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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 4, 332 Seiten

Reihe: Bruns LLC

Nias Devon@Bruns_LLC

Wolfsblut
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-945934-23-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wolfsblut

E-Book, Deutsch, Band 4, 332 Seiten

Reihe: Bruns LLC

ISBN: 978-3-945934-23-4
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ausgerechnet Kunuk! Devon ist wenig erbaut, von dem Commander der Navy Seals aus seiner Gefangenschaft befreit zu werden, dafür waren die beiden Hitzköpfe schon zu oft aneinandergeraten. Doch Siku Kunuk und einige Gedächtnislücken sind nicht seine einzigen Probleme - Devon kann seine Wolfsgestalt nicht annehmen. Jetzt muss sich Devon bei ihrer Flucht vor den Verfolgern und bei dem Versuch, seine Erinnerungen wieder zu erlangen, nicht nur Sikus Führung anvertrauen, sondern sich auch der merkwürdigen Gefühle erwehren, die der Bär plötzlich in ihm auslöst ... Band 4 der Bruns LLC

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Kapitel 2


Tajo eilte geradewegs zurück in den Konferenzraum und schnappte sich das nächste Telefon. Hastig tippte er die Nummer ein, die er auswendig kannte.

»Was fällt dir ein?«, bellte er seinen Gesprächspartner an, kaum dass sich dieser am anderen Ende der Leitung gemeldet hatte. Steven Lampard hatte jedoch nur ein belustigtes Schnauben für ihn übrig.

»Ach, ist Brian angekommen?«, fragte er sogar scheinheilig nach.

»Lampard, du Arsch. Ich weiß ja, dass du mich hasst – aber so sehr?«, knurrte Tajo wütend.

»Bruns, krieg dich wieder ein. Der Junge mag dich. Und er will helfen. Du hast doch letztens gesagt, dass du noch Hilfe brauchst, aber ich bin hier gerade nicht abkömmlich. Also habe ich ihn zu dir geschickt«, gab der Leopard zurück.

Tajo konnte aus seinem Tonfall das sarkastische Lächeln heraushören, ohne Lampard dabei ins Gesicht sehen zu müssen. Dem Leoparden machte es hörbar Spaß, ihm eins auszuwischen, wenn er auch dafür seinen eigenen Sohn missbrauchte.

»Wie soll er uns denn bitteschön helfen?«, fragte Tajo und strich sich müde durchs Gesicht. Hatte er denn nicht schon genug Probleme am Hals?

»Na, er wird sich doch sicherlich irgendwie nützlich machen können. Dir fällt schon etwas ein. Der Junge braucht in seinem Alter eine männliche Bezugsperson, die ihm den Weg weist, nur habe ich keine Zeit für ihn. Obwohl – wenn ich es mir recht überlege, seid ihr, du und dein Lover, wirklich nicht dafür geeignet, aus Brian einen richtigen Mann zu machen.«

Gerade so konnte sich Tajo noch beherrschen, das Mobilteil des Telefons nicht wutentbrannt an die nächste Wand zu werfen. Seitdem der Leopard wusste, dass er schwul und mit Marc zusammen war, ließ er keine Gelegenheit aus, irgendwelche Sprüche zu klopfen.

»Lampard, pass auf und hör mir genau zu: Ich warne dich. Wenn wir uns wieder begegnen, bist du fällig. Dieses Mal wird Marc dich nicht davor bewahren können, von mir eine Abreibung zu bekommen!«, fauchte er und drückte das Gespräch wieder weg. Na toll, jetzt hatte er Brian tatsächlich aufgehalst bekommen. Der Kleine war zwar erwachsen, aber mit seinen 21 Jahren noch immer so ungestüm und aufmüpfig wie ein Teenager. Ein typischer Leopard. Stets war Brian darauf bedacht, in jeder einzelnen Minute seine Grenzen auszutesten, wobei er regelmäßig sämtliche Leute in seiner Umgebung irremachte.

Super. Echt klasse. Das hatte Lampard ja toll eingefädelt. Eine bessere Retourkutsche für ihr angespanntes Verhältnis, seitdem Tajo sich als schwul geoutet hatte, war Papa Leopard wohl nicht eingefallen.

