Myers | Mord unterm Tannenzweig | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 6, 319 Seiten

Reihe: Didier & Rose ermitteln

Myers Mord unterm Tannenzweig

Kriminalroman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-8412-1242-9
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 6, 319 Seiten

Reihe: Didier & Rose ermitteln

ISBN: 978-3-8412-1242-9
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Endlich hat Chefkoch Auguste Didier Gelegenheit, sich einen Traum zu erfüllen: Über Weihnachten und Silvester 1900 darf er als Hoteldirektor fungieren. Aber viel Glück hat er in seinem neuen Job offenbar nicht. Seine noble, internationale Gästeschar, die hier die Feiertage verbringt, ist nicht so leicht zufriedenzustellen, und der italienische Koch des vornehmen Hauses erweist sich als Katastrophe. Als Auguste am ersten Weihnachtsfeiertag im Gesellschaftszimmer in einer Truhe auch noch die Leiche eines der Dienstmädchen entdeckt, ist das Chaos fast vollkommen ...



AMY MYERS wurde 1938 in Kent geboren. Sie studierte an der Reading University englische Literatur, arbeitete als Verlagslektorin und war bis 1988 Direktorin eines Londoner Verlages. Seit 1989 ist sie freischaffende Schriftstellerin. Sie ist mit einem Amerikaner verheiratet und wohnt in Kent. Amy Myers schreibt auch unter dem Namen Harriet Hudson und Laura Daniels.In ihren ersten Ehejahren arbeitete ihr Mann in Paris, und sie pendelte zwischen London und der französischen Hauptstadt hin und her. Neben vielen anderen Dingen mußte sie nun lernen, sich auf französischen Märkten und den Speisekarten französischer Restaurants zurechtzufinden. Dabei kam ihr die Idee, einen französischen Meisterkoch zum Helden eines klassischen englischen Krimis zu machen: Auguste Didier war geboren. Alle Kriminalromane von Amy Myers erscheinen im Aufbau Taschenbuch Verlag.

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1. Kapitel


Von widerstreitenden Empfindungen hin und her gerissen, zögerte Auguste an der Tür zur Küche. Wie hatte er bloß etwas so Wichtiges wie die Zubereitung der Entenfüllung einem neuen unerprobten Küchenchef anvertrauen können? Doch wie konnte er andererseits dessen Tätigkeit überwachen, ohne dem Mann die schwerste Kränkung zuzufügen, die zwischen Küchenchef und Küchenchef denkbar war – nämlich mangelndes Vertrauen erkennen zu lassen? Vielleicht ließ sich in diesem Fall ein plausibler Grund dafür anführen: er kannte Signor Fancellis Arbeit nicht …

Nein. Zögernd ließ seine Hand den Türknauf los, weil er sich ins Gedächtnis zurückrief, daß er sowohl maître d’hôtel als auch Gastgeber war. Und ein Gastgeber, sagte er sich reuig, mischte sich nicht in die Einzelheiten des Kochens ein, wie groß die Versuchung auch immer sein mochte. Ein Auge auf die Küche und die Tafel zu haben, das war alles, was verlangt wurde. Er hatte sich lediglich vorbehalten, letzte Hand an den Wildschweinkopf zu legen und beim Weihnachts-Galadiner die feierliche Prozession anzuführen, mit der der Kopf hereingetragen wurde. Das verdiente er schließlich, sagte sich Auguste trotzig, denn welchen Sinn hatte es, Gastgeber zu sein, wenn andere Leute all die aufregenden und Spaß machenden Pflichten übernahmen?

Die Küchentür wurde von innen mit Schwung geöffnet, und Auguste errötete bei dem Gedanken, man könnte meinen, er drücke sich an der Tür herum. Aber Antonio Fancelli schien es gar nicht zu bemerken.

»Monsieur Didier, der Pudding«, sagte er vorwurfsvoll. »Sie wollten ihn rühren. Sie sind nicht gekommen.«

»Ah.« Auguste schwoll die Brust. Das Rühren war nur ein Vorwand, um sich zu vergewissern, daß man dem Pudding auch die nötige Aufmerksamkeit gewidmet hatte. Vor ein paar Jahren hatte er, Auguste, zusammen mit Maisie den Weihnachtspudding gerührt – ein Ritual zu Ehren der Heiligen Drei Könige, das die Engländer hochhielten. Liebe Maisie. Er lächelte ein wenig schmerzlich. Wie hätte er ihre Bitte ablehnen können? Und schließlich war es ja absolut nicht sicher, ob das Cranton wirklich zum Schauplatz eines schurkischen Verbrechens geworden war. Er vermied es geflissentlich, an Mord zu denken. Von Morden hatte er weiß Gott genug …

Niemand hatte ihm glauben wollen. Nicht einmal Inspektor Egbert Rose von Scotland Yard.

