E-Book, Deutsch, 274 Seiten
Munz #Liebe
Erste Auflage
ISBN: 978-3-944585-08-6
Verlag: Verlag Ingo Munz
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 274 Seiten
ISBN: 978-3-944585-08-6
Verlag: Verlag Ingo Munz
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie geht frühstücken mit ihrer Mama, sagt Anna. In Wahrheit füttert sie die bettlägerige Mutter. Sie bepflanzt ihren Balkon, dass die Blumen zur Nachbarschaft sich neigen. Für ihre Haltungen wird Anna ein Leben lang geliebt. Aber da sind auch andere Menschen ...
Ein Roman über braven Anstand und den Willen zur Veränderung, über das Leben und die Liebe – vom Anfang bis zum Ende.
Weitere Informationen unter: https://www.ingomunz.com/liebe/
Zielgruppe
Ab 12 Jahre
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1. Das Ende
2. Das Schönste
3. Rosa im Bett
4. Selbständig zu Zweien
5. Das Prinzip Teilen
6. Aus dem Weg, ich muss noch schnell ...
7. Die Entdeckung der Gelassenheit
8. Das Ende
Das Schönste
Unbenommen, ganz ordentlich betrunken bin ich. Und Treppenbau ist auch eine Kunst. Aber ich werde die Stufen bewältigen. Oder vielleicht zurück und wieder hoch ans Gleis? Nein, das wäre töricht. Stolperte ich jetzt, so könnte das mein Ende bedeuten. Juckte es mich? … Ja. Ja! … Was das nur alles zu bedeuten hatte? Nadine, wie gerne hätt‘ ich dich geküsst, die ganze Nacht, von unten nach oben, von oben nach unten. Unverrichteter Dinge wieder nach Hause. Nadine, Nadine – ich genüge ihr nicht. Sie mag mich, ja, das spüre ich, aber zu mehr wird es nicht reichen … Stolperte ich jetzt, so wäre das alles nicht der Rede wert, überhaupt nicht der Rede wert … Nun, meine Heimatstadt und mein Bahnhof: Le Crobag, die Zeitungen, die Rolltreppen, die Flecken am Dach, dunkelorange: Rost. Man müsste nur einmal mit Farbe drüber und mir nichts, dir nichts sähe alles viel freundlicher aus, viel freundlicher. Aber schön ist es trotzdem. Die Menschen, die vielen unterschiedlichen Menschen. Spannend ist es am nachts am Hauptbahnhof. Bekomme ich einen in die Fresse, jetzt, ganz plötzlich, tickt gleich irgendwer aus, so richtig? Oder geschieht ein Wunder und es läuft mir etwas über den Weg, das sich mit mir ins Bett legt? Heute. Jetzt. Gleich. Es wäre ein Wunder. Denn viel wird wohl nicht mehr passieren … Da hinten, wo die Nachtexpresse abfahren, vagabundieren auch um diese Uhrzeit immer ein paar herum. Aber ich komme da nicht vorbei, wenn ich zu Fuß gehe, wenn ich denn zu Fuß gehe … Ja, ein Spaziergang hindurch die Nacht, zwanzig Minuten bis nach Hause. Und dann? Sündigen! Was Fettes noch essen. Und: Onanie. Herrlich! So findet der Tag einen guten Abschluss. Darauf kann ich mich freuen. Das ist wichtig, sich Ziele zu setzen, sich auf etwas freuen können und lachen können, über sich ein wenig lachen können. Sich nicht allzu ernst nehmen, es nicht allzu ernst nehmen, das Ganze, das kurze Ganze. Und jetzt? Jetzt Schritte zählen. Schritte zählen bis zum Ende … bis zum Ende der Autobahnbrücke? Eine Autobahnbrücke mit Namen Freiheit. Die Freiheit. Unten die Autos, vereinzelt, nur wenige sieht man inmitten der Nacht. Überhaupt: Ein Auto? Hätte ich ein Auto, dann könnte ich mir nichts, dir nichts sein in … in Paris, zum Beispiel. Aber nein, betrunken bin ich halbwegs. Und ohnehin: Wäre Paris jetzt meine Rettung? Flögen mir vielleicht dort in die Arme die Engelchen, in diesem Jugendstil-Pissoir, diesem riesigen? Vielleicht, man hört ja so einiges … Aber warum nicht hier und jetzt? Das Büro, vielleicht noch einmal ins Büro? Das