E-Book, Deutsch, 397 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm
Reihe: Tb fG
Neider Der Mensch zwischen Über- und Unternatur
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7725-4703-4
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Erwachen des Bewusstseins im Ätherischen und die Gefährdung der freien Kräfte
E-Book, Deutsch, 397 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm
Reihe: Tb fG
ISBN: 978-3-7725-4703-4
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Andreas Neider, Jahrgang 1958, Studium der Philosophie, Ethnologie, Geschichte und Politologie. 17 Jahre Tätigkeit im Verlag Freies Geistesleben, zunächst als Lektor und dann als Verleger. Seit 2002 Leiter der Kulturagentur ?Von Mensch zu Mensch?. Seit 14 Jahren Veranstalter der jährlich stattfindenden Stuttgarter Bildungskongresse. 2015 Mitbegründer der Akanthos-Akademie Stuttgart e.V. Referent für Anthroposophie, Meditation und für Medienpädagogik in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Zahlreiche Veröffentlichungen, im Verlag Freies Geistesleben und im Rudolf Steiner Verlag (Dornach/CH). Der Autor steht für Vorträge und Seminare zu den Themen seiner Bücher zur Verfügung.
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Vorwort zur Neuauflage 2022 Einführung I. Die ätherische Welt und das Leben des Ätherleibes im Leben und nach dem Tod II. Der Sturz der Geister der Finsternis und die Bedrohung des ätherischen Bewusstseins III. Die »Impfung gegen alles Spirituelle« durch die Medienwelt IV. Der ahrimanische Doppelgänger und die digitalen Medien V. Die Belebung des Ätherleibes und das Schicksal der freien Kräfte Nachwort Anmerkungen Namenregister Sachregister Verzeichnis der Buch- und Filmtitel sowie Roman- und Filmfiguren Literaturverzeichnis
II. Der Sturz der Geister der Finsternis und die Bedrohung des ätherischen Bewusstseins
Ein Kampf in der geistigen Welt – der Beginn des Michael-Zeitalters
Mit der eingangs erwähnten Stelle aus Goethes Faustprolog stellt sich die Frage nach dem Sinn und dem Wesen des Bösen. Rudolf Steiner macht in dem jetzt zu schildernden Zusammenhang des Sturzes der Geister der Finsternis immer wieder darauf aufmerksam, dass es sich dabei um ein für die Menschheitsentwicklung notwendiges Geschehen handelt, weil das Gute, das Zukünftige sich nur in der Auseinandersetzung mit dem Bösen, das heißt auch der Erkenntnis des Bösen, entwickeln kann.
»Nun wissen wir, dass seit dem Jahre 1879 die dem Menschen nächststehenden Geister der Finsternis, die dem Reiche der Angeloi angehören, im Menschenreiche selber wandeln, weil sie aus der geistigen Welt in das Menschenreich herabgestoßen worden sind und nun in den menschlichen Impulsen drinnen vorhanden sind, durch die menschlichen Impulse wirken. Ich sagte, gerade durch dieses, dass dem Menschen so nahestehende Wesen auf unsichtbare Art unter den Menschen wirken und der Mensch durch die hereinspielenden Kräfte des Bösen abgehalten ist davon, das Spirituelle mit der Vernunft anzuerkennen – denn das ist wiederum die damit zusammenhängende Aufgabe des fünften nachatlantischen Zeitraums –, gerade dadurch werden diesem fünften nachatlantischen Zeitraum viele Gelegenheiten gegeben, sich finsteren Irrtümern und dergleichen hinzugeben. Es muss gewissermaßen der Mensch sich dazu bequemen, in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum das Spirituelle durch seine Vernunft zu erfassen. Geoffenbart wird es schon; dadurch, dass die Geister der Finsternis 1879 besiegt worden sind, dadurch wird immer mehr und mehr spirituelle Weisheit aus den geistigen Welten herunterfließen können.«1
Das Bewusstsein von der geistigen Welt, das spirituelle Bewusstsein und mithin das oben beschriebene neue Bewusstsein vom Ätherischen kann sich also nur dadurch ausbilden, dass gewisse Geister, die vorher in der geistigen Welt, nämlich im Bereich des Ätherischen wirksam waren, gewissermaßen ins Irdische, in die Welt des menschlichen Alltagsbewusstseins herabgestürzt wurden.
