E-Book, Deutsch, 377 Seiten
Naumann Götterdunkel: Der Pakt des Toten Gottes
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-9701-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, 377 Seiten
ISBN: 978-3-7438-9701-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
'Wird er an seinem wahren Ich zugrunde gehen oder werden seine Illusionen ihn retten?' Wie ein Wunder rettet der junge Arcturus seinen Heimatstadtstaat vor den dampfbetriebenen Kanonen und Hopliten des Feindes. Er glaubt, das nur dem Gott Cherus zu verdanken. Deshalb schließt er sich dem Tempel an, deren Priester und Kleriker die einzig wahren Götter vertreten. Unermüdliches Training und seine Hingabe an Cherus geben ihm die Fähigkeit, den Gott selber in seinen Körper fahren zu lassen. Mit diesen Kräften wird er zum besten Werkzeug des Tempels gegen das Böse. Bis er vom Pakt des Toten Gottes erfährt und dieses Geheimnis seine Welt erschüttert. Von Selbstzweifel geplagt und desillusioniert verliert er seine Kräfte. Doch diese sind nötiger als je zuvor. Aus Freunden werden Feinde, das Böse lauert bereits. Der Autor zum Buch: 'Antike und Mythen, Spiritualität, Dämonen und etwas Steampunk. Ich wollte Fantasy schreiben, statt Genrekonventionen.'
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Kapitel 2: Der Tempel
Es war eine lange Fahrt und die Trireme musste oft anhalten. Schon bald waren keine Menschen mehr in den Häfen zu sehen, sondern die echsenartigen Amniaten, die in unterschiedlichsten Größen und Farben daherkamen. Natürlich wollten die jungen, menschlichen Rekruten hinaus und sich am Anblick dieses eigenartigen Volkes ergötzen, sowie deren riesigen, steinernen Städte erforschen, die aus dem Dschungel ragten. Die Kleriker des Tempels aber verbaten es ihnen. In einer Nacht verliehen die jungen Männer laut ihren Unmut über dieses Verbot Ausdruck. In den Quartieren saßen sie beieinander und jeder hatte eine Meinung dazu. »Sie haben Angst«, sagte ein Bursche namens Dames. »Sie haben Angst davor, dass wir fliehen könnten.« In der Zeit auf dem Schiff hatte sich Arcturus viele Freunde gemacht. Es fiel ihm leicht, er war ein umgänglicher Mensch und selbst gefangen auf dem Schiff zu sein nahm ihm nicht die gute Laune. Mit Dames war er aber nicht befreundet, keiner war das. Wenn man mit ihm sprach, spießte er einen mit seinen dunklen Augenringen auf und antwortete nur knapp. Er sah immer kränklich aus. Man fragte ihn, ob ihm die Seefahrt nicht bekomme, worauf er schnell genervt antwortete, dass er immer so aussehe. Möglicherweise mied ihn Arcturus nur, weil alle anderen es auch taten und dann schämte er sich dafür. Doch in dieser Nacht hatte sich Dames zu ihnen gesellt, um seine Gedanken mit ihnen zu teilen. »Wir sitzen hier wochenlang und haben viel Zeit zum Nachdenken. Zum Beispiel, ob das eine gute Idee ist. Manche von euch schieben vielleicht nur Wache in einem der Tempel, andere haben einen angenehmen Job als Leibwächter der hochrangigen Priester. Aber das sind nicht die richtig Guten. Die richtig Guten nämlich schickt man aus, um gegen das Unaussprechliche zu kämpfen. Dämonen, die den Geist sprengen, Kult-Anhänger, welche dem Wahnsinn anheim gefallen sind, Heerscharen von Untoten. Die Feinde des Tempels sind zahlreich, wisst ihr.« Die jungen Männer schauten sich an und dann zu ihm. Er erhielt ihre ganze Aufmerksamkeit und das schien ihm zu gefallen. Unheimlich lächelnd sprach er weiter: »Oh nein, hattet ihr bisher nicht über solche Sachen nachgedacht? Fragt doch mal die Kleriker da oben, was sie denn schon gesehen haben. Ich glaube, sie können euch ein paar schöne Geschichten erzählen. Die Krieger des Tempels bezahlen einen hohen Preis für ihre Göttertreue.