Nairz | Wolfgang Nairz - Es wird schon gut gehen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Nairz Wolfgang Nairz - Es wird schon gut gehen

Berge und andere Abenteuer meines Lebens. Wolfgang Nairz im Gespräch mit Horst Christoph
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7022-3412-6
Verlag: Tyrolia
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Berge und andere Abenteuer meines Lebens. Wolfgang Nairz im Gespräch mit Horst Christoph

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

ISBN: 978-3-7022-3412-6
Verlag: Tyrolia
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Grenzenloser Optimismus steht am Anfang jener Abenteuer, deren Gelingen einer Mischung aus Mut, Erfahrung, Improvisationsgeschick und Glück zu danken ist. Diese Haltung ließ Wolfgang Nairz sein Leben lang zu neuen Zielen aufbrechen: als Bergsteiger, Expeditionsleiter, Drachenflieger und Ballonfahrer ebenso wie in seinem beruflichen und sozialen Engagement. Er war 1978 Leiter einer der erfolgreichsten Mount-Everest-Expeditionen aller Zeiten, als Reinhold Messner und Peter Habeler ertmals den Everests by fair means bestiegen. Robert Schauer, Horst Bergmann und Nairz selbst standen als erste Österreicher auf dem Gipfel, ebenso Oswald Oelz - und Reinhard Karl als erster Deutscher. Dem Tiroler Franz Oppurg gelang überdies die erste Solo-Besteigung. Aus der Gruppe junger Wilder der frühen 1970er-Jahre war eine der profiliertesten Expeditionsmannschaften der Nachkriegszeit geworden und Wolfgang Nairz war ihr Mastermind. Sein vom Freigeist der 1970er-Jahre inspirierter Expeditionsführungsstil prägte eine Epoche des Bergsteigens im Himalaya - wie umgekehrt der Himalaya als Lebens- und Kulturraum den Menschen Wolfgang Nairz zutiefst geprägt hat. Mehr als achtzigmal war er bislang in Tibet und Nepal unterwegs. Seine Verbundenheit mit diesem Land und seinen Menschen findet in den Projekten der von ihm initiierten Nepalhilfe Tirol unmittelbaren Ausdruck. Reinhold Messner bezeichnet ihn als abenteuerlustig, stets mit neuen Zielen beschäftigt und immer von Freunden umgeben. Im Gespräch mit einem von diesen, dem Kulturjournalisten Horst Christoph, erzählt Wolfgang Nairz von den Abenteuern seines Lebens und von seinem aktiven Leben mit siebzig. Reich bebildert, mit teilweise unveröffentlichtem Archivmaterial, bislang unveröffentlichten Briefen von der Everest-Expedition 1978 und persönlichen Beiträgen von Wegbegleitern.

WOLFGANG NAIRZ, geb. am 27. 11. 1944, bekam für seine herausragenden alpinistischen Leistungen sowie sein soziales Engagement für die Bevölkerung Nepals zahlreiche internationale Auszeichnungen, die Österreichische Bundesregierung verlieh ihm 2005 den Berufstitel Professor. Nairz lebt mit seiner Frau Edith in Innsbruck. HORST CHRISTOPH, Dr., geb. in Innsbruck, Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Innsbruck, war viele Jahre Kulturredakteur des Nachrichtenmagazins profil. Seit seiner Pensionierung ist er als freier Journalist tätig. Zahlreiche Publikationen zu den Themenschwerpunkten Zeit- und Alpingeschichte. Im Tyrolia-Verlag veröffentlichte er 2012 die Biografie Max Reisch. Über alle Straßen hinaus.
Nairz Wolfgang Nairz - Es wird schon gut gehen jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


.

Ja, und in diesen Schulvereinen war es üblich, wenn man später studiert hat, zum „Akademischen Alpenklub Innsbruck“, zum AAKI, zu gehen. Mit den „Klüblern“, den Aktiven des Akademischen Alpenklubs, bin ich schon während der Schulzeit auf Touren gegangen. Die haben uns mitgenommen, die haben zum Teil schon ein Auto gehabt, oder ein Motorrad, das war für uns sehr wichtig.

Die Faszination der Vertikalen: In der Einstiegsseillänge der direkten Karlsspitze-Ostwand

Das Klettern ist für mich schon in der Schulzeit immer mehr Lebenszweck geworden. Statt zum Geigenunterricht bin ich mit dem Fahrrad zum Höttinger Steinbruch gefahren und habe dort Klettern trainiert.

.

Ja, und oft sind wir schon vor Unterrichtsschluss von der Schule abgehaut und mit dem Radl die zwanzig Minuten zur Martinswand gefahren. Unser eigentliches Kletterparadies waren aber die Kalkkögel nahe Innsbruck. Dort hat ja auch der AAKI seinen Kletterstützpunkt, die Adolf-Pichler-Hütte, und Hias Rebitsch hat immer gesagt: Wer in den „Kögeln“ klettern kann, der kann überall klettern.

Der Hias war ein charismatischer Mensch. Er war nicht nur einer, der sehr viel gewusst hat, er hat vor allem auch erzählen können. Wenn er von einer Tour erzählt hat, hat er jeden Zentimeter beschreiben können, wo jeder Haken steckte, wo er sich eingehängt hat, wo er ausgerutscht ist. Darüber hinaus war der Hias auch ein Philosoph, mit dem man nächtelang über Gott und die Welt diskutieren hat können. Und ich habe das Glück gehabt, dass er mich mochte, denn das war bei ihm nicht so selbstverständlich.

