Nell | Euphoria Band 3 - Die Welt der Götter | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 256 Seiten

Reihe: Euphoria

Nell Euphoria Band 3 - Die Welt der Götter


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-3108-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 256 Seiten

Reihe: Euphoria

ISBN: 978-3-7693-3108-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nachdem Lucy herausgefunden hat, welchen unglaublichen Plan Taro verfolgt, steht sie unter ständiger Beobachtung des gefährlichen Gardisten und wird zum Schweigen gezwungen. Bedroht und unter Druck gesetzt, versucht sie aber dennoch, immer wieder zurück ins Spiel der Götter und dessen Leichtigkeit zu finden. Aber als sich in Lumenia ein erschreckendes Ereignis ankündigt und die Bewohner in Lucy und Miriam ihre einzige Hoffnung auf Rettung sehen, stürzt Lucy unter der Last dieser Verantwortung ab. Sie schafft es nicht mehr, sich an die wichtigsten Grundregeln des Spieles zu halten. Und nicht nur das: Auch ihre Kräfte scheinen seit dem Tanz der Götter unberechenbare Ausmaße angenommen zu haben. Und sie ist sich nicht sicher, ob sie es mit diesen Kräften schaffen kann, alles wieder ins Lot zu bringen. Denn neben der Gefahr, die von Taro ausgeht und dem Ereignis, das die Lumenier fürchten, wird sie erneut von Menschen gejagt, die es auf sie und den Lumenischen Kristall abgesehen haben. Dass all diese Ereignisse zusammenhängen, erfährt sie erst, als es schon fast zu spät ist. Am Ende findet sie sich ganz allein vor der Entscheidung wieder, ob sie die Göttin erkennt, die Nikolas schon immer in ihr gesehen hat oder ob sie sich ihren Ängsten und Zweifeln ergibt. Denn nur mit einem festen Glauben an sich selbst kann sie die Geschichte noch zu einem guten Ende bewegen. Weitere Infos zur Euphoria-Reihe und anderen Büchern gibt es hier: www.euphoria-lane.de

Ich bin seit vielen Jahren Autorin spiritueller Bücher und arbeite mittlerweile nur noch auf Spendenbasis. Alle Infos zu meinen Büchern, Meditationen, Kartenspielen und weiteren Artikeln gibt es auf: www.euphoria-lane.de
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1


Gedanken


Nikolas' Arm umschlang innig und liebevoll Lucys warmen Körper, der mit dem Rücken eng an ihn geschmiegt lag und in einem Zustand ruhte, den er nicht verstand. Sie schlief nicht. Aber sie war auch nicht wach. Er vermutete, dass sie sich in einem meditativen Zustand befand; einer höheren Bewusstseinsebene, die sie vielleicht selbst noch nicht ganz begriff. Ihr ganzes Sein schwebte in einer absoluten Harmonie mit der Existenz; in völliger Ruhe und Gelassenheit. Ihr Atem ging ruhig und die Schwingungen, die von ihr ausgingen, waren so hoch, dass selbst Nikolas dabei in eine andere Ebene aufstieg. Ob ihr klar war, in welchem Zustand sie sich gerade befand? Er hätte es so gern gewusst. Aber in ihrem Kopf war es seit Stunden so still wie auf einem Friedhof. Und ihre Emotionen schienen vollständig abgeschaltet zu sein. Als er den Kopf hob und ihr Gesicht betrachtete, das im Mondlicht strahlte wie das Antlitz einer blassen Steinskulptur, entdeckte er, dass ihre Augen geöffnet waren und starr aus dem Fenster blickten.

»Lucy?«

Fast im selben Moment ließ sie ein leises »Hm?« verlauten, das mehr wie ein Seufzen klang und kaum etwas von ihrer Stimme trug. Ihre Augen blieben dabei stur auf das Fenster gerichtet.

»Geht es dir gut?«

Kein Ton hörte er in ihrem Kopf. Kein Wort, keine Gedanken, keine Gefühlsregungen kamen aus ihrem Herzen. Nichts.

»Ja«, hauchte sie nach einer Weile. Aber ihr Gesicht war starr wie Stein.

