Nair | Der Duft der Farben | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Nair Der Duft der Farben

Roman | Ein bunter, lebensfroher Roman über eine Frau zwischen zwei Welten
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-011-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Ein bunter, lebensfroher Roman über eine Frau zwischen zwei Welten

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-98690-011-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Selbst in der dunkelsten Stunde leuchtet die Hoffnung: Der berührende Schicksalsroman »Der Duft der Farben« von Preethi Nair als eBook bei dotbooks. Eine Frau zwischen Hoffnung und Trauer, zwischen dem bunten Zauber Indiens und dem Trubel Londons - wird sie den Mut finden, ihren ganz eigenen Weg zu gehen? Als die junge Kunstgaleristin Nina eines Morgens eine bemalte Kokosnuss von der London Bridge ins Wasser wirft, wird ihr eins schlagartig klar: So kann es nicht weitergehen! Seit dem Tod ihrer besten Freundin treibt Nina genauso ziellos durch die ewig grauen Tage wie eben jene Kokosnuss, die der Familienguru ihr als symbolisches Heilmittel aufgeschwatzt hat. Höchste Zeit, selbst wieder Farbe in ihr Leben zu bringen - doch niemals hat Nina damit gerechnet, mit ihren anonymen Gemälden plötzlich zum angesagtesten Star der Londoner Kunstszene zu werden! Ein Geheimnis, das sie ausgerechnet vor dem Mann verbergen muss, dem schon lange ihr Herz gehört ... »Ein herrlich verwickelter Roman mit klarer Botschaft: Lebe deine Träume!« Für Sie Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der turbulente Schicksalsroman »Der Duft der Farben« von Preethi Nair wird alle Fans von Lori Nelson Spielman und Jojo Moyes begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Preethi Nair wurde 1971 in Kerala in Südindien geboren und wuchs in London auf. Sie arbeitete als Unternehmensberaterin, bevor sie beschloss, ihren Traum vom Schreiben zu verwirklichen und dafür einen eigenen Verlag zu gründen. Heute lehrt sie an der Londoner Fakultät der Financial Times und IE Business School das Studienfach Kreatives Schreiben. Die Website der Autorin: preethinair.com Bei dotbooks veröffentlichte Preethi Nair ihren Roman »Der Duft der Farben«.
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Kapitel 2


Um halb sechs am nächsten Morgen fuhr ich mit dem Auto zu der angegebenen Adresse. Meinen Eltern wollte ich nicht sagen, dass ich einen Guru aufsuchen würde, denn dann hätte sich meine Mutter allerhand Gedanken gemacht, was nicht ohne Gefahren war. Als sie mich so früh am Morgen schon auf den Beinen sah, erklärte ich ihr, ich müsse zu einem Mandantentermin nach Leeds, eine Notlüge, zu der ich nur zu ihrem eigenen Schutz griff. Ich weiß, dass die Uhrzeit ein wenig merkwürdig war, aber meine Mum pflegte zu sagen, Gebete seien zwischen vier und sieben Uhr morgens am wirksamsten ? und so brachte sie unsere Nachbarn mit ihrem frühmorgendlichen Geheul und Gejaule auf die Palme.

»Kavitha, warum kannst du nicht singen wie Cilla Black?«, fragte mein Vater sie häufig.

»Ich singe doch.«

»Das ist kein Gesang. Weißt du, die Nachbarn haben sich schon schriftlich beschwert«, erwiderte mein Vater und förderte einige Briefe zutage, die in einer Handschrift verfasst waren, die seiner bemerkenswert ähnlich sah.

»Das ist alles nur für Nina, damit sie einen netten Ehemann findet, der aus einer guten Familie kommt«, entgegnete meine Mutter.

»Wenn du so weitermachst, ist der einzige Mann, der sich noch hier blicken lässt, ein Polizist.«

Doch nicht einmal die Drohungen der Stadtverwaltung, sie wegen Lärmbelästigung anzuzeigen, konnten sie beirren. Denn in ihren Augen war es die Mühe wert, wenn das erwünschte Ergebnis dabei herauskam.

Als ich vor seiner Tür stand, klopfte ich wie angewiesen. Ein klein gewachsener Mann machte auf und führte mich ins Esszimmer, wo er mich aufforderte, Platz zu nehmen. Er sagte, der Guru habe noch Besuch und werde gleich für mich da sein. Ich war nervös und aufgeregt. Mich an den Guru zu wenden, war der erste positive Schritt, den ich seit langem unternommen hatte. Zugegeben fühlte ich mich auch ein wenig beklommen, nicht weil ich in einem fremden Haus war, sondern weil ich Angst vor dem hatte, was der, Guru mir sagen könnte. Also konzentrierte ich mich auf die Einrichtung des Esszimmers, ließ wie Lloyd Grossman die Einzelheiten auf mich wirken und malte mir aus, was für eine Familie hier wohl lebte. Eine halbe Stunde später kehrte der Mann zurück und begleitete mich zu einem anderen Zimmer, wo ich erneut anklopfte und eintrat.

