ansätze aus diesem Bereich oftmals derart unterscheiden, dass eine eindeutige Zuordnung unmöglich erscheint. Vor diesem Hintergrund erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Thema Emotionen in den aufgeführten Disziplinen.
73 Einschränkend ist dabei anzumerken, dass Beiträge, die sich mit dem Geschehen in Organisationen aus betriebswirtschaftlicher Sicht beschäftigen, zunächst bewusst zurückgestellt werden. Dies gilt vorwiegend für die Betrachtung betriebswirtschaftlich geprägter Ansätze, die später in Kapitel I.2 das zentrale Erkenntnisinteresse darstellen.




