Nell | Euphoria Band 2 - Der Tanz der Götter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 292 Seiten

Reihe: Euphoria

Nell Euphoria Band 2 - Der Tanz der Götter


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-9140-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 2, 292 Seiten

Reihe: Euphoria

ISBN: 978-3-7693-9140-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lucy ist zum ersten Mal in ihrem Leben glücklich, denn sie lebt endlich das Leben, das sie sich schon immer erträumt hat. Aber bald schon scheint alles wieder aus den Fugen zu geraten, als ihre beste Freundin von einer schicksalhaften Krankheit heimgesucht wird. Daran zweifelnd, dass es Miriam schaffen kann, sich von dieser Krankheit zu befreien, begibt sich Lucy auf eine Reise nach Lumenia, um Hilfe zu suchen. Doch ihre Reise stürzt sie erneut in einen Strudel aus Verschwörung, Kampf und Leid - denn ihre sich stetig entwickelnden Fähigkeiten scheinen sich immer mehr in einen Fluch zu verwandeln, der sie in einen tiefen Abgrund stürzen wird, wenn sie nicht lernt, mit ihrer wachsenden Kraft umzugehen. Doch sie hat glücklicherweise Nikolas an ihrer Seite und ihre Freunde aus Lumenia, die sie und Miriam dabei unterstützen, ihr Leben Stück für Stück zu entwirren und das Leid für immer hinter sich zu lassen. Doch auch sie ahnen nichts von der geheimen Verschwörung, auf die Lucy gestoßen ist. Und in der sie eine größere Rolle spielt, als sie selbst ahnt.

Ich bin seit vielen Jahren Autorin spiritueller Bücher und arbeite mittlerweile nur noch auf Spendenbasis. Alle Bücher und weitere spirituelle Artikel wie Meditationen, Kartenspiele usw. findest du auf meiner Webseite: www.euphoria-lane.de
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1


Die Wahrheit


Ü»berall auf der Welt treten seltsame Wetterphänomene auf«, erklang die Stimme der Nachrichtensprecherin aus dem Fernseher. Dabei sah man verwackelte Bilder von Nebelschwaden, die durch einen Ort zogen. Es sah unheimlich aus. »Führende Wissenschaftler erklären die plötzlich auftretenden Unwetter und Nebelschwaden mit dem Klimawandel.«

Lucy lauschte aufmerksam der Nachrichtensprecherin, sah sich die Bilder interessiert an und schnappte nebenbei hier und da ein paar Gedankenfetzen der Gäste auf, die mit ihr im Café saßen. Sie mischten sich in das Geklapper von Geschirr, in das das Mahlgeräusch der Kaffeemaschine und in das leise Gemurmel der Leute, die sich unterhielten. Eine Frau, die ganz hinten im Raum saß, verfluchte innerlich ihren Mann, der offenbar fremdging. Sie starrte in ihre Tasse und biss die Zähne vor Wut so sehr zusammen, dass ihre Kiefermuskeln hervor traten. Lucy bekam die Wucht ihrer Emotionen ungefiltert zu spüren. Ein Mann, der nur zwei Tische weiter saß, fluchte ebenfalls in Gedanken. Er schimpfte jedoch auf die Bedienung, die ihm kalten Kaffee gebracht hatte. Und ein Junge, er war vermutlich erst 16 oder 17, lauschte ebenfalls aufmerksam den Nachrichten. Genauso wie Lucy. Doch er lachte innerlich über die Meldungen, was Lucy ein wenig stutzig machte. Sie löste ihren Blick von dem Fernsehgerät, das neben der Theke an der Wand hing und sah den Jungen an. Er lachte nicht nur in Gedanken, sondern auch in Wirklichkeit. Er amüsierte sich über die Naivität der Menschen, zu glauben, dass diese Unwetter etwas mit dem Klimawandel zu tun hätten. Er wusste es besser. Und er hätte es gern in die Welt hinaus geschrien. Aber niemand hätte ihm geglaubt. Verschwörungstheoretiker!, hätten sie geschrien. Oder ihn gar ausgelacht. Seine Emotionen waren noch überwältigender, als die der betrogenen Frau von dem anderen Tisch. Sie waren kraftvoll, verzweifelt und stürmisch. Und sie fühlten sich ganz anders an, als die Emotionen all der anderen Leute hier. Viel konzentrierter und geordneter.

