Nell | Euphoria Band 1 - Das Spiel der Götter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 308 Seiten

Reihe: Euphoria

Nell Euphoria Band 1 - Das Spiel der Götter


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-9071-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 308 Seiten

Reihe: Euphoria

ISBN: 978-3-7693-9071-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lucy Meier: Arm, krank und unglücklich, wird durch ein erschreckendes Ereignis aus ihrem festgefahrenen Leben gerissen und in ein Abenteuer gestürzt, das ihre gesamte Weltanschauung ins Wanken bringt. Durch einen Unfall wird ihr Energiefeld so weit erhöht, dass sich ihre Gedanken und Gefühle sofort auf die Realität auswirken. Sie werden Wirklichkeit! Fortan muss sie lernen, sich zu kontrollieren, um nicht versehentlich Dinge zu erschaffen, die sie nicht will. Als sie zu allem Überfluss auch noch vom Militär gejagt wird, scheint diese Aufgabe jedoch fast unmöglich. Glücklicherweise ist da aber noch Nikolas Key, ihr seltsamer Begleiter, der ihr alles über das Gesetz der Anziehung beibringt. Das einzige Gesetz, das sie kennen muss, um mit ihren Fähigkeiten umgehen zu können. Doch Nikolas birgt ein unglaubliches Geheimnis und es scheint, als wolle er dasselbe von ihr wie das Militär. Den außerweltlichen Splitter, der in ihrem Körper steckt - die unbekannte Quelle ihrer Kraft.

Ich bin seit vielen Jahren Autorin spiritueller Bücher. Weitere Informationen, Spiele und Audio-Dateien findest du auf meiner Webseite: www.euphoria-lane.de
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1


Ein fast normaler Tag


Es war Sommer. Schon wieder. Und dieses Mal war er auch noch viel zu früh gekommen. Ärgerlich wischte sich Lucy den Schweiß von der Stirn. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte er dieses Jahr auch ausfallen oder sich zumindest verspäten können. Wie im letzten Jahr, als der Winter gar kein Ende hatte nehmen wollen. Aber so hatte ihre persönliche Hölle in diesem Jahr schon früh begonnen.

»Mistdinger!«, schimpfte sie leise und klopfte sich die Pollen von der Sporthose. Sie flogen wie riesige Schneeflocken über den Sportplatz. Langsam, bedrohlich und unaufhaltsam. Zum hundertsten Mal bereute sie es, dass sie an diesem Tag gekommen war. Sie war ohnehin fast nie wirklich in der Lage, an irgendetwas in diesem Sportverein teilzunehmen. Wie hatte sie sich nur einbilden können, gerade heute, beim Sportfest ...

Wieder kitzelte es ihr in der Nase und sofort schossen ihr Tränen in die Augen. Dann nieste sie. Vier Mal hintereinander. Warum war sie heute Morgen überhaupt aufgestanden?

Erschöpft und schwindelig setzte sie sich wieder auf den Tribünenplatz und wühlte ein Taschentuch aus ihrer Potasche. Der Hundert-Meter-Lauf war vorbei und die Sportler stellten sich bereits in zwei Reihen vor den Sandkästen für den Weitsprung auf. Lucy versuchte an dem Mann mit dem riesigen Schaumstoffhut vorbeizuschauen, um ihrer Freundin beim Springen zusehen zu können. Sie beugte sich ein wenig vor und lugte über seine Schulter. Dann stieß ihr plötzlich etwas Spitzes in die Rippen. Lucy wandte sich um und blickte in das verärgerte Gesicht des kleinen, blonden Mädchens, das neben ihr saß.

»Ich seh nix!«, schimpfte sie, wobei sie ihre Augenbrauen zusammenzog und den kleinen Mund anschließend zu einer schmalen Linie spitzte.