»Würdest du...« Er wusste nicht, wie er sie darum bitten sollte, irgendetwas zu denken, damit er wenigstens einen kleinen Laut in ihrem Kopf hörte und sich keine Sorgen mehr machen musste. Er wusste ja nicht einmal, woran es lag. Ob es nur dieser meditative Zustand war, der sie so still hatte werden lassen? Wenn dem so war, wollte er sie nicht herausreißen, nur weil er sich Sorgen machte. Aber wenn dem nicht so war, wenn sie ihre Gedanken und Gefühle aus irgendeinem Grund vor ihm geheim hielt, dann musste er sich Sorgen machen. »Ich kann deine Ged...«

»Es tut mir leid«, unterbrach sie ihn flüsternd und dann schloss sie ohne ein weiteres Wort die Augen.

Nikolas sah sie ratlos an. Doch im nächsten Moment – als würde ein Blitz der Erkenntnis in ihm einschlagen – wurde ihm klar, was mit ihr los war. Er ließ den Kopf wieder auf das Kissen sinken und hinderte die Erkenntnis daran, von seinem Unterbewusstsein in seinen Verstand aufzusteigen. Er wusste, dass seine Gedanken nicht vor jedem in diesem Land sicher waren. Auch, wenn er eine mentale Mauer darum errichtete. Also dachte er einfach nicht daran, vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und versuchte, mit ihrem Duft in der Nase einfach einzuschlafen. Er spürte noch, wie sie seine Hand umfasste und sie langsam zu ihrer Brust führte, um sie auf ihrem Herzen ruhen zu lassen. Er flüsterte noch ein »Ich liebe dich auch« und ließ sich schließlich von seiner Müdigkeit in einen unruhigen Schlaf hinabziehen.

Lucy jedoch blieb wach. Sie fürchtete sich davor, einzuschlafen und versehentlich von etwas zu träumen, wovon Nikolas unter keinen Umständen etwas erfahren durfte. Sie konnte das Risiko nicht eingehen, ihn oder einen anderen Menschen, den sie liebte, mit ihren Gedanken in Gefahr zu bringen. Sie musste den gefährlichen Teil in ihrem Kopf erst irgendwo in ihrem Unterbewusstsein vergraben, damit er nicht mehr an die Oberfläche geraten konnte. Sie hatte es an diesem Abend mehrmals versucht. Aber die Gedanken waren immer wieder aufgetaucht, wenn sie Taro gesehen hatte. Oder Linn. Oder Hilar und Miriam. Also hatte sie eine Barriere errichtet. Und diese Barriere musste sie solange aufrechterhalten, bis sie es geschafft hatte, die Informationen in einem Teil ihres Seins zu verstecken, der Nikolas nicht zugänglich war.

Sie fragte sich, ob Taro sie in diesem Moment belauschte. Und fast im selben Augenblick, in dem sie sich diese Frage stellte, spürte sie sein Bewusstsein. Und die Verbindung, die er zu ihr aufgebaut hatte. Er lauschte. Sie konnte es deutlich fühlen. Er kannte jeden ihrer Gedanken und all ihre Gefühle. Es war, als würde er mit ihr und Nikolas im selben Bett liegen und jedes Wort aus ihrem Kopf hören, als würde sie es aussprechen und nach jedem Gefühl greifen, als bestünde es aus Materie. Sie lag da wie ein offenes Buch, in dem er beliebig hin- und herblättern konnte. Und sie wusste trotz ihrer hohen Energie nicht, wie sie sich davor schützen sollte. Sie wusste auch nicht, warum er der Einzige in diesem Land war, der gedankliche Barrieren überwinden konnte. Offensichtlich konnte dies nicht einmal der König von Lumenia. Und der war – wie Nikolas sagte – der mächtigste von allen. Wieso konnte sie ihre Gedanken vor Nikolas verbergen und sogar vor Alea und Quidea, aber nicht vor Taro? Wieso war er als einziger dazu in der Lage, gedankliche Mauern zu durchbrechen? Und was sie noch viel mehr beunruhigte, war: Wieso konnte sie es?

Wenn Taros Fähigkeiten die am stärksten ausgeprägten in diesem Land waren – und alles schien dafür zu sprechen – mussten seine gedanklichen Barrieren doch geradezu unüberwindbar sein. Und nach dem Entsetzen in seinem Gesicht zu urteilen – als sie seine Gedanken und Gefühle so deutlich wahrgenommen hatte, wie die von Nikolas – waren sie das wohl bisher tatsächlich immer gewesen. Was war nur mit ihr los? Was passierte mit ihr?

