Myers / Winston | Der geheimnisvolle Traummann | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1517, 192 Seiten

Reihe: Baccara

Myers / Winston Der geheimnisvolle Traummann


1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-914-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1517, 192 Seiten

Reihe: Baccara

ISBN: 978-3-86349-914-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer ist der rätselhafte Fremde, den Frannie auf der Straße aufgelesen hat? Offenbar das Opfer eines Überfalls, denn er ist unbekleidet, verletzt - und kann sich an nichts erinnern, nicht einmal an seinen Namen. Hilfsbereit nimmt Frannie ihn bei sich auf ... und spürt bald, wie es zwischen ihr und dem aufregend attraktiven Mann knistert. Noch nie hat sie eine derart intensive Sehnsucht verspürt. Dann, endlich, küsst er sie. Wie berauscht gibt Frannie sich seinen Zärtlichkeiten hin und genießt die leidenschaftlichen Stunden. Bis unerwartet der Sheriff an die Tür klopft...



Anne Marie Winston lebt im ländlichen Pennsylvania und war früher Lehrerin. Doch als sie wegen ihrer Kinder zu Hause blieb, wusste sie eines Tages, dass es an der Zeit war, etwas Neues zu probieren. 1989 fing sie an, ihre erste Romance zu schreiben, und 1991 verkaufte sie ihr erstes Manuskript an den Verlag Silhouette. In der Zwischenzeit sind zahlreiche Liebesromane dazugekommen, die Anne Marie etliche Auszeichnungen eingebracht haben und oft auf den Bestsellerlisten der USA erscheinen. Anne Marie ist engagiertes Mitglied bei den Romance Writers of America und den Novelists, Inc. und wurde für ihre Verdienste in diesen Organisationen geehrt. Landesweit wird sie häufig als Sprecherin zu Konferenzen eingeladen, und im letzten Sommer lehrte sie am Smithsonian Institute ein Seminar zum Thema kreatives Schreiben. Anne Maries Hobbys sind Eiskunstlauf, Theater spielen und tanzen, gärtnern und die Tiere pflegen, die ihrer Familie immer wieder zulaufen. Außerdem isst sie für ihr Leben gern Schokolade! Sie kocht nur, wenn es sich nicht umgehen lässt, und verbringt viel Zeit damit, ihre Kinder zu ihren verschiedenen Aktivitäten zu fahren. Mehr über Anne Marie erfahren Sie auf ihrer Website www.annemariewinston.com. Sie können ihr auch unter folgender Adresse schreiben: P.O.Box 302, Zullinger, PA 17272.

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1. KAPITEL

„Frannie, tanz mit mir!“

„Danke, Moose, aber ich möchte, dass meine Zehen heil bleiben. Außerdem ist es Zeit für die letzte Runde. Willst du noch ein Bier?“

Er wollte und bestellte für die beiden Stammgäste, die neben ihm saßen, gleich mit. Frannie nickte, ging zum nächsten Tisch und wiederholte ihre Frage.

„Ich hab ’ne bessere Idee, Frannie-Darling“, rief ein dicker Mann, der am anderen Ende des Tisches saß, und grinste. „Wie wär’s, wenn du mich mit in deinen kleinen alten Trailer nimmst? Ich hab nämlich heute Abend ’n gewaltiges Verlangen danach, bei dir unterzukriechen.“

„Ich glaub schon, dass du dringend wo unterkriechen solltest, Howie“, gab sie zurück, während sie den vollen Aschenbecher auf seinem Tisch gegen einen sauberen austauschte. „Aber was würde deine Frau dazu sagen?“

Er grinste und versuchte, ihr zuzuzwinkern. „Dass du den Verstand einer Mücke haben musst.“

Frannie wartete, bis seine Kumpels aufgehört hatten, zu grölen und sich auf die Schenkel zu klopfen. „Du weißt, dass ich auf die Meinung von Pru viel gebe. Außerdem magst du keine Tiere. Der Mann, der bei mir unterkriechen darf, muss meine Tiere mögen.“

„Kein Mensch außer dir könnte diese Kreaturen mögen, Frannie.“

Sie zuckte die Achseln, lächelte, sammelte leere Bierflaschen ein und stellte sie zu denen auf ihrem Tablett. „Sicher, sie sind nicht so hübsch wie Lassie oder reden mit dir wie Mr. Ed, aber ich ziehe ihre Gesellschaft jedem Mann vor, mit dem ich bisher ausgegangen bin. Sie bleiben übrigens auch länger bei mir“, fügte sie scherzhaft hinzu. „Also, wer außer Howie, der nur noch Kaffee kriegt oder mir seinen Autoschlüssel geben muss, will noch was zu trinken?“

Ein paar Gäste bestellten noch. Sie ging zur Bar und ratterte die Liste für Benny herunter. Der Besitzer des Two-Step-Clubs öffnete den Kühlschrank, um die Bierflaschen herauszuholen.

