Dinner for one, Murder for two | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: Ein Pippa-Bolle-Krimi

Dinner for one, Murder for two

Ein neuer Fall für Pippa Bolle
12001. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8437-0303-1
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein neuer Fall für Pippa Bolle

E-Book, Deutsch, Band 2, 432 Seiten

Reihe: Ein Pippa-Bolle-Krimi

ISBN: 978-3-8437-0303-1
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Pippa Bolle ist begeistert: Ihre englische Oma macht Urlaub in Berlin und beordert ihre Enkelin als Haushüterin in die Nähe von Stratford-upon-Avon, den Heimatort Shakespeares. Endlich kann sich Pippa sämtliche Stücke ansehen! Durch die Vermittlung ihrer Großmutter übernimmt sie die Betreuung einer internationalen Theatertruppe, die mit dem weltberühmten Theater-Regisseur Hasso von Kestring für ein Festival probt. Ein Schauspiel in mehreren dramatischen, komödiantischen - und tödlichen Akten beginnt, bei dem Pippa bald nur noch eins weiß: Der Mörder ist nicht immer der Gärtner.

Frau Auerbach lebt und arbeitet als freie Autorin im Rheingau. Sie schreibt Krimis, Kurzgeschichten und Drehbücher. Sie liebt einsame Inseln aller Längen- und Breitengrade, auf denen und über die sie schreibt. Ihre lebenslange Passion gilt Shakespeare und einem guten Glas Single Malt Whisky. Frau Keller ist seit 2005 freie Schriftstellerin, nachdem sie u.a. als Köchin gearbeitet, Veranstaltungen organisiert, internationale Pressearbeit gemacht und Schauspieler betreut hat - natürlich nacheinander. Nach vielen Jahren im Ruhrgebiet ist sie zu ihren familiären Wurzeln zurückgekehrt und lebt jetzt an der Nordseeküste.
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etz dich endlich hin, Pippa! Du bist ungemütlich.«

Karin verdrehte die Augen, als sie merkte, dass ihre Freundin sie gar nicht wahrnahm.

Pippa Bolle stand am Fenster ihrer Einzimmerbleibe im Hochparterre des Seitenflügels und schaute hinaus. Aus dem Berliner Februarhimmel fielen seit Tagen dicke Schneeflocken und verwandelten den Hinterhof der Transvaalstraße 55 in eine einladende Winterlandschaft, die von den Kindern des Hauses zu einer Armee von Schneemännern umgearbeitet wurde.

Davon sah und hörte Pippa nichts. Vor ihrem geistigen Auge tanzten rote Zahlen, die sich auf ihrem Konto zu Bergen alpinen Ausmaßes türmten.

»Bist du zur Schaufensterpuppe mutiert?«, maulte Karin. »Oder können wir jetzt endlich unseren Tee trinken?«

»Heute geht es für mich um alles«, sagte Pippa. »Heute entscheidet der Verlag darüber, wer den Zuschlag für die Übersetzung bekommt. Du weißt schon, Jos mutige Enthüllungen

»Klingt wie ein Porno«, sagte Karin kichernd. »So was soll ja gut bezahlt werden.«

Pippa lachte. »Schön wär’s. Dann könnte ich noch was lernen, während ich endlich einmal wieder Geld verdiene.«

In diesem Moment knallte ein Schneeball mit voller Wucht gegen das Fenster, und Pippa zuckte unwillkürlich zurück.

»Wenn das keine Aufforderung ist …«, fand Karin. Sie stand auf, stellte sich neben ihre Freundin und sah in den Hof hinunter.

Lisa, Karins vierzehnjährige Tochter, führte das Regiment über einige Sprösslinge der Familie Abakay und die drei Schmidt-Söhne aus dem ersten Stock. Die Jungs rollten mit Feuereifer große Schneekugeln, während Lisa Anweisungen gab, wie diese gestapelt werden sollten.

»Ganz die Mutter. Immer das Kommando«, sagte Pippa und fing sich dafür einen Knuff in die Seite ein.

Sven, Lisas siebzehnjähriger Bruder, brachte gerade einen großen Weidenkorb voller Stofffetzen, Schals, Mützen, ausgemusterter Kleidung und Hüte in den Hinterhof. Er hatte im ganzen Haus gesammelt und bei Mira und Käthe Kasulke, den Schneiderinnen aus der dritten Etage, die Dekorationsbestände geplündert. Begeistert stürzte sich die Meute auf den Fundus und stritt lachend und kreischend um besonders schöne Stücke.

