E-Book, Deutsch
Neumeier Das Geheimnis von Falkenstein
2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-630-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch
ISBN: 978-3-98778-630-3
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
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Kopierschutz: 0 - No protection
Auf diesem Landsitz lauern Mysterien, Romantik und unvorhersehbaren Enthüllungen …
Der spannende Liebesroman für Fans von Familiensagas und Familiengeheimnissen
Ein ungelöstes Rätsel in ihrer Familiengeschichte verschlägt die junge Journalistin Juliana auf den abgelegenen Landsitz des faszinierenden Pferdezüchters Valentin Falkenstein. Inkognito und mit ihrer geheimen Mission ausgestattet, schlüpft Juliana in die Rolle einer wohlhabenden Adeligen. So kann sie in Ruhe dem Schicksal ihrer vor Jahrzehnten verschwundenen Großtante Gabriela nachspüren. Doch auch das Falkenstein Gestüt in den Karpaten wird von allerlei Geheimnissen umweht, genau wie dessen Besitzer Valentin selbst. Obwohl Juliana das Gefühl hat, ihm nicht trauen zu können, knistert es zwischen den beiden gewaltig. Als sie kurz davor ist, die Geheimnisse auf Falkenstein aufzudecken, gerät sie selbst in Gefahr und muss sich die Frage stellen, ob die Wahrheit diejenigen schützen wird, die sie liebt …
Erste Leser:innenstimmen
„Kann mit spannenden Wendungen und überraschenden Geheimnissen überzeugen.“
„Ein großartiger Familiengeheimnis-Roman!“
„Liebe, Spannung, Intrigen – hier ist alles geboten.“
„Ich war von Seite 1 an gefesselt und wollte schnell erfahren, was Juliana alles herausfinden wird, super packend geschrieben!“
„Was fürs Herz und trotzdem spannend – Krimi und Liebe sind hier perfekt verwoben.“
Thomas Neumeier hatte schon als Kind eine Affinität zum Schreiben und Erzählen. Ein Abendstudium hat ihn auf den Literaturbetrieb losgelassen. Sein bevorzugtes Metier sind gefühlsbetonte Spannungsromane.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Falken flink zu Ross
Ein Schlagloch rumpelte den Wagen ordentlich durch. Juliana stieß mit ihrer Stirn gegen die Seitenscheibe.
„Au! Himmel, war das nötig?“
Sie war zunehmend zermürbt; von der unbeständigen Straße, den vielen Kurven und der schon viel zu lang andauernden Fahrt.
„Habe ich nicht gesehen“, raunte Alexander kaum besser gelaunt auf dem Fahrersitz.
Juliana rollte die Augen. „Nicht gesehen? Das Loch muss so groß wie unser Konferenztisch gewesen sein.“
Alexander brummelte in sich hinein, so wie er es auch in der Redaktion immer tat, wenn er sich weitere Kritik verbat. „Kannst ja gern selbst das Steuer übernehmen.“
Juliana seufzte. „Danke, ich verzichte und verzeihe.“
Sie lehnte sich wieder zurück und schaute hinaus. Riesenhafte Bäume und meterhohes Gestrüpp zogen vorbei, unaufhörlich, immerfort. Seit bestimmt dreißig Minuten hatte sie nichts anderes mehr gesehen. Eine eigenartige Erfahrung für jemanden, den Job und Leben bislang nie allzu weit aus Städten hinausgeführt hatten. Doch Juliana wusste den Anblick auch zu schätzen. Die Farben von Gras, Blumen, Blättern und Nadeln wirkten hier viel satter als in Bukarest. Wahrscheinlich sorgte das allgegenwärtige Wechselspiel von Licht und Schatten für diese zauberhafte Illusion. Die hohen Baumkronen filterten den Sonnenschein vielfach und ließen ihn nur fein dosiert das Gespinst durchleuchten. Einige Bäume formten Zweige und Auswüchse wie Klauen, ihre Wurzeln von hohem Riedgras umgarnt und vom Sonnenschein sträflich vernachlässigt. Manchmal bewegten sie ihre Glieder, so als wollten sie wie Wachtposten nach jedem greifen, der ohne ihre Erlaubnis diese Straße entlangfuhr. Doch das war nur der Wind, der so weit oben zuweilen sehr heftig wehte.