Lucy sah ihn interessiert an. Irgendetwas war besonders an diesem Jungen. Sie konnte seine Besonderheit jedoch nicht deuten, was ihre Aufmerksamkeit nur umso mehr fesselte. Neugierig betrachtete sie ihn. Er trug ein seltsames, sehr klobiges Lederarmband, das fast die Hälfe seines rechten Unterarmes einnahm. Und bis auf seine hellblaue Jeans und die blauen Streifen an seinen Sneakers, trug er ausschließlich weiße Kleidung. Als sie in sein Gesicht sah, spürte sie seine Emotionen noch deutlicher. Sein Gesichtsausdruck wirkte erschreckend verzweifelt. Und sie spürte diese Gefühle bis ins Mark. In seinem Kopf schimpfe er über die Ahnungslosigkeit der Menschen und er war sich sicher, dass die Dummheit der Menschheit der Untergang der Welt sein würde.

Darauf hätte Lucy am liebsten ein »Amen« ausgerufen. Dieser Meinung war sie ebenfalls schon lange. Doch sie wurde jetzt von Miriam abgelenkt, die ihr gegenüber saß und die den Jungen mit der Wucht ihrer Gedanken und Gefühle noch bei weitem übertraf. Sie schleuderte ihr nicht nur erschreckende Emotionen, sondern auch die übelsten Katastrophengedanken entgegen, die Lucy durch die kurze Ablenkung glücklicherweise für einen Moment hatte ausblenden können. Doch jetzt, wo sie Miriam wieder ins Gesicht sah, bohrten sie sich erneut in ihren Kopf. Sie schnappte nach Luft. Lucy hätte ihre Gedanken gar nicht lesen müssen, um zu erfahren, was sie gerade von ihr hielt. Es war ihr deutlich vom Gesicht abzulesen. Miriam sah sie mit einem Blick an, der ihr äußerst unangenehm war. Schrecken lag darin. Und ernsthafte Zweifel, ob sie noch ganz bei Sinnen war.

»Bist du total verrückt geworden??« Endlich sprach Miriam die Worte aus, die ihr so deutlich im Gesicht standen.

Lucy seufzte und wandte sich von dem Gedankengeplapper der anderen Leute so gut es ging ab, um sich auf Miriam konzentrieren zu können. Es fiel ihr schwer. Die Gedanken und Emotionen ihrer Umgebung prasselten von Tag zu Tag intensiver auf sie ein. Manchmal fühlte sie sich, als würde sie davon erschlagen werden. Doch als sie Miriam konzentriert in die Augen sah, verwandelte sich das Geplapper in ein zwar etwas nerviges, aber leiseres Hintergrundgeräusch. Sie konnte Miriams Reaktion ja verstehen. Schließlich hatte sie ihr bisher nicht eine Silbe von Nikolas erzählt.

»Du ziehst mit einem Kerl zusammen, den du kaum kennst??«

Ein paar Leute drehten sich um, als sie Miriams schrille, fassungslose Stimme hörten.

»Ich kenne ihn«, entgegnete Lucy etwas peinlich berührt und starrte dabei auf ihre Kaffeetasse, an der sie sich die Hände wärmte. Er hat mir das Leben gerettet, hätte sie am liebsten hinzugefügt. Außerdem kann ich hören, was er denkt und fühlen, was in ihm vorgeht. Aber sie hielt den Mund. Obwohl sie wusste, dass sie ihr irgendwann die Wahrheit sagen musste. Sie würde sich nicht mit der abgedroschenen Geschichte zufriedengeben, die sie sich für sie ausgedacht hatte. Keine Frau zieht einfach mit einem Mann zusammen, den sie gerade erst kennengelernt hat und mit dem sie nichts weiter verband als Verliebtheit, Leidenschaft und eine seltsame, unergründliche Vertrautheit. Das war wirklich irre. Aber zwischen Lucy und Nikolas gab es mehr. Viel mehr.

»Mach dir keine Sorgen«, sagte Lucy und hob den Kopf, um ihrer Freundin ein sanftes, vertrauenswürdiges Lächeln zu schenken. »Das wird schon gutgehen.«

Miriam zog die Augenbrauen so hoch, dass sich tiefe Furchen in ihrer Stirn bildeten und dann schnaubte sie entsetzt. Ihr Blick war erschreckend. Lucy wusste nicht, ob sie gleich ihr Handy nehmen und einen Seelenklempner anrufen oder ihr links und rechts eine verpassen würde, um sie zur Vernunft zu bringen. Sie sah aus, als würde sie beides tun wollen.