Sie beobachtete in ihrem tranceartigen, schwebenden Zustand, wie der Mond von einer Seite des Fensters langsam und gemächlich zur anderen Seite wanderte und ließ den Abend noch einmal Revue passieren, um sich wachzuhalten. Nach Taros gescheitertem Versuch, sie ein weiteres Mal zu manipulieren und ihrer unfassbaren Reaktion darauf, hatte sie mit Nikolas ihre Halskette im Gebüsch hinter der Terrasse gesucht, sie aber nicht mehr gefunden. Sie hatte ihm erzählt, sie sei ihr vom Hals gefallen, als sie sich über die Mauer gebeugt hatte. Sie hasste es, ihn anzulügen. Aber es blieb ihr nichts Anderes übrig. Danach war die kleine Mika auf dem Ball ausgewählt worden, die Energie zu dem Kristall zu leiten. Es war kaum zu glauben, dass dieses kleine Mädchen eine der mächtigsten Lumenier war. Ob sie auch gedankliche Barrieren überwinden konnte? Während sie darüber nachdachte, bemerkte sie nicht, wie ihr die Augen zufielen. Der Gedankenstrom floss weiter unaufhörlich durch ihren Kopf. Selbst dann noch, als sie in einen tiefen Schlaf fiel. Die Bilder setzten sich fort und wiederholten sich wie eine endlose Kette. Erst, als sie – es fühlte sich an, als sei nicht einmal eine Minute vergangen – spürte, wie ihr ein paar Sonnenstrahlen ins Gesicht schienen, blitzte im Bruchteil einer Sekunde Taro auf, wie er ihre Kette mit einem heftigen Energiestoß im hohen Bogen über die Mauer warf. Sie war sofort wach, riss die Augen auf und blickte direkt in Nikolas' Gesicht.

Er sah sie an. So als würde er schon seit einer ganzen Weile daliegen und sie ansehen. Ihr blieb vor Schreck das Herz fast stehen. Sie erneuerte sofort ihre gedankliche Mauer und hoffte, dass er das Bild in ihrem Kopf nicht gesehen hatte.

»Guten Morgen«, flüsterte er lächelnd.

»Morgen«, murmelte sie und lächelte zaghaft zurück. Dabei versuchte sie, in seinem Kopf einen Hinweis darauf zu finden, ob er etwas von ihren Gedanken und Träumen mitbekommen hatte. Aber sie fand nur Bilder von einem Park und einem Kuppelgebäude. Dem Gebäude, in dem sich der Kristall befand.

»Ich möchte dir gern etwas zeigen.«

Sofort riss er die Bettdecke von ihrem Körper, nahm ihre Hand und zog sie aus dem Bett.

»Jetzt sofort?«, fragte sie überrascht.

»Ja«, sagte er, nahm einen Stapel Kleider und legte ihn für sie aufs Bett.

»Die sind von Alea«, klärte er sie auf und lächelte.

Lucy warf einen Blick auf den Stapel und runzelte die Stirn.

»Wann hat sie die gebracht?«

»Vor etwa einer Stunde.«

Lucy erschrak. »Wie spät ist es denn?«

Nikolas sah auf seine Armbanduhr. »Kurz vor sechs.«

»Kurz vor sechs?«, rief sie entsetzt aus. »Steht ihr hier immer so früh auf?«

Nikolas lachte und ging sich mit einer Hand durch sein wirres Haar, um es ein wenig in Form zu bringen. Er sah glücklich aus. Und Lucy konnte seine Glücksgefühle sehr gut nachvollziehen. Das hier war seine Heimat. Das Land, in dem er sich zu Hause fühlte. Geborgen und sicher. Dieses Glück wollte sie ihm nicht madig machen, nur weil es für sie zu früh war, um einen Ausflug zu machen. Sie griff nach den Kleidern und lächelte ihn an.

»Ich warte im Wohnzimmer«, sagte er fröhlich und tänzelte aus dem Raum.

Die Kleidungsstücke waren genauso ungewöhnlich geformt wie alles in dieser Welt. Knopfleisten und Reißverschlüsse waren an ganz anderen Stellen, als sie es kannte. Die weiße Hose – die seltsamerweise keine Naht aufwies – schloss sie an ihrer rechten Hüfte mit einem kurzen, transparenten Reißverschluss und einem kristallähnlichen Knopf. Und das Oberteil – es schimmerte in den unterschiedlichsten...



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