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Nemeth / Fodorean / Schubert | Römische Militärgeschichte | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 141 Seiten

Nemeth / Fodorean / Schubert Römische Militärgeschichte


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-534-73568-6
Verlag: WBG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 141 Seiten

ISBN: 978-3-534-73568-6
Verlag: WBG
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Von der bäuerlichen Siedlung am Tiber zum mächtigen Imperium Romanum - die Expansion Roms ist spektakulär. Dabei spielte die Durchschlagskraft und Organisation des Heerwesens die entscheidende Rolle. Aber die Legionen eroberten nicht nur ein gigantisches Reich, sie verbreiteten auch die lateinische Kultur und Sprache. Eduard Nemeth und Florin Fodorean, Experten für römische Militärgeschichte, zeichnen auf Basis des neuesten Forschungstandes die Entwicklungen des römischen Militärs vom Bürgerheer der römischen Frühzeit bis zum 'barbarisierten' Militär der Spätantike nach. Neben Organisation und Struktur der Armee analysieren sie Militärstrategien ebenso wie große Siege und schmachvolle Niederlagen und bietet damit eine kompakte Einführung in die römische Militärgeschichte.

Florin Fodorean lehrt rumänische Alte Geschichte an der Universität von Cluj-Napoca, Rumänien. Seine besonderen Forschungsinteressen sind provinzialrömische Archäologie, römischen Straßen und Verkehrswesen, archäologische Kartografie und Topografie sowie die Methoden der Archäologie.
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Weitere Infos & Material


I.   Die Anfänge der Römischen Armee: Das Heer der Bürger


753 v. Chr. Sagenhaftes Gründungsdatum Roms
753–509 v. Chr. Zeit des Königtums in Rom
509–31 v. Chr. Zeit der Römischen Republik
578–534 v. Chr. Der Überlieferung zufolge Herrschaftszeit des Servius Tullius
4.–3. Jahrhundert v. Chr. Übergang der römischen Armee von der Phalanx- zur Manipularordnung

1.   Das Heer der Königszeit


Die Armee des Königtums

Über die Anfänge des römischen Heeres ist wenig bekannt. Als gesichert kann jedoch gelten, dass die ersten Formen der Armee Roms sowohl in der Zeit der Könige als auch in derjenigen der Republik als „Bürgerarmee“ bezeichnet werden können. Dies bedeutete, dass der Wehrdienst für jeden römischen Bürger eine Pflicht und eine Ehre zugleich war. Wie bei einer jeden Bürgerarmee war auch diejenige des frühen Rom eng mit der sie tragenden Gesellschaftsstruktur verbunden. Die römische Tradition spricht von einer Einteilung der römischen Bevölkerung in drei ursprüngliche Stämme (), die alle Namen etruskischer Herkunft trugen: , und . Die Stämme waren ihrerseits in je zehn („Hundertschaften“) geteilt; jeder Stamm stellte also 1000 Mann für die Armee bereit. Dies ergibt in dieser frühen Phase der römischen Armee eine Gesamtstärke von 3000 Fußsoldaten. Dazu kamen noch die 300 Reiter der Kavallerie, anscheinend („die Schnellen“) oder („Reiter“) genannt. Diese Reiter seien die persönliche Garde des legendären Gründerkönigs Romulus gewesen.

Die oben angegeben Zahlen scheinen sich jedoch schon während der Zeit des Königtums verändert zu haben, wenn wir den Aussagen des etwa fünf Jahrhunderte später lebenden römischen Historikers Livius Glauben schenken. So habe der König Tarquinius Priscus (der fünfte römische König in der traditionellen Königsliste) die Zahl der Reiter auf 600 verdoppelt. Dies wird von den meisten heutigen Historikern für wahrscheinlich gehalten, da diese Anzahl von Reitern noch zu Beginn der republikanischen Zeit gegeben war. Eine andere Einschätzung der Stärke der Armee während des Königtums geht davon aus, dass um das Jahr 550 v. Chr. die Zahl der Fußsoldaten auf 6000 Mann verdoppelt wurde. Dazu seien noch 2400 leicht bewaffnete Infanteristen hinzugefügt worden sowie die besagten 600 Reiter, was eine Gesamtstärke von 9000 Mann ergeben würde. Die Datierung dieses Zuwachses geht von der Annahme aus, dass die sogenannte Reform des Königs Servius Tullius tatsächlich während dessen Herrschaftszeit durchgeführt wurde, was allerdings gar nicht gesichert ist.

