E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten
Reihe: Golden Hearts
Neumeier Covered Colors (Golden Hearts, Band 2)
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7320-2366-0
Verlag: Loewe Intense
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
High Society voller Intrigen, Herzschmerz und Leidenschaft - Spicy Fake Dating-Romance
E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten
Reihe: Golden Hearts
ISBN: 978-3-7320-2366-0
Verlag: Loewe Intense
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marina Neumeier, 1995 in Erding geboren, studiert Kunstgeschichte in München und arbeitet in einem Auktionshaus. Sie ist eine begeisterte Leseratte, liebt es zu verreisen und nutzt jede freie Minute, um an neuen Ideen zu arbeiten. Die Love-Trilogie ist ihre erste New-Adult-Reihe. Weitere Informationen zur Autorin auf Instagram und TikTok unter @marina.writing
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Nova
| @muenchner_kindel |
München, wir haben ein Wörtchen mit dir zu reden. Haben dieses Jahr alle ihre Neujahrsvorsätze zuuu ernst genommen und sind übermäßig brav? Wo ist das Drama? The sparkle? Dürfen wir daran erinnern, dass März ist und es bisher keinen nennenswerten Skandal gegeben hat? Schocker! Schickeria, wir erwarten mehr Einsatz, vor allem jetzt, da die närrische Zeit in vollem Gange ist.
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»Hat jemand von euch eine Ahnung, was Ophthalmologie ist?«
Ich schaue vom Display meines Handys auf und blicke fragend zwischen meinen beiden besten Freunden Lilli und Hugo und unserer Nachbarin Minnie hin und her. Wir vier sitzen seit etwa zwei Stunden im Wohnzimmer unserer WG und bereiten uns mit lockerem Vorglühen und einer Sushi-Lieferung auf den heutigen Abend vor. Zugegeben, wir sind hauptsächlich mit Trinken beschäftigt, denn obwohl wir zu einer Faschingsparty gehen, erfordert die Veranstaltung keine aufwendige Kostümierung – ganz nach meinem Geschmack und der einzige Grund, warum ich mich dazu habe überreden lassen, am Rosenmontag zu feiern. Das letzte Mal habe ich mich als Kind in ein kratzendes Polyesterkostüm gezwängt, in dem man nach fünf Minuten wie eine ungeduschte Fußballmannschaft riecht, und dabei will ich es belassen.
Stattdessen verlangt der legendäre Münchner Medizinerball im Bayerischen Hof nach einem White-Tie-Dresscode plus Maskierung. Und zwar Maskierung wie in verrucht-geheimnisvolle Gesichtsmasken aus Samt und Satin und nicht Ich verstopfe mir die Poren nachhaltig mit Kinderschminke, indem ich mich wie ein Clown anmale.
Minnie, die deutlich zurückhaltender ist als wir drei und von Lilli sanft, aber beharrlich dazu genötigt wurde, sich uns heute Abend anzuschließen, scheint sich unsicher zu sein, ob von ihr ernsthaft eine Antwort erwartet wird. Sie studiert Malerei und ist erst Ende Januar von einem mehrmonatigen Forschungsaufenthalt in Florenz zurückgekehrt. Und obwohl ich sie bis dahin eher oberflächlich von Begegnungen im Hausflur kannte, ist mir sofort klar gewesen, dass sie eine Weile brauchen würde, um aufzutauen. Da ist sie bei Lilli in den besten Händen und ich glaube, dass wir eine ruhige, besonnene Komponente in unserem Gespann gut gebrauchen können.
