Naas | Allzeit fallbereit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 184 Seiten

Reihe: Ein Fall für die MounTeens

Naas Allzeit fallbereit

Der dritte Fall für die MounTeens
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-906037-57-8
Verlag: boox-verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der dritte Fall für die MounTeens

E-Book, Deutsch, Band 3, 184 Seiten

Reihe: Ein Fall für die MounTeens

ISBN: 978-3-906037-57-8
Verlag: boox-verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die langersehnten Sommerferien sind da! Die MounTeens freuen sich insbesondere auf die neue Sommerrodelbahn. Doch bereits am Eröffnungstag passiert ein Unfall, der einen Strudel von Ereignissen nach sich zieht. Bald stecken die vier Freunde mitten in einem kniffligen Fall rund um den russischen Investor Viktor Makarenko, der alle Hebel in Bewegung zu setzen scheint, um die Bergbahnen von Bad Lärchenberg aufzukaufen. Oder ist alles ganz anders? Zusammen mit einer Pfadfindergruppe, die sich im Sommerlager befindet, beginnen die MounTeens ihre Nachforschungen. Sie alle sind 'Allzeit fallbereit'.

Marcel Naas, geboren 1973, arbeitete zehn Jahre als Sekundarlehrer, bevor er ein Studium der Pädagogik, Publizistik und Philosophie an der Universität Zürich abschloss. Nach Promotion an der Universität Luxemburg war er in einem Post-Doc-Projekt der Universität Basel für die Herausgabe von Isaak Iselins pädagogischen Schriften verantwortlich. Seine Tätigkeit in der Lehrerbildung begann er 2010 als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich, wo er heute als Bereichsleiter 'Bildung und Erziehung' wirkt. Nach diversen wissenschaftlichen Publikationen erfüllt er sich mit seinem Jugendbuch 'MounTeens' einen lange gehegten Wunsch. Marcel Naas lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen im Zürcher Oberland.
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Weitere Infos & Material


DIE MOUNTEENS SIND ... 11
GETRÜBTE EINWEIHUNGSFREUDE15
EIN FOLGENSCHWERER UNFALL 23
BEZAHLTE RUTSCHBAHNEN32
ABGESÄGT ODER ABGEBROCHEN?38
DER RETTENDE HIMBEERPFOSTEN47
LAUSCHANGRIFF 57
DIE METALLSCHLANGE 67
RODELSPASS 75
NACHTSCHWÄRMEREI 82
DER UNSICHTBARE WEIDEZAUN 94
EINE VERSCHWÖRUNG? 104
E(RPRE)SSEN 112
DIE LUFT IST DRAUSSEN 121
HIEB- UND STICHFEST 131
DIE BLUMENKISTE HÖRT MIT! 140
SCHULDIG ODER NICHT? 150
GEHEIMES "DATE" 157
VIDEOBEWEIS 164
SCHLUSS ODER NEUANFANG? 170


Getrübte Einweihungsfreude


»Heiss heute, was?«, stöhnte Sam, als er vor der Talstation des neuen Sessellifts seinen Freund Matteo traf.

»Das kannst du laut sagen! Ciao Sam!« Matteo wischte sich mit dem Arm den Schweiss von der Stirn und zog an seinem T-Shirt herum, das ihm am Körper klebte. Es war Mitte Juli – der zweite Samstag in den grossen Sommerferien.

»Gut, dass wir einige hundert Höhenmeter hochfahren können. Auf 1400 Metern ist es bestimmt kühler.« Sam schaute zur Bergstation hinauf, wo es rund um das Restaurant Alpenblick von Gästen wimmelte.

»Und das alles wegen der neuen Rodelbahn!« Matteo zeigte auf die Menschentraube, die sich um den Ticketschalter an der Talstation gebildet hatte. Dann wanderte sein Blick zum Ende des Sessellifts, von wo sich eine silbern glänzende Schlange ihren Weg ins Tal gesucht zu haben schien. In vielen Kurven führte die Sommerrodelbahn über saftig grüne Alpweiden, durch ein kurzes Waldstück im Mittelteil und weiter durch flacheres, offenes Gelände hinunter nach Bad Lärchenberg.