»Komm, lass uns runtergehen.« Karin drängte ihre beste Freundin sanft vom Fenster weg.

Pippa sah unschlüssig Richtung Telefon. »Vielleicht ruft der Verlag an und hat eine Frage zu meiner Probeübersetzung …«

»Da ihnen die niemand anderes beantworten kann als du, werden sie auch ein zweites Mal anrufen.«

»Dann hätte ich auch mit Paps und Freddy nach Tegel fahren können, um Mylady vom Flieger abzuholen. Außerdem bin ich diese Eiseskälte nicht mehr gewöhnt.« Demonstrativ fröstelnd rieb Pippa die Hände aneinander. »Der erste Berliner Winter seit Jahren. Ich hatte schon beinahe vergessen, wie kalt es hier sein kann.«

Aber Karin ließ nicht mit sich reden und zog sie unerbittlich Richtung Tür.

»Sieben Jahre Florenz, und du bist völlig verweichlicht. Schneemänner zu bauen ist genau das Richtige, um dich wieder abzuhärten.«

An der Flurgarderobe hängte sie Pippa einen Schal um und zog ihr eine Mütze über die roten Haare.

»Wenn du willst, nennen wir einen von ihnen Leonardo und kleben ihm eine dicke, fette Warze ins Gesicht.« Karin nutzte jede Gelegenheit, um kleine Spitzen gegen Pippas italienischen Noch-Ehemann abzufeuern, dessen unheilbare Schwäche für das weibliche Geschlecht die Freundin vor einem knappen Jahr nach Berlin zurückgetrieben hatte.

»Ich könnte ihm einen Holzpflock ins eiskalte Herz schlagen«, schlug Pippa vor und griff nach ihrer Daunenjacke.

Das Klingeln des Telefons hörte sie nicht mehr.

»Tante Pippa! Gibst du mir die Mütze?« Lisa zeigte auf die grasgrüne Pudelmütze auf dem Kopf der Patentante. »Die passt super zu deiner Doppelgängerin.«

Sie stand neben einer fülligen Schneefrau, auf deren Kopf ein knallroter, zotteliger Mopp thronte.

»Soll ich das sein?«, rief Pippa. »Das ist ja wohl nicht euer Ernst!«

Lisa stieß ihre Freundin Sevgi Abakay an und kicherte. »Du hast doch rote Haare. Ich finde, sie sieht dir zum Verwechseln ähnlich.«

»Wir haben schon fast alle Schneemänner schön gemacht«, lispelte der kleine Gencal durch die Zahnlücken, die seine ausgefallenen Milchzähne hinterlassen hatten.

»Dann erklärt uns mal, wen wir hier alles haben.«

»Ede Glassbrenner, Tante Mira und Tante Käthe«, erklärte Sevgi und zeigte nacheinander auf die Figuren aus Schnee, »hier dann Onkel Bertie, dein Bruder Freddy und Mylady. Aber die sind noch nicht fertig.«

»Dann werden wir die Dame mal vollenden. Nase, bitte«, sagte Pippa im Ton eines Schönheitschirurgen, der die OP-Schwester um ein Instrument bittet.

Kevin, der mittlere Schmidt-Sohn, rannte los und holte eine Möhre, die er ihr in die ausgestreckte Hand legte.

Pippa platzierte die Möhre und trat einen Schritt zurück, um ihr Werk zu begutachten. Dann nickte sie. »Sven – Augen, bitte.«

Sven reichte Eierkohlen, die sofort eingepasst wurden.

Karin legte den Kopf schräg. »Spinne ich oder sieht deine sonst so distinguierte Mutter aus wie eine Hexe? Fehlen nur noch ein spitzer Hut und ein Reisigbesen.«

»Kannste haben«, sagte Lisa. Sie setzte einen hohen schwarzen Hexenhut auf den Kopf der Schneefrau und hängte ihr einen schwarzen Umhang um. »Karneval vor zwei Jahren«, erklärte sie.

Kevin und Sven verwandelten den nächsten Schneerohling in eine eisige Ausgabe von Pippas jüngerem Bruder: Der Schneemann erhielt eine Polizeimütze in Kindergröße, und auf seiner eisigen Brust prangte ein überdimensionaler Sheriffstern aus Blech. Kevin spendierte einen alten Pistolengurt aus Plastik, an dem zwei bunte Wasserpistolen befestigt waren.

Kurz darauf war auch der heimliche König der Transvaalstraße 55 passend ausstaffiert. Grauer Arbeitskittel, karierte Schiebermütze und Schneeschippe machten auf Anhieb jedem klar: Das war Bertie Bolle, Pippas Vater und Hausmeister des begehrtesten Hauses im gesamten Afrikanischen Viertel von Berlin.

