Nähle | Zwölf Sünden | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 362 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Nähle Zwölf Sünden

Kriminalroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-7543-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 362 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7517-7543-4
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Oberkommissarin Victoria Stahl und ihr neuer Partner Daniel Freund stehen vor einem Rätsel: Eine Serie mysteriöser Morde hält Würzburg in Atem. Ein Familienvater springt während eines Stadtlaufs von der Alten Mainbrücke in den Tod. Was zunächst nach Selbstmord aussieht, entpuppt sich bald als Teil eines perfiden Plans. Weitere Opfer sind ein vergifteter Pharmavertreter und ein erstochener DJ. Zur gleichen Zeit erhält die Journalistin Susanne Riehl beunruhigende Nachrichten: Die selbsternannten »Wächter Würzburgs« bekennen sich zu den Taten und fordern sie auf, über die Morde zu berichten. Doch das ist nicht alles, was sie von ihr verlangen ...

Der fesselnde Auftakt zur Krimi-Reihe von Kirsten Nähle inmitten der berühmten Stadt am Main, wo nichts so ist, wie es scheint. Der erste Fall für Oberkommissarin Victoria Stahl und Daniel Freund aus Köln. Weiter geht es in »Vertraute Qualen« und »Frische Wunden«.

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!



Kirsten Nähle unterhielt schon als Kind ihre Familie mit eigenen Geschichten. Später begann sie, diese als Kurzgeschichten aufzuschreiben. 'Der Rosenkavalier' hat es auf die Shortlist (Top 5) des lit.Love Schreibwettbewerbs 2018 geschafft. Ob als Journalistin oder PR-Redakteurin, ob in Köln, Basel oder Würzburg - die Autorin hat stets auch beruflich geschrieben. Seit 2011 wohnt Kirsten Nähle in ihrer Wahlheimat Würzburg, die sie zu einer Kriminalroman-Trilogie inspiriert hat.

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Victoria


Sie parkten vor einem Haus im Lengfelder Neubaugebiet. Wohnungen in Würzburg waren knapp, vor allem im Zentrum. Deswegen hatte man hier im Nordosten der Stadt eine ganze Reihe moderner Mehrfamilienhäuser hochgezogen. Spielplätze und Kitas sollten vor allem Paare mit kleinen Kindern aus der Stadtmitte locken. Seufzend drückte Victoria auf die Klingel mit dem Schild »Walder«. »Übernimmst du das?«

Der Kölner nickte nur. Er schien bedrückt. Sicherlich hatte er sich seinen ersten Einsatz in Würzburg anders vorgestellt.

Sie musste ein zweites Mal klingeln, bevor ein vorsichtiges »Ja, bitte, wer ist da?« durch die Gegensprechanlage tönte.

»Frau Walder? Kriminalpolizei Würzburg, würden Sie uns bitte hereinlassen?«

Schweigen. Victoria meinte, förmlich spüren zu können, wie die Frau den Atem anhielt.

»Frau Walder«, insistierte Victoria. »Bitte, es ist wichtig.«

Jetzt erst erklang das Summen des Türöffners, und sie betrat zusammen mit Daniel den Hausflur.

»Erster Stock«, rief jemand von oben.

Sie nahmen die Treppe und hielten vor einer Tür, in der eine pummelige und blasse Blondine in Leggins und Strickpullover stand. Misstrauen blitzte in ihren Augen, unter denen sich dunkle Schatten abzeichneten. Sie fragte, ob sie sich ausweisen konnten. Ihr Tonfall verriet, dass sie sie anderenfalls nicht hereinlassen würde.

Nahezu synchron zückten Victoria und Daniel ihre Ausweise. Zögerlich machte Frau Walder den Weg in ihre Wohnung frei. Ein langer Flur führte ins Wohnzimmer.

»Um was geht es denn?«, fragte Dorothée Walder, ohne ihnen einen Sitzplatz anzubieten.

Daniel räusperte sich. »Es ist, glaube ich, besser, wenn Sie sich setzen.«

Frau Walder rührte sich nicht vom Fleck.

»Wollen Sie mir nicht endlich sagen, was los ist? Warum sind Sie hier? Hat etwa mein Mann Sie ...« Dorothée Walder unterbrach ihren Redeschwall.

Victoria bemerkte ein Flackern in ihren Augen. War es Angst? »Hat Ihr Mann uns was?«

Frau Walder presste entschlossen die Lippen aufeinander und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Frau Walder, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass vor ein paar Stunden ein Mann von der Alten Mainbrücke gestürzt und dabei verstorben ist. Wir gehen momentan davon aus, dass es sich bei dem Mann um Ihren Ehemann handelt.« Daniel ließ seine Worte wirken.

