Neely | DIE NACHT DER SCHWARZEN TRÄUME | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 245 Seiten

Neely DIE NACHT DER SCHWARZEN TRÄUME

Der Thriller-Klassiker!
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7487-8776-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Thriller-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 245 Seiten

ISBN: 978-3-7487-8776-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Ein schreckliches Willkommen für Kate, die Frau des Journalisten Harry Falcon: Nach einem längeren Aufenthalt in einem Nervensanatorium wird sie in ihrer Wohnung von einem Triebtäter überfallen und schwer verletzt. Harry ist entschlossen, den Gangster zur Strecke zu bringen, notfalls auch im offenen Kampf gegen die Polizei, die sich an diesem Fall merkwürdig desinteressiert zeigt. Damit beginnt eine Vendetta, die das Leben Falcons in einen Alptraum verwandelt...   Der Thriller Die Nacht der schwarzen Träume von Richard Neely erschien erstmals im Jahr 1976; eine deutsche Erstveröffentlichung folgte 1978. Dieser klassische, düstere Krimi erscheint als durchgesehene Neuausgabe in der Reihe APEX CRIME.

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Autoren/Hrsg.


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  Zweiter Teil: SIC TRANSIT GLORIA
      Neuntes Kapitel     Während ich Kate zuhörte, waren meine Gedanken eine Generation von ihr entfernt, in einer idyllischen Zeit des Hula-Hoop und des Twist, der Zeit von Ike und Mamie und Marilyn und Elvis, von Schnürsenkel-Krawatten und engen Röhrenhosen und Hoppla, Lucy und Dick Clarks American Bandstand - der Zeit eines wunderbaren Mädchens aus dem Märchenbuch, das alle meine Träume wahr gemacht hatte. Die Arbeiter waren kaum weggewesen, als ich auch schon nach dem Telefonbuch von Manhattan gegriffen hatte. Während ich nervös darin blätterte, sagte ich mir, dass ich den Namen Clay Rutledge doch nicht finden, dass es sich um einen Geheimanschluss handeln würde oder dass die Rutledges in einem anderen Stadtteil, in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Staat wohnten. Aber dann entdeckte ich es: Clay Rutledge, 59. Straße, etwas östlich der Fifth Avenue. Keine dreißig Blocks von hier! Ich begann zu wählen, legte den Hörer wieder auf. Sie war eine verheiratete Frau, war vielleicht seit Jahren mit Clay Rutledge verheiratet. Ich konnte nicht einfach anrufen und mir alles von der Seele reden, was mich seit so vielen Jahren beschäftigte. Vielleicht war sie empört, vielleicht herablassend oder auch ein wenig verächtlich. Ich hatte sie so sehr in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort fixiert, dass ich kaum begreifen konnte, wie sehr sie sich verändert haben musste. Vielleicht nicht so sehr im Aussehen, aber in ihrem Geschmack, ihren Vorlieben, ihrer Haltung gegenüber den anderen - und in der Beurteilung einer Liebesaffäre, die jetzt immerhin vierzehn Jahre zurücklag. Also musste ich behutsam vorgehen - vielleicht ein paar nette, belanglose Worte, bevor ich vorschlug, sie zu sehen. Denn sehen musste ich sie - selbst wenn es das Ende eines Traumes bedeutete, den ich so lange und so innig gehegt hatte. Aber war es nicht Gloria gewesen, die mich angerufen hatte? Ich brauchte ein paar Sekunden, ehe ich begriff, was sie zu diesem Anruf geführt hatte. Natürlich hatte sie in der Zeitung von Kate gelesen und war dabei auf meinen Namen gestoßen! Ich hatte noch eine Weile überlegt, dann dreimal ihre Nummer angerufen, in Abständen von einer halben Stunde, und jedes Mal hatte mir ein Hausmädchen versichert, dass sie jeden Augenblick zurückerwartet werde. Nach dem dritten vergeblichen Versuch, sie zu erreichen, hatte ich meinen Namen hinterlassen und gesagt, dass ich in etwa einer Stunde wieder zu erreichen sei. Gleich danach war ich zum Krankenhaus gefahren, wo ich kurz nach sechs Uhr angekommen war. Jetzt, während Kate mir immer wieder erklärte, wie ruhelos sie hier sei, schaute ich auf die Armbanduhr. Es war Viertel vor sieben. Die Stunde war fast vorbei. »Kate, ich muss jetzt gehen.