« »Warum bist du dann hier?«, fragte ihn einer. Dames antwortete: »Das wissen nur die Götter.« Arcturus sollte noch erfahren, was er damit meinte. Auch wenn er es sich im Moment nicht vorstellen konnte, sie sollten später Freunde werden. So liefen sie in mehrere Häfen der Amniaten ein, ohne dass sie auch nur einen Fuß an Land setzten. Arcturus würde hierher zurückkommen, das hatte er sich fest vorgenommen. Schließlich erreichten sie den großen Tempel Aduya. Fast als wäre es eine erste Prüfung, mussten sie dem Tor zusehen, wie es sich langsam vor ihnen öffnete, während die Sonne unbarmherzig auf sie hinab schien. Über die Mauer ragte die Zikkurat, auf dessen Spitze ein Feuer brannte. Arcturus hoffte, dass ihre Ankunft nicht das Ritual störte. Endlich war das Tor weit genug für die Wachen des Tempels geöffnet. Sie alle schienen Orks zu sein. Untersetzte Männer von dunkler Hautfarbe, mit Schweinenasen und Hauern. Die jungen Menschen verließen die dürre Ebene und betraten den staubigen Hof des Tempelkomplexes. Ein ältlicher aber kräftiger Mensch begrüßte sie, nachdem er sie für eine Weile betrachte: »Aha, die Götter haben neue Munition bekommen!« Er strich sich über den langen, weißen Bart. »Ich bin der Erz-Kleriker Svasson Herald und im Moment der Ausbilder im Tempel Aduya. Das ist der höchste Rang, den man als Krieger des Tempels haben kann. Sie, als angehende Kleriker, haben aber noch einen weiten Weg vor sich. Keine Sorge! Die Götter werden Ihnen genügend Chancen geben, sich zu beweisen und aufzusteigen. Dann wollen wir mal dafür sorgen, dass Sie sich hier wie zuhause fühlen!« Was bedeutete, dass er ihnen ihre Stuben zeigte und sie ihre Taschen dort hineinwarfen. Orks hievten Säcke heran und entleerten vor ihnen die Tuniken, die auch der Erz-Kleriker und die Orks trugen. Sie waren einfarbig dunkel, die bronzenen Fibeln mit zwei sich kreuzenden Strichen versehen. Dazu gab es Arm- und Beinschienen, sowie einen Helm ohne besondere Verzierung oder Schmuck. Svasson nahm eine Tunika auf und zeigte auf die Fibel: »Dies ist der Stern des Tempels, er zeigt ihren Rang an. Sie sind bisher nur Rekruten. Mehr Strahlen müssen Sie sich verdienen.« Die Orks hatten einen vierstrahligen Stern auf der Fibel, Svasson einen sechsstrahligen. Svasson ließ ihnen keine Ruhe an diesem Tag. »Dieses Ding«, sagte er und hielt die lange Büchse hoch, »formte die Welt, wie wir sie kennen. Die Windbüchse, ein Geschenk des weisen Mathematikers Somokles. Vielleicht hat einer Ihrer Vorfahren, Herr Arcturus, ja damit einer meiner barbarischen Vorfahren erschossen.« Arcturus war sich nicht sicher, wie er darauf reagieren sollte, also lächelte er blödsinnig. Davon unbeeindruckt fuhr Svasson fort: »Manche von Ihnen haben vielleicht schon mal eine Windbüchse benutzt. Der Kleriker Deorg wird es Ihnen trotzdem demonstrieren. Schließlich sind sie teuer und zerbrechlich und wir haben mehr Kleriker als Windbüchsen.« Der gemeinte Ork nahm die Büchse an und schraubte den Kolben ab. »Hier ist die Luft drin«, sagte er. Mit einem Grunzen befestigte er den Kolben wieder. Die Oberseite der Windbüchse befüllte er mit runden Kugeln. Der Ork spannte einen Hahn und sie hörten eine Kugel in den Lauf fallen. »Nun ist es geladen.« »Schieße damit, Kleriker«, befahl Svasson. Der Ork nickte, legte die Windbüchse an und richtete sie auf eine entfernte Zielscheibe. Er drückte ab und mit einem Zischen stieß die Luft das Geschoss aus dem Lauf. »Die Luft reicht für maximal sechs Schüsse«, erklärte Svasson. »Mehr und das Projektil verliert an Kraft. Man kann aber auch die Menge an zusammengepresster Luft für weniger Schüsse einsetzen. Kleriker?