E-Book, Deutsch, Band 4, 256 Seiten
Reihe: Lecker Erotik
Mutzenbacher / Olsen Meine 365 Liebhaber
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-1950-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 4, 256 Seiten
Reihe: Lecker Erotik
ISBN: 978-3-7568-1950-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der tatsächliche Autor des Werkes ist unbekannt, vermutlich handelt es sich nicht um denselben, der den ersten Band verfasst hat - aber wer weiß das schon ...
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Der neue Freund
Es hat mir immer Spaß gemacht, sowas wie ein Tagebuch zu führen. Es macht einem viel Freude, solche Sachen später einmal durchzulesen und sich manches in die Erinnerung zurückzurufen. Man sieht, wie man älter und gescheiter wird — manche werden freilich nie gescheit — und muß manchmal lachen, wenn man an allerhand komische Begebenheiten erinnert wird. Und wenn man von Zeiten liest, wo es einem schlecht gegangen ist, freut man sich, das das längst vorbei ist. Und man sieht immer wieder, daß das alte Wort: »Durch Schaden wird man klug« wahr ist. So hab ich denn von Zeit zu Zeit mich hingesetzt und allerhand aus meinem Leben aufgeschrieben und heut als Alte — jaja, als Alte — les ich ganz gern meine eigene Lebensgeschichte durch. Diese Blätter aber sollen nach meinem Tod verbrannt werden. Ich habs zu meinem eigenen Vergnügen aufgeschrieben und nicht für andere Leute, auch für meine nächsten Verwandten nicht. Ich hab so gelebt, wie meine Natur es mir vorgeschrieben hat und hab mich immer bemüht, keinem Menschen weh zu tun. Eine »Bisgurrn«, wie man in Wien sagt, bin ich glaub ich nicht gewesen und man hat sich mit mir gut vertragen können. Das es in meinem Beruf oft Streitereien und Tratsch und allerhand Schererei gibt, ist ja leider wahr, aber ich war nie nachträglich und bin meist selbst dabei gut gefahren. Die Männer haben sich bei mir gut unterhalten und brav gezahlt und oft hab ichs auch umsonst getan, denn ich hab immer gern gevögelt. Ein paarmal war ich nah dran, mich verhauen, hab mich aber immer noch rechtzeitig »derfangen«, wie man in Wien sagt. Das alles les ich aus meinem Tagebuch heraus. Aber es ist nicht dazu da, damit andere sich daran aufgeilen, meiner Seel, nein. Wenn wer sein Vergnügen haben will, so soll er selbst vögeln. Ich hab für mich gevögelt und hab es schön gemacht. Aber von Vögeln lesen, das hat eine wie ich nicht nötig. Wenn man überstandene Remmeleien liest, das kommt mir immer so vor, wie ein aufgewärmtes Essen. Da ist es mir auch lieber, wenn mein Tagebuch verbrannt wird, es geht keinen was an.
Ich hab schon erzählt, wie ich von unserm Mieter und seiner Geliebten »abgerichtet« und auf den Strich geführt worden bin. Sie haben mich brav angelernt und ich hab mit meiner Freundin viel erlebt. Jeden Tag hab ich was Neues gesehen und sie hat mir alles erklärt und ich hab alles schnell begriffen, denn ich war immer gern eine Dirne, so komisch das vielleicht klingt. Ich glaube, es ist besser, das zuzugeben, als wenn eine weiß Gott wie heilig tut, wie eine Betschwester und im geheimen vögelt sie ärger als unsereine, die schließlich davon leben muß. Leicht ist das Geschäft wirklich nicht und manchmal muß man sich schon zusammennehmen, daß man dem Mann nicht zeigt, wie er einem graust. Fast jeder hat besondere Wünsche und Kleinigkeiten, die er gern hat und wenn eine das vom Anfang an spürt, zahlt er gern recht nobel. Nicht nur in der Fummel, auch in den Fingern und in der Zunge und eigentlich überall muß man des Gefühl dafür haben, was so einem Mannsbild gut tut. Und wenn man sowas macht um sein Brot damit zu verdienen, darf man eben nicht auf sein eigenes Vergnügen schauen. So ein Mannsbild liegt auf einem, stoßt und sticht und bohrt und keucht vor Geilheit und wenn er fertig ist, brummt er manchmal noch. Ich hab mir immer auch was fürs Herz ausgesucht, auch wenn das nur so zwischendurch war. Hab ich ein recht schäbigen, schiechen und ekelhaften Kerl bedient, hab ich womöglich noch am selben Abend mit einem Feschen gepudert, damit ich wieder »auf gleich komm«.
