Murray | Die Quantum-Mission | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Murray Die Quantum-Mission

Thriller
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-641-26759-9
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

ISBN: 978-3-641-26759-9
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wird er das Entführungsopfer rechtzeitig finden? Oder wiederholt sich die Vergangenheit auf schreckliche Weise?

Special Agent Will Parker ist beim FBI, um der Allgemeinheit zu dienen. Doch als seine Vorgesetzten ihm einen undurchsichtigen Partner zur Seite stellen und einen Mordfall zuteilen, der im Zusammenhang mit seiner Vergangenheit steht, wird er misstrauisch. Immerhin war Parker früher CEO seines eigenen IT-Konzerns, und das Mordopfer wollte den bahnbrechenden Prototyp eines Quantencomputers verkaufen, der seiner Firma gehört. Während die Ermittlungen immer undurchschaubarer werden und sogar ausländische Agenten mitmischen, muss sich Parker entscheiden, wem seine Loyalität gehört: seiner Firma oder dem FBI. Da wird die Tochter des Mordopfers entführt, und für Parker wiederholt sich die Vergangenheit. Denn er ging zum FBI, weil er den Tod einer jungen Frau nicht verhindert hatte. Diesmal wird er nicht versagen!

Drew Murray wuchs in Ontario, Kanada, auf. Nach Jahren in der Technologie-Branche widmet er sich nun ganz dem Unterrichten und schreiben. Er ist ein großer Fan von Comic Conventions, Escape Rooms und Brettspielen. Er lebt mit seiner Familie in London, Ontario.
Murray Die Quantum-Mission jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1

10. März 2011

In der Nacht, in der ich nach Japan fliegen sollte, ahnte ich nicht, wie wenig Zeit ich vor meiner persönlichen Apokalypse noch haben sollte. Hätte ich es gewusst, hätte ich eines anders gemacht. Es ist die eine Sache, die mich nachts aufweckt, die Zähne so fest zusammengebissen, dass sie fast zu splittern drohen. Das eine, mit dem ich meine Hände mit Blut besudelt und mein Konto mit einem Tod belastet habe. Das eine, das mich nicht loslässt.

Ein Fehler, den ich gemacht habe.

Schon klar, ich weiß, wir alle machen Fehler und so weiter. Aber ich normalerweise nicht. Ich habe meine erste Firma gegründet, bevor ich Auto fahren konnte. Die Firma, die mich aber wirklich berühmt gemacht hat, die weltweit bekannt wurde, kam später. Sie heißt CastorNet und wurde schon vor dem Börsengang auf über eine Milliarde Dollar geschätzt. Eine solche Firma ist nicht mehr ganz so selten wie früher, aber die Leute merken immer noch auf, wenn sie von einem Zwanzigjährigen geleitet wird.

Doch das reichte mir nicht. Ich wollte einen Platz in den Geschichtsbüchern. Darum wollte ich in dieser Nacht nach Japan fliegen, um einen Deal abzuschließen, der meinen Namen in eine Reihe mit denen von Jobs, Gates und Zuckerberg setzen würde.

Später, wenn alles über die Bühne gegangen war, würde ich in meinem Privatjet eine Flasche Cristal köpfen. Gerade aber nippte ich stattdessen an einem faden grünen Smoothie und hockte mit einem langhaarigen, bärtigen Kerl im Dunkeln vor einem Computerbildschirm, während ich versuchte, mir das FBI vom Hals zu schaffen, ohne alles zu vermasseln.

»Die Schadsoftware wurde implementiert und geht jetzt online«, sagte der haarige Bursche. Der helle Monitor beleuchtete seinen zerzausten Bart und verlieh ihm in der dämmrigen Kabine ein unheimliches Profil. »Was willst du den Leuten von Fukushima Semiconductor sagen, warum du nicht dort auftauchst, um die Übernahme abzuschließen?«

Jack Walton. Meine rechte Hand und mein ältester Freund. Ein brillanter Programmierer, aber wie schon der legendäre Wozniak hatte auch er keinen Sinn fürs Geschäft. Der Aufbau von CastorNet war allein mein Werk. Und er war der Einzige, dem ich diese Sache anvertrauen konnte, denn auch wenn wir es in Absprache mit dem FBI taten, wenn etwas davon durchsickerte, wäre das ein Desaster.