»Das alles kann natürlich nicht zum Jammern oder irgend so etwas Anlass geben, sondern zu einer Stärkung der Kraft und Energie der Menschenseele nach dem Spirituellen hin.
… ein Kämpfer um das Spirituelle muss der Mensch sein in dieser fünften nachatlantischen Zeit; erleben muss er, dass seine Kräfte erschlaffen, wenn er sie nicht fortwährend im Zaume hält für die Eroberung der spirituellen Welt.«2
Damit haben wir genau dieselbe Aussage vor uns wie bei Goethe:
Des Menschen Tätigkeit kann allzu leicht erschlaffen,
Er liebt sich bald die unbedingte Ruh;
Drum geb ich gern ihm den Gesellen zu,
Der reizt und wirkt, und muss, als Teufel schaffen.3
Um was für Geister handelt es sich nun konkret bei dem, was hier als »Geister der Finsternis« bezeichnet wurde? Dazu müssen wir Rudolf Steiner folgend etwas weiter ausholen. In seinen Vorträgen im Herbst 1917, aus denen wir hier immer wieder zitieren werden, stellt er in einem großen historischen Bogen den Zusammenhang her zwischen dem aktuellen Kriegsgeschehen 1917 und dessen geistigen Ursachen. Schon um die Jahreswende 1916/17 hatte er in seinen zeitgeschichtlichen Betrachtungen auf diese Ursachen hingewiesen.4
Im Herbst 1917 kam er nun erneut auf diese Ursachen zu sprechen und charakterisierte dabei die Geister der Finsternis als eine Kategorie von ahrimanischen, den Menschen nahestehenden Angeloi-Wesen. Er wies aber zugleich darauf hin, dass man diese nicht definieren könne, weil sie in früherer Zeit andere Aufgaben hatten. Besonders zu Beginn der Neuzeit waren sie verantwortlich für alles individuelle Aufbegehren, für alles Freiheitsstreben der Menschen. Bis in diese Zeit hinein lenkten nämlich die Geister des Lichtes, also die guten, den Menschen vorwärts leitenden Geister die Geschicke der Menschen im Wesentlichen durch Blutszusammenhänge, durch Völker- und Stammeszusammenhänge. Das heißt die Kulturentwicklung beruhte im Wesentlichen auf vererbbaren Merkmalen, nicht auf Individualitätsmerkmalen.
Schon früh hat Rudolf Steiner auf den hier gemeinten Zusammenhang in seinem »Soziologischen Grundgesetz« hingewiesen:
»Die Menschheit strebt im Anfange der Kulturzustände nach Entstehung sozialer Verbände; dem Interesse dieser Verbände wird zunächst das Interesse des Individuums geopfert; die weitere Entwicklung führt zur Befreiung des Individuums von dem Interesse der Verbände und zur freien Entfaltung der Bedürfnisse und Kräfte des Einzelnen.«5
Das heißt, alle Kultur beruhte ursprünglich auf Gemeinschaften, nicht auf individuellen Impulsen. Und die gemeinschaftlichen Merkmale wurden durch Tradition und Vererbung weitergegeben. Noch bis ins 19. und sogar 20. Jahrhundert hinein kannte man diese Form der Traditionskultur zum Beispiel in dem Ständewesen. Alle beruflichen Tätigkeiten der Menschen waren traditionsgebunden und wurden vom Vater auf den Sohn vererbt. So unterschieden sich in früheren Zeiten, je länger wir zurückgehen umso weniger, die einzelnen Biografien der Menschen auch nur wenig voneinander. Der Sohn machte das, was er vom Vater gelernt hatte, genau in derselben Weise.