Büro. Gewiss noch immer der beste, der allerbeste Name, den einer Kneipe man jemals gab, man einer Kneipe jemals gab. Und drinnen? Verflixt, das erwartete Bild: Männer, viele Männer, viele einsame Männer, Bier und Zigaretten, hohle Blicke. Blicke ins Nichts, sicherlich in das herbeigesehnte Nichts, in den Tod, den großen, in die Erlösung, vielleicht ja eine Lösung, der Tod. Aber jetzt und heute, Das Büro, eine Lösung? Nein. Kein weiteres Bier mehr, nicht dort drinnen, nirgendwo mehr, heute, zumindest heute kein Bier mehr. Nur weitergehen und nach Hause … Und du? Du mit dem schüchternen Gang eines Mädchens? Nein, ich verfolge dich nicht … Ich werde langsamer gehen. Um diese Uhrzeit, Mädchen, in Bahnhofsnähe und auf der Gasse ist keiner zu sehen, kaum einer. Du wirst Angst haben und den Eindruck gewinnen, ich verfolgte dich. Also langsamer gehen und eine rauchen vielleicht. Rauchen hilft nämlich, lindert und lässt einen langsamer gehen. Ahh, wie das die Kehle brennen lässt! Und ach, du heilige Nadine. Was nur habe ich falsch gemacht? Wie gerne läge ich jetzt bei dir, bei dir im warmen Bette! Hätte ich forscher sein müssen, dich einfach küssen sollen, als wir uns nahe noch waren? Himmel, können Augen schöner strahlen? Sind sie grün, ihre Augen, oder doch braun? Braun, freilich, braun sind sie! Braun mit Wunderkerzen drin. Glühendes, brennendes, lebendiges Braun. Daraus möchte ich trinken und dabei dich berühren. Dir ins Auge blicken möchte ich, alle Sekunden, und dich drücken sodann, dich halten, deine Haut, ach, ach! Diesen Poren alle Küsse! Alle Küsse. Alle. Alle Sekunden … Aber, Mädchen, was machst du da? Hast du deinen Schritt nun auch verlangsamt? Sei doch nicht töricht! Du wirst mich schlurfen hören über den Asphalt. Ich will dich nicht verängstigen, jetzt, nachts, so nachts ist es doch schon! Die Straßenseite will ich wechseln und meinen Blick gen Boden richten. Falls du dich ängstlich nach mir umdrehst. So sollst du sehen, dass ich dich nicht bedränge, dass ich doch der Bedrängte bin, bedrängt von eigenen Gedanken … Nur also hin zur andren Straßenseite und dort sie überholen, dort schnell sie überholen. Mag sie nur sehen, wie ich mich ihr entferne! … Vielleicht biegt sie auch vorher ab? Sodann wird sich auch dies Problem von ganz allein abgeschafft haben. Wie doch ohnehin alles in Ordnung ist. Da der Schlaf, immer und immer wieder, die allermeisten Probleme löst. Und was der Schlaf nicht schafft – das besorgt der Tod. Weshalb also Angst haben? Wer wollte wissen, was besser ist: Himmlische Sehnsucht oder irdenes Tun? … Ohnehin glänzen und funkeln doch vielerlei Augen! Und wie viele Münder vermögen zu küssen, alle Sekunden? Dort hinten: die Ampel. Wird sie warten? Soll ich Abstand wahren und stehenbleiben und nicht die Straßenseite wechseln? Das wird nur weiter sie verängstigen. Ich muss, ich werde zu ihr aufschließen, mich neben sie stellen, in möglichst weitem Abstand. Dann, sofort, werde ich lospreschen. Soll sie nur sehen, dass ich ihr nicht hintan schleiche … Hier jetzt also warten auf grünes Licht. Einmal hinüberschauen? Vielleicht lächeln? Oder sprechen gar, etwas sagen? Da formt sich doch in meinem Mund ein Wort! Da formt sich doch in meinem Mund ein Wort! Spreche ich tatsächlich? Bin ich das? Lächelt sie? Sie lächelt! Sie lächelt und scheint mir wohlgesonnen … Himmel! Auch sie hat Augen, selbstverständlich, hat Locken, auch sie hat braunes Haar. Sie will sprechen mit mir, ich spüre es, sie will, sie hat Interess… Ob auch ich schnurstracks