Der Raum war von Jasminduft, leiser Musik und Kerzenlicht erfüllt, und auf bunten Seidentüchern standen Götterfiguren von unterschiedlicher Größe. Der Guru begrüßte mich mit einem Nicken und bat mich, die Schuhe auszuziehen und mich ihm gegenüber auf den Boden zu setzen. Ich gehorchte nervös.

»Geburtsdatum?«, fragte der Guru.

»4. September 1972.«

Daraufhin zeichnete er einige Quadrate, stellte ein paar Berechnungen an und sagte dann wie der Ausrufer beim Bingo eine Reihe von Zahlen an, die, wie er sagte, für die wichtigsten Ereignisse in meinem Leben stünden. Sechs Jahre: Ein Zusammenstoß mit dem Element Feuer, der tiefe Narben zurückgelassen hatte. Ich betrachtete meinen Arm, der völlig bedeckt war. Woher konnte er das wissen? Er fuhr fort. Achtzehn Jahre: ein Liebesverhältnis, das nicht in einer Ehe gemündet hatte. Dabei zog er die Augenbrauen hoch. Fünfundzwanzig Jahre: das nächste. Mir war klar, dass das auf einen frommen Guru, der sicher traditionellen Werten anhing und an die Heiligkeit der arrangierten Ehe glaubte, keinen guten Eindruck machte, und wich deshalb seinem Blick aus.

»Ein westlicher Mann?«, fragte er.

Ich nickte. Er schüttelte den Kopf. »Ist es etwas Ernstes?«, erkundigte er sich dann.

Ich nickte wieder.

»Wissen es die Eltern?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Haben die Eltern denn nichts arrangiert?«

Meine Eltern waren Tag und Nacht damit beschäftigt, etwas zu arrangieren. Der Favorit der vergangenen Woche war ein neunundzwanzigjähriger Investmentbanker gewesen, diese Woche lag der einunddreißigjährige Steuerberater Raj mit den fünf Hochschulabschlüssen vorn, der mit den Titeln hinter seinem Namen eine ganze Seite ausfüllen konnte. Der Guru hörte bei meinem sechsundzwanzigsten Lebensjahr auf, dem Todesjahr meiner besten Freundin.

»Alles wird sich ändern«, versprach er. Ich kämpfte mit den Tränen. Als er meine Handflächen berührte, begannen sie zu prickeln. Ein warmes Leuchten ergriff mich, und ich fühlte mich geborgen.

»Im Moment herrscht in deinem Leben Stillstand, nichts rührt sich, und du kannst keine Entscheidungen treffen. Schau!«, sagte er und wies mit einem Nicken auf meine Handflächen. »Alles ist im Fluss, doch es ist zu viel Negativität in deinem Körper, um es zu gestatten. Lass es los, lass alles los.« Und so kam es zu der Episode mit der Kokosnuss auf der Brücke.

So bizarr es rückblickend auch klingen mag, führte er an diesem Morgen eine Zeremonie durch, in der er von den Göttern die Erlaubnis erbat, mich zu behandeln. Die Kokosnuss, die er bei dem Ritual verwendete und mit Safran einrieb, sollte mich symbolisieren. Anschließend tat er dasselbe mit meiner Stirn, damit eine Verbindung zwischen mir und der Kokosnuss entstand. Die Themse verkörperte das neue Leben. Nachdem der Guru ein Gebet gemurmelt hatte, bat er mich wiederzukommen, nachdem ich meine Kokosnuss von der Brücke geworfen hätte. Ich hätte mir jede beliebige Uferstelle aussuchen können, sogar den Kanal in der Nähe unseres Hauses, aber ich wollte nicht, dass die Kokosnuss auf dem Grund neben einem verrosteten Fahrrad landete, was ein ausgesprochen schlechtes Omen gewesen wäre. Also entschied ich mich für die London Bridge.

