Netuschil | Das kleine Café in der Rue de la Lune | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 344 Seiten

Netuschil Das kleine Café in der Rue de la Lune

Roman | Ein romantischer Liebesroman in Paris
23001. Auflage 2023
ISBN: 978-3-377-90018-0
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Ein romantischer Liebesroman in Paris

E-Book, Deutsch, 344 Seiten

ISBN: 978-3-377-90018-0
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Macaron Magnifique: Neuanfang in einem zauberhaften Café in der Nähe des Eiffelturms. Für alle Leser:innen von Jenny Colgan und Julie Caplin  »Es ist in Ordnung, Dankbarkeit zu zeigen, Tiago. Aber daraus darf keine Abhängigkeit entstehen. Du musst nicht tun, was er für richtig hält. Du musst tun, was du für richtig hältst!« »Ich weiß!«, sagte er. »Doch es ist eine Sache, zu einer Erkenntnis zu gelangen und eine andere, sein Tun danach auszurichten.« Lucille wird nach Paris gerufen, um das heruntergewirtschaftete Café ihrer Großtante vor der Übernahme durch die Patisserie-Kette Gibaldi zu bewahren. Die Rettung scheint unmöglich, nicht zuletzt durch Lucilles Weigerung, ihre Ungebundenheit aufzugeben. Doch dann tritt Tiago in ihr Leben. Der Neffe Gibaldis und rechte Hand des Unternehmens bietet überraschend seine Hilfe an und begibt sich damit in eine gefährliche Zwickmühle. Hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl und Herzenswünschen entwickeln Lucille und Tiago Gefühle füreinander. Sind die beiden bereit, für die Zukunft ihrer Liebe und die des Cafés all das aufzugeben, was ihnen Sicherheit bietet? »Es ist ein richtiges Wohlfühlbuch, sehr empfehlenswert.« ((Leserstimme von wodisoft.ch)) »Wer Ruhe, Entspannung und gute Unterhaltung sucht, wird mit diesem Buch überrascht. Die Protagonisten sind so detailliert beschrieben, so dass die Handlungen nachvollziehbar und die Story einfach nur schön ist. Danke für die entspannten Lesestunden.« ((Leserstimme von Netgalley))

Christel Netuschil, Jahrgang 1978, ist ausgebildete Krankenschwester. Sie lebt mit ihrem Mann, den drei Töchtern und mehreren Haustieren am Niederrhein und hat in der Vergangenheit Kinder und Erwachsene dabei unterstützt, sich schriftstellerisch auszudrücken. Eigenen Vorstellungen, Wünschen und Ängsten, aber auch fiktiven Begebenheiten einen literarischen Raum zu schenken ist Christel Netuschils vorrangiges Ansinnen. Nach einigen Veröffentlichungen von Kurzgeschichten und Erzählungen, schreibt sie seit 2021 vorrangig Liebesromane.
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Lucille


Lucille Bouton beugte sich vor und stützte sich auf ihren Oberschenkeln ab. Ihre Muskeln brannten, sie keuchte, aber ihre Gegnerin Gabriella Fortadite hatte es härter getroffen: Sie hing schlaff in den Seilen der blauen Ecke, der Kapitulation nahe. Gilbert, der sich ansonsten um die Nachwuchstalente kümmerte, übernahm heute den Part des Ringsprechers und warf Lucille einen tadelnden Blick zu. Sie winkte ab, schüttelte den Kopf und gab ihm zu verstehen, dass er sich nicht sorgen musste. Er war zwar im Vorfeld von Christophe informiert worden, dass Lucille und Gabriella nicht vorhatten, dem Publikum einen einstudierten Fight vorzuführen, doch mit so viel sportlichem Ehrgeiz hatte er nicht gerechnet.

Es war der Unterhaltungswert, der am Tag der offenen Tür bei allen Angeboten und Showkämpfen im Vordergrund stand … der Spaßfaktor ebenso wie die Veranschaulichung gängiger Tritt- und Schlagtechniken, um neue Klubmitglieder für das Le Havre zu akquirieren. Einen Eiertanz wollten sich Gabriella und Lucille dennoch nicht liefern. Erst recht nicht, weil ihr Aufeinandertreffen als abschließendes Highlight des Tages galt. Und bislang war ihrer beider Plan aufgegangen.