Q

Livius über die Verfassung des Servius Tullius

(Livius 1, 43)

Aus denen, die 100.000 As oder ein noch größeres Vermögen besaßen, stellte er 80 Hundertschaften () zusammen, je 40 der älteren und der jüngeren; alle zusammen hießen die erste Klasse; die älteren sollten für den Schutz der Stadt zur Verfügung stehen, die jüngeren sollten im Felde Kriegsdienst leisten; sie hatten an Rüstung zu stellen Helm, Rundschild, Beinschienen, Panzer – alles aus Bronze und dies zum Schutz des Leibes; als Waffen gegen den Feind Lanze und Schwert. Dieser Klasse wurden zwei Hundertschaften Werkmänner beigestellt, die ohne Waffe dienen sollten; sie hatten die Aufgabe, im Krieg das Gerät zu betreuen.

Die zweite Klasse wurde festgesetzt auf ein Vermögen zwischen 100.000 und 75.000 As, und aus ihnen – aus den älteren und jüngeren zusammen – wurden 20 Hundertschaften gebildet; an Waffen hatten sie zu stellen einen Langschild statt des runden und sonst außer dem Panzer alles gleich.

Die dritte Klasse sollte ein Vermögen bis zu 50.000 As haben; auch sie wurde in ebenso viele Hundertschaften und nach dem Unterscheidungsprinzip des Alters eingeteilt; an der Bewaffnung wurde nichts geändert, nur die Beinschienen fielen fort.

In der vierten Klasse befanden sich die Vermögen von 25.000 As; es wurden ebenso viele Hundertschaften gebildet, aber die Bewaffnung geändert: Sie führten lediglich Lanze und Wurfspieß.

Die fünfte Klasse war größer; man formierte sie in 30 Hundertschaften; sie führten Schleudern und Wurfsteine; ihnen wurden die Hornisten und Trompeter angegliedert, auf zwei Hundertschaften verteilt; diese Klasse wurde auf 11.000 As eingeschätzt.

Eine noch geringere Einschätzung hatte die übrige Menge; aus ihr wurde eine Hundertschaft gebildet, die vom Kriegsdienst befreit war.

Nachdem Tullius das Fußvolk auf diese Weise gerüstet und eingeteilt hatte, hob er aus den Vornehmeren der Bürgerschaft 12 Hundertschaften Reiter aus; des Weiteren formierte er aus den von Romulus gebildeten drei Hundertschaften sechs andere, unter Beibehaltung ihrer durch Vogelschau gestifteten Namen. Zum Ankauf von Pferden wurde jedem 10.000 As aus der Staatskasse gegeben; bezüglich des Unterhalts der Pferde wurden sie an die Witwen verwiesen, die einem jeden 2000 As jährlich zahlen sollten. Alle diese Lasten wurden von den Armen auf die Reichen abgewälzt. Dafür erhielten diese mehr politische Rechte, denn es wurde nicht mehr – wie es von Romulus her überliefert war und wie es die nachfolgenden Könige beibehalten hatten – jedem Mann ohne Unterschied ein Stimmrecht von gleichem Gewicht und gleichem Rang verliehen, sondern es wurden Abstufungen gemacht derart, dass zwar keiner vom Recht auf Abstimmung ausgeschlossen erschien, jedoch die Einflussnahme gänzlich den Vornehmen der Bürgerschaft blieb: Die Ritter nämlich wurden zuerst aufgerufen, dann die 80 Hundertschaften der ersten Klasse; ergab sich hier Stimmenungleichheit – was selten der Fall war –, dann die der zweiten Klasse; und fast nie mussten sie so weit hinuntergehen, dass sie zu den untersten Schichten kamen. Man darf sich jedoch nicht wundern, dass die Ordnung, wie sie heute besteht, nach der Vermehrung der Stammeinheiten auf 35 und der Verdoppelung ihrer Zahl durch Hundertschaften der Älteren und Jüngeren mit der von Servius Tullius eingesetzten Zahl nicht mehr zusammenstimmt. Er teilte die Stadt nämlich nach den Bezirken und Hügeln, die bewohnt waren, in vier Teile und nannte diese Teile – wie ich meine, nach dem Wort [Steuer]; denn auch eine gleichbleibende Besteuerung nach dem Vermögen geschah auf seine Veranlassung, und diese Steuerbezirke hatten mit der Gliederung in Hundertschaften und mit deren zahlenmäßiger Stärke nichts mehr zu tun. (Ü: R. Feger)