„Da vorne“, knurrte Alexander. „Na endlich. Das muss das Dorf sein. Es sei denn, wir sind bei diesem Steilhang vorhin falsch abgebogen.“
Juliana folgte seinem Blick. Voraus tat sich der Wald auf und gab eine überschaubare Ansammlung von Häusern und Scheunen preis, umrahmt von einer märchenhaft wirkenden Landschaft aus steilen, von Moos überwucherten Felsen, gekrönt von spitzen Nadelhölzern. Darüber wölbte sich der wolkenlose Himmel. Die Straße hatte sie weit hinauf gelotst.
„Also gut, gehen wir alles noch mal durch“, sagte Alexander geschäftig und fischte in der Hosentasche nach seinem Smartphone. „Kein Netz, wie ich mir schon gedacht habe“, raunzte er nach einem prüfenden Blick. „Verflucht noch eins. Das macht die Sache komplizierter.“
Juliana kam zu derselben Schlussfolgerung, geriet deswegen aber nicht in Panik.
Alexander ging vom Gas, ließ den Wagen ausrollen und warf argwöhnische Blicke nach draußen. „Siehst du irgendwo ein Ortsschild? Egal. Das muss das Dorf sein. Der Karte nach ist es von hier nicht mehr weit bis zum Landsitz. Vierzig Minuten zu Fuß, schätze ich. Ich werde in der Nähe sein, aber glaub bloß nicht, dass ich für dich im Wald übernachte. Ruf in meinem Wirtshaus an, wenn du Probleme hast. Und zwar ohne zu zögern, verstanden? Die Nummer hast du dir notiert, hoffe ich.“
„Die wird mir wenig nützen, wenn die mich in ein dunkles Verlies stecken“, rieb ihm Juliana unter die Nase.
Alexander stoppte den Wagen und taxierte sie finster. Mit seinen buschigen Augenbrauen über den kleinen dunklen Äuglein und dem krausen Bartflaum, der weite Teile seines Gesichts vereinnahmte, sah er aus wie ein zu groß geratener Teddybär – ein äußerst griesgrämiger Teddybär im Moment. Er war von Anfang an gegen dieses Vorhaben gewesen, hielt es für eine Schnapsidee. Aber noch weniger hätte er es über sich gebracht, Juliana allein fahren zu lassen. Dazu war sein kollegialer Beschützerinstinkt zu ausgeprägt. In ihren Anfangsjahren als Journalistin war sie dafür sehr dankbar gewesen. Bei dieser Angelegenheit wäre sie hingegen lieber allein. Immerhin ging es um ihre eigene Familiengeschichte; noch dazu um ein sehr düsteres Kapitel davon.
„Ich deichsle das schon, keine Angst“, versuchte sie ihn mit einem Schmunzeln zu beschwichtigen und tätschelte ihm zutraulich den hervorstehenden Wanst unter seinem Hemd. „Ich meine, hey, was soll schon passieren? Ich kann auf mich aufpassen. Das weißt du.“
Alexander schien alles andere als überzeugt, was Juliana nun beinahe ärgerte. Er tat so, als wäre sie ein hilfloses Püppchen. Ohne einen weiteren Kommentar löste er den Sicherheitsgurt, stieg aus und brummte wieder miesepetrig in sich hinein. Erst jetzt sah Juliana das imposante Haus aus groben Bruchsteinen auf der anderen Straßenseite. Ein wettergegerbtes Mansarddach mit drei identischen Gauben hockte darauf. Die holzumrahmten Fenster reflektierten die Nachmittagssonne. Über der Eingangstür prangte kaum noch lesbar der Name des Wirtshauses. Hier also würde Alexander übernachten. Laut ihm war es die einzige Herberge weit und breit.
Juliana stieg ebenfalls aus und sog die würzige Luft ein. Die Duftnoten waren vertraut. Die kannte sie auch aus der Walachei. Doch wie die Farben der Natur hier intensiver wirkten, taten es auch die Gerüche. Da waren Moos, Torf und feuchte Erde. Und unverkennbar eine Menge Pferdemist.
„Du hast doch Pfefferspray dabei, oder?“, ließ sich Alexander von der anderen Wagenseite vernehmen.
Juliana atmete mit geschlossenen Augen und stellte sich dem warmen Wind, der ihr ins Haar blies und es davontragen wollte. „Hab ich“, antwortete sie geduldig. „Und ich bin mir sicher, dass ich es nicht brauchen werde.“
„Ich will’s hoffen.“ Alexander schnaubte, und Juliana hörte wie aus weiter Ferne, dass er den Kofferraum aufmachte.
