E-Book, Deutsch, Band 5, 208 Seiten
Reihe: Euphoria
Nell Euphoria Band 5 - Die Macht der Götter
2. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-4824-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 5, 208 Seiten
Reihe: Euphoria
ISBN: 978-3-7693-4824-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich bin schon seit vielen Jahren Autorin spiritueller Bücher und erfülle mir damit meinen Lebenstraum und meine Berufung. Mehr Informationen über mich und meine Arbeit findest du hier: www.euphoria-lane.de
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1
Erwachen
Hannah saß neben ihr im Wagen und war in absolutem Frieden mit sich und der Welt. Marion sah sie immer wieder von der Seite an, beobachtete ihre Gedanken und blickte dann wieder stolz auf die Straße. Hannah hatte sich, während der Fahrt von der französischen Küste bis hierher, in einen anderen Menschen verwandelt. Die Schmerzen waren verflogen, der Kummer vergessen und die Tränen schon lange getrocknet. Es tat ihr nicht mehr weh, dass ihr geliebter Onkel sie verlassen hatte. Sie hatte es vollständig akzeptiert. Womöglich verstand sie es selbst noch nicht ganz. Ihr Kopf versuchte noch, dagegen anzukommen. Gegen den Frieden, den sie jetzt in sich spürte. Aber er schaffte es nicht. Sie hatten lange geredet und manchmal hatten sie an hübschen Orten Halt gemacht, um die Schönheit dieser Welt zu bewundern – die Natur, das rege Leben in Cafés und Restaurants, in denen sie gegessen hatten, den wunderbaren blauen Himmel. Marion hatte ihr beigebracht, wie sie vollständig akzeptieren konnte und ihr gesagt, dass jeder Schmerz sich in der Akzeptanz auflösen konnte.
»Es sind nicht die Gefühle, die dich quälen. Es ist dein Kampf gegen sie«, hatte sie ihr gesagt.
Und als Hannah das begriffen hatte, war der Schmerz vorbei gewesen. Schlagartig. In ihr war Frieden eingekehrt. Und Freude und Glück machten sich wieder in ihr breit. Sie schwebte gar auf einer Wolke der Verzückung und liebte die ganze Welt. Sie war schön, diese Welt. Das hatte sie jetzt erkannt. Es gab nicht nur Böses und Schmerzhaftes, gemeine Menschen und Kummer. Es gab durchaus Glück und Harmonie, Liebe, Freundschaft und Frieden.
»Du musst dich nur darauf konzentrieren und es überall – wo du auch bist – suchen«, hatte Marion ihr erklärt. »Dein Fokus verändert alles. Wenn du traurig bist, konzentriere dich auf etwas, das du liebst oder wofür du dankbar bist. Du wirst immer etwas finden. Immer. Und wenn du das tust und dich immer auf die schöne Seite des Lebens konzentrierst, wirst du immer glücklich sein.«
Doch es war noch etwas Anderes mit ihr geschehen. Es waren nicht nur diese Spielregeln des Lebens, die sie jetzt verstanden hatte und lebte und es war nicht nur der positive Fokus, der sie glücklich machte. Da war etwas in ihr aufgebrochen, das sie in einen anderen Menschen verwandelt hatte. Sie war zuvor schüchtern und ängstlich gewesen. Diese Eigenschaften hatte sie zuvor immer versucht, zu überspielen. Doch das musste sie jetzt nicht mehr. Sie zeigte sich plötzlich selbstsicher, mutig und entschlossen – und es war nicht gespielt, sondern kam aus ihrem Herzen. Weil sie nun spürte, dass sie in Ordnung war. Sie war richtig. Genauso wie sie war. Mit all ihren Schwächen und allen Gefühlen. Und einige dieser Gefühle waren dadurch einfach verschwunden. Die Wut auf ihre Familie war weg und an dessen Stelle war Verständnis getreten und der feste Beschluss, ihren Weg zu gehen – egal, was ihre Familie dazu sagte. Anfangs hatte sie sich dagegen gesträubt, von Marion nach Hause gefahren zu werden. Doch jetzt freute sie sich sogar. Sie freute sich auf ihr neues Leben mit diesem neuen, glücklichen Ich. Sie war wie verwandelt.
Wieder sah Marion sie an und lächelte über ihr glückliches Gesicht. Sie hatte schon immer eine solche Wirkung auf Menschen gehabt. In ihrer Nähe waren die Menschen glücklich. Sie wusste nicht genau, wieso das so war. Sie löste irgendetwas in ihnen aus. Etwas, das sie friedlich werden ließ.
Es dauerte jetzt nicht mehr lange, bis sie da waren. Sie fuhren noch über die Autobahn und kamen gerade an einer größeren Stadt vorbei, die aus irgendeinem Grund Marions Aufmerksamkeit fesselte. Sie sah immer wieder die Schilder mit dem Namen der Stadt an und fühlte einen solch starken Drang, bei der nächsten Ausfahrt die Autobahn zu verlassen, dass sie sich kaum dagegen wehren konnte. Wie automatisch schwenkte sie nach rechts und fuhr ab.
Hannah sah sie fragend an. »Wo fahren wir hin?«
Marion starrte die Straße an, die sie entlang fuhr, als wüsste sie genau, wo sie hin wollte. Aber sie wusste es nicht. Ihr Verstand wusste es nicht. Doch ihr Herz schien es genau zu spüren. Irgendetwas in ihr übernahm die Kontrolle und es fühlte sich an, wie ihre Intuition oder wie ein verschütteter Teil von ihr, der langsam erwachte. Ihr Herz schlug auf einmal ganz schnell.