»Aber da lag eine Leiche«, hatte Auguste immer wieder geschrien, und immer wieder hatte er in höflich-ungläubige Gesichter geblickt.

Rose war überzeugt davon, daß er sich das alles nur eingebildet hatte. Augustes »Leiche war bei Scotland Yard fast zum Standardwitz geworden. Twitch, die Nervensäge, oder vielmehr Sergeant Stitch, wie er richtig hieß (was Rose häufig vergaß), hatte dafür gesorgt. Twitch, nicht gerade ein Bewunderer von Auguste Didiers detektivischen Fähigkeiten, war entzückt darüber, daß »der Franzmann einen Dämpfer verpaßt bekam«, wie er es selbstgefällig formulierte. Rose machte Auguste so taktvoll wie möglich begreiflich, daß er sicher überarbeitet gewesen sei. Seine Männer hätten jeden Quadratmeter Straße rings um das Cranton untersucht; es gab keine Leiche, es gab keine Blutspur.

»Natürlich nicht«, hatte Auguste verärgert erwidert. »Die Mörderin hatte doch Zeit genug, beides zu beseitigen.«

Bis er es geschafft hatte, einen Ladenbesitzer davon zu überzeugen, daß er kein Verrückter sei und nichts weiter verlange als einen Anruf bei Scotland Yard, war genug Zeit verstrichen, um zwanzig Leichen verschwinden zu lassen.

»Wie denn?« fragte ihn Rose barsch. »Tote sind schwer. Deine Mörderin konnte doch die Leiche nicht einfach über die Schulter hieven und damit weggehen.«

»Vielleicht wohnt sie ganz in der Nähe«, konterte Auguste unnachgiebig.

»Junge Damen wohnen nicht allein«, knurrte Rose. »Und es hätte möglicherweise kritische Bemerkungen gegeben, wenn sie eine Leiche ins Wohnzimmer der Familie mitgebracht hätte.«

»Dann hat eben jemand anders sie verschwinden lassen«, sagte Auguste mit zornfunkelnden Augen.

»Warum?« fragte Rose betont freundlich.

»Das weiß ich nicht«, schrie Auguste. »Es ist deine Aufgabe, das herauszukriegen.«

»Aber nicht, wenn es keine Leiche gibt«, beschied ihn Rose kurz und wich Augustes vorwurfsvollem Blick aus. »Kein junges Mädchen ist als vermißt gemeldet worden.«

»Das ist doch bestimmt nicht ungewöhnlich in London«, erwiderte Auguste. »Selbst heutzutage laufen viele Mädchen von zu Hause weg und gehen auf die Straße, und keinem fällt es auf, wenn sie verschwinden.«

»Die Mädchenhändler sind daran interessiert, die Mädchen am Leben zu erhalten, nicht sie umzubringen«, erklärte Rose trocken.

Er war müde. Er hatte über eine Woche mit der ergebnislosen Suche nach Augustes Leiche verschwendet – eine Tatsache, auf der Twitch immer wieder herumritt. Und diese Woche fehlte Rose sehr, denn es gab da gewisse sehr ernste Dinge, die, wenn sich herausstellte, daß etwas an ihnen dran war, weitaus wichtiger waren als das Verschwinden eines einzelnen Mädchens – Dinge, die er nicht mit Auguste besprechen konnte.

»Du hattest ein bißchen die Grippe, nehme ich an. Da passieren einem komische Sachen. Man sieht Gespenster.« Rose gab sich Mühe, das unangenehme Schweigen zu beenden.

»Es stimmt, ich hatte ein Medikament eingenommen, in dem Opium enthalten ist. Aber so wenig, daß …«

»Halluzinationen«, verkündete Twitch fröhlich von der Tür her.

»Kann Blut eine Halluzination sein?« fragte Auguste erregt. Am Ärmel seines Mantels war ein Blutfleck gewesen, aber das hatte keinen Eindruck gemacht.

»Rote Grütze macht auch rote Flecken«, schnaubte Twitch und kicherte vor Überraschung darüber, daß ihm ein Witz gelungen war.