»Ich schaffe es schon noch rechtzeitig dorthin, um den Deal abzuschließen. Ich nehme den Jet, wenn wir hier fertig sind. Ich hab nur keine Zeit, im Hotel einzuchecken, deshalb muss ich am Flughafen duschen.«

»Ein wahrhaft heroisches Opfer, wenn man bedenkt, dass dich dieser Deal zum Milliardär machen wird«, meinte Jack, dem der Widerwille in meinem Tonfall aufgefallen war. »Aber zunächst mal – wer auch immer dieser Kerl ist, wir müssen ihn finden.«

»Werden wir. Sobald dieser FBI-Typ … Wie heißt er noch gleich? Salazar irgendwas …«

»Burke.« Jack verdrehte die Augen. »Special Agent in Charge Salazar Burke.«

»Wie auch immer.« Ich machte eine abfällige Handbewegung. »Danach machen wir mit Fukushima weiter, während Burke die Lorbeeren für unser Genie einheimst.«

Der Mann von der L.-A.-Außendienststelle des FBI war mit einem Problem vor unserer Tür aufgetaucht. Dieser kranke Drecksack Bruce Sterling hatte ein Mädchen namens Kate Mason aus ihrem Bett im College gekidnappt. Laut FBI hatte er schon andere Mädchen entführt, die alle tot aufgefunden worden waren. Und jedes Mal hatte er die Perversitäten, die er ihnen antat, live gestreamt, und dafür hatte er unsere Software benutzt. Noch hatten die Medien keinen Wind davon bekommen, aber das konnte sich jederzeit ändern.

Die negative Presse wäre schlimm für uns gewesen, aber ich war sicher, dass Ace Prior, unser Betriebsmanager, die Sache unter Kontrolle bekommen konnte. Er kann gut mit Kameras und bleibt stets gelassen.

Burke hatte mir und Jack Fotos von Sterlings früheren Opfern gezeigt. Es ist leicht, sich moralisch überlegen zu geben, wenn es nur um Ideale geht, um Wörter auf einer Seite oder um eine Firmenphilosophie. Aber wenn man Dinge sieht, wie Burke sie uns gezeigt hat, verändert dich das. Es trifft dich auf einer weit tieferen Ebene als dem Intellekt. Es zielt direkt in den Teil deines Gehirns, der sich von einem pelzigen kleinen Säugetier weiterentwickelt hat, dessen einziger Antrieb es war, die Angriffe von Raubtieren zu überleben.

Burke erklärte uns, dass er Sterling finden müsse, bevor er all diese Dinge auch Kate antat. Wer Kate war oder woher sie kam, spielte für mich keine Rolle. Sieht man, dass jemandem so etwas Grauenvolles angetan wird, will man helfen. Das heißt aber nicht, dass man gleich alles wegwirft, was man in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat. CastorNets kostbarste Produkte waren sichere private Nachrichten und ebenso sicheres Livevideostreaming. Wenn also jemand herausfand, was Jack und ich für das FBI taten, waren wir erledigt.

»Will, der Marketing-Push von Privacy startet morgen.« Jack zupfte an seinem Bart. »Bist du sicher, dass nicht herauskommt, dass wir eine Hintertür …«

»Nenn es nicht Hintertür!«

»Wie soll ich es dann nennen?«

»Falltür.«

»Es reicht nicht, dass du es einfach umbenennst, Will. Es ist …«

»In derselben Minute, in der diese Sache hier vorbei ist, löschen wir die Falltür«, unterbrach ich ihn und überprüfte die Zeit auf meinem iPhone. »Schmuggel den Patch in ein wichtiges Update und schick ihn morgen raus.«

»Schick mir den Patch, dann pack ich ihn in die Warteschleife.«

»Du hast ihn schon. Er liegt im selben Verzeichnis wie die Änderung der Schadsoftware.«

Das ist der Grund, warum ich vor Ort sein musste. Um sicherzugehen, dass die Sache wirklich erledigt wurde. Entwickler, selbst so brillante wie Jack, brauchen Führung.

»Ich hab ihn nicht«, antwortete Jack. »Du hast selbst die Veränderung an der Software vorgenommen.«

In meinem Magen bildete sich ein Knoten.

Bei dem letzten Push auf Version 1.0 hatten wir die erste Betaversion in einem Programmiermarathon fertiggestellt. Damals hatten viele meiner Mitarbeiter von zu Hause aus gearbeitet, denn Jack hatte mich davon überzeugt, dass es ihnen dann leichter fallen würde, vierundzwanzig Stunden durchzuarbeiten. Ich war der Meinung gewesen, dass es die Leute nur leichter ablenken würde.