Gilbert vergewisserte sich, dass Gabriella zu Atem kam, und fuhr damit fort, den Zuschauern die Raffinessen des Kickboxens zu erläutern: »Der letzte Frontkick von Lulu hatte es in sich. Der Fußballen trifft den Gegner entweder, wie hier gesehen, in den Bauch oder auf den Solarplexus, die Herzspitze oder den Kopf.«

Ein Helfer hielt Gabriella einen Becher Wasser hin und führte den Strohhalm zwischen die Polster ihres Kopfschutzes, damit sie trinken konnte. Lucille nickte ihr zu. Gabby hatte sie ordentlich traktiert. Ihre Bewegungen waren flink gewesen, mit einer Jab-Abfolge war es ihr geglückt, Lucille zur Aufgabe ihrer Deckung zu zwingen. Ein Kinnhaken hatte sie zu Boden gehen lassen, und Gilbert hatte begonnen, sie anzuzählen. Die Zurufe aus dem Publikum waren zu einem hysterischen Singsang angeschwollen, bevor Lucille ihre Kräfte mobilisiert und Gabriella mit einem Roundhousekick aus dem Konzept gebracht hatte.

Die bevorstehende Runde würde über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Jemand bot auch Lucille etwas zu trinken an. Dankbar sog sie die eiskalte Flüssigkeit durch den Strohhalm und ließ ihren Blick durch das Zelt schweifen, das eigens für die Showkämpfe aufgestellt worden war. Christophe Magon schob sich mit stolzgeschwellter Brust durch die Menge. Selbstbewusst präsentierte er der lokalen Presse seine schiefe Nase, ein Relikt aus seinen Zeiten als aktiver Boxer und legte kumpelhaft den Arm um die Schultern der Gäste. Le Havre war sein Baby. Die Kampfsportschule lag idyllisch am Rande von Lyon in einem Grünstreifen, einen Katzensprung entfernt vom Flussufer und unweit einer Verladestelle für Industrieschiffe. Interessenten von nah und fern hatten sich heute in Fragerunden, Informationsgesprächen und Vorführungen von der modernen Ausstattung und den großzügigen Trainingsräumen überzeugen lassen. Doch dieses Zelt, das die Atmosphäre eines 30er-Jahre-Varietés versprühte, hatte sich als Besuchermagnet entpuppt. Von dem hölzernen Podest im Zentrum, auf dem der Boxring von allen Seiten einsehbar war, führte eine Treppe aus fünf Stufen auf den mit Dielen verlegten Boden. Die Zeltwände liefen kuppelartig zusammen und wurden durch Verstrebungen und Seile verstärkt, an denen Laternen aufgehängt waren, die für warmes Licht sorgten. Die rings um das Podest aufgestellten Bänke und eine kleine Tribüne, die den Abschluss der Sitzreihen bildete, waren aus dunklem Holz gefertigt und voll besetzt.

Lucille kannte man im Boxring unter ihrem Shownamen Lulu La Blonde. Vor sechs Jahren war sie nach Lyon gekommen und hatte sich im Le Havre vorgestellt. Vom Kickboxen hatte sie nichts verstanden, war aber von Natur aus mit einer Energie gesegnet, die ihr den Job als Bistroangestellte der Kampfsportschule schnell madig gemacht hatte. Sie hatte angefangen zu trainieren und war davon berauscht gewesen, ihren Körper bis an die Grenzen zu treiben und sich im Sparring und bei Wettkämpfen mit anderen zu messen. Sie hatte Sportauszeichnungen abgeräumt, die Trainerausbildung absolviert und sich im Ring bald einer treuen Fangemeinde erfreut. Sie liebte die Faszination, die in den Augen des Publikums glühte, wenn sie sich dem, was sie beherrschte, hingab. Natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt. Gegen ein Quäntchen mehr von Lulu La Blonde hätten viele nichts einzuwenden, und manch einer tat das unmissverständlich kund. Doch wer ihr näherkommen durfte, entschied sie allein.

Sie warf einen Blick hinauf zur Tribüne. Vielleicht konnte sie den Kerl in der beigebraunen Lederjacke später auf einen Drink einladen. Er war ihr schon am Anfang des Kampfes aufgefallen. Der Fremde streichelte zwar hin und wieder über den Rücken seiner Begleiterin, einer rassigen Schönheit, doch seine bewundernden Blicke im Schatten seiner Baseballkappe galten Lucille.

