E-Book, Deutsch, 287 Seiten
Reihe: Classics To Go
Neumeister Das Leben Mohammeds, des arabischen Propheten
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98744-519-4
Verlag: OTB eBook publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 287 Seiten
Reihe: Classics To Go
ISBN: 978-3-98744-519-4
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Das Leben Mohammeds, des arabischen Propheten. Nach dem Englischen des Washington Irving erzählt von Ernst August Neumeister. Erster und Zweiter Teil. Zu Irvings bekanntesten Werken gehört diese Biografie über den arabischen Propheten Mohammed. Der Autor zeigte Zeit seines Lebens großes Interesse am Islam, das er während seines Aufenthalts in der Alhambra in Granada vertiefte. Auch wenn Irvings Werk manchmal unter der Einseitigkeit seiner Zeit leidet, ist es interessant zu lesen, wie viel der Schriftsteller bereits Mitte des 19. Jahrhunderts über den Propheten wusste. (Amazon)
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Erstes Capitel.
Einleitende Nachricht über Arabien und die Araber. Während einer langen Reihe von Zeitaltern, vom Anfange der aufgezeichneten Geschichte bis zum siebenten Jahrhunderte der christlichen Zeitrechnung, blieb die große Halbinsel, welche von dem rothen Meere, dem Euphrat, dem persischen Meerbusen und dem indischen Oceane gebildet wird, und unter dem Namen Arabien bekannt ist, unverändert und von den Ereignissen, welche das übrige Asien bewegten und Europa und Asien bis zu ihrem Mittelpunkte erschütterten, beinahe unberührt. Während Königreiche und Kaiserthümer entstanden und verfielen, während alte Herrscherfamilien verschwanden, während die Gränzen und Namen von Ländern sich veränderten und ihre Bewohner vertrieben oder in Gefangenschaft geführt wurden: so bewahrte Arabien, obgleich seine Gränzprovinzen einige Veränderungen erfuhren, in den Tiefen seiner Wüsten die ursprüngliche Beschaffenheit und Unabhängigkeit, und niemals hatten seine Nomadenstämme die stolzen Nacken unter das Joch der Knechtschaft gebeugt. Die Araber führen die Ueberlieferungen von ihrem Lande bis in das höchste Alterthum zurück. Es wurde, sagen sie, durch die Nachkommen Sems, eines Sohnes Noahs, bald nach der Sündfluth bevölkert; diese bildeten allmälig mehrere Stämme, von denen die Aditen und Thamuditen die bekanntesten sind. Alle diese ursprünglichen Stämme sollen entweder zur Strafe für ihre Bosheit von der Erde verbannt worden sein, oder bei den nachfolgenden Umwandlungen der Geschlechter sich verloren haben, so daß außer dunkeln Sagen und einigen Stellen im Koran über dieselben Weniges vorhanden ist. Sie werden in der morgenländischen Geschichte als »die alten ursprünglichen Araber«, als »die verlornen Stämme« gelegentlich erwähnt. Die fortdauernde Bevölkerung der Halbinsel wird von Kahtan oder Joctan, einem Abkömmlinge Sems in der vierten Generation (1. Mos. 10, 25 und 26) nach denselben Erzählungen abgeleitet. Seine Nachkommenschaft breitete sich über den südlichen Theil der Halbinsel und längs des rothen Meeres aus. Yaarab (Ja-arab), einer seiner Söhne, gründete das Königreich Yemen, in welchem die Landschaft Araba nach ihm genannt wurde, wovon die Araber ihren eigenen Namen und den ihres Landes ableiten. Jurham (Dschurham) ein anderer Sohn, gründete das Königreich Hedjaz (Heddschaß), über welches seine Nachkommen viele Zeitalter hindurch die Oberherrschaft ausübten. Unter diesen Leuten fand Hagar und ihr Sohn Ismael freundliche Aufnahme, als sie vom Erzvater Abraham aus der Heimath