E-Book, Deutsch, 300 Seiten
Nebl Der Nonnengärtner
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-0435-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Boccaccios schönste erotische Novellen neu erzählt und in Reime gesetzt
E-Book, Deutsch, 300 Seiten
ISBN: 978-3-7557-0435-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor Theodor Nebl hat in seiner beruflichen Tätigkeit eine Reihe wissenschaftlicher Lehrbücher verfasst. Zur Freude seiner Kinder, Enkel und aller an Märchen interessierten Leser wechselte er vor einiger Zeit das Genre. Nun widmet er sich den Märchen aus aller Welt. Er erzählt die Märchen neu und setzt sie in Reime. So entstand frei nach den Gebrüdern Grimm unter anderem die zehnbändige Reihe »Gereimte Märchen« und zuletzt der Titel »Der Rattenfänger von Hameln«. YouTube-Kanal: »Opi Theos gereimte Märchen«
Autoren/Hrsg.
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Der Nonnengärtner
Meine wunderschönen, hochgestellten Damen,
gar viele Menschen schon
zu der irrigen Annahme kamen,
dass ein junges Mädchen,
welches mit einem Nonnenschleier wird behängt
und in ein schwarzes Nonnenkleid gezwängt,
ganz und gar aufhört, ein Weib zu sein
und in seinem neuen Leben
nie mehr an die Liebe denkt!
Kommt den Leuten, die so etwas glauben,
einstmals anderes zu Ohren,
oder es sticht ihnen in die Augen,
dann sprechen sie von ungeheuren Verbrechen
und meinen sicher, diese muss man rächen!
Auch Gottes Gnade sei verloren,
darauf hätten sie geschworen!
Ganz vergessend, wie unersättlich
sie selbst sehr oft in solchen Dingen sind.
Machen Nonnenkleid und Schleier sie denn blind?
Wie sehr sie einer Täuschung sind erlegen,
soll meine Geschichte nun belegen!
Viele Menschen sind zu der Überzeugung gelangt,
dass karge Speisen und körperliche Mühen
und diese sicher schon allein,
die Bauern von sinnlichen Genüssen befrein
und ein solches Sehnen aus ihrem Geiste ziehn!
Auch bescheren sie ihnen wohl einen simplen Verstand!
Solche Gedanken sind dumm und nicht zu verzeihn!
Dass dies ein falsches Denken ist,
dafür soll diese Geschichte ein Beleg nun sein.
Ich hoffe, das wird von euch anerkannt!
In einem Frauenkloster, das ich als Kind bereits gesehn,
ist die folgende Geschichte tatsächlich geschehn.
Das Kloster war wegen seiner Heiligkeit bekannt,
sie ward gerühmt im ganzen Land.
Acht Nonnen und eine Äbtissin lebten dort,
an diesem hochgelobten Ort.
Sie alle waren noch recht jung,
so hab’ ich’s in Erinnerung.
Ein alter Gärtner bestellte dort den Klostergarten.
Auf sein Salär musste er häufig sehr lange warten.
Unzufrieden mit seinem Lohn,
rechnete er eines Tages mit dem Klostervogte ab
und machte sich in seinen Heimatort davon.
Freundlich wurde er daheim empfangen.
Masetto, ein kräftiger junger Mann,
ist auf ihn fröhlich zugegangen
und fragte ihn aus,
was er in den letzten Jahren angefangen?
So hat er ihm von seinem Klosterdienst berichtet
und auf kein einziges Detail verzichtet:
»Ich hab’ den Klostergarten gut bestellt.
Erhielt dafür Brot und dünne Suppe,
aber viel zu wenig Geld!
Auch Holz musst’ ich im Walde schlagen
und es danach auch nach Hause tragen.
Ich arbeitete wohl nur für mein täglich' Essen.
Den Lohn, den mir der Vogt gezahlt,
konnt’ wirklich ich vergessen.
Nichteinmal zum Besohlen
meiner Schuhe hat es gereicht!
Darum fiel mir das Fortgehen
auch am Ende leicht!
Die Nonnen redeten mir in alles,
was ich tat, hinein!
Pflanz’ es hier, reiß es dort heraus …!
Sie konnten ganz schön zickig sein!
Lob hab ich fast nie erhalten.
Sie nur immer mit mir schalten!
Drum hab’ ich ihnen das Werkzeug
vor ihre Füße hingeschmissen
und bin ganz einfach ausgerissen!
Der Klostervogt bat mich noch zum Schluss,
dass ich ihm aus meinem Dorfe
einen Nachfolger schicken muss!
Doch darauf kann er lange warten,
er jätet nun selbst das Unkraut im Klostergarten!«
Als Masetto die Worte des Alten gehört,
packten ihn unsägliche Lust und Verlangen,
in besagtem Kloster als Gärtner anzufangen.
Aus dem Bericht hatte er herausgehört,
dass es ihm wohl gelingen möge,
dort das zu tun, was er so heiß begehrt!
Um seine Pläne nicht zu gefährden,
tat er so, als teile er des Alten Beschwerden:
»Tatest gut daran, alles hinzuschmeißen!
Konntest damit, dass ein rechter Kerl du bist, beweisen!
Wer hätte schon mit lauter Weibern leben sollen,
die in sieben Fällen, sechsmal nicht wissen,
was sie eigentlich wollen!«
Nach diesem Gespräche hatte Masetto begonnen,
ernsthaft darüber nachzusinnen,
wie es ihm wohl könnt’ gelingen,
zu den Nonnen zu gelangen
und als ihr Gärtner anzufangen.
