E-Book, Deutsch, 220 Seiten
Nebl / Ehlers Russische Tiermärchen
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7526-9489-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
frei nach Alexei N. Tolstoi nacherzählt und in Reime gesetzt
E-Book, Deutsch, 220 Seiten
ISBN: 978-3-7526-9489-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Autor Theodor Nebl hat in seiner beruflichen Tätigkeit eine Reihe wissenschaftlicher Lehrbücher verfasst. Zur Freude seiner Kinder, Enkel und aller an Märchen interessierten Leser wechselte er vor einiger Zeit das Genre. Nun widmet er sich den Märchen aus aller Welt. Er erzählt die Märchen neu und setzt sie in Reime. So entstand frei nach den Gebrüdern Grimm unter anderem die zehnbändige Reihe »Gereimte Märchen« und zuletzt der Titel »Die Märchen der weisen Eule«.
Autoren/Hrsg.
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Das Hähnchen Goldkamm
Vor langer Zeit ist es gewesen,
hab alles aufgeschrieben,
ihr könnt es hören und auch lesen,
dann werdet ihr die Geschichte lieben.
In Eintracht lebten einst ein Kater,
eine Drossel und ein Hahn.
Dies ich euch berichten kann.
Ihre Hütte stand am Waldesrand,
was ich sehr romantisch fand.
Holz zu hacken, war des Katers
und der Drossel Profession.
Sie lebten gar nicht schlecht davon.
Täglich gingen sie in den Wald,
um Holz zu schlagen.
Sie waren fleißig, kannst alle fragen.
Das Hähnchen blieb derweil allein zu Haus
und machte sich gar nichts daraus.
Die Hausarbeit war ihm sehr recht,
es machte sie gewiss nicht schlecht.
Es hat geputzt und auch gekocht,
was Kater und Drossel gern gemocht.
Wenn sie des Abends kehrten heim,
dann sollte es nach schwerer Arbeit,
wirklich sehr gemütlich sein.
Ein Füchslein lebt, von ihrem Haus nicht weit,
und suchte fast tagtäglich Streit.
Hat’s auf das Hähnchen abgesehen.
Wollt’s gar zu gerne fressen,
darauf war es ganz versessen!
Könnt ihr das wohl verstehen?
Der Kater und die Drossel haben das gewusst,
und es bereitete den beiden Frust!
Drum schärften sie dem Hähnchen ein:
»Wir gehen in den Wald hinein,
du bist den ganzen Tag allein.
Öffne weder Fenster noch die Tür,
diesen Rat geben wir dir!
Lass den bösen Fuchs nicht rein,
sonst könnte es dein Ende sein!«
Der Fuchs wartete ab, bis die Drossel
und der Kater in den Wald gegangen.
Erst dann hat er mit süßer Stimme angefangen,
ein Lied zu singen, für den Hahn,
dass der nicht widerstehen kann:
Weil das Liedchen klang so schön,
konnt’s Hähnchen gar nicht widersteh’n,
wollt’ den tollen Sänger seh’n.
Hat vergessen, was Kater und auch Drossel
gerade ihm gesagt,
oder nicht danach gefragt!
Steckt den Kopf zum Fenster raus,
Füchslein freut sich auf den Schmaus.
Packt den Hahn mit seinen Fängen,
will mit ihm zum Fuchsbau rennen.
Ist mit dem Hahn gleich fortgehetzt
und das Hähnchen schrie entsetzt:
»Kommt, ihr Freunde, rettet mich,
lasst mich bitte nicht im Stich!
Der böse Fuchs hat mich geschnappt,
seine List hat gut geklappt!
Ich soll nun sein Braten sein,
helft mir, liebe Freunde mein!«
Kaum hatten die Drossel und der Kater
diesen Ruf vernommen,
sind sie dem dummen Hähnchen
zur Hilfe gleich gekommen.
Sie haben dem Fuchs, durch ihre Übermacht,
eine Niederlage beigebracht.
Hähnchen wurde so befreit,
das war keine Kleinigkeit!
Nicht lang’ danach ist es geschehen,
Drossel und Kater mussten wieder
in den Wald zur Arbeit gehen.
Erneut schärften sie dem Hähnchen ein:
»Der rote Fuchs ist sehr gemein! Öffne weder Tür noch Tor,
sieh’ dich vor dem Füchslein vor!
Hast es sicherlich noch nicht vergessen,
der Fuchs wollt’ dich zum Frühstück fressen!«
Der Fuchs wartet wieder ab,
bis die Drossel und der Kater in den Wald gegangen.