verwiesen wurden. Im Laufe der Zeit nahm Ismael die Tochter Modad's, eines regierenden Fürsten aus Jurhams Familie, zum Weibe, und so wurde ein Fremder und Hebräer dem arabischen Urstamme einverleibt. Er erwies sich als ein fruchtbares Reis. Ismaels Weib gebar zwölf Söhne, welche die Herrschaft über das Land erwarben, und deren fruchtbares, in zwölf Stämme getheiltes Geschlecht den Urstamm Joctans vertrieb oder unterjochte und in Vergessenheit brachte. Das ist die Auskunft, welche die Araber der Halbinsel über ihren Ursprung geben. Außer den Arabern der Halbinsel, welche sämmtlich Sems Geschlechte angehörten, gab es noch andere, die Chusiten hießen, weil sie von Chus, dem Sohne Hams abstammten. Sie bewohnten die Ufer des Euphrats und des persischen Meerbusens. Der Name Chus wird in der Schrift häufig sowol den Arabern überhaupt, als auch ihrem Lande gegeben. Wahrscheinlich sind es solche Araber, welche gegenwärtig die wüsten Landstriche des alten Assyriens durchziehen und in der neueren Zeit zur Ausgrabung der lang verschütteten Ruinen von Ninive verwendet worden sind. Bisweilen werden sie syrische Araber genannt. Die gegenwärtige Darstellung bezieht sich jedoch nur auf die Araber der Halbinsel oder auf das eigentliche Arabien. Jene Vermehrung und Herrschaft der Nachkommen Ismaels betrachten christliche Schriftsteller als Erfüllung der Verheißung, welche Abraham von Gott gegeben wurde und die in der heiligen Schrift (1. Mos. 17, 18 und 20) so lautet: »Und Abraham sprach zu Gott: Ach, daß Ismael leben sollte vor dir! Dazu um Ismael habe ich dich auch erhöret. Siehe, ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und mehren fast sehr. Zwölf Fürsten wird er zeugen, und will ihn zum großen Volk machen.« Diese zwölf Fürsten nebst ihren Stämmen werden nachher in der Bibel (1. Mos. 25, 18) genannt als Insassen des Landes »von Hevila bis gen Sur gegen Aegypten, wenn man gen Assyrien gehet«, also eines Landstriches, welcher von den biblischen Geographen für einen Theil Arabiens gehalten wird. Die Beschreibung derselben stimmt mit der der jetzigen Araber überein. Einige werden als Besitzer von Städten und Schlössern, andere als Bewohner von Zelten, noch andere als Inhaber von Dörfern bezeichnet. Nebaioth und Kedar, die zwei Erstgebornen Ismaels, sind wegen ihres Reichthums an Schaf- und Rinderheerden und wegen der feinen Wolle ihrer Schafe unter den Fürsten am berühmtesten. Von Nebaioth stammen die Nabathäer ab, welche das steinichte Arabien bewohnten, während der Name Kedar in der heiligen Schrift gelegentlich gebraucht wird, um die ganze arabische Nation zu bezeichnen. »Wehe mir«, sagt der Psalmist (120, 5), »daß ich ein Fremdling bin unter Mesech; ich muß wohnen unter den Hütten Kedars.« Beide scheinen die Stammväter der wandernden oder nomadischen Araber, der freien Herumzügler in der Wüste, gewesen zu sein. Auf sie ist die Stelle des Propheten Jeremias (49, 31) zu beziehen. »Wohlauf, ziehet herauf wider ein Volk, das genug hat und sicher wohnet, spricht der Herr: sie haben weder Thür noch Riegel und wohnen allein. Zwischen den Arabern, welche »Städte und Burgen inne hatten,« und denen, »welche in Zelten wohnten,« entstand in den frühesten Zeiten ein bedeutender Unterschied. Einige der Ersteren besaßen die fruchtbaren Thäler, welche sich hier und da zwischen den Gebirgen ausbreiteten; daselbst waren die Städte und Burgen von Weinbergen und Obstgärten, von Palmenwäldchen, Getreidefeldern und gut bewachsenen Weideplätzen umgeben. Sie waren in