Zum Glück war Anna gerade nicht hier – Brian und seine kleine, wilde Schwester zusammen an einem Ort, in einem Raum, hätte eine echte Katastrophe bedeutet. Die beiden hatten, da sie ja gleichaltrig waren, früher so manche Ferien miteinander verbracht und jede Menge Unfug angestellt, den er hinterher wieder ausbügeln durfte.

Die Tür des Konferenzraumes öffnete sich und Tajo musste nicht hinschauen, um zu wissen, dass es Hank war. Sein durchdringender Bärengeruch begleitete ihn, zudem waren seine schweren Schritte unverkennbar.

»Was will der Kleine hier?«, brummte der Bär missmutig.

»Lampard hat ihn uns auf den Hals gehetzt. Er will helfen«, erwiderte Tajo, ohne den ätzenden Sarkasmus in seiner Stimme verbergen zu wollen.

Der Bär schnaubte belustigt auf. »Ach ja? Helfen? Manchmal frage ich mich, auf wessen Seite Lampard steht.« Nachdenklich musterte er das Fallbrett. »Haben wir neue Informationen zu Sorans Aufenthaltsort?«

»Nein, nichts Genaues. Aber die türkischen Bären halten die Augen offen. Seit Old Bears Tod haben sie ihre Anstrengungen verdoppelt. Der alte Bär war dort hoch angesehen und ich denke, sie werden seinen Tod rächen wollen.«

»Nicht nur die«, brummte Hank. »Was hört man von Kunuk aus Sibirien?«

»Auch noch nichts Neues. Kunuk und Devon sind nach wie vor verschwunden, Sidney und Chip sind auf der Suche nach ihnen.« Unruhig begann Tajo, auf und ab zu laufen. Wenn er doch nur wüsste, wie er den beiden Navy Seals auf der Suche nach ihrem ehemaligen Commander helfen könnte! Hier rumzusitzen und auf neue Nachrichten zu warten, war echt frustrierend und zehrte an seinen Nerven.

»Vielleicht solltest du Brian zur Verstärkung nach Sibirien schicken?«, murmelte Hank nachdenklich.

Augenblicklich hielt Tajo inne und sah ihn erstaunt an. Auf so eine bekloppte Idee war er natürlich nicht gekommen.

»Wie soll der Junge denn dort helfen können? Ich denke, er wäre für Sidney und Chip eher hinderlich«, gab er verdrossen zu bedenken.

»Na, ich habe nur laut gedacht. War nur ein Vorschlag«, wiegelte Hank ab. »Allerdings könntest du damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Du wärst Brian los und er hätte eine Aufgabe zu erledigen.«

Mit einem abfälligen Schnauben wandte sich Tajo ab und zuckte mit den Schultern. Langsam begann er jedoch, sich mit dieser Idee anzufreunden. Chip war ein erfahrener Navy Seal, ihm traute Tajo zu, den Jungen ein wenig unter seine Fittiche zu nehmen. Und Verstärkung konnten die beiden Freunde in Russland anscheinend gebrauchen.

»Okay«, stimmte Tajo gedehnt zu. »Vielleicht sollten wir das wirklich machen. Mal sehen, was Brian von diesem Vorschlag hält.«

»Na, was schon. Er wird begeistert sein!« Hank grinste verwegen und schlug Tajo auf seine Schulter. »Komm, Onkel Tajo, lass ihn uns gleich mal fragen!«

Sie hatten kaum die Zentrale verlassen, als ein Taxi mit Frankfurter Kennzeichen im Hof hielt und der Fahrer begann, Unmengen von Gepäck auszuladen. Wie vom Donner gerührt blieb Tajo stehen und starrte auf die Kofferansammlung. Es waren sechs – sechs! – Hartschalenkoffer in verschiedenen Größen, die der Taxifahrer sorgsam neben seinem Fahrzeug aufreihte.

»Was ist das?«, fragte er unwillkürlich, obwohl er die Antwort bereits ahnte.