»Ich weiß es nicht«, antwortete sie gedankenversunken. »Vielleicht … essen wir hier nur ein Eis.« Sie wusste tatsächlich nicht, was sie hier wollte. Sie hatte nicht geplant, so kurz vor dem Ziel noch einmal Halt zu machen.
Als sie in die Stadt hinein fuhr, folgte sie einfach ihrem Gefühl. Irgendetwas zog an ihr. Und zwar ganz gewaltig. Wie an einem Seil wurde sie durch die Straßen gezogen. Und ihr Herzklopfen wurde immer stärker. Plötzlich fing etwas in ihr an, zu beben. In ihrem ganzen Körper kribbelte eine Energie, die sie noch nie zuvor gefühlt hatte. Ausgelöst durch etwas, das jetzt gerade in diesem Moment in dieser Stadt geschah. Das spürte sie deutlich. Hier war etwas, das sie wie ein Magnet anzog. Mit einer solchen Macht, dass ihr Verstand keine Chance hatte, etwas dagegen zu unternehmen.
Sie bog in eine Straße ein, fuhr bis ans Ende und kam an einem Gebäude an, aus dem laute Musik tönte. Sie hielt den Wagen an und runzelte die Stirn, während sie sich umsah, um herauszufinden, was dieses Gefühl in ihr auslöste. Sie vermutete, dass es aus dem Gebäude kam.
Hannah kurbelte das Fenster hinunter und sah dann Marion begeistert an. »Hey! Die spielen da drin Michael Jackson! Ich bin sein größter Fan! Können wir mal gucken gehen?«
Marion nickte wie in Trance und stieg mit ihr aus. Und dann passierte etwas, das ihr Weltbild nicht nur erschütterte, sondern es vollständig zum Einstürzen brachte. In dem Augenblick, in dem sie hinaus auf die Straße trat, zerfiel eine gewaltige Mauer in ihr. Sie explodierte geradezu durch die Klänge, die aus diesem Gebäude kamen. Klänge, die etwas mit sich trugen. Leidenschaft, Euphorie, Ekstase und eine unglaubliche Energie. Irgendetwas ging in diesem Gebäude vor sich. Es erschütterte ihr ganzes Dasein, rüttelte an ihr und riss alle Schleier nieder, die sie in den letzten Jahren nie hatte durchblicken können. Und auf einmal lichtete sich ein dichter Nebel, der ihre Erinnerungen verborgen hatte. Er löste sich einfach auf und sie sah das erste Mal seit sechs Jahren klar. So klar, dass sie die Bilder völlig überwältigten.
Sie war verloren gewesen. Vor sechs Jahren an einem steinigen Strand aufgewacht, die Füße im kalten Wasser und vollkommen verlassen und allein. Ohne Erinnerungen daran, wer sie war, woher sie kam und warum sie hier war. Sie hatte sich immer gefragt, warum ihr diese Welt immer so fremd vorgekommen war. Und warum sie sich immer so anders gefühlt hatte. Fremd. So verschieden von den Menschen hier – ja, fast außerirdisch. Jetzt verstand sie es. Ihre Erinnerungen kamen mit einer solchen Wucht zurück, dass sie sich am Wagen festhalten musste, um nicht – wie erschlagen von den einströmenden Bildern – das Gleichgewicht zu verlieren. Ihre Beine zitterten, ihr Atem hastete und ihre Augen – die jetzt endlich wieder wirklich sehen konnten – füllten sich mit Tränen.
Sie hatte eine Familie. Und ihre Liebe zu ihr war so weit wie das Universum. Ein Mann – weise, sanft und liebenswürdig. Eine uralte, verspielte Seele voller Mitgefühl, Verständnis und Wissen. So viel Gefühl, so viel Liebe. Grenzenloser Frieden. Sie sah ihn! Sie sah ihn vor ihrem inneren Auge. Wie hatte sie ihn nur vergessen können? Wie war das geschehen?
Die Antworten strömten in ihr Bewusstsein, als sei sie ein Vakuum, das gerade in diesem Moment die ganze Welt einsaugte. Und nicht nur die Welt, sondern das gesamte Universum. Ihr Bewusstsein dehnte sich aus. Wurde so unendlich wie das All. Und es geschah in Bruchteilen von Sekunden. Sie sah alles, sie wusste alles und sie konnte alles fühlen. Nichts verbarg sich mehr vor ihr. Nichts. Ihr wurde schwindelig. Sie fasste sich an den Kopf und versuchte, tief durchzuatmen. Doch immer mehr Bilder strömten in ihr Bewusstsein. Immer mehr Wissen. Sie schnappte nach Luft, als ihr klar wurde, was in dem Gebäude vor sich ging.
»Maja Jenkins«, hauchte sie atemlos und blickte das Gebäude an. Dieses Mädchen, das dort drin auf der Bühne stand und in ekstatischer Euphorie die Einheit zelebrierte, hatte sie geweckt. Sie konnte sie sehen. Ihre glücklichen Augen, das Lachen, die Gänsehaut auf ihren Armen, weil ihr so viel Energie durch den Körper strömte. Eine Energie, die sich auf alles in ihrer Umgebung auswirkte. So auch auf sie. Sie hatte etwas in ihr angestoßen. Sie angeschubst. Sie hatte sie tatsächlich geweckt. Sie strahlte eine enorme Kraft aus.
In Marin bebte die Energie. So sehr, dass der Wagen unter ihrer Berührung ansprang. Hannah erschrak und Marion löste sofort die Hand vom Auto.
»Was war das denn?«, fragte Hannah, guckte kurz den röhrenden Motor an und als dieser wieder verstummte, sah sie Marion...




