Nevis Die drei ???, Feuerturm (drei Fragezeichen)
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-440-13184-8
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Die drei ???
ISBN: 978-3-440-13184-8
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wer ist Johnny? Und warum ist er verschwunden? Die drei Detektive aus Rocky Beach stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe: Sie sollen einen unbekannten Mann finden und ihm einen Brief übergeben, der zu einem geheimnisvollen Schatz führt. Die anonyme Botschaft lockt die drei ??? in die Wildnis des Kings National Parks. Und plötzlich wird der Botendienst lebensgefährlich: Justus, Peter und Bob werden aus dem Hinterhalt attackiert. Jemand versucht ihren Auftrag zu vereiteln. Werden die drei Detektive Johnny helfen können, bevor die Falle zuschnappt? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …
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Ein schwarzer Mercedes
Bob kramte ein Taschenmesser aus der Kühltasche hervor und schnitt langsam die untere Seite des Umschlags auf. Eine Vorsichtsmaßnahme, für den Fall, dass mit dem Brief irgendetwas nicht stimmte. Dann zog er aus dem Umschlag ein Blatt Papier heraus, in das ein weiterer Umschlag eingelegt war.
»Überraschung!«, rief Bob und wedelte mit dem zweiten Brief herum. In großen Buchstaben stand darauf ›nicht öffnen‹.
»Komm, mach schon!« Justus riss ihm ungeduldig das lose Blatt aus der Hand und faltete es auseinander. »›Sehr geehrte Herren‹«, las er mit monotoner Stimme vor, »›wie Sie sehen, liegt diesem Schreiben ein Brief bei. Bitte öffnen Sie ihn nicht! Das wäre gefährlich! Da ich bedroht werde, kann ich dieses Schreiben nicht selbst überbringen. Es enthält eine wichtige Botschaft, die für eine bestimmte Person sehr wichtig ist. Diese Person ist in Gefahr! Bitte geben Sie den Brief ungeöffnet weiter. Der Name des Empfängers ist gleichzeitig das Kennwort: ›Johnny‹. Treffpunkt ist Ecke Carey Street/Arden Street, heute Abend um 22 Uhr. Meine Herren, Sie stehen in dem Ruf, ein erfolgreiches Detektivbüro zu führen, und ich setze auf Ihre Diskretion und Zuverlässigkeit. Bei gelungener Übergabe werde ich mich selbstredend erkenntlich zeigen. Entschuldigen Sie, wenn ich aus Sicherheitsgründen meinen Namen nicht nennen möchte. Ich danke Ihnen. Hochachtungsvoll – Der Absender‹.«
»Hm«, sagte Bob nach einer kurzen Pause. »Anonym. Wenn einer schon seinen Namen nicht nennt …«
»Carey Street und Arden Street – die liegen doch im Industriegebiet«, murmelte Justus. »Da ist es abends nicht sehr gemütlich. Was hältst du von der Sache, Bob? Klingt doch merkwürdig!«
»Find ich auch. Außerdem: Woher weiß er, dass wir ein Detektivbüro führen?«
Chris, der die ganze Zeit interessiert zugehört hatte, mischte sich ein. »Die drei ??? sind doch überall bekannt. Ihr habt schließlich schon viele Fälle gelöst. Ich lese davon sogar immer im Internet.«
Bob wurde rot. »Ja, ich weiß, äh … danke für das Lob. Justus, vielleicht sollten wir mal in dem zweiten Brief nachsehen?«
Justus nickte und untersuchte den Umschlag. »Er ist mit Klebstoff zugeleimt. Mit Wasserdampf bekommen wir ihn nicht auf. Man würde es auf alle Fälle bemerken.«
»Nein, wir lassen ihn zu!«, ging Peter dazwischen. Bob und Justus zuckten zusammen. »Ich bin dafür, dass wir alles genau so machen, wie es in dem Brief steht. Freunde, wir stecken doch mitten in einem neuen Fall! Ich finde es spannend!«
»Und wenn das Ganze ein Scherz ist, Peter? Oder wenn die Sache wirklich gefährlich ist?«, fragte Bob skeptisch.
