E-Book, Deutsch, 308 Seiten
Nebl Die vier Fragen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-8123-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
spannende chinesische Märchen
E-Book, Deutsch, 308 Seiten
ISBN: 978-3-6951-8123-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor Theodor Nebl hat in seiner beruflichen Tätigkeit eine Reihe wissenschaftlicher Lehrbücher verfasst. Zur Freude seiner Kinder, Enkel und aller an Märchen interessierten Leser wechselte er vor einiger Zeit das Genre. Nun widmet er sich den Märchen aus aller Welt. Er erzählt die Märchen neu und setzt sie in Reime. So entstand frei nach den Gebrüdern Grimm unter anderem die zehnbändige Reihe »Gereimte Märchen« und zuletzt der Titel »Das Chanukkafest«.
Autoren/Hrsg.
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Die Zauberflöte
Berge in der Ferne und Wasser in der Näh’.
Blickt man von Weitem auf die Berge
sieht man bizarre Formen,
die auf den Gipfeln bedeckt sind mit Schnee.
An solch einem Berge, der hoch zum Himmel ragt,
lag einst ein Dorf mit einem
zerfallenen Tempel darin.
Nach dessen Namen wurde nie gefragt.
In dem Tempel wohnte ein Bursche mit Namen Dascheng.
Das Quellwasser, das er trank, war süß,
aber sein Leben ist bitter gewesen,
denn er war einsam und allein.
Gar niemand jemals an ihn denkt.
Auch keinen Freund hat er besessen!
Und niemand wollte bei ihm sein!
Wenn er in die Berge ging, um Holz zu schlagen,
begleitete ihn nur sein Schatten,
sonst niemand, das war zu beklagen.
Auch auf dem Heimweg, wenn er trug des Holzes Last,
war sein Schatten bei ihm, als hätte er auf ihn aufgepasst.
Brannte er am Abend sein Öllämpchen an,
so sorgte der zugige Wind dafür,
dass sein Schatten zu schwanken begann!
Eines Tages, als Dascheng wie immer in die Berge wollte gehen,
kam er nach weitem Wege über Hänge und Kämme
schließlich auf einem Gipfel an.
Dort er das Plätschern einer kleinen Quelle vernahm.
Zu jener Stelle ging er hin, weil er sich nach schwerer Arbeit
seine Hände waschen wollt’.
Doch es kam anders, als es kommen sollt’!
Er ging ein paar Schritte
und sah in des Grases Mitte eine Flöte liegen.
Schon immer wollte er solch eine kriegen.
Er bückte sich und hob sie auf.
Die Flöte war leuchtend grün
und glänzte so wunderschön,
als wäre der beste Lack darauf.
Als er seine Lippen daran legte und einfach in sie blies,
was die Flöte auch zuließ,
da klangen die Töne schöner als der schönste Vogelgesang.
Nur darum blies er die Flöte stundenlang!
Der Wind trug die Flötentöne
mit ganzer Kraft weit in das Land hinaus.
In den Tälern, Wäldern und Hängen waren sie zu hören.
Niemand mochte sich an ihnen stören.
Nein, sie waren allen, die sie hören
ein köstlicher Ohrenschmaus.
Die Vögel kamen herbeigeflogen.
Sie sind von ihrem Wege abgebogen.
Die Blüten nickten im Takt der Melodie.
Solch schöne Musik hörten sie noch nie!
Selbst die Tiger und Leoparden standen still,
weil ein jeder ungestört diese schönen Töne hören will!
Dascheng blies und blies immerfort,
da kam ein großer, schneeweißer Schmetterling
sehnsuchtsvoll zu diesem Ort.
Auf einen Rhododendronbusch hatte er sich gesetzt.
Er klappte seine Flügel zusammen
und bewegte die langen Fühler jetzt.
Solch einen schönen Schmetterling
hatte Dascheng noch nie gesehn.
Er bewunderte ihn, blieb vor ihm stehn.
Als die Sonne hinter den Bergen versank,
beendete Dascheng den Flötenklang.
Er schleppte das geschlagene Holz
bergab in sein zugiges Heim.
Dort sollte er, wie an jedem Abend,
wieder voll Sehnsucht alleine sein!
Am nächsten Tag stieg Dascheng
wieder auf die Berge hinauf,
um sein tägliches Werk zu verrichten.
Darauf mochte er niemals verzichten.
Natürlich hatte er seine grüne Flöte wieder mitgenommen
und er hoffte, dass ihm eine neue,
und schönere Melodie würde in den Sinn dann kommen.
Zum Mittag hat er sein trockenes Brot gegessen.
Zu Trinken hatte er nichts, als das Wasser der Quelle besessen!
