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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 449 Seiten

Reihe: Heilige Bastarde

Naumann Heilige Bastarde

Der Zwergenring
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7554-0319-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Zwergenring

E-Book, Deutsch, Band 1, 449 Seiten

Reihe: Heilige Bastarde

ISBN: 978-3-7554-0319-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Einst hatte der Gott Cherus die Stämme der Merowa vereint und in den Sieg gegen einen finsteren Feind geführt. Er hinterließ ein Reich und halbgöttliche Töchter und Söhne: die heiligen Bastarde. Viele Jahre später und sein Reich droht von seinen eigenen Kinder zerrissen zu werden, während eine neue Bedrohung über die Stämme der Merowa heraufzieht.   Simund und Melinde, die jüngsten Kinder des Cherus, beginnen ihre Reise, um einen gefangenen Zwerg zu befreien. Er soll König Hartrieds Geheimnis, den Grund für seine Unverwundbarkeit kennen. Der König währenddessen, ebenfalls Sohn des Cherus, schwört seine widerspenstigen Fürsten auf den neuen Feind ein.

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Kapitel 1, Gunlaug
Seine Stiefel sanken in den matschigen Boden, während Gunlaug einen festen Stand einnahm und von dem Jungen vor ihm dasselbe erwartete. Der gerade versiegte Regen tropfte seine schwarze Haare herunter und fielen in die Pfütze vor ihm. »Muss das gerade jetzt sein?«, fragte der Junge etwas mürrisch und versteckte sich hinter dem Schild. Gunlaug griff nach dem Rand des Schildes und zog ihn zu sich, so dass der Junge den Arm ausstreckte. »So benutzt du einen Schild, Gartmund. Halte ihn nicht dicht am Körper, sondern strecke ihn deinem Gegner entgegen. Damit schirmst dich besser ab. Und ja, das muss jetzt sein. Wenn du schon die Zeit und Kraft hast, im Regen durch die Wälder zu rennen, dann kannst du auch anfangen zu lernen mit dem Schild und dem Schwert umzugehen. Deine Mutter schaut zu. Sie will sehen, dass du deine Energie in etwas Sinnvolles steckst.« Gartmund blickte zu seiner Mutter Hedwinna, die auf einer Bank am Gut saß. Sie war in einem roten Mantel und einen weißen, seidenen Schal gekleidet, hinter dem sie die beiden beobachtete. Er atmete durch und hielt den Schild wieder dicht am Körper. Gunlaug beugte sich zu ihm herunter. »Hier, schau.« Mit der bloßen Hand fasste er die Klinge seines Schwertes an. »Siehst du, nicht einmal scharf. Da kann nichts passieren. Ich habe gesehen, wie du mit einem Holzschwert durch das Dickicht rennst und alles niederschlägst, was sich dir in deiner Vorstellung entgegenstellt. Das ist nur eine einfache Übung. Weiter nichts. Schon bald kannst du deinem Vater zeigen, was du kannst und er wird stolz auf dich sein.« Der Junge wischte sich eine Strähne aus den Augen und nahm eine Kampfhaltung an. Dabei gab der Boden schmatzende Geräusche von sich. Plunk. Gunlaug schlug zuerst auf den Schild, darauf folgte Gartmunds zögerlicher Gegenschlag. Wieder Gunlaug und Gartmund hieb nach. Spürte er etwa mehr Entschlossenheit? Beim nächsten Hieb machte Gunlaug einen leichten Schritt zur Seite. Ganz von selbst folgte ihm der Junge. So tauschten sie Hieb um Hieb, legten immer mehr Kraft in ihre Angriffe. Dumpf schlugen die Klingen auf die Schilde, während sich die beiden Kämpfer im Kreis drehten. Gartmund blickte grimmiger drein. Vielleicht erschöpfte ihn das Training, vielleicht erwachte in ihm auch der Kampfgeist. Da wurde Gunlaug schon der Arm müde, doch Gartmund schien erst richtig in Fahrt zu kommen. »Das reicht!