Er war ein introvertierter Mensch, der sich gern zurückgezogen und nicht mit jedem gesprochen hat. Er wohnte damals in Alpbach in einem alten Bauernhaus. Dort habe ich ihn oft besucht und später das Glück gehabt, dass die zweite Hälfte des Hauses frei geworden ist und ich mich dort für einige Jahre einmieten konnte.

Für mich war der Hias wirklich ein väterlicher Freund und Berater. Er war es auch, der uns junge Bergsteiger – Andi Schlick, Franz Jäger, Hansjörg Hochfilzer, Horst Fankhauser und mich, die wir damals die schwersten Touren in den Westalpen gemacht haben – animiert hat und gesagt hat, sucht’s euch höhere Ziele. Der Hias hat uns mit Paul Bauer zusammengebracht, dem berühmt-berüchtigten Expeditionspapst der 1930er-Jahre, der uns die Wege geöffnet hat, um überhaupt Informationsmaterial über Expeditionen zu bekommen. Der Hias war es also, der uns motiviert hat, uns die allerhöchsten Ziele zu setzen.

Ein gewisses nationales Denken war bei uns in der Familie schon da. Aber die Zeit, als wir in die Dolomiten gefahren sind, war dann auf ganz andere Weise eine politisch sehr heikle. Die „Bumser“, die in Italien Sprengstoffanschläge verübten, waren nicht selten Bergsteiger, und ich war nahe daran, selbst in diese Kreise zu geraten.

Ja, wer nicht. Wir haben damals auch dauernd Schikanen erlebt. Wenn wir mit dem Zug nach Bozen gefahren sind, haben uns die Carabinieri stundenlang am Bahnhof den Rucksack aus- und wieder einpacken lassen, um zu schauen, ob wir vielleicht Bomben mithaben. Oder wenn wir die Goldkappl-Südwand im Tribulaungebiet an der damals gesperrten und bewachten Grenze zwischen Österreich und Italien gegangen sind, haben wir uns von der Nordtiroler Seite anschleichen und in einem Schafstall übernachten müssen, dann sind wir über den Stacheldrahtzaun an der Grenze gestiegen und zum Einstieg gelaufen. Dass unter solchen Verhältnissen widersprüchlichste Gedanken aufkommen, ist nicht verwunderlich. Wir haben von der großen Freiheit der Weltberge geträumt und gleichzeitig die Unfreiheit in unserer nächsten Nähe erlebt.

Wir waren keine Freunde im wirklich freundschaftlichen Sinn. Wir haben uns alle gekannt und sind auch miteinander Touren gegangen. Aber wir waren bergsteigerisch gesehen schon harte Konkurrenten. Das heißt, wenn die „Gipfeler“, die Gipfelstürmer, eine neue Route in den Kalkkögeln eröffnet haben, dann sind wir diese gleich nachgegangen, um zu sehen, ob das, was sie ins Tourenbuch geschrieben haben, auch stimmt, ob die Schwierigkeitsbewertung angemessen ist. Wenn das unserer Meinung nicht so war, sind jede Menge ironischer Bemerkungen dazugeschrieben worden. Man braucht sich nur das Tourenbuch der Adolf-Pichler-Hütte anzuschauen, in das übrigens auch schon Buhl seine Touren eingetragen hat. Da finden sich beispielsweise die sensationellen Erstbesteigungen eines Walter Spitzenstätter von den Gipfelstürmern und daneben immer die oft despektierlichen Bemerkungen der Kletterer anderer Klubs.

Der Berg als Studienobjekt: Beim Gletschervermessen am Hintereisferner in den Ötztaler Alpen

Für mein bergsteigerisches Leben war die Uni schon sehr wichtig, da ich mich ja für ein Studium entschieden hatte – Meteorologie und Glaziologie –, das sich auf den Bergen abspielt. Unser Klubbruder Herfried Hoinkes war der Institutsvorstand und hat immer wieder gefordert, in die Berge zu gehen und dort zu forschen. Die Studenten sind ja auch nicht, wie manchmal gelästert wurde, nur für ein „Skisemester“ nach Innsbruck gekommen, sondern weil sie hier ein Zentrum alpiner Forschung vorgefunden haben mit hervorragenden Professoren, wie eben Herfried Hoinkes oder den Geografen Hans Kinzl und Franz Fliri.

.

Ja, und zwar auf mehreren Gebieten: einmal in der Höhenmedizin mit Oswald Oelz, dann in der Meteorologie mit Karl Gabl, in der Gletscherforschung mit Gernot Patzelt oder in der Chirurgie mit Raimund Margreiter, der sich mit den Verletzungen durch das Anseilen auseinandergesetzt hat und auf unserer...


WOLFGANG NAIRZ, geb. am 27. 11. 1944, bekam für seine herausragenden alpinistischen Leistungen sowie sein soziales Engagement für die Bevölkerung Nepals zahlreiche internationale Auszeichnungen, die Österreichische Bundesregierung verlieh ihm 2005 den Berufstitel Professor. Nairz lebt mit seiner Frau Edith in Innsbruck.

HORST CHRISTOPH, Dr., geb. in Innsbruck, Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Innsbruck, war viele Jahre Kulturredakteur des Nachrichtenmagazins profil. Seit seiner Pensionierung ist er als freier Journalist tätig. Zahlreiche Publikationen zu den Themenschwerpunkten Zeit- und Alpingeschichte. Im Tyrolia-Verlag veröffentlichte er 2012 die Biografie Max Reisch. Über alle Straßen hinaus.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.