Nevis | Die drei ???, Geister-Canyon (drei Fragezeichen) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Die drei ???

Nevis Die drei ???, Geister-Canyon (drei Fragezeichen)


1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-440-12873-2
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Reihe: Die drei ???

ISBN: 978-3-440-12873-2
Verlag: Kosmos
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



"Komm raus!" Die Antwort war ein Lachen. Justus verlor die Nerven. Er zwängte sich zwischen den Felsen hindurch, stolperte über Steine. Doch plötzlich versperrte ihm eine flackernde Hitzewand den Weg: Feuer! Als die drei ??? versprechen, bei einer Lösegeldübergabe zu helfen, ahnen sie noch nicht, was auf sie zukommt. Unversehens finden sie sich in einer nervenaufreibenden Irrfahrt durch den Wilden Westen Amerikas. Welchen hinterhältigen Plan verfolgt der Erpresser, der sie von einem Treffpunkt zum nächsten hetzt? Wozu lockt er sie in die tiefsten und gefährlichsten Canyons? Und dann geschieht, was nie hätte geschehen dürfen...

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(S. 83-84)

Justus kniff die Augen zusammen und schaute genau hin. Der Mann war mit T-Shirt und kurzer Hose bekleidet, die Frau trug zu ihren Shorts ein Hemd, Freizeitkleidung, gewiss, aber doch in der Farbkombination mit einer gewissen Aufmerksamkeit gewählt, wie sie eher die Besucher von der Ostküste trugen, oder auch Europäer. Die blau-weiß-rot gemusterten Schuhe, die die Frau abgestreift hatte, hatten einen gewissen Chic. Nichts an der Szenerie wirkte gestellt, so dass Justus beschloss, sich näher heranzuwagen. Sie bemerkten ihn erst, als er fast vor ihnen stand. Erschrocken schob die Frau die Sonnenbrille auf ihre kurzen Haare und der Mann setzte sich auf. »Hi«, sagte Justus möglichst unverbindlich. Innerlich war er hochkonzentriert.

»Hi … Wirklich … fantastisch hier, oder?« »Hm.« »Allein unterwegs?« »Ja.« Justus nickte zur Bestätigung. »Ich liebe es, etwas abseits zu gehen. Sie wohl auch? Sie sind Touristen aus Europa?« Der Mann bejahte. »Wie kommst du darauf?« Justus deutete auf das T-Shirt des Mannes, auf dem klein das Kolosseum von Rom aufgedruckt war und neben ihm ein Schriftzug: amo roma. Doch mehr noch als das hatten ihm die für Amerika untypischen Marken der Rucksäcke und das ungewöhnliche Goldoni-Hemd der Frau Gewissheit verliehen.

Justus erwähnte es mit Absicht nicht. Seine scharfe Beobachtungsgabe konnte auf andere auch unheimlich wirken. Aber innerlich entspannte er sich: Das waren bestimmt Touristen. So gut konnte niemand schauspielern. »Wir schauen uns die Nationalparks an. Morgen geht es weiter in den Antelope Park«, erzählte die Frau. »Willst du dich zu uns setzen? Es ist so ein traumhafter Platz hier … Wo kommst du denn her?« »Kalifornien«, murmelte Justus. »Großraum Los Angeles.«

Der Mann strahlte und setzte sich auf. »Los Angeles! Wunderbar! Da wollen wir auf unserer Reise auch noch hin! Wohnst du direkt an der Küste?« Hoppla, da schien sich ein Gespräch zu entwickeln. Justus schluckte. Die erste Gefahr hatte sich zwar in Luft aufgelöst. Doch nun hatte er das nächste Problem: Wie sollte er die beiden von diesem Plateau wegbekommen, an dem sie sich augenscheinlich so richtig wohl fühlten? Genau dort, wo sie saßen, hatte der Erpresser auf dem Foto das Kreuz eingezeichnet. Justus sah auf die Uhr.

Die Zeit drängte. Der Erpresser würde nicht lange tatenlos zusehen, wie er sich hier gemütlich mit zwei Touristen unterhielt. »Ich wohne so in der Nähe. In der Nähe der Küste.« Justus blieb im Allgemeinen, um nicht für neuen Gesprächsstoff zu sorgen. »Ah ja.« Eine Zeitlang sagte niemand etwas. Die beiden Europäer starrten abwechselnd in den Canyon und auf Justus. »Kannst du ein Foto von uns machen?«, fragte der Mann nach einer Weile. »Klar.« Wenn ihr dann endlich abhaut, dachte Justus.

Er nahm die ihm angebotene Kamera und postierte die beiden genau vor den Abgrund. »Da wird einem ja schwindelig, so tief ist das«, sagte die Frau mit einem Blick nach hinten und legte den Arm um die Hüfte des Mannes. Justus versuchte es mit einem Scherz: »So, bitte noch ein Stück zurücktreten …« Die beiden lachten und Justus knipste. »Wollen wir mal weitergehen, Flora?«, fragte der Mann, als er die Kamera wieder verpackt hatte. Flora schüttelte den Kopf. »Wir haben doch Zeit, es ist so wunderschön … Schau, wie der Canyon im Sonnenlicht langsam die Farben verändert.« Justus biss die Zähne zusammen, um seine plötzlich hochschießende Nervosität zu kontrollieren. So ging das nicht weiter. Wie sollte er die beiden loswerden? Er konnte sie ja schlecht in den Canyon stoßen. Was also tun? Sie einfach bitten, wegzugehen? Aber mit welcher Begründung … Oder die Wahrheit sagen?



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