»Wir gehen in die letzte Runde!« Gilbert schenkte Gabriella, deren Gesichtsfarbe sich wieder von der ihres dunkelroten Kopfschutzes absetzte, ein Lächeln und nickte Lucille zu. »Übertreibt es nicht!«, raunte er beiden entgegen und bezog Position.

Lucille spürte einen stechenden Schmerz unter den Rippen, aber auch die Erregung, die sich während des Boxens über ihr ganzes Sein ausbreitete. Ihre Mundwinkel zuckten, konzentriert ließ sie ihren Blick über die Statur ihrer Gegnerin schweifen. Bei aller Freundschaft – sie würde Gabby keine Chance geben, das Ruder noch herumzureißen. Mit schief gelegtem Kopf zeichnete sie gedanklich die Konturen der Muskulatur an den Oberarmen und am Nacken ihres Gegenübers nach und blieb an Gabbys Augen hängen. Vor ein paar Minuten hatte sie sie angeblitzt wie eine Raubkatze. Jetzt hatte sie Mühe, ihre Erschöpfung zu verbergen.

»Lulu, Lulu, Lulu«, ertönte es kanonartig aus dem Publikum.

Eine Glocke erklang, Gilbert sprang zur Seite, und sofort holte Lucille Schwung in den Seilen der roten Ecke und stieß sich energisch ab. Die Rufe und der Beifall erreichten donnernde Lautstärke, Anhänger beider Lager lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Speicheltröpfchen sprühten umher, die Holzdielen knarzten und der Boden im Ring bebte.

Lucille überstreckte ihren Rücken und fixierte Gabriella, tänzelte auf sie zu, nahm jede Muskelzuckung wahr und las aus ihren Bewegungen wie aus einem Buch. Und doch überraschte die Boxerin sie mit einem Hieb, der zielsicher ihr rechtes Kopfpolster traf und sie straucheln ließ.

»Ein kräftiger Haken von Gabriella Fortadite trifft Lulu La Blonde!« Gilbert hüpfte um die beiden Sportlerinnen herum, bedacht darauf, keine ihrer Regungen zu verpassen.

Lucille schüttelte sich den Schweiß aus den Haaren und sog die sensationsschwangere Luft tief in ihre Lunge. Das Publikum schrie vor Begeisterung.

Gabriellas Augen blitzten. Ihre Hüfte drehte sich und mit einem Schwung, von dem niemand geglaubt hätte, dass sie ihn noch besaß, riss sie ihr rechtes Bein in die Höhe. Lucilles Atem stockte. Sie nahm die Bewegung wie in Zeitlupe wahr, wusste, dass ihr nur der Bruchteil einer Sekunde blieb, um ihre Chance zu ergreifen. Sie wich dem herabrauschenden Fuß ihrer Gegnerin aus, presste die Lippen aufeinander und spannte alle Muskeln fest an. Die Gesichter aus dem Publikum verschwommen zu einer einzigen Grimasse, Geräusche drangen nur noch wie von Weitem an ihr Ohr, ein monotones Summen übertönte das Pulsieren ihres Herzens. Lucille ließ ihre Rechte von unten hervorschnellen, ein sauber ausgeführter Uppercut, und bevor Gabriella reagieren konnte, fiel sie zu Boden und blieb auf dem Rücken liegen.

Gilbert ging neben ihr in die Hocke, wechselte ein paar Worte mit ihr und sprang zurück auf seine Füße. »Siegerin dieses letzten Showkampfes ist …«, er riss Lucilles Faust in die Höhe, »Lucille Bouton alias Lulu La Blonde!«

Ohrenbetäubender Beifall erfüllte das Zelt.

»Alors, das war phänomenal, Lucille!« Christophe holte Lucille an der untersten Stufe der Holztreppe ab und geleitete sie durch die applaudierende Menge Richtung Hinterausgang. »Du solltest wieder häufiger an Wettkämpfen teilnehmen. Es liegt dir im Blut, die Menschen lieben dich!«

Lucille antwortete nicht. Sie war sich ihres Talents bewusst und hatte Spaß beim Kickboxen. Doch was sie etablieren wollte, war der...



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