Pippa fuhr herum, als sie plötzlich ein Schneeball am Kopf traf. Matthias Wittig, Karins Ehemann, stand in der Hofeinfahrt und holte bereits aus, um weitere Geschosse abzufeuern.

»Hilfe! Wir werden angegriffen!«, schrie Pippa.

»Die Männer gegen die Frauen!«, brüllte Matthias zurück.

Binnen Sekunden bildeten sich zwei Lager, und im Hinterhof tobte eine wilde Schneeballschlacht, die den spitzen Hut von Schnee-Myladys Kopf fegte.

Die rivalisierenden Parteien waren außer Atem und bereits völlig durchnässt, als Freddy aus dem Fenster nach seiner Schwester rief und damit die Schlacht beendete.

»Pippa! Wir sind wieder da!« Er stutzte und zeigte auf den Polizei-Schneemann. »He, das bin ja ich. Ich fand schon immer, dass wir statt der nichtssagenden Polizeimarken mit einem kleidsamen Sheriffstern ausgerüstet werden sollten.«

Pippa klopfte sich den Schnee vom Parka, winkte den Kindern und ihren Freunden entschuldigend zu und ging ins Vorderhaus.

Effie Bolle, wie immer makellos und ladylike, erwartete ihre Tochter bereits an der Wohnungstür. Die beiden umarmten sich herzlich.

»Mum! Endlich! Keine Ahnung, was aus Paps und Freddy geworden wäre, wenn ich mich nicht rund um die Uhr um sie gekümmert hätte. Das Haus verkommt ohne dich! Wie schaffst du das nur, ohne die Geduld mit den beiden zu verlieren?«

Pippas Mutter lächelte. »So schlimm ist es nicht, Dear, du übertreibst.«

»Ganz sicher nicht. Freddy wäre glatt verhungert und in völlig zerknitterten Hemden zum Dienst gegangen, und Paps hätte während der letzten zwei Wochen wahrscheinlich ein und dasselbe Paar Socken getragen. Ich hatte alle Hände voll zu tun, um das Chaos einzudämmen. Weiß Freddy überhaupt, dass wir eine Spülmaschine haben? Oder wie man ein Hemd bügelt? Ich war ausnahmsweise froh, dass ich keinen Auftrag habe, sonst hätte ich die Arbeit überhaupt nicht geschafft!«

»Dann wird dich freuen, dass ich aus England gute Neuigkeiten mitgebracht habe, die dich betreffen«, sagte Effie und zog Pippa in die Wohnung.

»Du machst mich neugierig!«

Effie Bolle lächelte geheimnisvoll. »Ich bin sicher, du wirst überrascht sein. In zehn Minuten ist Familienkonferenz, mit Tee und Gebäck.«

»Hast du frischen Tee mitgebracht?«, fragte Pippa, obwohl sie die Antwort längst kannte.

Effie war der Meinung, dass Tee von der Insel bekömmlicher war und obendrein besser schmeckte als deutscher. Sie schleppte ungeheure Mengen am Zoll vorbei, ohne von diesem je behelligt zu werden.

Bertie Bolle antwortete für seine Frau: »Earl Grey, English Breakfast, Assam, Kenia und Ceylon.«

Pippas Vater stand am typisch englischen Aga-Herd und briet runde, schwammartige Hefeküchlein. Die Überführung des gusseisernen Monstrums aus England in seinem klapprigen Kastenwagen hatte ihm vor vierzig Jahren Effies Hand garantiert.

Pippa schnupperte. »Mum hat Crumpets mitgebracht!«

Ihr Vater grinste zufrieden. »Und dazu Oma Wills hausgemachte Orangenmarmelade.«

Pippa stellte Geschirr auf...


Frau Auerbach lebt und arbeitet als freie Autorin im Rheingau. Sie schreibt Krimis, Kurzgeschichten und Drehbücher. Sie liebt einsame Inseln aller Längen- und Breitengrade, auf denen und über die sie schreibt. Ihre lebenslange Passion gilt Shakespeare und einem guten Glas Single Malt Whisky.
Frau Keller ist seit 2005 freie Schriftstellerin, nachdem sie u.a. als Köchin gearbeitet, Veranstaltungen organisiert, internationale Pressearbeit gemacht und Schauspieler betreut hat ? natürlich nacheinander. Nach vielen Jahren im Ruhrgebiet ist sie zu ihren familiären Wurzeln zurückgekehrt und lebt jetzt an der Nordseeküste.



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