Neason | Star Trek - The Next Generation: Der Kronprinz | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Neason Star Trek - The Next Generation: Der Kronprinz

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11645-3
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11645-3
Verlag: Heyne
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Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Welches Spiel treibt der König?

Capulon IV ist eine in Traditionen erstarrte Welt. Als Kronprinz Joakal zum Absolutus, einem gottgleichen König, gekrönt wird, kündigt er durchgreifende Reformen an und beantragt die Aufnahme seines Planeten in die Föderation. Captain Jean-Luc Picard erhält den Auftrag, das Abkommen zu unterzeichnen. Mit auf der Enterprise reisen zwei Ordensschwestern nach Capulon IV, um Kinderheime aufzubauen. Plötzlich scheint Joakal einen Rückzieher machen zu wollen: Er hält den Captain hin, erfindet Ausflüchte. Als Picard, Counselor Troi und die Ordensschwestern auf den Planeten beamen, erwartet sie eine böse Überraschung ...

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Kapitel 1


Der junge Lieutenant auf der Transporterplattform starrte Troi aus nervösen, furchtsamen Augen, an.

»Es geht alles gut, Geoff«, beteuerte die Counselor, indem sie in ihren Tonfall mehr Zuversicht einfließen ließ, als sie wirklich empfand. Samantha Tuttle, die neue Transporterchefin, die an den Kontrollen stand, stieß ein Räuspern aus.

»Die Starbase sendet das Bereitschaftssignal, Counselor«, sagte sie zu Troi.

»Danke, Transporterchefin«, antwortete Troi, ohne den Blick von ihrem transferbereiten Patienten zu wenden. »Dr. Fletcher wartet schon auf Sie, Geoff«, erklärte sie ihm. »Alles ist arrangiert worden. In sechsunddreißig Stunden trifft die Skylark ein, mit der Sie nach Beta Arkturus heimfliegen können. Dr. Fletcher begleitet Sie. Er hat eine Kopie Ihrer Krankenakte. Die Ärzte in der Klinik sind auf Sie vorbereitet. Sie haben es fast geschafft.«

Trotzdem verminderte das Grauen in den Augen des jungen Mannes sich nicht im geringsten. Seine Zunge fuhr über die trockenen Lippen. Er rang um eine Antwort.

»Vielen Dank«, brachte er schließlich hervor. »Ich bedaure, dass ich … Ich war ein schlechter Patient.«

Troi schenkte ihm ihr gelungenstes professionelles Lächeln. »Sie sind ein einsichtiger Patient gewesen. Vergessen Sie nicht, es gibt keine Wunderheilungen. Alles braucht seine Zeit.«

Der Lieutenant nickte. Troi ging auf Abstand und trat zu Transporterchefin Tuttle, die noch auf das Zeichen zur Betätigung der Transporterkontrollen wartete.

»In ein paar Tagen sind Sie zu Hause, Geoff. Sind Sie soweit?«

Noch einmal nickte der Lieutenant. Troi berührte Tuttles Arm. Die Hände der Transporterchefin bewegten sich über die Schaltflächen. Ein Summen ertönte, Helligkeit strahlte; die Gestalt des Lieutenants löste sich auf.

»Leben Sie wohl, Geoff«, wünschte Troi ihm leise, als er verschwand. »Viel Glück für die Zukunft.«

»Die Starbase signalisiert, dass Lieutenant Salah angekommen ist«, teilte Tuttle der Counselor mit.

Troi sah sie an und lächelte matt. Dann wandte sie sich ab. Nun konnte die Counselor nur noch in ihr Quartier zurückkehren und ihre Aufzeichnungen um den letzten Vermerk über Lieutenant Salahs ergänzen.

Troi verließ den Transporterraum. Crewmitglieder grüßten sie, während sie den Korridor hinab zum Turbolift schlenderte. Sie nickte ihnen zu; aber eigentlich bemerkte sie sie nicht so richtig. Momentan war ihr Verhalten rein reflexmäßig und professionell geleitet; es stand in keinem Zusammenhang mit ihren Gedanken, die unverändert Geoff Salah galten. Sie hatte noch den Ausdruck kaum beherrschter Panik vor Augen, der sich im Laufe der vergangenen Wochen in seinem Gesicht festgefressen hatte.