„Es ist nichts mehr los, seit diese Holzfäller weitergezogen sind“, grummelte Benny und stellte Bourbon und eine Wasserkaraffe auf Frannies Tablett.

Frannie rümpfte die Nase, was sowohl den vollen Aschenbechern galt, die sie gerade ausleerte, als auch Bennys Bemerkung. Nur weil sich die Gäste an der Bar nicht stapelten, glaubte er sich schon halb bankrott. Sie dagegen vermisste das Trinkgeld der Holzfäller durchaus nicht.

„Ich bin froh, dass sie überhaupt noch ein paar Bäume stehen gelassen haben, ehe sie verschwunden sind“, bemerkte sie. Auf dem Weg zur Arbeit kam sie immer an einigen der hässlichen Brachen vorbei, die nach den Rodungen übrig geblieben waren. Es sah dort eher aus wie nach einem Waldbrand oder Schlimmerem.

Der schmächtige Wirt warf den Kopf zurück, was seine Matrosenmütze ins Rutschen brachte, und stöhnte entnervt. Im Hintergrund wechselte die Jukebox von einem traurigen Westernsong zu fetzigem Rock ’n’ Roll. „Könnten wir die Umweltdiskussion fürs Erste mal lassen?“ Er musste fast schreien, um die Musik zu übertönen. „Wenn du ein Privatleben hättest, bräuchtest du dich nicht ständig so aufzuspielen!“

Das hatte Frannie schon oft von ihm gehört. „Ich habe ein Privatleben.“

„Du wohnst in einer Sardinenbüchse, sammelst Müll, und deine Freunde sind bösartige Reptilien, blöde Vögel, streunende Katzen und Hunde, die unter Garantie Flöhe haben.“

Sie warf ihm einen nachsichtigen Blick zu. „Jedem das Seine. Kritisiere ich deine Gäste?“

„Wehe dir. Sie zahlen meine Steuern. Aber was du tust, ist nicht normal. Schau dich doch mal an. Du bist noch einigermaßen jung und irgendwie ganz niedlich, auch wenn du ein bisschen klein geraten bist.“

„Wie oft soll ich dir noch sagen, dass einsfünfundsechzig nicht klein ist, sondern Durchschnitt.“

„Klar, ein Pinguin würde dich für eine Riesin halten. Immerhin wärst du vielleicht ein wenig größer, wenn diese Mähne nicht so schwer wiegen würde.“ Er stellte ein gezapftes Bier auf das Tablett.

Frannie blies eine Locke aus dem Gesicht, gönnte ihrem Chef ein mildes Lächeln und sagte: „Nur weil du voller Komplexe bist, brauchst du andere nicht zu beleidigen. Ich habe letzte Woche eine Talkshow gesehen, jetzt weiß ich, woran du leidest.“

„Ach ja?“

Sie unterdrückte ein Grinsen und nahm das Tablett. „Du gehörst zu den Leuten, die von ihren Fehlern ablenken, indem sie die anderer Leute hervorheben.“

„Ablenken? Ich? Ha!“ Benny, der vor seiner Pensionierung als Polizist Diebstähle aufgeklärt hatte, wies empört mit dem Finger auf Frannie. „Ich will dir mal was sagen, Miss Neunmalklug. Estelle hat meine Schwächen aufgelistet und den Zettel an den Kühlschrank gehängt! Ich leide an überhaupt nichts. Vor dir steht ein Verfolgter.“

„Oje“, erwiderte Frannie nur und ging, um die bestellten Drinks zu servieren. Geschmeidig bewegte sie sich durch das voll besetzte Lokal. Bennys Neckereien nahm sie ihm nicht übel. Immerhin hatte sie es bisher in Slocum Springs länger ausgehalten als irgendwo anders, seit sie ihr Wohnmobil Silver Duck vor fünf Jahren von ihrem Großvater geerbt hatte. Benny war ein Schatz, sonst wäre sie auch längst gegangen.

Trotzdem dachte sie noch eine Weile über seine Bemerkungen nach. Sogar als sie eine Stunde später nach Hause fuhr, grübelte sie noch darüber nach. Warum war es ihr bisher nicht gelungen, die Leute dazu zu bringen, ihren Lebensstil und ihre Lebenseinstellung zumindest zu respektieren?