›Hoffentlich ist die Stelle noch frei‹,
ja, das war die Krux dabei,
denn sehr viel Zeit war schon verronnen.
Und so kam er zu dem Schluss,
dass ihn in dem weit entfernten Kloster
sicher keiner kennen muss!
Schulterte seine Axt und auch den Spaten
und hoffte, dass die Nonnen
gewiss schon auf ihn warten.
Wenn ich stumm mich stellen kann,
stellt der Vogt mich vielleicht an.
Und ich denke, dass alles, was ich begehre,
irgendwann auch geschehen werde!
In dem Kloster angekommen,
hat er den Vogt gleich wahrgenommen.
Mit Gebärden machte er klar,
dass er mächtig hungrig war.
Und er deutet’ auch gleich an,
dass er Holz gut spalten kann!
Der Vogt gab freundlich ihm etwas zu essen
und wollte danach sogleich messen,
ob der ankommende junge Mann,
derbe Holzkloben spalten kann,
was dem alten Gärtner selten nur gelang!
Auch Bäume im Walde zu fällen,
war für Masetto kein Problem.
Das war dem Vogt sehr angenehm.
Und dass er stumm war obendrein,
das könnte im Kloster von Nutzen sein!
Darum behielt er den jungen Mann
im Kloster noch für kurze Zeit,
um liegengebliebene Arbeiten zu verrichten.
Dazu war Masetto gern bereit
und was er tat, gelang zu seiner Zufriedenheit!
Dabei hatte ihn die Äbtissin erblickt
und sogleich nach dem Vogte geschickt.
Der sprach: »Der junge Mann hatte
um ein Almosen gebeten,
gleich nachdem er das Kloster betreten.
Dafür war er zur Arbeit geneigt
und hat sich dabei von seiner besten Seite gezeigt!
Taubstumm scheint er wohl zu sein.
Mit Gebärden gebe ich ihm, was er tun soll, ein.
Wenn er auch etwas von Gartenarbeit versteht,
dann wäre es schade, wenn er wieder geht!
Er ist jung und hat viel Kraft!
Alle Arbeiten, die ich ihm gegeben,
hat er gut und schnell geschafft.
Auch Dummheiten könnte er
den Nonnen nicht erzählen.
Stellen wir ihn ein,
dann würden wir gewiss
den Richtigen erwählen!
Denn die Gärtnerstelle ist vakant.
Wie ihr wisst, ist der alte Gärtner fortgerannt!«
Die Äbtissin erwiderte:
»Haltet ihn fest und redet ihm gut zu!
Stellt ihn ein und schenkt ihm
einen Mantel und ein Paar alte Schuh’!
Gebt ihm auch stets genug zu essen,
dann können wir die Probleme,
um die schwere Arbeit,
sicher bald vergessen!«
Masetto stand nicht weit entfernt von beiden.
Er verstand jedes Wort
und was gesagt ward,
konnt’ er sehr gut leiden!
Er dachte:
›Sie sind hereingefallen, auf meine List!
Stellt mich nur gleich fest ein,
dann werde ich euren Garten so bearbeiten,
wie er noch nie bearbeitet worden ist!‹
Nach der Probezeit im Gemüsegarten
wurde er nun endlich eingestellt,
doch auch er erhielt sehr wenig Geld.
Das war natürlich zu erwarten!
Doch auch an andere Gärten
hat der junge Mann gedacht
und das besonders in jeder schlaflosen Nacht!
Masetto, der alle Arbeiten erledigte,
war ein junger, gutaussehender Mann.
Das kam bei den Nonnen sehr gut an.
Sie hänselten ihn und spielten
ihm manch argen Schabernack,
und das geschah bei Nacht und Tag,
so wie Leute es mit Taubstummen oftmals treiben.
Die Nonnen hatten viel Freude daran,
das war nicht zu übersehen und kaum zu beschreiben!
Die Äbtissin kümmerte sich nicht darum,
denn sie dachte, ›Der ist taub und stumm
und in seiner Männlichkeit, auch in Liebesdingen,
sicherlich auch ganz furchtbar dumm!‹
Die Nonnen riefen ihm nicht selten
verdorbene, verbotene Worte zu,
um ihn in Versuchung zu setzen.
Sagten lästerliche, obszöne Dinge,
doch sie wollten ihn gewiss nicht verletzen!
Es war ein Spiel, doch es konnte ihre Sehnsüchte
nicht befriedigen und auch nicht ersetzen!
Was sie taten, war sicher unerhört,
doch sie wussten ja, weil er es nicht hört,
kann er sie nicht schelten
und nichts der Äbtissin verpetzen!
Eines Tages hatte sich Masetto nach harter Arbeit
in den kühlen Schatten gelegt.
Das hat zwei Nönnlein sehr erregt.
Auf ihrem Spaziergang blieben sie bei ihm stehn
und haben sich das stramme Mannsbild angesehn!
Die keckste der beiden sprach:
»Wenn ich wüsste, du kannst schweigen,
würde ich dir meine schlimmsten Gedanken aufzeigen.
Hab’ oft darüber nachgedacht,
lieg’ deshalb wach, so manche Nacht.
Würd’ gern erfahren irgendwann,
was man mit solch einem schönen Mann,
aus Lustbarkeit alles treiben...