»Nein, nein, wir können doch nichts dabei verlieren! Wir sollten erst einmal mitmachen. Und wenn wir den Brief übergeben haben, verfolgen wir den Empfänger. Wenn es stimmt, dass der Absender und der Empfänger in Gefahr sind, dann können wir ihnen helfen. Vielleicht ging der Brief ja deswegen an uns. Sozusagen ein versteckter Hilferuf. Spätestens heute Abend wissen wir mehr.«
»Aber wenn Skinny Norris mit seiner Bande dahintersteckt?« Bob war immer noch nicht überzeugt. Skinny Norris hatte sie schließlich schon oft geärgert. In letzter Zeit machte er die Gegend mit drei weiteren zwielichtigen Gestalten unsicher.
Justus schüttelte den Kopf. »Skinny ist heute Vormittag in seinem Internat. Außerdem hätte er den Brief nicht in diesem Tonfall geschrieben. Seht mal, der Absender hat doch eine interessante Wortwahl: ›Erkenntlich zeigen‹, ›hochachtungsvoll‹, ›in dem Ruf stehen‹ – so etwas kann Skinny doch noch nicht mal buchstabieren. Er hätte sich irgendwelche abgefahrenen Sachen ausgedacht.«
Chris meldete sich zu Wort. »Es war keiner von Skinnys Bande. Die kenne ich nur zu gut – leider.« Er deutete auf einen blauen Fleck an seinem rechten Bein. »Außerdem war der Mann älter. Bestimmt schon dreißig.«
»Also gut.« Bob lenkte ein. »Chris, warum bist denn du heute nicht in der Schule?«
»Schwimmen ist ausgefallen!«
»Ah ja.«
Eine Frau, die lautstark den Namen ›Chris‹ rief, stapfte in einiger Entfernung durch den Sand. Sie blieb stehen und blickte sich um.
»Meine Mutter«, erklärte Chris. »Sie sucht mich.« Bevor der Junge losspurtete, notierten sich die drei ??? seine Schulklasse und versprachen, ihm später genau zu berichten, wie die Geschichte ausgegangen war.
Bob winkte Chris noch kurz nach, dann drehte er sich um. »Okay«, sagte er. »Machen wir also bei dem Botenspiel mit. Aber vorher checken wir die Gegend ab. Ich würde sagen, nur einer von uns übergibt den Brief. Einer versteckt sich in der Nähe und einer wartet im Wagen, damit wir schnell die Verfolgung aufnehmen können.«
»Wenn du so ausgiebig für uns planst, dann weißt du bestimmt auch schon, wer von uns der Briefbote ist?«, fragte Peter.
»Ich dachte da an dich!«
»Oh nein, Bob, ich bestehe auf Ausknobeln. Schere, Stein, Papier.«
»Einverstanden«, sagte Justus. »Bob, beug dich der Mehrheit.«
»Wenn’s denn sein muss …«
Erwartungsgemäß verlor Bob. »Elfmeterschießen wäre mir lieber gewesen«, murmelte er leise vor sich hin, doch Peter hatte es genau gehört. Er sprang auf und beschoss Bob mit Sand. »Lass diese bescheuerten Anspielungen«, rief er. »So schlecht geht es mir nicht, dass ich das nicht noch mitbekomme. Du kannst doch sonst einen Golfball nicht von einem Fußball unterscheiden!«
Doch Bob war schon lachend weggesprungen und Peter, in dessen Magen es schon wieder rumorte, gab stöhnend auf hinterherzusprinten. Seit der Zweite Detektiv vor einigen Wochen in einem Elfmeterduell den Ball verschossen und ausgerechnet Bob das Tor getroffen hatte, verfolgte ihn das Thema beinahe täglich. Aber immerhin war er spätestens jetzt wieder hellwach.