Hugo, der sich seine sandblonden Haare minutiös mit Klammern festgesteckt hat, damit sie später die perfekte Wasserwelle ergeben, wirft mir einen desinteressierten Seitenblick zu. »Klingt wie eine Geschlechtskrankheit. Hast du Angst, sie dir eingefangen zu haben, oder warum willst du das wissen?«
Von Lilli kommt ein Kichern. »Du hast literally ein Handy in der Hand, Nova. Das Zauberwort heißt Google.«
Ich gebe den zwei Klugscheißern mein bestes Augenrollen und Hugo ergänzt: »Was auch immer dieses Wort bedeutet, du hast es definitiv dermaßen falsch ausgesprochen, dass selbst Google dich nicht verstehen würde. Wie war das gleich, Oralmonogamie?«
Manchmal frage ich mich echt, warum ich es mir antue, mit den beiden zusammenzuwohnen. Ich könnte mich wunderbar dekadent in einer Suite im Mandarin Oriental einmieten, das Spa nur eine Aufzugsfahrt entfernt, und einfach den hauseigenen Butler beauftragen, solche Fragen für mich zu beantworten. Der wäre zumindest nicht so frech wie diese Landplagen.
»Oph-thal-mo-lo-gie«, übe ich mit konzentriert gerunzelter Stirn die korrekte Aussprache. »Oph-thal-mo-lo-gie.« Immerhin habe ich beschlossen, das Wort an diesem Abend noch einige Male zu sagen.
»Das ist Augenheilkunde«, wirft Minnie ein, die das Googeln übernommen hat und mir mit jeder Sekunde mehr ans Herz wächst.
Augenheilkunde also … hm. Nicht gerade sexy, aber who cares?
»Ohne Witz, Supernova, was soll das werden?« Inzwischen habe ich wohl Hugos aufrichtiges Interesse geweckt, denn er beobachtet mich neugierig.
»Ich habe online nachgeschaut, welche Facharztrichtung das höchste Bruttogehalt hergibt, und das ist mit Abstand Ophthalmologie. Chirurgen schmieren dagegen heftig ab.«
Lilli, bei der der Groschen direkt gefallen ist, prustet los. »Nova, nicht dein Ernst!«
»Klar.« Lässig zucke ich mit den Schultern. »Der Ball ist nicht ausschließlich für Mediziner und ihr könnt euch sicher sein, dass ich jeden, dem ich über den Weg laufe, zuerst nach seiner Fachrichtung fragen werde, bevor ich ihm erlaube, mit mir zu tanzen oder mir einen Drink auszugeben.«
Die beiden schütteln sich regelrecht vor Lachen, während Minnies Gesicht ein einziges Fragezeichen ist. Noch kennt sie mich nicht so gut und Lilli erklärt etwas atemlos: »Nova hat sich zum Ziel gesetzt, so bald wie möglich einen reichen Ehemann klarzumachen.«
Ich verdrehe die Augen. »Wenn du es so formulierst, klingt das furchtbar oberflächlich und materialistisch.«
»Bist du das nicht?« Grinsend wischt sich meine beste Freundin über die tränenden Augenwinkel, ehe sie Minnies tiefrotes Haar weiterflicht.
»Okay, ein Teil von mir definitiv. Aber in erster Linie will ich Gold Digger vermeiden, indem ich ihren Kontostand checke und mir sicher sein kann, dass sie mich nicht wegen meinem wollen.« Been there, done that und ich habe die Nase voll davon. Sollte es mit meinem Traum von der Ehe nicht klappen, reicht es vollkommen, wenn ich mit Mitte fünfzig eine Cougar werde und einen Toyboy durchfüttere. Ich habe in meinem Leben und dem meiner Mutter zu viele Männer kommen und gehen sehen, die uns Gott und die Welt versprochen haben und am Ende nur hinter den Brillis her waren. Meine strikten Kriterien sind reine Vorsichtsmaßnahmen und ich habe schon lange aufgehört, mir darüber den Kopf zu zerbrechen, ob ich dadurch unsympathisch oder abgehoben wirke. Es ist meine Welt und sie läuft nach meinen Regeln.
Minnie nickt, als könnte sie mich verstehen, und Hugo ist ein Schatz, der nicht weiter nachhakt, sondern eine neue Flasche Champagner entkorkt.