Hübsch war ich und jung und nicht auf den Mund gefallen und hab immer dabei noch allerhand Witze gemacht, das haben viele gern. Wenn sie mich haben ausfragen wollen, woher ich bin, was meine Eltern sind und so, bin ich immer ausgewichen. So blöde Schwindelgeschichten, wie die Mädeln sie oft erzählen, hab ich mir nie erfunden. Meinen Vater hab ich unterstützt, so lang es gegangen ist. Wie ich anfing, mehr Geld zu verdienen, hab ich ihm nicht alles gegeben, sondern hab mir langsam nach und nach allerhand hübsche Sachen zum Anziehen gekauft, wie meine Freundin es mir geraten hatte. Auch gutriechende Seife und Parfüm hab ich damals gehabt und wenn mein Vater fragte, woher ichs hab, hab ich gesagt, ich hätt mit einem gevögelt, der ein Geschäft für solche Sachen hat. Und der hätt mirs aus Dankbarkeit geschenkt. Denn mein Vater hätt mir alles weggenommen, er maulte schon, wenn ich ihm im Tag nicht mehr als zwei Gulden gab, dabei hatten wir früher oft nicht einmal zu essen gehabt. Jetzt aber glaubte er, es müßten ihm die gebratenen Tauben ins Maul fliegen und kam immer mehr ins Saufen. Was ich ihm brachte, trug er ins Wirtshaus, Arbeit suchte und fand er keine mehr und kam recht herunter. In den Wirtshäusern frozzelten sie ihn und zogen ihn mit mir auf. Sie sagten, es sei doch schön, wenn die Tochter so für den Vater sorge und hätt mans nicht, so tät mans nicht. Mein Vater war meist angetrunken damals und so wurde er einmal rabiat und haute einen, der wieder was auf mich sagte, mit dem Bierkrügel auf den Kopf. Es entstand eine schreckliche Rauferei, mein Vater kam blutig und zerschunden und mit ganz roten Augen vor Wut nach Hause und machte mir einen Riesenwirbel. Ich hab ihn immer gern gehabt und hab ihm nichts nachgetragen, wenn er sich auch an mir vergangen hatte und mir das Geld abnahm. Aber was zu viel ist, ist zu viel und so bin ich paar Tage darauf ausgezogen und hab mir ein kleines Zimmer am Alsergrund genommen. Dort war ich allein und konnte mit meinem Geld ganz gut leben. Ich hatte die ewigen Sticheleien und Streitereien satt. Mein Vater kam ein paarmal, traf mich aber zum Glück nicht zu Haus und zweimal schrieb er mir und einmal schickte er einen Burschen mit einem Zettel, ich solle doch nach Haus kommen. Das tat ich aber nicht, dafür schickte ich ihm öfters ein paar Gulden. Verhungern lassen konnte ich ihn auch nicht. Ich erfuhr nur hie und da, von Bekannten und früheren Freunden aus unserer Gegend, daß er sich in allen Gasthäusern herumtrieb und auf mich schimpfte und die Leute sich einen Wurstl aus ihm machten und das tat mir doch weh.