Er dachte bei sich:
Die Einsamkeit holte ihn wieder ein,
da fiel ihm seine grüne Flöte ein.
Zu Spielen hat er angefangen.
Paarweise kamen die Vögel geflogen
und die kleinen Hirsche,
mit ihren Müttern, lauschend angegangen.
Alle Tiere trafen paarweise ein.
Drum ward auch die Melodie,
die er blies, ganz traurig sofort.
Die Vögel begannen zu weinen dort,
die Hirsche ließen die Köpfe hängen.
Von den großen, grünen Berghängen
war plötzlich ein herzergreifendes,
laut schluchzendes Weinen zu hören.
Drum wollte Dascheng seiner traurigen Melodie abschwören.
Dem Weinen ist er nachgegangen.
So konnte er zu einem tränenüberströmten,
unter einem Pfirsichbaum sitzenden,
jungen und wunderschönen Mädchen gelangen!
»Schwester«, fragte Dascheng,
»was ist das für ein Kummer, der dich so traurig macht?
Viel lieber sähe ich, dass dein roter Mund jetzt lacht!«
»Wenn du schon fragst, Bruder, dann will ich es dir sagen,
mein Unglück möchte ich beklagen!
Ohne Vater und Mutter bin ich allein!
So ist das Unglück über mich gekommen,
irgendwie sollte es so sein!
Zu alledem hat mich ein böser Kerl in sein Auge genommen.
Geworfen hat er seinen begehrlichen Blick auf mich!
Auch wenn es mein Leben kosten sollte,
diesen Kerl, den will ich nicht!«
»Weine nicht und sage mir, wer er ist!
Dann werde ich zu ihm gehen.
Meine Argumente soll er bald verstehen
und dann wirst du es gleich sehen,
dass er es nicht wagt, dich zu bedrängen
und er dich alsbald vergisst!«
Das Mädchen war, wie es aussah, von Daschengs Worten bewegt.
Sie schüttelte den Kopf und war ein wenig rot geworden:
»Wer weiß, wenn du dich einmischt,
wie dann die Geschichte ausgeht?
Darüber mache ich mir Sorgen!
Ich habe dich in den Dörfern hier noch niemals gesehen.
Aber ich würde gerne deine Frau werden!
Wenn du einverstanden bist,
dann könnte das geschehen!«
Dascheng dachte bei sich:
Aber dann fragte er sich:
Nun sprach er das Mädchen an:
»Schwester, ich bin ein ehrlicher Mann!
Darfst dich nicht über mich lustig machen!
Man scherzt nicht mit solchen ernsten Sachen!
Der zerfallene Tempel ist mein Zuhaus.
Mit meiner Annut kennt das ganze Dorf sich aus!«
»Warum sagst du mir das Dascheng?«,
fragte das Mädchen streng.
»Wenn man auf die Berge steigt,
darf man keine Angst vor steilen Hängen haben,
und wenn man Lotoswurzeln pflücken mag,
darf man sich nicht über das Wasser,
in dem sie wachsen, beklagen!
Lass uns unser Glück gemeinsam genießen
und unser Leid zusammen ertragen!
Deine Armut ist für mich kein Grund, dich nicht zu mögen.
Ich hab’ dich lieb, das ist für uns ein Segen!«
So hatte Dascheng nach diesen Worten keine Bedenken mehr!
Nein, er freute sich sogar sehr!
Aber mit seiner Braut in dem zerfallenen Tempel zu wohnen,
das wollte er nicht.
Darum er dieses Problem anspricht.
Aber da sah das Mädchen ihn erneut freundlich an
und sagte dann:
»Als mein Vater noch am Leben war,
baute er uns ein Haus, das sogar aus Steinen war.
Wenn du willst, ziehen wir dort ein.
Alles was wir benötigen, wird darin vorhanden sein.«
Sie traten aus dem Wald heraus
und tatsächlich lag am Berghang
das besagte kleine, aber wunderschöne Haus.
Es war geräumig, groß genug für zwei.
Ordentlich und sauber sah es aus.
Dascheng fühlte sich gleich darin Zuhaus!
Alles was sie benötigten, war tatsächlich auch dabei!
So wurden die beiden ein Paar.
Nach vielen einsamen Jahren
hatte Dascheng ein schönes Zuhause gefunden.
Er fühlte sich geliebt, seit den allerersten gemeinsamen Stunden!
Ich glaube, ihr wisst,
dass für fleißige Menschen das Stillsitzen unmöglich ist.
So ist es auch bei Dascheng gewesen.
Schon nach dem Frühstück wollte er in den Wald
und er machte sich auch auf sehr bald.
Doch seine Frau rief ihn zurück:
»Willst du Holz schlagen, dann gehe nur fort.
Doch merke dir, was...