«, hörte er Hedwinna rufen. Beide stoppten sofort. Den Rock leicht hebend kam sie auf sie zu und stellte sich neben ihren Sohn. Mit der Hand streichelte sie ihm über den Kopf. »Er ist ganz durchnässt. Nicht, dass er noch erkrankt oder vor Erschöpfung umfällt.« »Ich weiß nicht«, sagte Gunlaug und legte den Schild ab. »Er hat die Kraft seines Vaters. Und das Blut seines Großvaters fließt stark in seinen Adern.« Er zwinkerte ihm zu. Gartmund bedankte sich mit einem stolzen Lächeln. Behutsam nahm Hedwinna ihrem Sohn Schild und Schwert ab. »Das ist schön. Jedoch wünschte ich mir, das Kampfhandwerk würden ihn noch nichts angehen und er könnte noch eine Weile Kind bleiben. Diese Waffen passen noch nicht zu ihm.« »Je früher er übt, desto leichter wird er es als Mann haben.« Und dann an Gartmund gerichtet. »In deinem Alter hatte mich dein Großvater schon in ein Kettenhemd gesteckt. Ich konnte reiten und einen Speer schleudern. Nun bin ich fast so stark wie dein Vater!« »Aber nicht so stark wie mein Vater?«, fragte Gartmund. Gunlaug wiegelte ab. »Niemand ist so stark wie dein Vater.« »Nun, jemand möchte ihn sprechen.« Der Altknecht war neben sie getreten. Ein ältlicher Mann mit Halbglatze, roter Nase und vernarbter Wange. Ein dicker Bauch wölbte sich unter dem Mantel. Er sprach direkt zu Gunlaug: »Jedoch glaube ich, dass Ihr ihn zuerst anhören solltet.« Gunlaug wunderte sich. »Wieso? Das sind Angelegenheiten der Hofverwaltung, nicht des Gefolges.« »Ja, ähm … sagen wir, es ist eine Familienangelegenheit.« Gunlaug horchte auf und Hedwinna seufzte. Nur der kleine Gartmund schien nicht zu verstehen und blickte zwischen den dreien hin und her. »Da ist ein junger Mann«, fuhr der Altknecht fort, »der von sich behauptet -« »Ein Sohn des Cherus' zu sein?«, unterbrach ihn Gunlaug. Der Altknecht nickte. »Er kann natürlich keine Beweise vorbringen, besteht jedoch darauf, von Eurem Vorfahren abzustammen. Darum möchte er in das Gefolge des Königs aufgenommen werden. Er wirkt sehr entschlossen und lässt sich nicht umstimmen.« Gunlaug atmete hörbar aus. »Ja, es war gut, damit zuerst zu mir zu kommen. Ich schaue mir den Knaben mal an.« »Danke«, sagte der Altknecht und drehte sich um. Gemeinsam gingen sie die Palisade entlang auf das hölzerne Torgebäude zu. Ein paar Wachen mit Speeren standen dort um einen jungen Mann herum, der mit den Armen verschränkt auf und ab ging. »Hedwinna.« Gunlaug stellte gerade fest, dass sie ihnen folgte, mit Gartmund an der Hand. »Ich kann das alleine regeln. Gehe mit deinem Sohn hinein.« »Vielleicht kann ein freundliches weibliches Gesicht erhitzte Männergemüter beruhigen«, warf sie ein. »Ich bin aber auch ein bisschen neugierig und will mir einen Eindruck verschaffen.« »Neugierig auf jung Männer? Dein Mann sollte davon besser nichts erfahren.« Sie lachte klar und ungezwungen. »Darum braucht er sich keine Sorgen zu machen. Sieh ihn dir an, er ist fast noch ein Knabe. Ein guter Grund, ihn zur Umkehr zu bewegen.