Müntzer / Wehr Thomas Müntzer
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8438-0494-3
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Mystiker. Ausgewählt von Gerhard Wehr
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Die Mystiker-Reihe
ISBN: 978-3-8438-0494-3
Verlag: marix Verlag ein Imprint von Verlagshaus Römerweg
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thomas Müntzer wird um 1489/1490 in Stollberg im Harz geboren. Nach einem Studium in Leipzig und Frankfurt an der Oder erhält er 1514 seine Priesterweihe in Halberstadt. Von 1516 an geht er diversen kirchlichen Anstellungen nach, ist u. a. Beichtvater in einem Nonnenkloster und Schulvorsteher. Um 1517/1519 herum wird er mit Martin Luther bekannt. Aufgrund seiner sich bald nicht mehr im Einklang mit Luthers Reformansichten befindenden Äußerungen in Schriften und öffentlichen Auftritten wird er immer wieder ausgewiesen und muss sich neue Anstellungen zu suchen. 1523 heiratet er die ehemalige Nonne Ottilie von Gersen. 1525 zieht er mit den aufständischen Bauern ins Feld; vor Frankenhausen werden sie vernichtend geschlagen. Müntzer gerät in Gefangenschaft, wird gefoltert, verhört und schließlich enthauptet. Dr. theol. h.c. Gerhard Wehr, geb. 1931 in Schweinfurt/Main. Nach langjähriger Tätigkeit auf verschiedenen Feldern der Diakonie und der Erwachsenenbildung, zuletzt als Lehrbeauftragter an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Rummelsberg/Nürnberg, arbeitet er als freier Schriftsteller in Schwarzenbruck bei Nürnberg. Ein Großteil seiner Werke zur neueren Religions- und Geistesgeschichte ist in mehreren europäischen und asiatischen Sprachen verbreitet.
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II. DIE TEXTE
DAS PRAGER MANIFEST
Der Böhmen Sache betreffende Protestation
Ich, Thomas Müntzer, gebürtig von Stolberg, [derzeit] mit Wesen zu Prag, der Stadt des teuren und heiligen Kämpfers Johannes Hus, gedenke: Die lauten und beweglichen Trompeten erfüllen [diesen Ort] mit dem Lobgesang des Heiligen Geistes.
O Herr, verleihe uns die Gnade des Heiligen Geistes, auf dass der Tau deiner Güte unsern Grund des Herzens in seiner Besprengung fruchtbar mache durch Jesum Christum.
Mit ganzem Herzen bezeuge ich und klage ich voll Jammers der ganzen Kirche der Auserwählten, auch der ganzen Welt, da diese Briefe hinkommen. Christus und alle Auserwählten, die mich von Jugend auf gekannt haben, bekräftigen ein solches Vorhaben. Ich sage bei meinem höchsten Pfand48, dass ich meine ganze Aufmerksamkeit und allerhöchsten Fleiß aufgewandt habe, um vor den anderen Menschen zu erkennen, wie der heilige, unüberwindliche Christenglaube gegründet ist.
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Ich bin so kühn, in der Wahrheit zu sagen, dass kein pechgesalbter Pfaffe, kein noch so geistvoll scheinender Mönch auch nur am allerwenigsten in der Lage ist, etwas über den Grund des Glaubens auszusagen. Auch haben es gar viele Menschen mit mir beklagt, dass sie, durch unerträglichen offenkundigen Betrug beschwert, keinmal haben getröstet werden können, um ihr Wollen und Wirken im Glauben zuversichtlich zu führen und sich [durch alle Hindernisse] hindurchzuarbeiten. Auch die [Unverzichtbarkeit und Heilsamkeit der] Anfechtungen und die nützliche [Vertiefung], die in der Leermachung des vorsehenden Geistes50 [begründet ist], konnten sie51 nicht aufdecken; nimmermehr vermögen sie das. Denn der Geist der Furcht Gottes hat sie nicht ergriffen. [Dieser Geist] ist der Auserwählten einziges Ziel und Grundlage. In einem solchen Erfülltwerden, das die Welt nicht empfangen kann, sind [die Auserwählten von diesem Geist] überströmt und getränkt worden. Kurz: Es muss ein jeder Mensch den Heiligen Geist siebenmal empfangen haben. Anders kann er den lebendigen Gott weder hören noch verstehen.
Frei und frisch sage ich, dass ich noch keinen eselfurzigen Doktor von der in Gott und alle Kreaturen gesetzten Ordnung auch nur im Mindesten habe lispeln, geschweige denn laut [und deutlich] habe reden hören. Auch die Vornehmsten unter den Christen – die höllengrundfesten Pfaffen meine ich – haben nicht ein einziges Mal gerochen, was das Ganze oder das ungeteilte Vollkommene52 sei, das Eine, das not tut, welches laut 1 Korinher 13, Lukas 6, Epheser 4, Apostelgeschichte 2,15.17 allen anderen Teilen überlegen ist.
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Oft und immer wieder habe ich von ihnen53 [nichts anderes als] die bloße Schrift gehört, welche sie aus der Bibel schalkhaft gestohlen haben wie die...




