Nicholls | Keine weiteren Fragen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Nicholls Keine weiteren Fragen


21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8437-2400-5
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-8437-2400-5
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nichts ist so verzweifelt-schön und so komisch wie die erste große Liebe. In seinem ersten Jahr auf der Uni verliebt sich der in allen Dingen lerneifrige Brian in die charismatische Alice. Ein Mann, ein Plan: Er wird an dem anspruchsvollen Fernsehquiz 'The Challenge' teilnehmen, und so das Herz der Angebeteten erobern. Jeder weiß doch, Frauen bewundern Männer, die oft unnützes Wissen zur Schau stellen. Alice gefällt Brians tapsiger Charme. Sie selbst träumt von einer Karriere als Schauspielerin, doch sie sehnt sich nach echten Gefühlen. Kann Brian mit seiner Liebe die Leere in ihr füllen? 'Eine bewegende, komische Liebesgeschichte.' The Times 'Herrlich albern, dabei unglaublich tiefsinnig.' The Guardian 'Selbstironisch, anrührend und mit einem Hang zu pointiertem Slapstick.' Spiegel Online

David Nicholls, Jahrgang 1966, ist ausgebildeter Schauspieler, hat sich dann aber für das Schreiben entschieden. Mit seinem Roman Zwei an einem Tag gelang ihm der Durchbruch, seine Romane wurden in vierzig Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit über acht Millionen mal. 2014 wurde sein Roman Drei auf Reisen für den Man Booker Prize nominiert. Auch als Drehbuchautor ist David Nicholls überaus erfolgreich und mehrfach preisgekrönt, zuletzt erhielt er den BAFTA und eine Emmy-Nominierung für Patrick Melrose, seine Adaption der Romane von Edward St Aubyn, die als HBO-Serie Furore machte.
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FRAGE: In welchem Film von Powell und Pressburger – frei nach der Geschichte von Hans Christian Andersen – tanzt sich Moira Shearer vor einer Dampflokomotive zu Tode?

ANTWORT: Die roten Schuhe.

Archer Road Nummer 16 ist wie alle anderen Häuser auf der Archer Road eine Maisonette; das ist die Diminutivform des französischen Substantivs (femininum) und bedeutet wörtlich »kleines Haus«. Hier wohne ich mit meiner Mum, und wenn man sich eine so richtig ungünstige Wohnsituation vorstellen will, dann sind ein achtzehnjähriger Junge und eine einundvierzigjährige Frau in einer Maisonette eigentlich unschlagbar. Der heutige Morgen wäre da mal wieder ein gutes Beispiel. Es ist halb neun, ich liege unter der Bettdecke, höre und gucke die Flugzeugmodelle an, die von der Decke baumeln. Ich weiß, ich hätte sie abnehmen sollen, aber irgendwann vor ein paar Jahren haben sie den Übergang von rührendkleinjungenhaft zu komisch-kitschig gemacht, darum habe ich sie hängen lassen.

Mum kommt rein und klopft dann.

»Morgen, Schlafmütze. Heute ist dein großer Tag!«

»Warum klopfst du nie an, Mum?«

»Ich klopf doch an!«

»Nein, du kommst rein und klopfst dann an. Das ist nicht Anklopfen …«

»Na und? Du da doch nichts, oder?«, sagt sie anzüglich.

»Nein, aber …«

»Sag bloß, du hast ein Mädchen bei dir«, und sie zupft an der Bettdecke. »Komm raus, Kleine, nur nicht so schüchtern, lass uns drüber reden. Komm raus, komm raus, wer immer du bist …«

Ich reiße ihr die Decke weg und ziehe sie mir über den Kopf.

»Ich komm gleich runter …«

»Es riecht hier richtig , weißt du das?«

»Kann dich nicht hören, Mum …«

»Riecht nach Jungs. Was ihr Jungs eigentlich, dass es immer so riecht?«

»Umso besser, dass ich weggehe, oder?«

»Wann fährt dein Zug?«

»Viertel nach zwölf.«

»Wieso bist du dann noch im Bett? Hier, ein Abschiedsgeschenk für dich …«, und sie wirft eine Einkaufstüte auf den Bettüberwurf. Ich mache sie auf; es ist eine durchsichtige Plastikröhre drin, wie man sie für Tennisbälle verwendet, nur enthält diese drei zusammengeknüllte Baumwoll-Herrenslips in Rot, Weiß und Schwarz, den Farben der Naziflagge.