« Er war tatsächlich noch ein Jüngling, kaum achtzehn, vielleicht gerade mal sechzehn Jahre alt. Als sie am Tor ankamen, hielt der Knabe und schaute sie erwartungsvoll an. Er wartete auf irgendetwas. Gunlaug konnte ihn genauer in Augenschein nehmen. Seine schulterlangen, dunklen Haare waren vor dem vorbeigezogenen Regen durch einen Mantel geschützt. Die breite Nase und der starke Kiefer kamen Gunlaug irgendwie bekannt vor. Er sieht jemandem ähnlich, vielleicht kenne ich einen Verwandten von ihm? Ich werde ihn fragen. Ein Sohn des Cherus' ist er auf jeden Fall nicht. »Seid Ihr König Hartried, gewähltes Oberhaupt der Merowa?«, fragte der Knabe schließlich in einem geschwollenen Tonfall. Gunlaug lachte. »Nein, nein. Der König spurt nicht, wenn so ein Irgendwer nach ihm verlangt. Da musst du schon mit seinem Bruder Gunlaug vorliebnehmen.« Da hellte das Gesicht des Knaben auf, die Haltung entspannte sich. »Noch ein Sohn des Gotthelden! Verzeiht mir, dass ich Euch nicht sogleich erkannt habe. Wir sind schließlich ja nur Halbbrüder, richtig? Es ist unseren Müttern aus unterschiedlichen Geschlechtern zu verdanken, dass wir beide uns nicht sehr ähnlich sehen.« Wir sehen uns gar nicht ähnlich. Aber der Knabe war wirklich davon überzeugt. Wie bei den anderen zuvor auch, würden sie ihn enttäuschen müssen. »Sag mir«, fragte nun Hedwinna, »wie ist dein Name? Aus welchem Stamm kommst du, aus welchem Geschlecht?« »Dodstied ruft man mich, vom Stamme der Hordra, Geschlecht der Uldwar.« »Uldwar?«, entfuhr es Gunlaug. Er erinnerte sich. »Ich kannte mal einen Uldwar, namens … er war ein bäriger Mann, stark, aber freundlich und immer zu einem Scherz aufgelegt. Wie hieß er noch gleich …« Er tippte sich mit dem Finger auf das Kinn. »Kling nach meinem Großvater Godstied.« »Richtig! Ein guter Mann, sehr beliebt, sehr verlässlich. Wie geht es ihm?« »Die Zeit hat ihn eingeholt«, antwortete Dodstied. »Wir haben vor zwei Jahren seinen Leichnam verbrannt und seine Seele auf die Reise geschickt.« »Oh, das tut mir leid.« Dodstied schüttelte den Kopf. »Er hatte ein gutes Leben geführt und nur das Alter konnte ihn besiegen. Wir sind uns sicher, seine Seele wird an einen besseren Ort gelangen. Das ganze Geschlecht kam zum Scheiterhaufen und warf ins Feuer, was es aufbringen konnte. Er wird seinen Nutzen dafür haben.« »Ich wünsche es ihm«, meinte Gunlaug. Es trat eine Pause des Schweigens ein. Gunlaug suchte um Worte nach einem Gesprächsgegenstand und bemerkte erst jetzt Dodstieds Reittier, das vor dem Torhaus angebunden stand. »Das ist ja mal ein prächtiger Bursche.« Er stellte sich neben den dunkelbraunen Hirsch und betrachtete ihn mit Bewunderung. Die Schultern überragten ihn, und Gunlaug war kein kleiner Mann. Die Brust des Tieres war breit und mächtig und das Geweih kam ihm so verzweigt und stämmig vor wie eine ausgewachsene Eiche. Gunlaug fasste dem Tier ans Zaumzeug und zog den Kopf zu sich hinunter, um ihm in die Augen zu schauen. Es ließ sich ohne Probleme anfassen, was auf ein gutes Temperament hinwies. »Er ist mein ganzer Stolz«, bemerkte Dodstied. »Aber können wir zu meinem Anliegen kommen? Ich bin ein Sohn des Cherus wie Ihr. Deswegen möchte ich in das Gefolge des Königs aufgenommen werden. Meine göttliche Abstammung verschafft mir dieses...



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