Erst dann hat er mit süßer Stimme wieder angefangen,
ein Lied zu singen für den Hahn,
dass der nicht widerstehen kann:
Dieses Mal war es dem Hahn bewusst,
dass er darauf verzichten musst!
Öffnet weder Tür noch Tor.
Drum sang der Fuchs erneut ein Lied ihm vor:
Das konnte das Hähnchen so nicht fassen,
öffnet das Fenster, und hat sich blicken lassen:
»Kikeriki, kikeriki, warum darf ich picken nie,
das Korn, das vor dem Tor verstreut?
Das pick’ ich gleich, weil’s mich erfreut!«
Des Fuchses List hat gut geklappt,
hat wieder sich den Hahn geschnappt.
Rennt zum Bau, wie letztes Mal,
wird’s für’s Hähnchen jetzt zur Qual?
Unser Hahn schreit nun sehr laut,
weil der böse Fuchs ihn hat geklaut:
»Kommt ihr Freunde, rettet mich,
lasst mich bitte nicht im Stich!
Der böse Fuchs hat mich geschnappt.
Nun soll ich sein Braten sein,
helft mir, liebe Freunde mein,
dass sein Versuch auch heut’ nicht klappt!«
Dies Geschrei drang durch den Wald.
Kater und Drossel hörten’s bald.
Kamen gesprungen und geflogen,
weil das Hähnchen ward betrogen.
Sie haben ihren Freund befreit!
Dafür war es höchste Zeit.
Der Fuchs ward gekratzt und gezwackt,
gebissen und fürchterlich gehackt.
So ließ er dann das Hähnchen los
und die Freude war so groß!
Gar nicht lang ist es geschehen,
Drossel und Kater mussten wieder
in den Wald zu Arbeit gehen.
Sie sprachen zum Hähnchen mit großer Strenge:
»Bleib vom Fenster weg, sonst wird es für dich enge!
Wenn der Fuchs dich noch mal schnappt,
weil seine nächste List geklappt,
nutzt dir nicht dein lauter Schrei.
Wir kommen sicher nicht herbei,
um deine Rettung zu gewähren,
brauchst dich dann nicht zu beschweren!
Denn wir sind weit weg im Wald,
bis zu uns dein Ruf nicht hallt!«
Kaum waren Kater und Drossel
in den finsteren Wald gegangen,
hat der Fuchs sein Liedchen angefangen:
Als das Hähnchen sich nicht rührt,
der Fuchs das nächste Liedchen ausprobiert:
Auch dieses Lied kannte das Hähnchen schon.
Bis verklungen der letzte Ton,
war es darum diesmal still,
weil es dem Rat der Freunde folgen will.
Was ihm der Kater und die Drossel kommentiert,
hat es jetzt brav durchgeführt.
Doch der Fuchs ist noch viel schlauer,
denn er weiß es auch genauer,
muss ein neues Lied probieren,
um das Hähnchen zu verführen:
Das hat den Hahn total verletzt,
in Kampfesstimmung ihn versetzt!
Er ward nicht aus Erfahrung klug,
darum sich Folgendes zutrug:
Das Hähnchen riss das Fenster auf,
schon nahm das Schicksal seinen Lauf.
Es steckte seinen Kopf heraus,
beim Füchslein brach gleich Freude aus.
»Kikeriki, kikeriki, warum darf ich picken nie,
die Nüsse, die vor dem Tor verstreut?
Solch eine Ungerechtigkeit!«
Füchsleins List hat gut geklappt,
hat sich gleich den Hahn geschnappt:
»Dein Leben kannst du nun vergessen!
Dieses Mal werd’ ich dich fressen!«
Den Kater und die Drossel in dem Wald,
ließ des Hahns Geschrei ganz kalt.
Denn sie hatten nichts vernommen,
kein Ton war bei ihnen angekommen.
Als sie am Abend kamen heim,
war’n sie zu Hause ganz allein.
Ihr liebes Hähnchen war verschwunden,
sie haben fast es nicht verwunden.
Suchten es, doch leider ward es nicht gefunden!
»Der Fuchs ist listig und gemein,
bestimmt fiel unser dummes Hähnchen
wieder darauf rein!«
Als sie noch Federn fanden
auf der Fensterbank,
wurden sie vor Sorge krank!
Verfolgt ward nun des Fuchsens Spur,
durch Wald und Feld in einer Tour.
Der Kater rannte in großen Sprüngen,
die Drossel flog mit flatternden Schwingen.
So kamen sie am Fuchsbau an,
beratschlagten, was man wohl machen kann.
Der Kater stimmte die Gusli2...