»Es wird sich viel bei dir verändern, Nina«, meinte der Guru, als ich mich mit der Kokosnuss unter dem Arm von ihm verabschiedete. »Komm heute Abend noch einmal zu mir.«

Nachdem ich die Kokosnuss von der Brücke geworfen hatte, fühlte ich mich unbeschreiblich erleichtert. Ich wischte mir den Fleck von der Stirn, ging zur Arbeit und war bereit, Boo Williams’ Ego zu streicheln. Als ich ankam, teilte man mir mit, Boo sei zu erschüttert, um ihr Bett zu verlassen, weshalb der Termin auf den nächsten Tag verschoben sei. Doch auch das konnte mich nicht aus der Ruhe bringen. Richard, einer meiner Kollegen, meinte, ich sähe sehr gut aus.

»Ich werde mich verloben«, erwiderte ich.

Sobald die Kokosnuss mir aus den Händen geglitten war, standen alle meine Entscheidungen mit einem Mal fest. Ich wollte Jean Michel sofort rufen, um ihm zu sagen, dass ich ihn heiraten würde, und fing sogar an, seine Mobilfunknummer zu wählen. Doch dann beschloss ich zu warten, bis er am nächsten Tag von seiner Geschäftsreise zurückkehrte, um persönlich mit ihm zu sprechen. Die Arbeit ging mir mühelos von der Hand, denn nun wusste ich, dass meine Tage in der Kanzlei gezählt waren: Wenn Jean Michel und ich erst einmal verheiratet waren, konnte ich mir etwas anderes einfallen lassen. Und was war mit Mum und Dad? Wie sollte ich es ihnen beibringen? Jean würde es sicher gelingen, meine Mutter um den Finger zu wickeln ? das gelang ihm dank seines unglaublichen Charmes bei jedem ?, und sie würde ihrerseits meinen Vater bearbeiten. Gemeinsam würden wir es schon hinkriegen, ihn zu überzeugen. Als Jean mich später am Nachmittag anrief, kostete es mich Mühe, nicht damit herauszuplatzen.

»Ich kann es kaum erwarten, dich wiederzusehen, ma chérie.«

»Ich auch nicht. Wenn du zurück bist, wird sich alles ändern. Ich liebe dich, Jean.«

Nun musste ich nur noch einen Tag Geduld haben. Dann war endgültig Schluss mit dem Theaterspiel.

Der Guru hatte mir die Kraft vermittelt, die mir alle Hindernisse überwindlich erschienen ließ. Später am Abend stattete ich ihm deshalb einen erneuten Besuch ab, um mich für seine Hilfe zu bedanken. Er verordnete mir noch eine Sitzung für den nächsten Tag, nur um sicherzugehen, dass ich nicht vom rechten Wege abweichen würde. Wie sehr wünsche ich, ich hätte damals einen Schlussstrich gezogen. Am nächsten Morgen war die Tür des Gurus nur angelehnt, sodass ich nach kurzem Klopfen einfach eintrat. Er kehrte mir den Rücken zu, zündete Kerzen an, summte vor sich hin und wiegte sich im Takt von Stings »Englishman in New York«, das laut durch den Raum dudelte. Die Situation wurde ein wenig absurd, als der Guru sich umdrehte. Bei meinem Anblick malte sich Überraschung auf seinem Gesicht, und er schaltete sofort den Kassettenrecorder ab. Dann meinte er, er wolle sich nur ein Bild von der Musik machen, die die heutige Jugend verderbe, und legte prompt ein Band mit einer jaulenden Sitar ein.

»Sting verdirbt doch niemanden«, protestierte ich. »Er setzt sich sogar gegen das Waldsterben ein.«

Als ich das Wort »Waldsterben« aussprach, sah der Guru mich finster an, als kenne er die Bedeutung nicht. Doch wenn ich mir heute diesen Blick ins Gedächtnis rufe ? verengte Augen und zusammengezogene Brauen ?, sollte er vermutlich eher besagen, dass er sich an sein Vorhaben erinnerte. Er wies mich an, auf dem Boden Platz zu nehmen, und hielt meine Hände. Wieder breitete sich ein warmes Prickeln in ihnen aus, als er einen rituellen Gesang anstimmte. Dann forderte der Guru mich auf, ich solle mich hinlegen, fuhr fort, mich zu berühren und arbeitete sich langsam von den Händen zu anderen Körperteilen wie meinem Hals und meinen Füßen vor. Dabei gingen die Gesänge weiter, und er rief verschiedene Götter an, die mich umfangende Negativität zu heilen und mir das Loslassen zu ermöglichen. Als er meine Kleider öffnete und mir das Oberteil auszog, wurde sein Atem rhythmisch und sein Gesang lauter, und seine Perlenkette presste sich an meine Brust. Ich schloss die Augen und wollte daran glauben, dass ich zwischen den Göttern schwebte und all das nicht wirklich geschah. Das konnte doch...



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