Unglaublich schön hier, dachte Matteo, als er über die Dächer des Schweizer Alpenstädtchens schaute, das am Fuss des Gämshorns auf einer Hochebene lag. Der idyllische See komplettierte das Bild des Sommer- und Wintersportortes, der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannnt war und viele Touristen anzog. Von Mai bis Oktober war Bad Lärchenberg ein idealer Ausgangsort für Wanderungen und Mountainbike-Touren in die umliegenden Lärchenwälder. Im Winter suchte es als Ski- und Langlaufparadies seinesgleichen. Die Bergstadt mit ihren etwas mehr als zehntausend Einwohnern war bekannt für ihr Thermalbad und die »Flaniermeile« mit zahlreichen Sportartikel- und Modegeschäften sowie Souvenirläden, die sich in der Fussgängerzone zwischen dem Gemeindehaus und der Kirche aneinanderreihten.

»War ja klar, dass es viele Leute haben würde!«, sagte Sam schulterzuckend. »So eine Rodelbahn wird schliesslich nicht jeden Tag eröffnet!« Als Matteo nicht reagierte, fuhr er fort: »Mein Vater meinte, die Investition sei für Bad Lärchenberg von grosser Bedeutung, weil damit im Sommer wesentlich mehr Touristen angezogen würden. Die Einnahmen im Winter scheinen leider nicht zu reichen, um genug Gewinn zu machen. Er erzählte mir, dass sich die Bergbahnen in finanziellen Schwierigkeiten befänden und es enorm wichtig sei, dass die teure Rodelbahn wieder Geld in die Kassen spüle.« Er schaute Matteo an, der seinen Blick vom Tierpark zur Schule, weiter zur Eishalle und bis zum Bahnhof schweifen liess. »Hörst du mir überhaupt zu?« Sam knuffte ihn mit dem Ellbogen in die Rippen. »Diese Aussicht musst dir bestimmt nicht extra anschauen, schliesslich siehst du von da oben ja täglich auf uns herunter.« Sam spielte darauf an, dass sein Freund auf der Lärchenalp rund achthundert Meter oberhalb von Bad Lärchenberg wohnte, weil seine Eltern dort das Hotel Regina führten.

»Nein, du Nervensäge!« Matteo grinste. »Heute habe ich entschieden, von meinem Himmelsthron zu euch Erdenbürgern hinunterzusteigen, um mir eure Sünden und Laster anzuschauen.«

»Du spinnst ja!« Sam tippte sich an die Stirn. Dann faltete er scheinheilig seine Hände und sank theatralisch zu Matteos Füssen. »Darf ich dich also um deinen Segen für die Rodelbahn bitten? Und am besten auch gleich noch um eine Zehn-Fahrten-Karte?«

Matteo lachte. »Sei gesegnet mein Sohn, doch wisse, dass Geld und eine Zehn-Fahrten-Karte nicht glücklich machen, sondern einzig ein Leben in Demut und Bescheidenheit.«

»Du bist so ein Idiot, Mann!« Sam boxte Matteo freundschaftlich in den Oberarm und verpasste beinahe, dass sich die Schlange am Ticketschalter vor ihm aufgelöst hatte und er nun an der Reihe war.

»Wo sind eigentlich Lena und Amélie?«, fragte Matteo, als sie sich das Spezialticket mit je drei Berg- und Rodelfahrten gekauft hatten, das Einheimische am Eröffnungstag zum Vorzugspreis erhielten.

»Amélie hat mir vorher eine Nachricht gesendet, dass sie bereits oben seien!«, sagte Sam und seufzte leise.

»Stöhnst du, weil der Text keine Emojis mit Herzchen enthielt?«, stichelte Matteo, der genau wusste, wie verliebt Sam war.

Sie setzten sich auf einen Vierersessel und schlossen den Sicherheitsbügel. Zu Matteos Überraschung sah ihn Sam ernst an. »Manchmal denke ich, du kannst meine Gedanken lesen, Berti.«

Dieser wollte erst lachen, merkte dann aber, dass es Sam nicht ums Spassen war. »Echt jetzt? Du bist traurig, weil dir Amélie kein Herz-Emoji gesendet hat?«

»Es ist nicht wegen der einen Nachricht. Schon länger geht sie mir irgendwie aus dem Weg. Im Frühling war es anders …«

»Aber ihr wart ja nie zusammen, oder?«, fragte Matteo, der sich danach am liebsten auf die Zunge gebissen hätte.

Sam nahm ihm die Bemerkung nicht übel. »Du hast recht, doch es fühlte sich wenigstens so ähnlich an, als wir uns im Tierpark an den Händen hielten.« Sam starrte traurig auf den zehn Meter weiter unten vorbeigleitenden Boden.