»Mum, das hättest du doch nicht …«

»Ach, es ist ja nur ’ne Kleinigkeit.«

»Nein, ich meine, ich wünschte, du hättest es wirklich sein lassen.«

»Werd nicht frech, junger Mann. Steh lieber auf. Du musst ja noch packen. Und öffne bitte das Fenster.«

Nachdem sie weg ist, schüttle ich die Unterhosen aus der Plastikröhre auf die Bettdecke und genieße die symbolhafte Feierlichkeit dieses Anlasses. Denn das sind jetzt echt Die weißen sind okay, und ich sehe ein, dass die schwarzen eine gewisse Haltbarkeit versprechen, aber Rot? Sollen die irgendwie feurig wirken oder was? Meiner Meinung nach schreien rote Unterhosen »Stopp!« und »Gefahr!«.

Aber in einer Anwandlung von Mut und Abenteuer stehe ich auf und schlüpfe in die roten Unterhosen. Was ist, wenn sie wie sind und ich sie nie wieder ausziehen kann? Was ich nicht hoffe, denn als ich den Gesamteffekt im Spiegel des Kleiderschranks überprüfe, sehe ich aus, als hätte man mir in die Lenden geschossen. Ich ziehe dann trotzdem die Hosen von gestern Abend drüber, und mit pelzigen Zähnen, süß-saurem Mundgeruch und einem immer noch leicht flauen Gefühl in der Magengrube vom Skol am Vorabend gehe ich nach unten zum Frühstück. Danach werde ich ein Bad nehmen, packen, fahren und fertig. Ich kann es nicht fassen, dass ich tatsächlich hier weggehe. Ich kann es nicht fassen, dass man mich

Aber natürlich ist die große Herausforderung des Tages noch zu packen, aus dem Haus zu gehen und in den Zug zu steigen, ohne dass Mum sagt: »Dein Vater wäre stolz auf dich gewesen.«

Porphyria’s Lover wirklich

Ich glaube, ich kann sagen, dass ich mich nie irgendwelchen Modeerscheinungen unterworfen habe. Ich bin nicht -Mode, das nicht, nur hat von allen wichtigen Strömungen, die ich bisher miterlebt habe, keine richtig zu mir gepasst. Unterm Strich sieht die knallharte Realität so aus, dass für einen Fan von Kate Bush, Charles Dickens, Scrabble, David Attenborough und nicht allzu viel drin ist, was junge Modetrends angeht.

Was nicht heißt, dass ich’s nicht versucht hätte. Eine Zeit lang habe ich ständig wachgelegen und mir Sorgen gemacht, dass ich vielleicht Grufti sein könnte, aber ich glaube, es war nur eine Phase. Außerdem bedeutet ein männlicher Grufti zu sein, sich mehr oder weniger wie ein aristokratischer Vampir zu kleiden, und wenn ich in einem Aufzug nie überzeugen werde, dann als aristokratischer Vampir. Mir fehlen einfach die Wangenknochen dafür. Und als Grufti muss man deren Musik hören, und die ist das Letzte.

Das war so ziemlich mein einziger Abstecher in Richtung Mode. Ich denke, mein ganz persönlicher Stil lässt sich am besten als leger, aber klassisch bezeichnen. Ich trage lieber Baumwoll-Bundfaltenhosen als Jeans, dann aber lieber dunkle Jeans als helle. Mäntel sollten schwer und lang und der Kragen hochgeschlagen sein, Schals leicht gefranst und schwarz oder weinrot, und beides gehört von Anfang September bis Ende Mai unbedingt dazu. Schuhe müssen dünne Sohlen haben und dürfen nicht zu spitz...


Nicholls, David
David Nicholls, Jahrgang 1966, ist ausgebildeter Schauspieler, hat sich dann aber für das Schreiben entschieden. Mit seinem Roman „Zwei an einem Tag“ gelang ihm der Durchbruch, seine Romane wurden in vierzig Sprachen übersetzt und verkauften sich weltweit über acht Millionen mal. 2014 wurde sein Roman „Drei auf Reisen“ für den Man Booker Prize nominiert. Auch als Drehbuchautor ist David Nicholls überaus erfolgreich und mehrfach preisgekrönt, zuletzt erhielt er den BAFTA und eine Emmy-Nominierung für „Patrick Melrose“, seine Adaption der Romane von Edward St Aubyn, die als HBO-Serie Furore machte.



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