Muschitz | Gerüchteküche: Österreich Krimi | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 199 Seiten

Reihe: Tom Meixner Österreich Krimis

Muschitz Gerüchteküche: Österreich Krimi


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-902784-82-7
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 199 Seiten

Reihe: Tom Meixner Österreich Krimis

ISBN: 978-3-902784-82-7
Verlag: Federfrei Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf einem Hunde-Abrichteplatz ist eine Richterin ermordet worden. Als der junge Inspektor Tom Meixner am Tatort eintrifft, lernt er dort die Hundesport-Szene kennen, die ihm bisher völlig fremd war. Im Zuge seiner Ermittlungen erkennt Meixner, dass es bei Hundesportlern, Züchtern und Richtern nicht nur um Tierliebe, sondern um krankhaften Ehrgeiz und jede Menge Geld geht.

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3. Kapitel


Tom schreckte hoch, setzte sich abrupt im Bett auf. Shit, dachte er. Er hatte gestern vergessen, den Wecker zu stellen. Er sah auf den Wecker mit den großen grünen Leuchtziffern neben seinem Bett. 08:45 war dort zu lesen.

»Shit«, zischte Tom durch die Zähne.

Tina lag neben ihm auf dem Rücken, den Mund weit geöffnet, die Arme von sich gestreckt, und gab röchelnde Geräusche von sich. Wie immer, wenn sie getrunken hatte. Er wandte sich ab, er konnte es nicht leiden, wenn sie so dalag. Warum, konnte er auch nicht sagen, aber so war es eben.

Er blieb kurz auf dem Bettrand sitzen, fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar und stand dann auf und verließ das Schlafzimmer. Im Vorbeigehen schaltete er die Espressomaschine in der Küche an und ging weiter ins Bad. Während er sich die Zähne putze, sah er die weißblaue Tube von seinem gestrigen Experiment am Waschbeckenrand liegen. Er stellte sie zurück in Tinas Schrank – sonst konnte es sein, dass sie ihm seine Version doch nicht glaubte.

Tom stieg rasch unter die Dusche und mit um die Hüfte gewickeltem Handtuch zurück in die Küche, um sich einen Kaffee zu machen. Seine nassen Fußabdrücke zogen sich vom Bad in die Küche und von dort quer durch das Wohnzimmer, als er wieder ins Schlafzimmer ging, um sich anzuziehen. Er warf das nasse Handtuch aufs Bett und stand nackt vor seinem Kleiderschrank. Er kramte eine frische Boxershort aus der Lade, stieg in seine blauen Lieblingsjeans, die er im letzten Italienurlaub erstanden hatte und wählte das schwarze Kurzarmhemd dazu, das so eng geschnittene Ärmel hatte, und darin sein Bizeps größer aussah, als er eigentlich war.

Zufrieden ging er zurück in die Küche, trank seinen Espresso und nahm sich noch eine Banane mit. Im Vorzimmer stieg er in seine Stiefel, nahm seine Lederjacke vom Haken – Tina hatte sie gestern Abend anscheinend aufgehängt – und wollte schon die Wohnung verlassen. Als sein Blick auf die Tasche des Opfers fiel, die er gestern vergessen hatte, in ein Sackerl zu geben. Wie wahrscheinlich war es, dass darauf die Fingerabdrücke des Täters waren? Gering, da die Tasche ja bei Frau Bergler in Gewahrsam gewesen war. Tom hängte sie sich um, griff nach seinem Schlüsselbund, der auf der Anrichte neben der Tür lag und verließ die Wohnung in Richtung Polizeirevier.

Der diensthabende Kollege am Eingang runzelte die Stirn, als er Tom hereinkommen sah.

»Auch schon da?«, fragte er spöttisch.

Tom funkelte ihn an. »Was geht Sie das an? Solange der Obduktionsbefund nicht da ist, kann ich ohnehin nichts tun.«

Tom marschierte durch das Drehkreuz, das erst vor ein paar Monaten eingebaut worden war, um das Kommissariat mit dem Parteienverkehr von den restlichen Büros zu trennen. Er ging den grauen kahlen Gang entlang bis zu seinem Büro, das das vorletzte auf der rechten Seite war. Er teilte sich den Raum mit seinem älteren Kollegen, der ihn eigentlich einschulen sollte. Er war ihm als »Mentor« zugeteilt worden, sollte Tom bei der Aufklärung von Fällen unterstützen mit seiner Erfahrung. Doch Tom wollte diesen Fall alleine schaffen. Hatte keine Lust, sich von dem bierbäuchigen Fresssack wieder verarschen zu lassen. Beim letzten Fall hatte er Tom ziemlich blöd dastehen lassen. Hatte Tom vor versammelter Mannschaft und seinem Chef als Blödmann hingestellt, weil er übersehen hatte, dass die Leiche ein Transvestit war. Der Kerl sah aber so was von echt aus, dass Tom damals beim ersten Untersuchen des Tatortes nicht auf die Idee gekommen war, dass die Frau, die da vor ihm auf dem Bett gelegen hatte, keine Frau, sondern ein Mann war. Stark geschminkt zwar, aber das hatte alles so echt ausgesehen. Und da er sich dafür nicht interessierte, wusste er nicht, dass ein bekanntes Transvestitenpaar aus Amerika derzeit in ganz Österreich auf Tournee war. Egal, so etwas würde ihm kein zweites Mal passieren. Diesmal wusste er, dass das Opfer weiblich war. Und er würde den Kollegen Waldmüller erst morgen informieren. Schließlich hatte er gestern Bereitschaft gehabt und nicht sein Kollege. Also war es sein Fall. Und den wollte er alleine durchziehen.