Es waren nur noch wenige Minuten bis zehn Uhr. Bob atmete kräftig durch und stieg aus Peters MG. Sie waren eine Weile durch das Industrie- und Bürogelände gefahren und hatten die Gegend unter die Lupe genommen. Aber es war ihnen nichts Besonderes aufgefallen. Dennoch entpuppte sich jetzt das, was sich am sonnigen Strand noch wie ein Kinderspiel angehört hatte, als eine sehr unangenehme Aufgabe. Dunkel und verlassen ragten die Gebäude in die Dämmerung. Auf Bob wirkten sie unheimlich, fast schon bedrohlich. Dann ging plötzlich die Straßenbeleuchtung an. Sie tauchte die Szenerie in ein kühles, fahles Licht. Beklommen nahm Bob seinen Posten ein. Es war einsam hier, seit einer ganzen Weile schon war kein Mensch mehr aufgetaucht.
Bob behielt den Bauplatz auf der anderen Straßenseite im Auge, er erschien ihm besonders suspekt. Dann schaute er zu Peter, der ungefähr hundert Meter entfernt hinter dem Steuer seines Wagens saß. Justus war bereits am anderen Ende des Häuserblocks ausgestiegen, um unauffällig zu einem der Container zu schleichen, die hinter Bob herumstanden. Endlich war der vereinbarte Vogelruf zu hören, Justus hatte seinen Beobachtungsposten erreicht.
Der Umschlag in Bobs Hemdtasche knisterte. Vielleicht war es doch ein Fehler gewesen, ihn nicht zu öffnen? Nervös blickte Bob auf seine Armbanduhr. Nur noch ein paar Sekunden bis 22 Uhr. Und immer noch kein Mensch in Sicht.
Da hörte Bob das Motorengeräusch eines sich nähernden Wagens. Das Auto bog um die Ecke. Ein schwarzer Mercedes. Die Limousine fuhr langsam an Peter vorbei, der sich weggeduckt hatte, und kam nun auf Bob zu. Der dritte Detektiv sah, dass der Fahrer trotz der Dunkelheit eine Sonnenbrille trug. Bob stellte sich sprungbereit hin und spannte die Muskeln an. War es nun so weit? Er hörte, wie Peter sein Auto startete. Der schwarze Wagen verlangsamte sein Tempo noch mehr. Aber er glitt an Bob vorbei. Erst jetzt erkannte der dritte Detektiv, dass eine Frau den Mercedes steuerte. Sie wandte sich ihm kurz zu und Bob fielen ihre rötlichen Haare auf. Dann gab sie wieder Gas. Die Frau mit der Sonnenbrille fuhr weiter.
Hilflos blickte Bob zu Peter, der den Motor wieder ausgestellt hatte. Tausend Fragen schwirrten ihm durch den Kopf: War die Frau im Mercedes der Bote, auf den sie gewartet hatten? War sie ›Johnny‹? War ihr die Situation zu heiß geworden? Aus welchem Grund? Vielleicht wollte sie nur die Lage prüfen und würde wiederkommen. Bob wurde immer nervöser.
Da schreckte ihn ein anderes Geräusch auf. Es kam von oben. Das rhythmische Knattern eines Hubschraubers. Er musste bereits ziemlich tief fliegen, denn der Rotorenlärm war schon sehr laut. Doch noch war nichts zu sehen. Dann tauchte der Hubschrauber plötzlich hinter einer Häuserzeile auf. Ein heller Suchscheinwerfer blitzte auf und leuchtete den Platz zwischen den Gebäuden ab. Kurz fiel der Strahl auch auf Bob. Der dritte Detektiv spürte die durch die Rotoren aufgewirbelte Luft. Aus einem Impuls heraus wollte er wegrennen. Doch dann war der Spuk schon wieder vorbei, so plötzlich, wie er begonnen hatte.
Als schien er zu spüren, dass Bob moralische Unterstützung brauchte, betätigte Peter kurz die Lichthupe. Auch Justus ließ seinen Vogelruf hören. Bob entspannte sich etwas. Die Übergabe war offenbar gescheitert. Sie mussten langsam nach Hause. Gerade als Bob seinen Posten verlassen wollte, hörte er wieder ein Auto näher kommen. Doch es war nicht der Mercedes von vorhin, das konnte Bob am Motorengeräusch erkennen. Der Wagen bog um die Ecke und fuhr an Peter...