Also hatte ich eine Routine in unsere Software implementiert, um die Entwickler zu beobachten. Sie schoss mittels Webcam ein Foto und versah es mit der Botschaft: »Lass dich nicht ablenken. Geh zurück an die Arbeit!«, zusammen mit dem präzisen, aktuellen Aufenthaltsort der betreffenden Person.

Ich fand das damals komisch. Jack nannte es demotivierend. Wie auch immer. Es hatte funktioniert.

Und jetzt benutzten wir diese App, um Sterlings Position zu bestimmen, die wir dann ans FBI weitergeben würden. Eine schnelle Veränderung des Codes sollte verhindern, dass die Message auf Sterlings Bildschirm aufpoppte, denn dann würde er natürlich sofort wissen, dass jemand ihn gefunden hatte. Was würde er Kate dann wohl antun? Und wem würde er alles von unserer »Falltür« erzählen?

»Ich hab die Veränderung nicht vorgenommen.« Ich schluckte schwer. Jack würde mir bestimmt gleich sagen, dass er mich missverstanden habe und alles in Ordnung sei. »Ich war den ganzen Tag mit dem Fukushima-Deal beschäftigt. Du hast die Veränderung an der Schadsoftware vorgenommen.«

»Ich weiß genau, was ich gemacht hab, Will, und ich habe nichts am Programm verändert. Es ist dein Trojaner, nicht meiner. Das hab ich dir gesagt, nach dem täglichen Stand-up-Meeting.«

»Aber du hast den Code getestet!«

»Es gab keinen Test!« Jack tippte wie verrückt, um den Code aufzurufen. »Warum sollten wir deinen Code prüfen? Du bist ein Genie. Du hasst es, wenn ich deine Codes checke.«

Ein gutes Argument. Und vollkommen wahr.

»Dann änder ihn jetzt«, sagte ich und beugte mich über seine Schulter. »Schnell!«

»Bin schon dabei.« Er tippte so hart auf die Tastatur, dass die leere Dose Red Bull auf dem Tisch klapperte. Auf dem Bildschirm tauchte plötzlich ein Schwarm aus Text und Zahlen im Editor auf. »Okay, das ist der Code – wohin muss ich?«

Ich schob Jacks Stuhl zur Seite. »Ich mach es selbst. Ruf du Burke an. Sag ihm, wir brauchen mehr Zeit.«

Jeden Moment konnte Sterling die Falltür auslösen, und nur Sekunden später würde die Botschaft auf seinem Bildschirm aufpoppen. Die Fotos von Sterlings Opfern zuckten in einer stakkatoartigen Slideshow an meinem inneren Auge vorbei, während ich den Code überflog. Ich würde nur eine Minute brauchen, um die Pop-up-Message zu unterdrücken und dann das Update auf Sterlings Computer zu schicken. Das war zwar brachial, aber es würde funktionieren.

Ich erinnere mich an jede App, die ich jemals geschrieben habe, und auch diese bildete keine Ausnahme.

Meine Finger flogen über die Tasten, ich fand das Message-Modul und begann damit, es auszukommentieren.

Bevor ich jedoch fertig war, hörte ich das unverwechselbare Trillern. Es war ein spezieller Klingelton, den ich auf meinem Handy eingerichtet hatte. Er informierte mich, dass ich wieder einen lustigen Webcam-Shot von einem Praktikanten erhalten hatte. Nur war es diesmal kein Praktikant und ganz sicher alles andere als lustig.

Meine Finger erstarrten eine Sekunde über der...


Murray, Drew
Drew Murray wuchs in Ontario, Kanada, auf. Nach Jahren in der Technologie-Branche widmet er sich nun ganz dem Unterrichten und schreiben. Er ist ein großer Fan von Comic Conventions, Escape Rooms und Brettspielen. Er lebt mit seiner Familie in London, Ontario.

Thon, Wolfgang
Wolfgang Thon wurde 1954 in Mönchengladbach geboren. Nach dem Abitur studierte er Sprachwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Berlin und Hamburg. Heute ist er als Übersetzer und Autor für verschiedene Verlage tätig. Er ist Vater von drei mittlerweile erwachsenen Kindern und lebt, schreibt, übersetzt, reitet und tanzt (argentinischen Tango) in Hamburg.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.