Augustes Blick wanderte zu Rose hin. Rose sagte nichts, doch seine Mundwinkel zuckten. Auguste empfahl sich mit aller Würde, die ihm zu Gebote stand. Seitdem hatte er seinen Freund nicht mehr gesehen.

Um so angenehmer wurde er zwei Tage später überrascht. Die liebe Maisie, die ihn und das Galaxy-Theater verlassen hatte, um in die Aristokratie einzuheiraten, hatte ihn zum Tee zu sich eingeladen. Maisie, die rundlichen Formen von einem fließenden blauen Gewand umhüllt, das wie ein Mittelding zwischen einem Lily-Langtry-Jerseykleid und einem Morgenmantel aussah, bewegte sich am Eaton Square ebenso ungezwungen wie im Grünen Zimmer des Galaxy. Seit ihrer Heirat hatte er sie nur sehr selten zu Gesicht bekommen, und die Einladung kam ganz unverhofft. Er schob den Gedanken beiseite, daß Maisies Gatte ihm möglicherweise in Liebesdingen nicht das Wasser reichen konnte, denn er wußte sehr wohl, wenn das wirklich zutraf, würde Maisie nicht zögern, ihm ihre Wünsche zu offenbaren. Seine Hoffnungen, wenn es solche waren, wurden jedoch enttäuscht. Maisie hatte Geschäfte, nicht Liebe im Sinn.

»Das Cranton?« fragte Auguste verblüfft. »Das Cranton?« Er überlegte, ob es sich vielleicht um eine raffiniert ausgeklügelte Verschwörung handeln könnte.

»Im Cranton läßt sich mit Seifenwasser und Farbe alles wieder in Ordnung bringen«, sagte Maisie heiter. »Also was hast du? Ich dachte, du würdest dich freuen, aber du machst ein Gesicht, als hättest du ein faules Ei in den Weihnachtspudding fallen lassen.«

»Ich will nichts vom Cranton wissen«, rief Auguste erregt, »nichts, gar nichts.«

Maisie war überrascht über diese unerwartete Reaktion. Doch sie kannte Auguste. »Also gut.« Ein tiefer Seufzer. »Dann muß ich eben jemand anders bitten. Vielleicht Mrs. Marshall«, sagte sie, nachdenkend. »Oder Nicholas Soyer. Er ist ein Nachkomme von Alexis, nicht wahr? Er hat einen guten Ruf. Vielleicht würde er es gern machen.«

»Nein!« donnerte Auguste, aufgeschreckt durch die verhaßten Namen seiner Konkurrenten.

Sie wechselten einen Blick.

»Erzähl mir mehr über die Sache«, sagte er resigniert.

»Ich betreibe ein Reisebüro, weißt du«, belehrte ihn Maisie voller Stolz. »Ich muß sagen, Auguste, dieser Gewürzkuchen schmeckt gar nicht übel. Das Rezept habe ich vom Ritz stibitzt.«

»Der Küchenchef wäre sicher entzückt über dein Lob«, knurrte Auguste. »Und nun erzähl mir, was es mit dem Cranton auf sich hat und warum du ein Reisebüro betreibst. Sorgt dein Mann nicht für dich? Ah, Maisie, ich hatte dich gewarnt …«

»Sei doch nicht so altmodisch, Auguste.« Maisie leckte sich die Finger ab. »Wenn George hier wäre, dürfte ich das nicht tun«, verkündete sie befriedigt.

»Welche Ehre für mich«, sagte Auguste.

»George und ich haben ein Abkommen«, erklärte ihm Maisie vergnügt. »Das heißt, ich habe ein Abkommen, und er akzeptiert es. Ich habe ihm den Sohn und Erben und eine Tochter geschenkt. Jetzt habe ich ein oder zwei Jahre frei und kann tun, was mir gefällt. Natürlich brauche ich einen Geschäftsführer, weil ich ab und zu meinen gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen muß, doch ich habe ein Auge auf ihn. Du weißt, wie Männer sind. Sie achten nicht auf die Details.«

»Aber, Maisie, du weißt sehr gut …« Auguste stockte, als sie ihm zuzwinkerte. Ah, wie gut erinnerte er sich an diesen Blick …

»Ich habe so etwas wie Cooks Reisen für gehobene Kreise organisiert«, sagte Maisie frohgemut. »Lady Gincracks Luxusferien für Leute von Stand. Gefällt dir das?«

»Und wer ist diese gräßliche Dame?« fragte er...



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