»Ich bringe das Gepäck von Herrn Lampard. Das ist doch die richtige Adresse hier?«, antwortete der Fahrer und zückte seine lederne Geldbörse. »Das macht dann 179,50 Euro. Brauchen Sie eine Quittung?«

»Ich bringe ihn um«, murmelte Tajo leise und fuhr zu Hank herum, der grinsend hinter ihm stehen geblieben war. »Wenn Chip das nicht für mich erledigt, erwürge ich ihn halt eigenhändig«, bekräftigte er nochmals und holte seine eigene Brieftasche hervor, um den Fahrer zu bezahlen.

***

Siku blieb stehen und starrte wütend auf die Wolkenfront, die sich vor ihm aufbaute und den Himmel verdunkelte. Jetzt war er erst gute 20 Kilometer gelaufen, aber der heftige Wind zerrte an seiner Kleidung und erschwerte sein Fortkommen zusätzlich. Erste Blitze zuckten über das Firmament und er zählte automatisch mit, bis ihn das Donnergrollen erreichte. Vier oder vielleicht fünf Kilometer, weiter war das Unwetter nicht von ihnen entfernt. Zu allem Übel rauschte ihnen die Schlechtwetterfront genau aus der Richtung entgegen, in die er laufen musste. In einer Geschwindigkeit, die ihn vermuten ließ, dass er nicht mehr als zehn Minuten hatte, bis sie sich inmitten eines tobenden Gewitters befinden würden.

Ein leiser Fluch entkam seinen Lippen. Früher als geplant musste er sich erneut um einen Unterschlupf kümmern. Gott, er hasste das, wenn er ständig umplanen musste und nichts so funktionierte, wie er es wünschte.

Ein weiterer Blitz fuhr krachend hinunter. Na toll, er stand hier wie ein Baum in einer Ebene, quasi als Einladung für die Blitzeinschläge. Mittlerweile folgte er einem kleinen Schmelzwasserfluss, der sich durch die Ebene schlängelte. Wo das Wasser hinfloss, könnten sich auch menschliche Siedlungen befinden. Häuser oder Ähnliches, die einen trockenen Zufluchtsort versprachen.

Siku setzte seinen Weg fort und verdoppelte nochmals seine Anstrengungen. Verbissen spornte er sich selbst zu einem höheren Tempo an. Plötzlich knickte sein rechtes Bein unter ihm weg. Scheiße! Mit einer reflexartigen Drehung konnte er gerade noch verhindern, dass er auf Devon stürzte und ihn unter sich begrub. Er kugelte auf den matschigen Boden und hielt die Luft an, als ein Schmerz flammend durch sein Bein schoss. Verdammter Mist! Mühselig richtete er sich zum Sitzen auf und zog das Bein aus dem kleinen Erdloch heraus, in das er getreten war. Vermutlich war es der Eingang zum Bau eines Ziesels, von Lemmingen oder auch eines Murmeltieres, die hier vorkamen. Egal, er würde bei nächster Gelegenheit einem von ihnen mit Vergnügen den Hals umdrehen.

Trotz der Schmerzen in seinem Knöchel, die sich das ganze Bein hinaufzogen, stand er schnell wieder auf und vergewisserte sich zunächst, dass Devon den Sturz heil überstanden hatte. Der Wolf stöhnte jedoch nur leise, bewegte sich aber nicht und lag so, wie er ihn auf den Boden hatte fallen lassen. Dann erst öffnete Siku die Verschnürung seines Schuhes und tastete über seinen Knöchel. Gut, die schweren Armeestiefel schienen einen Bruch verhindert zu haben, aber zumindest war er verstaucht. Im schlimmsten Fall hatte er sich die Bänder gedehnt, gerissen schienen sie nicht zu sein. Ein lautes Krachen, dem ein lang anhaltendes Grollen folgte, machte seine Lage nicht gerade besser. Vorsichtig versuchte er, aufzutreten und das rechte Bein zu belasten. Okay, es tat zwar weh, aber er konnte es zumindest noch benutzen.

Hastig nahm er Devon wieder auf seine Arme und setzte seinen Weg fort. Dieses Mal erheblich langsamer, als es ihm lieb war. Mehr schlecht als recht humpelte er durch die unwegsame Steppe. Erste Regentropfen, groß wie...



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