2.   Die Reform des Servius Tullius


Die Zensusklassen und das Heer

Servius Tullius, der sechste römische König, herrschte – der Überlieferung zufolge – von 578 bis 534 v. Chr. Ihm wird eine Reform des römischen Stadtstaates zugeschrieben, die auch im militärischen Bereich deutliche Spuren hinterließ. Die römischen Bürger, sowohl die Patrizier (Adligen) als auch die Plebejer (angeblich später dazugekommene, gewöhnliche Bürger) wurden gemäß ihrem Vermögen in sechs Zensus-Klassen eingeteilt. Hauptziel dieser Struktur war es, eine Basis zur Besteuerung der Römer zu schaffen. Die Einteilung war jedoch auch für die Rolle und den Platz jedes Römers in der Armee ausschlaggebend. Der König habe, so die Quellen, die drei ursprünglichen Stämme Roms durch vier territoriale Stämme ersetzt. Zugleich habe er den außerhalb der Stadt lebenden römischen Bürgern weitere Stämme zugewiesen, deren Anzahl bei den antiken Autoren zwischen 26 und 31 schwankt. Die territorialen Stämme bestanden aus Zenturien („Hundertschaften“). Diese Zenturien waren auf Grundlage des Vermögens jedes Bürgers aufgestellt und gehörten demnach sechs Vermögensklassen an. Die ersten fünf Klassen umfassten diejenigen Römer, die überhaupt etwas zu versteuern hatten, während der sechsten Klasse diejenigen Bürger angehörten, deren Eigentum als zu klein angesehen wurde, um besteuert zu werden, und die im Prinzip keinen Wehrdienst leisteten (diese unterste Vermögensgrenze lag bei 11.000 As nach dem Historiker Livius oder bei 12.500 As nach Dionysios von Halikarnassos). Jeder Klasse wurde eine gewisse Anzahl von Zenturien zugewiesen. So bestand die erste Klasse aus 80 Zenturien, denen 18 Zenturien von Rittern zugefügt wurden. Jede der Klassen II bis IV bestand aus je 20 Zenturien, während die fünfte Klasse in 30 Zenturien eingeteilt wurde. Außerdem gab es noch vier Zenturien von Handwerkern und Musikern. Die armen Bürger, die keiner der fünf anderen Klassen angehörten, wurden in einer einzigen Zenturie gruppiert.

Eine Versammlung des römischen Volkes () gemäß dieser Struktur bezeichnete man...


Nemeth, Eduard
Eduard Nemeth lehrt Alte Geschichte an der Universität von Cluj-Napoca in Rumänien. Seine Schwerpunkte sind die Geschichte des Römischen Imperiums im Allgemeinen sowie speziell die römische Militärgeschichte und Provinzialarchäologie.

König, Ingemar
Ingemar König, geb. 1938, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Alte Geschichte an der Universität Trier. Bei der WBG erschien von ihm zuletzt ›Vita Romana. Vom täglichen Leben im alten Rom‹ – eine Darstellung des antiken Alltags aufgrund der Quellen (2004).

Fodorean, Florin
Florin Fodorean lehrt rumänische Alte Geschichte an der Universität von Cluj-Napoca, Rumänien. Seine besonderen Forschungsinteressen sind provinzialrömische Archäologie, römischen Straßen und Verkehrswesen, archäologische Kartografie und Topografie sowie die Methoden der Archäologie.

Eduard Nemeth lehrt Alte Geschichte an der Universität von Cluj-Napoca in Rumänien. Seine Schwerpunkte sind die Geschichte des Römischen Imperiums im Allgemeinen sowie speziell die römische Militärgeschichte und Provinzialarchäologie.

Florin Fodorean lehrt rumänische Alte Geschichte an der Universität von Cluj-Napoca, Rumänien. Seine besonderen Forschungsinteressen sind provinzialrömische Archäologie, römischen Straßen und Verkehrswesen, archäologische Kartografie und Topografie sowie die Methoden der Archäologie.

Ingemar König, geb. 1938, war bis zu seiner Emeritierung Professor für Alte Geschichte an der Universität Trier. Bei der WBG erschien von ihm zuletzt ›Vita Romana. Vom täglichen Leben im alten Rom‹ – eine Darstellung des antiken Alltags aufgrund der Quellen (2004).



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