Das Dorf schien ausgestorben. Juliana schaute sich um und entdeckte bis auf ein paar herumtollende Kinder keine Menschenseele. Wahrscheinlich waren die Leute arbeiten. Grob überschlagen zählte sie etwa dreißig verstreute Wohnhäuser aus Stein und noch mal so viele Scheunen und Ställe. Die bestanden überwiegend aus Holz, aber es gab auch Mischbauten, die wahrscheinlich beides in einem waren. Dazwischen spannten sich in angeratener Höhe Stromleitungen, vielfach von schlanken Holzmasten gestützt. Autos entdeckte Juliana nicht. Aber ein paar alte Lkw, die ihrem Aussehen nach für Viehtransporte benutzt wurden. Hinter dem Wirtshaus stieg ein bewaldetes Felsmassiv an, doch in die andere Richtung fiel das Land sacht ab. Ein steiniger Weg führte von der Straße fort und zu den bewirtschafteten Feldern weiter unten. Juliana erspähte vereinzelte Gestalten und Nutztiere.
„Einen Massagesalon gibt’s hier wahrscheinlich nicht“, meinte Alexander und stemmte verkrampft eine Hand in den Rücken. „Einen Starbucks wohl auch nicht. Elende Fahrerei, verflucht. Ich hätte zu Hause bleiben sollen.“
„Niemand hat dich gebeten, mitzukommen“, erinnerte ihn Juliana. „Aber wenn du nett fragst, verpasst dir vielleicht deine Hauswirtin eine Massage. Und einen Kaffee macht sie dir bestimmt auch. Schau mal.“
Juliana hatte bemerkt, dass sie nicht mehr allein waren. Am Eintritt des Wirtshauses stand eine junge Frau mit vollen schwarzen Haaren, lehnte am Türrahmen und beobachtete sie unverhohlen, geradezu provozierend.
„Heiliger Wodka und Wirsing, was sagt man dazu“, murmelte Alexander und glotzte zurück.
„Kommst du zurecht?“, horchte Juliana nach.
Alexander wirbelte zu ihr herum, Unverständnis im Blick.
Juliana verwies auf den offenen Kofferraum. „Falls ja, dann könntest du jetzt nämlich deine Tasche rausnehmen, damit ich weiterfahren kann.“
Alexanders Brummeln setzte wieder ein, aber jetzt klang es geradezu melodiös. Er hievte seine Reisetasche heraus, winkte der Wirtin und hielt auf die Gasthauspforte zu. Bevor er sie erreichte, fuhr er noch einmal herum. „Du rufst sofort hier an, sobald es geht, klar? Und du rufst noch schneller an, wenn da irgendetwas faul ist. Nein, dann rufst du nicht an, sondern kommst augenblicklich zurück. Verstanden?“
Juliana grinste amüsiert, stieg dann der Fahrerseite des Wagens zu und machte sich auf die finale Etappe dieser Reise. Der Landsitz der Falkensteins konnte nun nicht mehr weit sein.
Die mangelhaft beschaffene Straße entfernte sich von den Felsen und grub sich in engen Windungen in ein bewaldetes Tal hinein. Juliana wagte kaum schneller als Schritttempo zu fahren, auch um die beeindruckende Gegend auf sich wirken zu lassen. An manchen Stellen war der Ausblick Ehrfurcht gebietend. Wipfel nie gesehener majestätischer Nadelhölzer durchbohrten das Walddach. Wie Türme eines gewaltigen grünen Schlosses schossen sie empor, und Juliana kam sich plötzlich ziemlich klein vor.
Auf eine Art Schloss machte sie sich auch an ihrem Zielort gefasst. Es war nur ein Herrenhaus, aber die bauliche Beschreibung dieser Immobilie in der sprach von mindestens einem Turm. Die Falkensteins waren eine wohlhabende Dynastie. Alter deutscher Adel, der vor zweihundertfünfzig Jahren aus dem Königreich Württemberg nach Transilvania ausgewandert war. Donauschwaben.
Als ein dick von Efeu umrankter Holzzaun am Straßenrand auftauchte, ahnte Juliana, dass sie angekommen war. Die brüchige Straße zwängte sich zwischen mannsgroße Rundpfeiler hindurch, wo sie in ein steingraues Pflaster überging. Das Tor stand offen. Vermutlich extra für Juliana. Es war kurz nach drei. Sie war pünktlich.
Beidseitig flankierten mächtige Bäume den Pflasterpfad, deren lange Arme und Fänge fast am Autodach kratzten. Sie versperrten auch die Sicht, sodass sich der stattliche Sitz der Falkensteins zunächst nur in Fragmenten abzeichnete. Erst als die Bäume sich lichteten und der grasbewachsene Hügel anstieg, auf dem er thronte, kam...




