Nagata | The Red (Sammelband) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 1400 Seiten

Nagata The Red (Sammelband)


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98666-214-1
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 1400 Seiten

ISBN: 978-3-98666-214-1
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In einem ländlichen Gebiet der afrikanischen Sahelzone befehligt Lieutenant James Shelley eine hochtechnisierte Einheit von Soldaten. Jede Nacht jagen sie während grauenvoller Patrouillen Aufständische und befolgen dabei drei simple Ziele: Beschützt Zivilisten, tötet den Feind und bleibt am Leben. Denn in einem von der Verteidigungsindustrie inszenierten, profitorientierten Krieg gibt es keinen Grund, aus dem man sterben sollte.
Shelley nutzt sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Hightech-Hilfsmittel, um seine Soldaten am Leben zu halten – aber seine beste Waffe ist sein untrügerisches Gespür, wenn Gefahr droht … als stünde ihm Gott bei, um ihm warnend ins Ohr zu flüstern.

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»Irgendwo muss immer Krieg herrschen, Sergeant Vasquez. So ist das im Leben. Ohne einen anständigen Konflikt würden zu viele internationale Sicherheitsunternehmen pleitegehen. Wenn sich also kein echter Krieg anbahnt, dann kann man sich darauf verlassen, dass die SUs sich zusammentun, um einen zu erfinden.«

Mein Einführungsvortrag gehört nicht zum üblichen Armeestandard. Ich halte ihn im von Mauern umschlossenen Hof von Fort Dassari, während meine VKG – meine vernetzte Kampfgruppe – sich auf unsere nächtliche Patrouille vorbereitet. Seit Sonnenuntergang ist die Temperatur auf fünfunddreißig Grad gefallen. Dafür sind wir alle dankbar, aber wegen der hartnäckigen Schwüle der Regenzeit fühlt es sich immer noch verdammt heiß an. Warnleuchten werfen Glanzlichter auf die glatten, schwarzen, schweißglänzenden Wangen von Sergeant Jaynie Vasquez, die gemeinsam mit einem Wochenvorrat an Verpflegung erst vor vier Stunden per Hubschrauber eingetroffen ist.

Genau wie alle anderen trägt Jaynie Vasquez einen Kampfanzug, Körperpanzerung und die grauen Titanknochen ihres Exoskeletts. Ihre fein geschwungenen Augenbrauen sind zu einem skeptischen Bogen hochgezogen und sie beäugt mich unter dem Rand ihrer braunen VKG-Schädelkappe hinweg. Ich nehme an, man hat sie vor mir gewarnt … vor dem berüchtigten Lieutenant James Shelley der United States Army, ihrem kommandierenden Offizier hier in Fort Dassari.

Kein Problem. Wissen ist Macht.

»Also wie genau machen die SUs das – einen Krieg erfinden?«, frage ich sie.

Sie antwortet mit dem Pragmatismus eines unerfahrenen Mannschaftsrangs: »Das liegt außerhalb meiner Soldstufe, Sir.«

»Ist dennoch wert, dass man drüber nachdenkt. Ich stelle mir das etwa so vor: Alle großen Sicherheitsunternehmen, die SUs, denen unsere Hassliebe gilt, kommen zusammen … also nicht in natura, sondern in einer virtuellen Besprechung. Zunächst sind sie ein wenig unterkühlt – das liegt in der Natur eines Sicherheitsunternehmens –, aber dann sagt einer von den SUs: ›Na los doch. Wir brauchen jemanden, der den nächsten Krieg abhält. Freiwillige?‹«

»Jawohl, Sir«, sagt Specialist Matthew Ransom grinsend, während er sich zum obligatorischen Ausrüstungscheck bei mir vorstellt.

»Das ist eine ernste Sache, Ransom.«

»Tut mir leid, LT.«

Ich beginne trotzdem mit der Durchführung des Checks, erfasse seine Ausrüstung und stelle sicher, dass jeder Gurt an seinem Exoskelett sicher befestigt ist. Dabei nehme ich den Faden meiner Erzählung wieder auf.

»›.‹ Das ist ein Scherz, verstehen Sie? Denn ein SU wird niemals einen Krieg in seinem eigenen Land zulassen. Regel Nummer eins: Niemals deine Steuerzahler töten. Krieg ist etwas, das man anderen Völkern antut.«

»Wie wahr, Sir«, sagt Jaynie mit bitterem Unterton, während sie einen Ausrüstungscheck für Private First Class Yafiah Yeboah beginnt.

Vielleicht dringe ich ja zu ihr durch.

»Jedenfalls zieht der Scherz, das Eis ist gebrochen und man beginnt, mit Ideen zu jonglieren, bis eins der SUs sagt: ›He, ich hab’s. Fangen wir doch einen Krieg in der Sahelzone an. Das ist gutes, offenes Gelände. Keine fiesen Dschungel. Ist nicht vollkommen verlassen und mit Ahab Matugo haben wir schon einen geeigneten Strohmann.‹ Das finden alle ziemlich gut, also einigt man sich darauf, dass der nächste räumlich begrenzte Krieg, der sie für weitere drei oder vier Jahre im Geschäft halten wird – vielleicht auch für ein Jahrzehnt, wenn alles gut läuft –, genau hier in Afrikas Sahelzone zwischen dem äquatorialen Regenwald und der Sahara stattfinden wird.«

Ich bin beim letzten Punkt der Inspektion angelangt und hocke im Schlamm neben Matt Ransoms linkem Stiefel, wo dieser in der schwebenden Fußplatte des Exoskeletts festgeschnallt ist. Alles sieht gut aus, also gebe ich der Strebe an seinem Oberschenkel einen Klaps und sage zu ihm: »Sie sind sauber.«

Der Rahmen meines eigenen Exoskeletts streckt sich beim Aufstehen. Die mit Stoßdämpfern versehenen Streben entlang meiner Beine richten mich mühelos auf, obwohl ich einen Rucksack mit achtzig Pfund trage. Ein leises Ächzen der mechanischen Gelenke ist zu hören und sie sondern einen schwachen, sterilen Geruch ab, der von einem mineralischen Schmiermittel stammt und wegen des organischen Gestanks von Schlamm und Hunden kaum wahrnehmbar ist.