« »Jawohl?« »Setzen Sie die ganze verbliebene Luft ein!« Der Ork schaute ihn verdutzt an. »Aber, mein Herr …« »Kommen Sie schon, Ihnen wir nichts passieren. Ihre Schulter ist kräftig genug um dem Rückstoß standzuhalten. Ich habe gesehen, was Sie tragen können! Nun los!« Der Ork drehte ein Zahnrad am Kolben und machte sich bereit. Diesmal erscholl der Knall viel stärker, der Ork wurde umgerissen, wie auch die Zielscheibe nach hinten fiel. »Geht es Ihnen gut, Kleriker Deorg?«, fragte Svasson. Der Ork nickte und stand wieder auf. Dann wandte sich der Erz-Kleriker an die Rekruten. »Wieso sehen Sie so blass aus? Meistens werden Sie so nicht schießen, das ist nur für Notfälle!« Danach durften sie nicht schießen, sondern bekamen Pumpen in die Hände gedrückt und verbrachten Stunden damit, die Kolben der Windbüchsen mit Luft zu füllen. Die Götter gaben dem weisen Somokles seine Erfindungskraft und er beschenkte dafür die Kleriker des Tempels mit Waffen. Furchtbare Waffen. Die Schlagkraft der dampfbetriebenen Geschütze hatte Arcturus schon erlebt; als sie diese Rauch speienden Monstren demonstrierten, kamen dunkle Erinnerungen an die Belagerung von Akython in ihm hoch. Am meisten benutzten die Menschen gepresste Luft und verdampftes Wasser für Waffen der Zerstörung. Wenigstens, so fand Arcturus, setzte der Tempel sie gegen die Feinde der Götter ein. Die Rekruten warteten in der Sonne. Zwei Orks traten aus dem Tempelkomplex. Sie waren noch zu weit entfernt, um zu erkennen, was für eine kleine Person zwischen ihnen ging. Zuerst sah Arcturus ein Elf, die langen, schlanken Ohren standen leicht schräg vom Kopf ab. Der Elf trug eine Tunika wie sie, der Oberkörper wirkte zierlich gegenüber dem Unterleib, welcher sich um einiges breiter und stämmiger präsentierte. Erst als sie näher gekommen war, sahen sie eine weibliche Elfin, mit zu einem Zopf gebundenem, goldenem Haar. Arcturus war gebannt von ihrem Gesicht, das er von menschlichen Frauen so nicht kannte. Die aufgerichteten Ohren und ihre scharfen Gesichtszüge ergaben ein spitzes Dreieck. Es wirkte jugendlich, man könnte fast schon sagen kindlich, die Augen aber viel älter und unergründlich. Sie schaute durch die Reihen der Rekruten, ohne dass Arcturus in ihnen lesen konnte. So stand sie zwischen den zwei Orks, denen sie noch nicht mal bis zu den Schultern reichte, vor den jungen Männern, die ebenfalls um mehr als einen Kopf größer waren als sie. Und dabei strahlte sie eine vollkommene Überlegenheit aus, wie sie eine Hand auf einen schlanken Säbel im Gürtel ruhen ließ und sich Zeit nahm. Die anderen Rekruten schienen sich jedoch nur auf ihre Beine zu konzentrieren. »Augen auf!«, sagte sie. Erschrocken schauten sie gerade aus. Sie mussten wie Arcturus erwarten, von einer Windböe getroffen zu werden. Oder einem anderen Element, über das die Elfen verfügten, wie er es aus den Geschichten kannte. Er hörte jedoch keine Emotionen in dieser Aufforderung und konnte nicht sagen, ob sie das verärgerte, nervte oder belustigte. »Ich bin Klerikerin Ansara.« Sie zeigte auf die Fibel der Tunika, ein vierstrahliger Stern. »Adjutantin des Erz-Klerikers Svasson Herald. Meine Funktion ist es, Sie im Nahkampf auszubilden. Wie Sie sehen können, bedarf es keiner gewaltigen Körperkraft oder Größe, um Kleriker zu werden. Lassen Sie sich nicht von den Orks einschüchtern. So, wer von Ihnen hat bereits einen Kampf erlebt oder wurde dafür trainiert?« Einige Hände erhoben sich. »Sie kommen mit mir, die anderen werden vorerst...