Dorothée Walder starrte ihn an, ihr Gesicht wurde noch blasser. Dann drehte sie sich um und sank ein paar Schritte weiter auf die dunkelblaue Couch. Sie sah ihre beiden Besucher nicht an, ihr Blick war auf den Couchtisch gerichtet. Genauer gesagt auf das Smartphone darauf. Merkwürdige Reaktion, dachte Victoria. Keine Nachfrage, wie es zu dem Sturz gekommen ist.

»Frau Walder, haben Sie verstanden, was ich Ihnen gesagt habe?«, fragte Daniel ein paar Sekunden später, die Victoria wie eine Ewigkeit vorkamen.

Dorothée Walder fixierte weiterhin den Tisch. Sie wirkte nervös.

»Wir verstehen, dass das ein Schock für Sie ist«, fuhr Daniel fort. »Haben Sie ein Foto von Ihrem Mann, damit wir den Verstorbenen identifizieren können?«

Frau Walder griff zum Smartphone. Ihre Hand zitterte, als sie Daniel ein Foto zeigte.

Dieser nickte, um der Frau zu verstehen zu geben, dass er ihren Mann wiedererkannt hatte. »Es tut mir sehr leid. Ich muss Ihnen außerdem mitteilen, dass Ihr Mann – wie mehrere Zeugen gesehen haben – von der Brücke gesprungen ist. Können Sie uns sagen, ob er in letzter Zeit Probleme hatte? Im Job oder privat, oder ob er depressiv war?«

Die Frau schüttelte den Kopf. Falls sie die Anspielung auf Eheprobleme verstanden hatte, ließ sie es sich nicht anmerken.

»Wann haben Sie Ihren Mann zuletzt gesehen?«

»Heute Mittag. Gesprungen, sagen Sie? Das verstehe ich nicht. Das ergibt keinen Sinn.« Sie schien mit den Gedanken weit weg. »Kann ich meinen Mann sehen?«

»Nach der Obduktion«, sagte Victoria. »Wir geben Ihnen Bescheid. Ich empfehle jedoch, bis zur Überbringung an den Bestatter zu warten. Nur in absoluten Ausnahmefällen gewährt das rechtsmedizinische Institut Angehörigen den Zutritt. Ich lasse Ihnen meine Karte sowie die Telefonnummern eines Seelsorgers und einer Psychologin da.« Sie legte alles auf den Tisch.

»Das Mädchen auf dem Foto, ist das Ihre Tochter?«

Daniels Frage überraschte Victoria. Frau Walder hob endlich den Blick.

Daniel war zum Kamin getreten und deutete auf ein gerahmtes Bild auf dem Sims. Victoria schätzte das Mädchen auf sechs Jahre.

Frau Walder nickte, Tränen in den Augen.

»Wo ist Ihre Tochter jetzt?« Victoria versuchte, behutsam zu klingen.

»Bei meiner Mutter«, antwortete Dorothée Walder hastig. »Darf ich Sie bitten zu gehen? Ich möchte allein sein.«

»Können Sie Ihre Mutter benachrichtigen, damit sie herkommt? Es ist besser, wenn jetzt jemand bei Ihnen ist.«

»Ich rufe sie an.«

»In Ordnung.« Victoria gab dem Kollegen das Zeichen zum Aufbruch, dann fiel ihr etwas ein. »Wie lange läuft Ihr Mann schon beim Stadtlauf mit?«

Frau Walder starrte sie mit offenem Mund an. »Beim Stadtlauf? Warum sollte er das tun? Mein Mann hasst Sport.«

»Traurig, wenn sich ein Familienvater umbringt«, meinte Daniel auf der Rückfahrt und zog einen Schokoriegel aus seiner Jackentasche. »Ich meine, es ist immer traurig, aber der Mann hatte doch alles. Wie kann er seine Familie im Stich lassen?«

Man kann einem eben nicht in den Kopf schauen, dachte Victoria. Sie erinnerte sich an einen Fall, der erst vor sechs Monaten den Ort Marktbreit südlich von Kitzingen erschüttert hatte. Ein Mann war mit seinen zwei Kindern von einer Autobahnbrücke in den Tod gesprungen.

Sie konnten vielleicht von Glück reden, dass sie nur einen Toten zu beklagen hatten.

»Die Ehefrau verheimlicht irgendetwas«, murmelte Victoria mehr zu sich selbst.