« Sie zog eine Schnute. »So früh? Du bist ja eben erst gekommen.« »Ich weiß. Aber um halb acht kommen die Tapezierer.« »Arbeiten sie denn nachts?« »Ja, ich habe sie gebeten, Überstunden zu machen. Dann ist wenigstens alles fertig, wenn du nach Hause kommst.« »Du bist immer so aufmerksam, Harry. Ich kann es kaum erwarten. Aber trotzdem wäre es schön, wenn du noch ein bisschen hierbleiben könntest.« Sie küsste ihre Fingerspitzen und strich damit über meine Lippen. »Ich fände es auch schön. Was gibt’s denn im Fernsehen?« Jetzt hellte sich ihr Gesicht auf. »Mal sehen. Um sieben Sag die Wahrheit. Eine Wiederholung, aber das macht nichts.« Ich rief Gloria von der Empfangshalle des Krankenhauses an. Das Mädchen war am Apparat und sagte zu meiner Erleichterung: »Einen Augenblick, bitte, Mr. Falcon.« Dann ihre Stimme, tiefer als in meiner Erinnerung, aber mit der gleichen Wirkung wie damals. »Harry! Du bist es doch, oder?« »Klar bin ich es. Der alte, gutaussehende, klaräugige, schlanke Harry Falcon, den du einmal gekannt hast. Was hast du denn erwartet?« Ich hatte mir vorgenommen, meine Erregung so lange herunterzuspielen, bis ich wusste, wo ich bei ihr stand. »Ich war nicht sicher, ob du der richtige Harry Falcon warst. Und ich sagte dem, der ans Telefon gekommen war, dass er es vergessen sollte, wenn dieser Harry Falcon sich nicht an eine gewisse Gloria Summers erinnert.« »Ich bin dein Mann, Gloria.« »Noch immer? Nach vierzehn Jahren?« Sie sagte es scherzhaft, aber ich fühlte, wie mich die dadurch ausgelöste Emotion fast erstickte. »Das kann ich dir erst beantworten, wenn ich dich gesehen habe.« »Du meinst, bis du gesehen hast, dass ich fett und runzelig geworden bin. Ich glaube fast, es ist besser, wenn ich dich darüber im Unklaren lasse.« »Aber bitte nicht zu lange. Wie war’s mit einem gemeinsamen Lunch morgen Mittag? Vielleicht kann ich einen alten Chevy mieten und dich abholen.« »Ich hoffte, du hättest noch immer die alte Kiste. Das mit dem Lunch ist eine gute Idee, aber was hast du eigentlich gegen heute Abend?« »Heute Abend? Sicher...« »Oh, Harry!« Ihre Stimme klang plötzlich betroffen. »Diese schreckliche Sache mit deiner Frau - ich habe in der Zeitung davon gelesen. Die arme, arme Frau. Ich kann dir nicht sagen...« »Ja, es war ziemlich scheußlich.« »Ist sie noch im Krankenhaus?« »Ja, aber es geht ihr schon recht gut. Ich rufe übrigens von dort aus an. Ich habe sie eben besucht und wäre jetzt frei.« »Na also! Warum kommst du nicht gleich her?« Ich hörte Stimmen im Hintergrund. »Es klingt so, als wenn du Gäste hättest.« »Na und? Die sind schon viel zu high, als dass sie uns auch nur bemerken werden.« »Ich könnte in einer Stunde bei dir sein, wenn es dir recht ist. Ich muss nur noch ein paar Kleinigkeiten erledigen.« »Komm, sobald du kannst. Hier wartet ein Drink auf dich.« Ich musste nur noch rasch nach Hause, duschen, mich rasieren und umziehen.   