Ich wende mich wieder Jaynie zu. Sie hält bei ihrem Ausrüstungscheck inne und fragt: »Also müssen die Sicherheitsunternehmen den Krieg jetzt irgendwie anfangen, richtig?«

»Zunächst müssen sie mal Seiten aussuchen, aber dafür reicht eine geworfene Münze. China wird zum größten Befürworter von Ahab Matugo und ein arabisches Bündnis nimmt den Status quo …«

»LT«, unterbricht Ransom, »soll ich die Freigabe für Sie machen?«

»Klar. Machen Sie nur.« Ich streiche mir mit der behandschuhten Hand über meine Schädelkappe, während er damit beginnt, an Gurten und Streben zu rütteln und Energiepegel zu überprüfen. Ich erinnere mich daran, wie es zu diesem Krieg gekommen ist und wie ich während meines ersten Kampfeinsatzes zum Ende des Bolivien-Konflikts beobachtet habe, wie die Dinge sich entwickelten. Ich bemühe mich redlich, mit ruhiger Stimme zu sprechen. »Also, wir Amerikaner … wir mischen uns nicht sofort ein, denn wir müssen erst einen anderen Krieg abwickeln. Also versprechen wir, dann einzugreifen, wenn es aus humanitären Gründen erforderlich werden sollte. Allerdings sagen wir nicht, auf welcher Seite wir stehen, weil das scheißegal ist. Jeder weiß, dass wir keine Ahnung von der Lokalpolitik haben und dass es uns auch einen Scheiß kümmert. In der Region gibt es nichts Interessantes für uns. Der einzige Grund für uns, in die Bresche zu springen, sind unsere Sicherheitsunternehmen, die ihre Aktionäre bei guter Laune halten wollen. Die amerikanischen Steuerzahler werden sich in den üblichen Medien die Hurra-Propaganda anhören und das Geld lockermachen, dann den Liberalen die Schuld für die miese Wirtschaft geben, während gleichzeitig ein Brain-Drain der Unterschicht in die Army stattfindet – hey, das ist schließlich ein Job –, und selbst die SUs können den Kongress nicht davon überzeugen, zehn Millionen Dollar für jeweils einen Kampfroboter auszugeben, wenn man einen voll ausgebildeten, hochintelligenten Soldaten aus Fleisch und Blut für zweihundertfünfzigtausend bekommen kann.«

Ransom macht einen Schritt rückwärts. »Sie sind sauber, Sir.«

Ich ignoriere ihn. »Und das, Sergeant, ist der Grund, weshalb wir uns hier in Fort Dassari befinden und ein Land besetzen, wo wir nicht willkommen sind und auch nicht hingehören. Deshalb begeben wir uns heute Abend wie jeden Abend auf einen Marsch durch feindliches Gebiet und geben anderen Leuten, die genauso wenig hierher gehören, die Möglichkeit, uns zu töten. Wir sind nicht hier, um Ruhm zu ernten – hier gibt es nämlich keinen –, und es steht auch nichts auf dem Spiel. Unsere Ziele lauten: am Leben zu bleiben, zivile Verluste so gering wie möglich zu halten und alle zu töten, die ein Interesse daran haben, uns zu töten. In neun Monaten ist nicht ein Soldat unter meinem Kommando gestorben und ich würde das gerne beibehalten. Haben wir uns verstanden?«

Jaynie achtet sorgsam darauf, keine Regung zu zeigen. »Ja, Sir, verstanden.« Und da sie nicht die Absicht hat, sich von einem männlichen Lieutenant, der fünf Jahre jünger ist als sie und obendrein nur ein Viertel ihrer Kampferfahrung hat, einschüchtern zu lassen, fügt sie noch hinzu: »Die Leitung hat Sie als durchgeknallten Mistkerl beschrieben, Sir …«

Hinter Jaynie schlägt Yafiah sich die Hand vor den Mund und unterdrückt prustend ihr Gelächter.

»… aber man hat mir versprochen, dass es vollkommen egal ist, was Sie für ein Arschloch sind, Sie werden uns nicht in einen Hinterhalt führen.«

Ich lächle freundlich. »Ein paarmal war es knapp.«

Als das nordöstlichste einer Reihe von entlegenen Grenzforts sind wir noch mehr auf dem Präsentierteller als andere. Das Fort selbst ist unser Zufluchtsort, unsere Operationsbasis. Seine viereinhalb Meter hohen Mauern umschließen die Unterkünfte und einen Hof, der gerade groß genug ist, um zwei Panzer dort zu parken; nicht, dass wir Panzer hätten, aber wir haben drei ATVs – geländetaugliche Fahrzeuge – unter einem Faltdach abgestellt.

Unsere Mission liegt außerhalb dieser Mauern. Wir riegeln das Gebiet ab und jagen Eindringlinge, die von Norden her infiltrieren, und die Eindringlinge jagen uns. Die Leitung entdeckt sie nicht immer rechtzeitig, weshalb wir...



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