Tom legte die Tasche des Opfers auf seinen Schreibtisch und ließ sich auf seinen Bürosessel fallen. Der Obduktionsbericht war noch nicht eingetroffen. Also hatte Tom Zeit, sich den Inhalt der Tasche nochmals genauer anzusehen. Vorsichtig leerte er den Inhalt auf seinen Schreibtisch. Er studierte gerade das Notizbuch und die vielen kleinen Notizzettel, als es an der Tür klopfte und der Kollege von der Gerichtsmedizin hereinkam.

»Oh, der Herr Gerichtsmediziner höchstpersönlich«, freute Tom sich.

Der dicke Mediziner hielt Tom einige Papiere entgegen. »Ja, bin heute alleine. An den Wochenenden wurden die Assistenzen gestrichen, um Steuergelder zu sparen. Gott sei Dank war gestern nicht so viel los, sodass es geht. Hoffentlich bleibt es auch heute so.«

Tom überflog den Bericht, doch er konnte mit dem lateinischen Geschwafel nicht viel anfangen. »Können Sie mir in kurzen, verständlichen Sätzen erklären, was da drinnen steht«, fragte Tom freundlich.

Der Mediziner lächelte. »Darf ich?«, fragte er und deutete auf den Stuhl von Toms Kollegen, dessen Schreibtisch Toms gegenüber stand.

»Natürlich«, nickte Tom.

Der Gerichtsmediziner ließ sich schnaubend auf den Sessel fallen, schlug seinen weißen Mantel über seinem beachtlichen Bauch zusammen, faltete die Hände und sah Tom aufmerksam an.

»Also, das Opfer ist verblutet. Nicht gerade ein schneller Tod. Sie konnte jedoch nicht um Hilfe rufen, da ihre Stimmbänder zumindest teilweise durchtrennt waren. Der Schnitt ist von rechts nach links durchgeführt worden«, erklärte dieser.

»Also ein Linkshänder«, schloss Tom daraus.

»Ja, ein Linkshänder«, bestätigte der Gerichtsmediziner.

»Und die Mordwaffe? Gibt es darauf einen Hinweis?«, fragte Tom.

Der Gerichtsmediziner schürzte die Lippen. »Nach wie vor schwer zu sagen. Auf alle Fälle aus Metall, aber nichts zu Spitzes – dafür waren die Wundränder zu ausgefranst. Und die Waffe muss irgendwie gebogen sein«, erklärte der Mediziner.

»Was meinen Sie mit ›nicht zu spitz‹?«

»Na ja, es war kein Messer, eher etwas wie ein großer Nagel oder so. Verstehen Sie?« Tom schüttelte den Kopf. Der Mediziner deutete Tom, ihm die Unterlagen rüberzureichen. Tom schob die Zettel über den Tisch. Der Mediziner griff danach und blätterte einige Seiten nach hinten, bis er zu den Fotos des Opfers kam. Er deutete auf die Halswunde. »Sehen Sie, die Wunde ist tief, und die Ränder sind stark ausgefranst. Das deutet auf einen stumpfen Gegenstand hin. Am Beginn der Wunde haben Sie eine Art Einstich – da wurde die Waffe in den Hals des Opfers geschlagen und dann quer über den Hals gezogen.«

Tom nickte.

»Dieser Einstich ist aber nicht von einem Messer – der wäre länglich. Dieser Stich ist rund wie eben von einem dicken Nagel. Aber es kann auch kein Nagel sein – dafür ist der Einstich zu dick. So dicke Nägel gibt es nicht. Und der Wundverlauf deutet darauf hin, dass das Ding darüber hinaus gebogen ist.«

Tom nickte und sah den Arzt nachdenklich an. »Ein gebogener Gegenstand, der dicker ist als ein Nagel – was kann das sein?«, fragte Tom eigentlich mehr zu sich.

Sein Gegenüber grinste ihn breit an »Das ist Ihr Teil des Jobs.«

»Ja, ja, schon klar. Sonst noch was Auffälliges?«

»Ja, wie gesagt, in der Wunde befand sich Erde.«

»Soll das heißen, dass die Mordwaffe mit Erde verschmutzt war?«, fragte Tom ungläubig.

Der Mediziner nickte. »Ja, da die Erde ziemlich tief in der Wunde zu finden war.«

»Also suche ich nach einem Werkzeug, mit dem man in der Erde gräbt. Könnte es so etwas wie diese Krallen sein, mit denen man den Boden auflockert und Unkraut rausreißt?«, sinnierte Tom.

»Leicht möglich. So etwas könnte das sein«, antwortete der Mediziner. Tom dachte kurz nach. Aber wer würde so eine Gartenkralle mit auf eine Hundeausstellung nehmen?

»Sonst noch was?«, fragte Tom.

»Das Opfer scheint sich gewehrt zu haben. Wir haben Kampfspuren an ihren Händen gefunden. Auch ein paar Hautpartikel unter den Nägeln. Die sind schon im Labor, um zu untersuchen, ob verwertbare DNS enthalten ist. Sie bekommen den Bericht vom Labor, sobald die fertig sind.«

»Danke«, antwortete Tom.

Der Mediziner stützte sich mit seinen großen Händen am Tisch ab, um aufzustehen.

»Wann war jetzt nochmal die genaue Todeszeit?«, fragte Tom den bereits zur Tür gehenden Arzt.

»Das, lieber Herr Kollege, steht im Bericht – den Teil werden Sie schon verstehen«, gab der Gerichtsmediziner lächelnd zurück, öffnete die Tür und verabschiedete sich, noch bevor Tom antworten konnte.

Tom sah auf die Uhr: 10:30. Er fragte sich, wo die Aufzeichnungen von Herrn Weiss...



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