Troi hatte immer gewusst, dass Starfleets Psycho-Profile keinen Anspruch auf Vollkommenheit stellen konnten, und sich damit abgefunden. Doch selbst in ihrem latenten Stadium hätte Salahs Phobie diagnostiziert werden müssen, überlegte sie zum hundertsten Mal, als sie den Turbolift betrat. Sie nannte dem Bordcomputer ihr Ziel.

Geoff Salah hätte nie an Bord eines Raumschiffs geschickt werden dürfen. Dennoch hatte man es getan. Und sie hätte fähig sein müssen, ihm zu helfen. Sie hatte versagt, und das schmerzte sie bitterlich.

Troi gelangte zu ihrem Quartier und ging hinein. Leise schloss sich hinter ihr die Tür. Erst jetzt ließ sie ihre Fassade professioneller Gelassenheit fallen. Ihre Schultern sackten abwärts, indem sie sich rücklings an die Wand lehnte, die Lider sanken ihr herab. Für einige wenige, kurze Augenblicke ähnelte Deanna Trois Haltung der Gestalt von Atlas, den die Last der ganzen Welt niederbeugte.

Zu guter Letzt nahm sie einen tiefen Atemzug und straffte die Schultern. Sie hatte noch mehr Arbeit zu bewältigen.

Die Counselor setzte sich an ihren Schreibtisch. Sie drückte am Computerterminal eine Taste, schaltete den Apparat auf vocoderfreien Aufzeichnungsmodus; momentan mochte sie nicht einmal die angenehme Sprachprozessorstimme des Computers hören.

»Ergänzung zum Logbuch der Counselor«, fing sie an, »Sternzeit 45741.9. Wir haben gerade einen sechsstündigen Aufenthalt bei Starbase 212 beendet und die Passagiere an Bord genommen, die mit uns nach Capulon IV fliegen. Zudem ist hier …« Troi verstummte und atmete ein zweites Mal tief durch.

»Einer meiner Patienten hat das Raumschiff verlassen. Aufgrund meiner Empfehlung hat Lieutenant Geoff Salah unbegrenzten Krankenurlaub und die Erlaubnis zur Rückkehr auf seinen Heimatplaneten erhalten. Es ist unwahrscheinlich, dass er je wieder auf einem Raumschiff tätig sein kann.«

Troi lehnte sich in den Sessel und schloss noch einmal die Augen. Sie fühlte sich gründlich ausgelaugt. Lieutenant Salahs plötzlich ausgebrochene Phobie hatte sein Leben ruiniert und ihn beinahe völlig um den Verstand gebracht. Trois wochenlange Bemühungen, ihm dabei zu helfen, dagegen anzukämpfen, hatten sie nachhaltig erschöpft.

Bei jeder therapeutischen Sitzung hatte seine wachsende Paranoia Trois Hirn härter bedrängt. Während die Anzeichen seiner Phobie sich häuften, hatte Troi selbst Angstzustände und Schlaflosigkeit, Konzentrationsmangel und bedrückende, wahnhafte Ahnungen nahen Unheils zu erdulden gehabt – ein empathisches Echo von Salahs Symptomen.

Sie war nicht einmal dazu in der Lage gewesen, Salah zu versichern, seine Ängste und Befürchtungen seien grundlos. Dass die Enterprise durchs Vakuum flog, so wie jedes Raumschiff, war die Realität. Die mit einem solchen Flug verbundenen Gefahren waren zu viele, als dass man sie alle hätte aufzählen können: Systemfehler, Lecks infolge Asteroideneinschlags oder feindlichen Feuers, unbekannte und manchmal feindselige Lebensformen, Ionenstürme, Novae und Supernovae und tausend sonstige Risiken. Sie gaben die Bedingungen ab, die man schlichtweg akzeptieren musste, wenn man sich für den Starfleet-Dienst entschied. Sie gehörten mit zum Abenteuerlichen der Raumfahrt.

Und genau sie waren die Begleitumstände, die Lieutenant Geoff Salah nicht mehr verkraften konnte.