»Wieso glaubst du das? Auf mich wirkte sie einfach nur geschockt.«

»Sie hatte Angst. Ich frage mich, wovor. Und wieso springt der Typ ausgerechnet bei Würzburg läuft statt an einem Tag, an dem er ungestörter wäre? Jemand hätte ihn vom Springen abhalten können. Zudem hasste er Sport. Wie passt das zusammen?«

»Du hast recht. Es ist ein ungewöhnlicher Suizid. Aber ich habe schon andere narzisstische Selbstmörder erlebt, die ihren Abgang gern zur Schau stellen. Sie genießen die Aufmerksamkeit, sogar im Angesicht des Todes.« Daniel nahm einen weiteren Bissen. Vielleicht half ihm die Schokolade beim Nachdenken. »Möglicherweise weiß seine Frau nicht alles über ihn, und er hat mit dem Laufen angefangen, ohne jemandem davon zu erzählen, aus Schiss, sich beim Stadtlauf zu blamieren oder es nicht durchzuziehen.«

Sie gab ihm recht. Schließlich hatte auch sie nicht alles über ihren Noch-Ehemann gewusst.

Im Büro fassten sie die Zeugenaussagen zusammen. Victoria erklärte sich bereit, den Bericht über die Befragung der Witwe zu übernehmen, da Daniel noch seinen Aktenvermerk mit eigenen Beobachtungen zum Vorfall anfertigen musste.

Um 22:30 Uhr betrat Victoria ihre Wohnung in der Zellerau. Sie fand Marie auf dem Balkon, wo sie genüsslich an einer Zigarette zog.

»Seit wann rauchst du?« Victoria war entsetzt.

»Reg dich ab, ist nur gelegentlich.« Marie verdrehte die marineblauen Augen, die sie von Victoria geerbt hatte, und machte keinerlei Anstalten, die Zigarette auszudrücken.

»Himmel, du bist Sportlerin. Wie kannst du dir nur die Gesundheit mit den Dingern ruinieren?«

»Du hast jahrelang geraucht.«

»Ich habe aufgehört. Aus gutem Grund. Damit fängt man erst gar nicht an. Solange du hier wohnst, verbiete ich dir das Rauchen.«

»Na super. Vielleicht sollte ich zu Papa ziehen«, murmelte Marie und schnippte die Zigarette mit einer theatralischen Geste über das Balkongeländer.

»Wie bitte?« Die Erwähnung ihres Noch-Ehemanns brachte Victoria auf die Palme.

»Ach, nichts.« Marie fuhr sich durch die langen blonden Haare. Schwarzer Kajal und roter Lippenstift ließen sie älter aussehen. Das eng anliegende Oberteil betonte ihre Weiblichkeit, die mit der Zierlichkeit ihres restlichen Körpers kontrastierte.

Victoria folgte ihrer Tochter in die Küche. »Hast du schon was gegessen? Es tut mir leid, dass ich so spät dran bin.«

Marie schüttelte den Kopf. »Habe keinen Hunger.«

»Es gibt Reste, Käsenudeln. Die habe ich gestern für uns gekocht, aber du bist spät nach Hause gekommen. Darf ich wissen, wo du gesteckt hast?« Victoria bemühte sich, ihrer Stimme den Ärger nicht anmerken zu lassen.

Marie zuckte mit den Schultern. »Bei einer Freundin.«

»Und da kannst du nicht wenigstens anrufen? Oder erreichbar sein? Herrgott noch mal, du bist vierzehn! Weißt du eigentlich, was für Sorgen ich mir gemacht habe?« Sie...


Nähle, Kirsten
Kirsten Nähle unterhielt schon als Kind ihre Familie mit eigenen Geschichten. Später begann sie, diese als Kurzgeschichten aufzuschreiben. „Der Rosenkavalier“ hat es auf die Shortlist (Top 5) des lit.Love Schreibwettbewerbs 2018 geschafft. Ob als Journalistin oder PR-Redakteurin, ob in Köln, Basel oder Würzburg ? die Autorin hat stets auch beruflich geschrieben. Seit 2011 wohnt Kirsten Nähle in ihrer Wahlheimat Würzburg, die sie zu einer Kriminalroman-Trilogie inspiriert hat.

Kirsten Nähle unterhielt schon als Kind ihre Familie mit eigenen Geschichten. Später begann sie, diese als Kurzgeschichten aufzuschreiben. "Der Rosenkavalier" hat es auf die Shortlist (Top 5) des lit.Love Schreibwettbewerbs 2018 geschafft. Ob als Journalistin oder PR-Redakteurin, ob in Köln, Basel oder Würzburg ? die Autorin hat stets auch beruflich geschrieben. Seit 2011 wohnt Kirsten Nähle in ihrer Wahlheimat Würzburg, die sie zu einer Kriminalroman-Trilogie inspiriert hat.



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