ihren Verhältnissen geordnet, widmeten sich der Bebauung des Bodens und der Viehzucht. Andere derselben Classe befaßten sich mit dem Handel; sie hatten Häfen und Städte am rothen Meere, auf den südlichen Gestaden der Halbinsel und am persischen Meerbusen, und trieben vermittels Schiffen und Karavanen auswärtigen Handel. Das waren besonders die Völkerschaften von Yemen oder dem glücklichen Arabien, von dem Lande der Gewürze, der Parfümerien und des Weihrauchs. Sie gehörten zu den thätigsten Handels-Seefahrern der östlichen Meere. Ihre Schiffe brachten die Myrrhe und den Balsam von der entgegengesetzten Küste der Berbern nebst dem Golde, den Gewürzen und andern theuern Kostbarkeiten aus Indien und dem tropischen Afrika nach ihren Gestaden. Diese Produkte wurden mit denen ihres Landes von Karavanen durch die Wüsten nach den halbarabischen Staaten Ammon, Moab und Edom oder Idumäa, nach den phönicischen Häfen des Mittelmeeres geführt und von da der westlichen Welt mitgetheilt. Das Kameel ist das Schiff der Wüste genannt worden, die Karavane kann die Flotte derselben heißen. Die Karavanen von Yemen wurden gemeiniglich von den nomadischen Arabern, von den Bewohnern der Zelte, ausgerüstet, bemannt, geführt und beschützt; in dieser Beziehung kann man sie die Schiffer der Wüste nennen. Sie lieferten die unzählbaren Kameele, welche erforderlich waren, und trugen auch durch die feinen Felle ihrer unberechenbaren Schafheerden zur Befrachtung bei. Die Schriften der Propheten zeigen die Wichtigkeit, welche diese inländische Handelskette im biblischen Zeitalter hatte, da durch sie die reichen Länder des Südens, Indien, Aethiopien und das glückliche Arabien, mit dem alten Syrien verbunden wurden. In den Klagen über Tyrus ruft Ezechiel (27, 21 – 24) aus: »Arabien, und alle Fürsten von Kedar haben mit dir gehandelt mit Schafen, Widdern und Böcken. Die Kaufleute aus Saba und Raema haben mit dir gehandelt und allerlei köstliche Specerei und Edelsteine und Gold auf deine Märkte gebracht. Haran und Kanne und Eden (Aden)F1 sammt den Kaufleuten aus Seba, Assur und Kilmad sind auch deine Kaufleute gewesen. Die haben alle mit dir gehandelt mit köstlichem Gewand, mit seidenen und gestickten Tüchern, welche sie in köstlichen Kasten, von Cedern gemacht und wohl verwahrt, auf deine Märkte geführt haben.« Und Jesaias spricht (60, 6 u. 7) zu Jerusalem und sagt: »Die Menge der Kameele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. Alle Heerden aus Kedar sollen zu dir versammelt werden und die Böcke Nebajoths sollen dir dienen.« Jedoch die Ackerbau und Handel treibenden Araber, die Bewohner der kleinen und großen Städte, sind niemals als das wahre Urbild dieses Volksstammes betrachtet worden. Sie wurden durch geordnete und friedliche Beschäftigungen milder und verloren durch den Verkehr mit den Fremden viel von dem ursprünglichen Gepräge. Jemen wurde auch wiederholt feindlich angefallen und unterjocht, da es zugänglicher war als die übrigen Theile Arabiens und den Räubern größere Versuchung bot. Bei der andern Classe der Araber, bei den Wanderern der Wüste, bei den »Bewohnern der Zelte«, welche die bei weitem zahlreichste Classe bildeten, wurde der volksthümliche Charakter in der ganzen ursprünglichen Stärke und Frische bewahrt. Nomadisch in ihren Sitten, hirtenmäßig in ihren Beschäftigungen und durch Erfahrung und Ueberlieferung mit allen verborgenen Hülfsmitteln der Wüste bekannt, zogen sie von einem Platze zum andern, um jene Wasserbehälter und Quellen aufzusuchen,...