Lucy lehnte sich resignierend wieder zurück und starrte missbilligend den karierten Hut an. Am liebsten hätte sie diesem Typen das alberne Ding vom Kopf gefegt. Er hatte sie nicht einmal eines Blickes gewürdigt, als sie ihn angesprochen hatte. Nur ein verächtliches »Aach!« war aus seinem mit Pommes Frites gefüllten Mund gekommen. Und bei der abwertenden Handbewegung hatte er fast sein Bier ausgekippt. Wenn sie wenigstens Platz gehabt hätte, um ein wenig zur Seite zu rücken. Aber sie war regelrecht eingekesselt. Seufzend stellte sie ihre Tasche zwischen die Füße, stützte sich mit den Händen von der Bank ab, versuchte ihren schwachen Kreislauf und das leichte Schwindelgefühl, das damit verbunden war, zu ignorieren und stand schließlich wieder auf. Normalerweise hätte es ihr wahrscheinlich gar nichts ausgemacht stundenlang zu stehen. . Aber sie eben nicht normal. Ein normaler, gesunder Mensch konnte ohne Anstrengung aufstehen und musste dabei nicht befürchten umzukippen, weil es viel zu heiß war und die Pollen ihm die Nasenschleimhäute zuschwellen ließen, so dass er nicht atmen konnte und sich vor Erschöpfung schließlich doch wieder hinsetzen musste. Aber das hatte den Affen mit dem Riesenhut ja nicht interessiert. Glücklicherweise saß hinter ihr niemand, dem sie jetzt die Sicht versperrte. Sie saß ganz hinten, in der letzten Reihe. Wie immer. Nicht etwa, weil es ihr gefallen hätte, oder weil es schon zur Gewohnheit geworden war, dass sie über Riesenköpfe oder -hüte hinwegsehen musste. Nein, sie war einfach mit einem Pech gestraft, das ihr lediglich den allerletzten kinderpopodünnen Streifen darbot, der auf der Tribünenbank noch zu finden war. Weil sie auf wundersame Weise jedes Mal zu spät kam, wenn solche Veranstaltungen stattfanden. Egal, wie früh sie losfuhr. Anscheinend passierten die unmöglichsten und verrücktesten Vorfälle immer genau dann, wenn unterwegs war. Als warteten sie nur darauf ihr das Leben schwer zu machen. Heute waren es ein paar Jugendliche gewesen, die es offenbar lustig gefunden hatten in der S-Bahn die Notbremse zu ziehen, die Tür aufzutreten und dann lachend davonzulaufen. Als die Bahn dann endlich weitergefahren war – nachdem der Fahrer ausgiebig die Tür inspiziert und wieder geschlossen hatte – und sie an ihrer Haltestelle hatte aussteigen wollen, hatte eine ältere Dame sie, (waren da nicht noch ungefähr 100 andere Leute in der Bahn, die mindestens genauso nett und hilfsbereit aussahen wie Lucy?) darum gebeten, sie zum Ärztehaus zu begleiten. Lucy hatte sie angesehen, als sei sie von der Spezialeinheit geschickt worden. Aber natürlich war sie so nett. Das war sie immer. zu nett.

Miriam stand jetzt bereits bei den Tischen mit den Getränken und hielt sich eine Wasserflasche an den Mund. Ihr Sprung war also schon vorbei.

»Toll«, murmelte Lucy und biss vor Wut die Zähne zusammen. Dann blickte sie grimmig auf den Typen hinunter, der ihr ganz offensichtlich den Tag vermiesen wollte. Wenn das überhaupt noch möglich war. Ärger kochte in ihr hoch und ein erschreckend starkes Gefühl von Frust und Traurigkeit, das nur zum Teil etwas mit ihm und dem dämlichen Hut zu tun hatte. Sie hob wieder den Blick und beobachtete frustriert die anderen Sportler. Wie sie vollkommen unbeschwert ihrem Hobby nachgehen und Sport treiben konnten, die volle Kontrolle über ihre Körper hatten und Leistungen erbrachten, von denen sie nur träumen konnte. Sie wollte auch da unten sein. Ihre Freundin dort anfeuern, wo sie sie hören konnte. Ihr gratulieren, weil sie sich womöglich schon wieder selbst übertroffen hatte. Und sie wollte auch selbst springen. Und angefeuert werden. Sie wollte laufen und werfen und ... einfach dabei sein. Leben! Und Spaß haben! Es genießen einen Körper zu haben, der normal und vernünftig funktionierte. Aber das würde niemals so sein. Und dass sie sich von Miriam hatte überreden lassen, sich mit ihr in diesem Sportverein anzumelden, würde an dieser Tatsache auch nie etwas ändern.