Wir waren damals unser sechs, lauter junge, hübsche Hurln, die wohl aufs Geld sahen, aber oft auch allerhand Unsinn trieben, wie die Backfische. Ganze Abende und ganze Nächte lang saßen wir in einem Gasthaus oder in kleinen, billigen Kaffeehäusern, tratschten, richteten die Männer aus, machten sie nach, schimpften, wenn einer eine von und »geblitzt« hatte und halten einander brav aus, wenn eine einmal gar kein Glück gehabt hatte. Wir waren jung und frisch und lustig und billig waren wir auch, für einen oder zwei Gulden nahm uns mancher mit ins Bett, zwei kleine aber saubere Hotels waren gleich in der Nähe. Im Sommer saßen wir vor dem Wirtshaus hinter Oleanderhecken, die der Pikkolo uns immer bequem zusammenrückte. »Schanigarten« heißen diese Efeu- oder Oleandersträucher in Wien und wir hatten unseren eigenen Stammplatz, das wir das »Hofdamen-Salettel« nannten. Dort saßen wir bei einem Viertel Wein oder einem Glas Bier und tratschten Stundenlang. Manchmal gingen Männer vorbei, streckten einen Finger durch das Blattwerk und kitzelten eine von uns oder winkten. Oder sie streckten den Kopf über den Schanigarten zu uns herein und sprachen uns an, oft recht lustig. Einmal fragte einer: »Bittschön, bin i da recht beim Cäcilienverein?« Dann gab es immer ein großes Gelächter und die, die er wollte, stand auf, nahm ihr Tascherl, sagte: »Kinder, i geh mich trauen lassen« und verschwand mit dem Mann. Wir winkten ihr nach und riefen allerhand Frozzeleien, eifersüchtig oder neidig war keine von uns, jeder gönnte der ändern was, wir waren noch jung und lustig, freuten uns an unserer eigenen Hübschheit und ließen den Herrgott einen guten Mann sein. Manchmal begannen wir schon am frühen Nachmittag nach den Männern auszusehen, mußten uns aber dann mehr in den stillen Seitengassen aufhalten, um nicht aufgeschrieben zu werden. Und manchen schnell verdienten Gulden haben wir denn in den Kaffeehäusern und beim Zuckerbäcker vernascht. Oft lud eine alle andern zur Jause ein. Wenn eine mit einem Mann ging, war sie bald wieder da, kaum daß es eine halbe Stunde dauerte. Wir trugen alle nur ein dünnes Hemd unter unseren lichten, bunten Kleidern, nackt waren wir also bald und der Mann, der meist vom Geschäft nach Haus ging, kam bald zu seinen Schätzen. Sie wollten ein kleines Vergnügen haben, bevor sie zu ihrer Alten heimgingen und zahlten ganz gern eine Kleinigkeit. Oft brachte eine noch Zigaretten mit, die ihr einer geschenkt hatte und dann wurde geraucht. Mir schmeckte das nicht besonders, aber einen Schluck hab ich immer vertragen. In der Beziehung hab ich immer auf mich acht gegeben, denn Rauchen und Saufen und nächtelang aufbleiben und im Rauch herumhocken, ruiniert viel mehr, als das Stoßen und Pudern. Eine war bei uns — Steffi hat sie geheißen — die konnte alle Männer wunderbar nachmachen, besser als eine gelernte Schauspielerin. Sie konnte nachmachen, wie der Wirt blinzelte, wenn eine von uns stier war und »aufschreiben« lassen mußte, sie machte eine bissige Zimmerfrau, sie böhmakelte, konnte so bellen, daß der Wirtshaushund rebellisch wurde und am schönsten machte sie, wie die verschiedenen Männer beim Verkehr keuchten und schnauften und grunzten. Kam eine von uns aus dem Hotel zurück, so fragte sie die Steffi, wie der Mann ausgeschaut habe, mit dem sie gepudert hätte und dann machte sie uns alles vor, jeden Seufzer, jedes betrunkene Wort und die, die gerade von dem Mann kam, quietschte vor Lachen, weil alles so gut stimmte. Die Steffi brauchte einen Mann nur anschauen und wußte schon, wie er im Bett war. Dabei ging sie selbst nicht einmal oft mit, denn sie war ein...