Schon als ich mich der Tür ihres Apartments näherte, hörte ich die Geräusche eines Gelages. Und als sich die Tür öffnete, schlug mir das babylonische Stimmengewirr um die Ohren, wie wenn man plötzlich die Lautstärke des Radios voll aufdreht. Ich sah einige elegant gekleidete Männer und Frauen in kleinen Gruppen herumstehen, sah ein paar Sänger, die sich vor einem Flügel gruppiert hatten und Kellner in weißen Jacketts, die die Gäste mit Drinks und Canapés bedienten. »Ich bin Mr. Falcon«, sagte ich zu dem schwarzen Dienstmädchen. »Miss Summ - Mrs. Rutledge erwartet mich.« »Oh, ja, Mr. Falcon. Bitte kommen Sie rein.« Hinter ihr sah ich Gloria, die sich eben von einer Gruppe löste und lächelnd auf mich zukam. Sie trug ein Kleid aus glänzenden Goldfäden, dessen Schnitt ihre Brüste und die schmale Taille betonte und obendrein viel von ihren langen, schlanken Beinen sehen ließ. Ihr Haar rahmte das Gesicht ein mit blonden Wellen, die bis auf die Schulter fielen. »Harry«, sagte sie weich, nahm meine beiden Hände in die ihren und schaute mir in die Augen. »Gloria. Du bist noch schöner geworden«, sagte ich fast beiläufig, mit spöttischem Unterton, um die Albernheit meiner Worte ein wenig abzumildern. Aber es war die Wahrheit. Ihr Gesicht, früher mehr oval, wirkte jetzt schmaler; die Haut war straff und faltenlos über ihren hohen, schön geschnittenen Backenknochen. Ihr Mund kam mir voller vor als damals, ihre blauen Augen waren noch größer geworden. Auch ihr Teint hatte sich nicht verändert; wenn überhaupt, war er jetzt noch glatter und samtiger, mit einem Leuchten von innen. »Ich will ja nicht gleich Streit bekommen mit dir«, sagte sie. »Das heißt, ich hoffe, du ziehst kein Gesicht, wenn ich dir das Kompliment zurückgebe und sage, dass auch du schöner geworden bist.« Ich zuckte mit den Schultern. »Warum gegen die Wahrheit ankämpfen?« Sie lachte leicht und nahm meinen Arm. »Bringen wir die Vorstellungen hinter uns. Dann verkriechen wir uns in einer Ecke und tun so, als wären die anderen gar nicht da.« Der Raum war riesengroß, und seine Ausmaße wurden noch durch die Ausstattung unterstrichen, die ganz in Weiß und Hellbeige gehalten war, mit Ausnahme des großen, schwarzen Flügels und der farbenfrohen, modernen Bilder an den Wänden. Die Opulenz überraschte mich nicht: Glorias Familie war vermögend gewesen, und eine reiche Heirat schien ihr schon damals vorausbestimmt zu sein. Was mich überraschte, war der Kontrast zu dem viktorianischen Mischmasch, der meinem eigenen Haus die Wirkung eines Museums verlieh. Gloria schubste mich rasch von Gruppe zu Gruppe, stellte mich ihren Gästen als alten Freund vor. Die Reaktionen der Leute reichten von neugierigen Blicken bis zum energischen Händedrücken. Den Sängern am Flügel, die jetzt einen alten Gershwin-Schlager intonierten, nannte sie nur meinen Namen. Ich nahm an, dass die dreißig oder vierzig Gäste eine wohldosierte Mischung aus Showbusiness, Verlagsleben und den schönen Künsten repräsentierten. Der Geruch, der in der Luft hing, deutete darauf hin, dass zumindest einige von ihnen Marihuana rauchten. Als wir die Höflichkeiten hinter uns hatten und frische Drinks von einem vollbeladenen Tablett nahmen, sagte ich: »Okay, und jetzt sag mir, welcher von denen dein Mann ist.« »Keiner. Er ist in San Francisco.« Sie zögerte, ehe sie hinzufügte: »Auf Geschäftsreise.« Sie führte mich in eine Ecke, wo wir uns auf riesigen, weißen Kissen niederließen, einander schräg gegenüber, mit den beiden Wänden im Rücken. Als ob sie es rasch hinter sich bringen wollte, erklärte sie rasch den...



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