Wieder kitzelte es in ihrer Nase. Sie kramte fluchend ihr Taschentuch heraus und nieste hinein. Fünf Mal. Am liebsten hätte sie sich ihre verflixten Allergien und Krankheiten in diesem Moment aus dem Körper geprügelt. Sie hinderten sie am Leben. Sie hinderten sie daran, Spaß zu haben und Dinge zu tun, die sie mochte. Ihr Frust und ihre Wut steigerten sich ins Unermessliche. Sie hasste ihre Krankheiten! Sie hasste sie wie die Pest. Und sie hasste sich selbst dafür, dass sie diese Krankheiten hatte. Warum konnte sie nicht einfach normal sein? So wie Miri.

Den Tränen nahe tupfte sie sich ihre rote Nase trocken und steckte das Taschentuch wieder weg. Dann legte sie resignierend den Kopf in den Nacken und blickte seufzend in den azurblauen, wolkenlosen Himmel. , dachte sie. Warum war ihr Leben nur so schwer, während das ihrer Freundin so unbeschwert und leicht war? So fröhlich und erfüllt. Was machte sie falsch? Sie war doch kein schlechter Mensch. Wofür wurde sie so hart bestraft? Eine Träne rollte ihr über die Wange und versank in ihrem Mundwinkel. Sie wischte sich den salzigen Geschmack von den Lippen und wollte gerade noch einmal ihr Taschentuch aus der Hosentasche ziehen, als sie etwas am Himmel bemerkte. Es sah aus wie eine kleine Scherbe, die das Sonnenlicht reflektierte und dabei funkelte wie ein Stern. Lucy zwinkerte ein paar Mal und kniff die Augen ein wenig zusammen, um es besser erkennen zu können, als plötzlich die Zuschauer anfingen laut zu jubeln und zu klatschen. Unbeteiligt wandte sie sich um und sah wie Mark Vrender Anlauf nahm und zum Sprung ansetzte. Miri stand daneben und klatschte aufgeregt mit. Lucy huschte ein kurzes Lächeln über die Lippen. Er war Miriams großer Schwarm. Und – nebenbei bemerkt – der beste Sportler von allen, was wohl die große Aufregung der Zuschauer erklärte. Als er ein weiteres Mal den Vereins-Rekord gebrochen hatte, blickte Lucy wieder über die Bäume und stellte überrascht fest, dass das Funkeln näher gekommen war. Zumindest vermutete sie das. Es war jetzt viel deutlicher und heller. Und obwohl es immer noch winzig klein war, entdeckte sie jetzt verschiedene Farben darin. Mal rot, dann blau und einen Moment später grün und violett. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie nun, dass auch ihr Platznachbar auf das Funkeln aufmerksam geworden war, seine Begleiterin anstupste und in den Himmel zeigte.

»Vielleicht ein Stück von einem Satelliten, oder so?«, sinnierte sie und hielt sich die Hand über die Augen, um die blendende Sonne damit abzuschirmen.

»Quatsch!«, entgegnete der Mann barsch.

Und dann ging alles so schnell, dass Lucy auf die vielen Dinge, die in den nächsten Sekunden passierten, nicht mehr reagieren konnte. Es geschah alles gleichzeitig. Sie wandte sich zunächst um, um sich in das Gespräch ihrer Platznachbarn einzubringen. Dann sah sie das erschrockene Gesicht der Frau. Sie blickte Lucy mit aufgerissenen Augen an, zuckte zugleich zusammen und riss ihren ganzen Körper zur Seite. Ihren Mann zog sie mit sich. Im selben Moment spürte Lucy, wie ein stechender Schmerz sie wie ein Pfeil an der Hand traf und ihren Arm mit einer solchen Wucht nach hinten riss, dass sie mit mehreren Überschlägen rückwärts...



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