Erneut verfolgte Troi der gespenstische Anblick seines gequälten, furchtgeplagten Gesichts. Gleich darauf überschwemmte eine weitere Woge abgrundtiefer Müdigkeit die Counselor. Niedergeschlagenheit kroch ihr mit ersten, noch hauchfeinen Fühlern ins Hirn.

Troi beendete die Aufzeichnung. Sie konnte sie später, wenn sie wieder besser mit sich selbst im reinen war, jederzeit ergänzen. Die Counselor atmete gründlich durch und danach langsam aus; dann rief sie an ihrem Terminal die Terminplanung des Nachmittags auf.

Die nächste, schon in wenigen Minuten fällige Sitzung sollte mit Bio-Tech Theodore Aske und Roberta Plummer, Leiterin des geowissenschaftlichen Labors, stattfinden. Sie betraf lediglich eine freiwillige voreheliche Beratung. Trois Lippen verzogen sich zu einem schwachen, nur andeutungsweisen Lächeln. Sie war darüber froh, dass ihr nun nichts Schwierigeres bevorstand. Bei den drei bisherigen Gesprächen mit Aske und Plummer hatte nichts darauf hingewiesen, dass sie etwas anderem als einer langen, glücklichen Ehe entgegensehen müssten.

Doch sobald sie den darauffolgenden Namen der Liste las, widerspiegelten Trois dunkle Augen neue Sorgen. Fähnrich Johann Marshall. Auch ihn hatte sie durch einen schweren Leidenszustand zu begleiten: Kummer, Schuldgefühle und Verbitterung.

Vor einem Monat hatte Marshall die Nachricht vom Tode seines Vaters erhalten und sich um Trost an Troi gewandt. Seither hatten seine düsteren, negativen Emotionen alle Beratungssitzungen mit ihm geprägt. Marshall leugnete, irgend etwas anderes als Verlust und Trauer zu empfinden. Oft saß er in Trois Büro nur da und sprach kaum ein Wort. Dann erfüllten die Emanationen seiner finsteren, grüblerischen Gefühle die Räumlichkeit und durchbebten Trois Bewusstsein.

Sie hätte sich mental abschirmen, eine undurchdringlich feste, geistige Mauer um ihr empathisches Talent errichten können. Aber sie erduldete diese Emanationen. Andernfalls müsste sie mit der Möglichkeit rechnen, irgendeinen wichtigen Hinweis darauf zu übersehen, weshalb die Selbstvorwürfe des Fähnrichs stärker als seine Trauer ausfielen. Bevor er diese Tatsache offen anerkannte, gab es für ihn keine Aussicht auf Heilung.

Im Fall Marshall wollte sie keinesfalls zu scheitern. Darum ließ sie ihre Empathie ungeschützt.

»Und wer hilft der Counselor?«, fragte sie laut, während sie aufstand und ihren Körper in die Haltung optimistischer Professionalität brachte: Schultern zurück, Brust nach vorn, Kinn erhoben. Gleichzeitig stellte sie sich mental darauf ein, ihr Büro aufzusuchen und energisch die restlichen Aufgaben des heutigen Tages zu erledigen.

Der an ihre Uniform geheftete Insignienkommunikator piepste. Leicht berührte sie ihn mit der Hand. »Hier Troi«, meldete sie sich.

Die Kom-Frequenz übertrug die wohlklingende Stimme Captain Picards. »Counselor, morgen Abend um neunzehn Uhr veranstaltete ich einen Empfang, um unsere Gäste an Bord zu begrüßen. Falls Sie keine anderen Pläne haben, wäre ich erfreut, wenn Sie auch teilnehmen.«

Allzeit bereit, das ist mein Schicksal, schoss es Troi durch den Kopf. Sie wusste, der Captain erwartete von ihr, dass sie sogar bei einem harmlosen geselligen Zusammensein wie einem Empfang die Emotionen der Anwesenden sondierte. Er verstand einfach nicht, wie viel er von ihr verlangte; niemand auf der Enterprise konnte nachvollziehen, wie sehr diese andauernd praktizierte Sensitivität die Counselor strapazierte.

Sie versuchte, sich nichts von ihren Gedanken anmerken zu lassen, als sie dem Captain antwortete. »Danke, Sir«, sagte sie lediglich....



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