»Du ziehst mit einem wildfremden Mann zusammen, der dir gerade ein Haus geschenkt hat und ich soll mir keine Sorgen machen?? Willst du mich verarschen?«

»Das ist schon in Ordnung«, verteidigte sich Lucy. »Das Haus ist ein Geschenk von…« Sie biss sich auf die Lippe und senkte wieder den Kopf. Sie durfte Alea nicht erwähnen. Doch sie hätte ihr so gern gesagt, dass sie es gewesen war, die Nikolas dieses Haus geschenkt hatte. Damit er einen Platz zum Wohnen hatte, während er auf Lucy aufpasste. Wie sollte sie Miriam erklären, dass sie nicht nur mit ihm zusammen wohnte, weil sie total verknallt in ihn war, sondern weil er der Einzige war, der ihre Kräfte in Schach halten konnte? Sie seufzte schwer. Und sie wurde immer nervöser. Sie hatte zwar gewusst, dass dieses Treffen nicht leicht werden würde, aber dass Miriam mit einer solchen Ablehnung reagierte, hatte sie nicht erwartet.

»Von wem?«, fragte Miriam auf einmal.

Lucy sah zu ihr auf.

»Von wem ist das Haus??«, drängte sie. Sie wirkte wütend.

Lucy ließ den Blick durch die Cafeteria schweifen und suchte verzweifelt nach einer Idee. Dabei fiel ihr auf, dass der Fernsehbildschirm neben der Theke auf einmal wild flackerte. Verflucht, dachte sie. Sie musste sich beruhigen. Unauffällig sah sie auf Miriams Handy, das neben ihr auf dem Tisch lag. Sie hoffte, dass sie es nicht schon wieder kaputt gemacht hatte. Es war schließlich nagelneu. Ihr altes – das ebenfalls neu gewesen war – hatte sie vor einer Woche geschrottet, als sie sich für Weihnachtseinkäufe getroffen hatten. Sie schaffte es immer noch nicht, ihre Gefühle so zu kontrollieren, dass sie keinen Schaden in ihrer Umgebung anrichteten. Besonders dann nicht, wenn sie nervös wurde. Die Lampe über ihrem Tisch flackerte kurz. Dann flackerte die Lampe am Nachbartisch. Lucy atmete tief ein und versuchte, Nikolas' Rat zu befolgen. Sie durfte die Gefühle, die in ihr aufkamen, nicht verdrängen. Doch es funktionierte nicht. Und als der Junge mit dem verzweifelten Blick das Flackern bemerkte und sie dann ansah, war es gänzlich vorbei. Er sah aus, als wüsste er ganz genau, dass sie diejenige war, die das Flackern verursachte. Sie fühlte sich ertappt. Erschrocken erwiderte sie seinen Blick. Und die Worte in seinem Kopf erschreckten sie noch mehr.

Eine Übersinnliche?, fragte er sich. Gehört sie auch zu X?

Lucy sah ihn irritiert an. Was meinte er mit X? Und wieso wusste er, dass sie diejenige war, die gerade dabei war, den Laden lahmzulegen? Doch plötzlich wurde sie erneut von Miriam abgelenkt.

»Ich will ihn sehen!«, sagte Miriam wütend.

Lucy löste ihren Blick von dem Jungen und stutzte. »Was??«

»Den Typen. Ich will ihn sehen und ihn zur Rede stellen. Vielleicht erzählt er mir ja, was hier verflixt noch mal los ist. Du tust es ja nicht.«

Sie hatte die Worte noch nicht zu Ende gesprochen, da stand sie schon auf, zog sich energisch ihren Mantel über, steckte ihr Handy ein und griff nach ihrer Handtasche, wobei sie Lucy einen auffordernden Blick zuwarf. Diese nahm noch einen letzten Schluck Kaffee und stand dann ebenfalls auf.

»Er wird dir dasselbe sagen wie ich«, sagte sie vorsichtig und knöpfte ihren Mantel zu. Dabei sah sie noch einmal den Jungen an....



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