Ziemlich harter Job, sagte sie sich. Ich bin jetzt siebenundzwanzig. Wenn meine Lebensphilosophie nicht zu der anderer Menschen passt, na bitte …

„Ah!“ Sie bremste scharf und hoffte, die Bremsen von Petunia, ihrem alten Truck, hielten durch. Zuletzt schloss sie die Augen, überzeugt, in der nächsten Sekunde den nackten Mann zu überfahren, der mitten auf der Straße stand.

Doch entweder waren die Bremsen des lila Trucks in besserem Zustand, als sie gedacht hatte, oder ihr Schutzengel verdiente großen Dank. Jedenfalls kam Petunia mit quietschenden Reifen nur wenige Zentimeter vor dem Exhibitionisten zum Stehen.

Frannie starrte ihn an. Er blinzelte in die Scheinwerfer.

„Was haben wir denn hier?“ Es konnte kein Aprilscherz sein, denn April war lange vorbei. Es konnte kein Halloweenscherz sein, denn bis dahin war es noch eine Weile. Der Mann war tatsächlich splitternackt – bis auf die Zweige, die er schamhaft vor sich hielt.

„Na immerhin.“ Es war definitiv kein Spaß, den sich ein frecher Gast erlaubte, denn der Ausdruck blanken Entsetzens auf dem Gesicht des Mannes war echt.

Und dieser Ausdruck war es auch, der sie davon abhielt, laut loszulachen. Trotzdem wirkte dieser Mensch irgendwie seltsam. Und war es nicht absurd, dass ausgerechnet jetzt ein unbekleideter Mann mitten auf der Straße stand, kurz nachdem Benny ihr wieder mal eine Standpauke wegen ihres nicht vorhandenen Liebeslebens gehalten hatte?

Als der Mann sich zögernd der Fahrertür näherte, kurbelte sie das Fenster herunter. „Hm, Adam, vermute ich.“

„Sie kennen mich?“

„Das war ein Scherz“, erwiderte sie. Da er nicht antwortete, erklärte sie: „Die Zweige und so weiter.“

Er ging nicht darauf ein. „Können Sie mir helfen?“

„Ich glaube nicht, dass …“

Erst als er sich umschaute und ihr die andere Seite seines Gesichts zuwandte, erblickte sie das Blut, das an seiner rechten Schläfe hinunterrann. Frannie schaltete in den Leerlauf und zog die Handbremse an. Dann öffnete sie vorsichtig die Fahrertür und schob den Mann damit sachte zur Seite. Sie stieg aus, und jetzt, da der Fremde nah vor ihr stand, sah sie, dass er zitterte wie Espenlaub.

„Du meine Güte, was ist passiert?“, rief sie und fasste ihn am Oberarm, weil er schwankte.

„Ich … ich bin nicht sicher. Ich bin aufgewacht und … ich weiß es nicht.“

„Woher kommen Sie?“

Er sah sich erneut um und deutete vage nach vorn. Doch außer dem Gebüsch im Straßengraben und den schemenhaft erkennbaren Bäumen war da draußen, wo das Licht der Scheinwerfer nicht mehr hinreichte, nur tiefes Schwarz.

„Aha. Wer sind Sie?“

Er versuchte zu antworten. Sie sah, wie er sich konzentrierte – so stark, dass ihm der Schweiß auf die Stirn trat. Doch schließlich sah er ihr nur verwirrt in die Augen.

„Adam?“

Jemand hätte sie schlagen müssen, weil ihr Misstrauen so rasch verflog und tiefem Mitgefühl wich. Spontan berührte sie seine Wange. „Armer Mann. Sie haben keine Ahnung, stimmt’s?“

„Stimmt. Sie auch nicht?“

Sie schüttelte den Kopf. „Keine Sorge“, fügte sie schnell hinzu. „Das finden wir bald heraus. Jetzt steigen Sie erst mal in den Wagen, dann schaue ich mir den Straßengraben mal genauer an. Dort gibt es sicher irgendetwas, das uns weiterhilft.“

Falls er zustimmte, behielt er das für sich, denn er blieb einfach stehen und sah sie an, als wäre jedes ihrer Worte eine Offenbarung. Frannie fand diesen Gesichtsausdruck zwar bei Lambchop in Ordnung. Doch bei einem erwachsenen Mann?

Obwohl es mehr Fragen als Antworten gab, half sie dem Fremden auf den Beifahrersitz des Trucks. Das war nicht gerade einfach, denn er war mindestens einsneunzig groß und kräftig gebaut. Gleichzeitig war er durchtrainiert und muskulös. Sie versuchte, nicht zu genau hinzusehen, aber wer konnte schon solch einer Versuchung widerstehen?

Sobald sie die Tür geöffnet hatte, griff sie nach einer Decke, die hinter dem...



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