»Tut mir leid«, sagte Matteo. »Ich denke schon, dass sie auch was für dich empfindet. Das sieht man!«

»Wirklich?«

»Klar, Mann!« Er klopfte seinem Freund aufmunternd auf die Schulter. »Schau, dort gleich neben der Bergstation steht sie ja und winkt dir zu.«

»Uns, nicht mir.« Sam wirkte zerknirscht. »Es geht nicht um mich.«

»Jetzt hör schon auf, Trübsal zu blasen! Heute ist ein Feiertag!« Matteo öffnete den Bügel und der Vierersessel fuhr langsam in die Station ein.

Wenig später waren die MounTeens vereint. Amélie hatte Sam und Matteo zu Lena geführt, die sich unter einem Baum ein Stück Schatten gesichert und dieses verteidigt hatte. Nun sassen sie – vor der erbarmungslos stechenden Sonne geschützt – mit Blick aufs Rednerpult im Gras.

»Danke, Lena!«, sagte Matteo. »Der Schatten ist selbst hier oben Gold wert. Möchte ja nicht wissen, wie heiss es im Flachland ist!«

»Und doppelt cool, dass wir von hier aus die offizielle Eröffnung mitbekommen. Wann beginnt das Ganze?« Sam schaute auf die Uhr.

Lena kramte einen Flyer aus dem Rucksack. »Um halb zwölf.«

»Sagt deine Mutter auch etwas?«, fragte Amélie.

»Muss sie ja wohl!« Lena verdrehte die Augen. »Ihr hättet sie die letzten Tage sehen sollen, wie sie vor dem Spiegel übte.«

Anna Sander stand neben dem Rednerpult und sprach mit Manfred Glauser, dem Chef der Bergbahnen. Als Tourismusdirektorin von Bad Lärchenberg fand sie es selbstverständlich, an einem solchen Anlass ebenfalls zum Mikrofon zu greifen. Die alleinerziehende Mutter war wie immer gut gekleidet und zog mit ihrem beigen, dezent längsgestreiften Hosenanzug die Blicke der Männer auf sich. Die schulterlangen braunen Haare hatte sie straff nach hinten gekämmt, was ihr eine Strenge und Unnahbarkeit verlieh, die der Zweiundvierzigjährigen nur recht waren. Schliesslich hatte sie nach ihrer geschiedenen Ehe – unbewusst vielleicht auch ihrer Tochter zuliebe – keine neue Beziehung mehr gesucht.

Heute aber stand ein gepflegt aussehender und zweifellos reicher Mann neben der Tourismusdirektorin. Sam bemerkte, wie Lena die Nase rümpfte, als die beiden ihre Köpfe zusammensteckten und sich etwas zuflüsterten.

»Wer ist das?«, fragte Sam neugierig, während er in Richtung von Anna Sander und dem Fremden deutete.

»Viktor Makarenko«, antwortete Lena mit tonloser Stimme. »Ein russischer Geschäftsmann, der hier seit Jahren seine Ferien verbringt.« Ihr Blick wurde eisig und die nächsten Worte klangen wie hingespien: »Keine Ahnung, was meine Mutter an diesem schleimigen Kerl toll findet!«

»Du meinst jetzt echt, da läuft was zwischen den beiden?«, fragte Sam gewohnt direkt, bevor er merkte, wie ungeschickt das gewesen war.

Lena sah ihn trotzig an. »Nicht solange ich das verhindern kann«, flüsterte sie und bahnte sich den Weg zu ihrer Mutter.

Als Lena ausser Hörweite war, machte Amélie ihrem Ärger Luft: »Du, Trampel!«, fuhr sie Sam an, »siehst du nicht, dass Lena leidet?«

Sam schaute schuldbewusst zu Boden. Er hatte es ja selbst bemerkt. Musste Amélie nun noch auf ihm herumhacken? »Tut mir leid«, murmelte er, »ich habe tatsächlich schneller geredet als gedacht.«

»Das kennen wir von dir!«, sagte Amélie in etwas versöhnlicherem Ton. Dennoch fiel Matteo auf, was sein Freund vorher auf dem Sessellift gemeint hatte:...


Marcel Naas, geboren 1973, arbeitete zehn Jahre als Sekundarlehrer, bevor er ein Studium der Pädagogik, Publizistik und Philosophie an der Universität Zürich abschloss. Nach Promotion an der Universität Luxemburg war er in einem Post-Doc-Projekt der Universität Basel für die Herausgabe von Isaak Iselins pädagogischen Schriften verantwortlich. Seine Tätigkeit in der Lehrerbildung begann er 2010 als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Zürich, wo er heute als Bereichsleiter "Bildung und Erziehung" wirkt. Nach diversen wissenschaftlichen Publikationen erfüllt er sich mit seinem Jugendbuch "MounTeens" einen lange gehegten Wunsch. Marcel Naas lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen im Zürcher Oberland.



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