Erst mit Beginn der Neuzeit werden nun individuelle Züge in der Entwicklung immer deutlicher. Die einzelnen Menschen befreien sich von den familiären, ständischen oder sonstigen Bindungen und suchen ihr individuelles Schicksal zu gestalten. Dieses Sichauflehnen wurde laut Rudolf Steiners Darstellungen immer inspiriert von den damals noch in diesem Bereich wirkenden Geistern der Finsternis.
Mit dem Jahre 1879 aber übernahmen diese Freiheitsimpulse nun die Geister des Lichtes. Sie lösten sich von ihrem ursprünglichen Impuls und überließen diesen nun den Geistern der Finsternis:
»Die regelrecht fortwirkenden Geister des Lichtes haben genug getan in der Festlegung der Blutsbande, der Stammes-, der Rassenbande und so weiter, denn in der Entwickelung hat alles seine bestimmte Zeit. Dasjenige, was gefestigt worden ist in der Menschheit durch die Blutsbande, dem ist genug geschehen in der allgemeinen gerechten Weltenordnung. So dass seit dieser neueren Zeit die Geister des Lichtes sich so wandeln, dass jetzt den Menschen inspirieren, freie Ideen, Empfindungen, Impulse der Freiheit zu entwickeln, dass es sind, die den Menschen auf die Grundlage seiner Individualität stellen wollen. Und die den alten Geistern der Finsternis verwandten Geister, die bekommen jetzt nach und nach die Aufgabe, in den Blutsbanden zu wirken.«6
Deshalb spricht nun Rudolf Steiner auch davon, dass seit dem Jahre 1879 jegliches Sichstützen auf Rassen, auf Volkszusammenhänge usw. nur noch Niedergangsimpulse mit sich bringen kann:
»Da ist wiederum ein Punkt, an dem man wachsam sein muss. Und insbesondere kann man den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verstehen, wenn man nicht weiß, was für ein Austausch von Funktionen gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sich vollzogen hat. Ein Mensch noch des 14. Jahrhunderts, der gesprochen hat von dem Ideal der Rassen, von dem Ideal der Nationen, der hat gesprochen aus den fortschreitenden Eigenschaften der menschlichen Entwickelung heraus; ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit.«7
Rudolf Steiner weist damit bereits 1917 auf das sich abzeichnende Heraufkommen des Nationalsozialismus hin, der genau in diesem Sinne wirksam war. Er war aber durch das, was sich im 19. Jahrhundert vor allem im Bereich der Medizin entwickelt hatte, vorbereitet worden. Darauf werden wir weiter unten noch genauer eingehen.
Wodurch aber war der Sturz der Geister der Finsternis eingeleitet worden? Rudolf Steiner spricht hier von dem Jahr 1841 und zeichnet dazu eine Linie:
Abb. 2: Der Sturz der Geister der Finsternis im historischen Kontext.
Er beschreibt nun das Geschehen zwischen 1841 und 1879, das dem Anbruch der Michael-Herrschaft voranging, als eine Art Abbild des auch in der Apokalypse beschriebenen Drachenkampfes. Um seine Herrschaft als Zeitgeist ab 1879 vorzubereiten, musste Michael die Geister der Finsternis auf die Erde, das heißt in das irdische Bewusstsein der Menschen stürzen. Achtunddreißig Jahre lang dauerte dieser Kampf, und das, was sich auf Erden im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts, seit 1841 im Gedankenleben äußerte, war bereits ein Abbild dieses Kampfes.
1879 ist dieser Kampf in der ätherischen Welt beendet, Michael hat die Geister der Finsternis besiegt, und sie wirken fortan unter den Menschen, und zwar in zweifacher Weise, wie wir gleich noch sehen werden. Und...