Das Kleid, das ich mir für heute ausgesucht habe, ist allein für sich in seiner schlichten Eleganz spektakulär. Bodenlang, tiefroter Samt, herzförmiges Corsagen-Dekolleté, Beinschlitz. Und ein Rückenausschnitt, der fast bis zum Po reicht und weitestgehend meine Rückseite frei lässt. Ich hätte es dabei belassen können, um für Aufsehen auf dem Ball zu sorgen, aber da ist ein Schmuckstück aus der Sammlung meiner Mutter, das bereits viel zu lange auf seinen großen Auftritt wartet. Meine Mutter, Nadja Sobieska, hat sich ein Schmucklabel aufgebaut und handelt dafür regelmäßig mit den besten Steinen auf der berühmten Diamantenbörse in Antwerpen. Die Frau ist eine Naturgewalt in ihrem Business und gehört nicht grundlos zu den erfolgreichsten in ihrer Branche. Und ich bin ihr bevorzugtes Aushängeschild, das sie liebend gern mit Protostücken und Sonderanfertigungen überhäuft.
Eines dieser Teile habe ich gestern aus dem Tresor in unserem Keller geholt und heute Morgen sorgsam auf meinem Bett ausgebreitet, damit sich die vielen Kettchen und Stränge nicht verheddern: Es ist ein spektakuläres Collier, das vom Nacken bis hinunter zu meinem Steiß reicht. Mehrere mit Diamanten und Swarovskis besetzte Stränge werden an den Seiten meines Kleides entlang mit eingearbeiteten Stecknadeln und Klammern befestigt und bilden auf meinem bloßen Rücken ein Gitternetz aus funkelnder, unvergleichlicher Pracht. Lilli und Minnie haben mir gerade dabei geholfen, das Prunkstück anzulegen, und bestaunen es mit großen Augen, während ich mich vor meinem Spiegel drehe und wende. Mich mit kritischem Blick begutachte, um zu checken, ob alles so sitzt, wie es soll.
Ich bin keine schlanke Person, war ich noch nie, und es stört mich überhaupt nicht, dass sich ein paar Speckröllchen direkt unter den Schulterblättern abzeichnen. Die Diamanten funkeln so gleißend, dass sowieso keiner darauf achten wird, und mein Hintern in diesem Kleid … Showstopper. Mehr sage ich nicht.
Es kostet eine Menge Energie und Durchhaltevermögen, um dieses Mindset über meine Figur und mich aufrechtzuerhalten, aber wenn ich es nicht tue, macht es niemand. Ich muss meine eigene beste Cheerleaderin sein und diese Überzeugung nach außen tragen, um zu kontrollieren, wie andere mich wahrnehmen. Und wenn das heißt, Tag um Tag die selbstbewusste, selbstverliebte Nova zu sein, dann ist es so.
»Immer wenn ich denke, du könntest dich nicht selbst übertreffen, gelingt es dir doch.« Weiterhin baff schüttelt Lilli den Kopf und kommt dann rüber, um mir einen schmatzenden Kuss auf die Wange zu drücken. »Wenn du dir heute Abend keinen Kerl angelst, weiß ich auch nicht weiter.«
Mein Lächeln ist aufrichtig, als ich ihr Kompliment annehme, einen Arm um sie schlinge und sie kurz an mich ziehe. Ich will an ihre Worte glauben; den Part, in dem es darum geht, den Einen zu finden. Bestenfalls heute Abend und für immer.
Die Sache ist nur die: Mir jemanden zu angeln, ist nie das Problem gewesen. Dass sie bei mir bleiben, dagegen sehr wohl.
Einlass zum Medizinerball ist um zwanzig Uhr und selbstverständlich ist es nach neun, als wir am Bayerischen Hof vorfahren. Hugo, der als Erbe eines uralten Grafentitels auf Luxus wie einen Fahrer der Familie zugreifen kann, hat uns seinen privaten Chauffeurservice organisiert, der uns vor dem Luxushotel absetzt. Nach dem Vorzeigen unserer Einladungen stoßen wir auf den Rest der Truppe, der anscheinend auf uns gewartet hat, bevor wir uns alle im Großen Festsaal ins Getümmel stürzen. Lilli wirft sich prompt in die Arme eines großen dunkelhaarigen Kerls in maßgeschneidertem...