und weiter geradeaus muss? … Nein, aber dir, dir schenke ich ein Ja. So darf ich dich vielleicht ein Stück begleiten. Ja? … Ja! … Weitere Minuten und weitere Chancen, einen Menschen verliebt zu machen, dich verliebt zu machen. Eben Nadine und jetzt du. Wieder eine Chance. Schön. Schön die Welt … Ob ich sie heute noch nach Hause kriege? Nein, die ist anders. Stolz ist sie gewiss, zu stolz für solche Tänze. Und: Schöne Worte aus einem schönen Mund. Sie wiegt das Wort, wie schön, sie denkt, schön. Schöne Welt. Schöne Zukunft. Ist es denn möglich? Sie fragt sogar nach mir. Sie interessiert sich für mich! Wie purzeln doch aus meinem Mund die Worte! So kenne ich mich gar nicht. Mensch, bring dich zu einem Ende und schweig! Denn Schweigen ist Gol… Was ich so mache? … Himmel, solch eine Frage, nach wenigen Augenblicken. Sie wird doch kein Tausendgesicht und derart einfach gestrickt sein? Nein, ironisch hast du es gemeint, nicht wahr? Was ich so mache … Mädchen, Mädchen, Mädchen. Muss ich denn schon wieder lügen? Obwohl, vielleicht nur ein wenig schwindeln? Dass ich Künstler bin, zu Emotionen also fähig? Oder besser: Zirkusartist, ich sage Zirkusartist, oder Drahtseiltänzer, Trapezkünstler oder irgendetwas in dieser Art. Kunst und Sport. Körperkunst. Ein Bewegungsartist. Dann wird sie denken, ich sei drahtig, muskulös und vielleicht fällt sie mir somit doch noch in mein Bett, heute Nacht. Nein! Ich sage, wie es ist. Denn so eine belügt man nicht. So eine nicht. Eine Zukunft ja vielleicht. Und die Zukunft sollte man nicht belügen. Und bescheiden muss man sein. Nur frank und frei und einfach heraus. Unverstellt. Deutlich. Ehrlich … Es war klar, dass du den Mund verziehen würdest, den schönen. Du verziehst ihn doch, grimassierst ein wenig, nach dieser Antwor… Ob es sich nicht um einen Verbrecherverein handelt? … Ja ja, natürlich, ein Verbrecherverein, der Jahr um Jahr die Preise erhöht, Umverteilung, also die moderne Umverteilung, von klein nach Groß, Einbahnstraße und so weiter. Der Laden, der die Umwelt tötet und die Moral. Alibihandlungen allerorten und gewissenlose Gestalten auf einem Haufen, auf einem Haufen. Ein jeder bereit, für fünf Euro mehr im Portemonnaie zu töten … Aber ich bin anders, ich bin anders! Wie kann ich ihr, verdammt, das jetzt beweisen? … Oder bin ich gar nicht anders? Ist es nur eine Einbildung? Bin ich ein Schwein, dann doch, ein opportunistisches, ein rein eigennütziges Arsch? Wie bin ich? Was soll ich ihr sagen, jetzt, wo ich doch im Grunde nix weiß? Und bin ich denn freundlich, jetzt, nur weil ich sie vögeln, küssen, umarmen, sprechen und bei ihr sein will? Wo ich sie doch gar nicht kenne. Noch nicht. Sie muss ich vorangehen und agieren lassen. Sie soll sprechen! Und Acht geben muss ich, dass nicht alle Zeit ich über mich rede. Sie soll reden! … Ob ich noch immer weiter der Nase nach muss? … Natürlich. Ich liefe jetzt bis Recklinghausen, mit dir, heute Nacht. Warum denn nicht? Das wäre eine Chance, immerhin. Vielleicht ist sie tatsächlich gut. Ein guter Mensch? Gibt es so etwas? Ja, vielleicht ist sie ein guter Mensch. Aufpassen also, vorsichtig sein. Ein wenig Abstand halten, nicht aufdringlich werden, bloß nicht aufdringlich werden und sie verschrecken und rauchen. Wieder eine rauchen? Und wenn sie es nicht abhaben kann? Nein, ich rauche nun einmal gerne, sehr gerne. Wenngleich: Ich könnte auch warten, bis sich unsere Wege wieder trennen. Welch ein Wicht war Herkules verglichen mit meinem Willen? Nicht rauchen also. Auch wenn...




