E-Book, Deutsch, Band 0049, 352 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
Nichols / Andrew Historical Lords & Ladies Band 49
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6127-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 0049, 352 Seiten
Reihe: Historical Lords & Ladies
ISBN: 978-3-7337-6127-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
SERAFINAS DOPPELTES SPIEL von ANDREW, SYLVIA
Kurz nicht aufgepasst - schon stürzt Lady Serafina aus der Baumkrone, in die sie tollkühn geklettert ist, direkt auf Lord Aldworth. Wie unangenehm! Aber vor allem: Wie kann sie ihrem eleganten Verehrer aus London ihr undamenhaftes Benehmen erklären, ohne all ihre Chancen auf eine Heirat mit ihm zu ruinieren? Impulsiv gibt sich Serafina für ihre Schwester Sally aus - und ein verführerisches Verwirrspiel beginnt ...
ERFÜLLEN SIE MEINEN HERZENSWUNSCH, MYLORD! von NICHOLS, MARY
England, 1817: Dem Schicksal hat Viscount Darton es zu verdanken, dass er die betörende Charlotte Hobart kennenlernt. Sie ist nicht nur leidenschaftlich und wunderschön, sondern auch edelmütig. Als er erfährt, welch ehrbaren Herzenswunsch sie hegt, weiß er sofort: Diese Frau will er zur Seinen machen. Doch ein teuflischer Plan ihrer geldgierigen Verwandten droht seine Hoffnung auf die große Liebe zu zerstören
Mary Nichols wurde in Singapur geboren, zog aber schon als kleines Mädchen nach England. Ihr Vater vermittelte ihr die Freude zur Sprache und zum Lesen - mit dem Schreiben sollte es aber noch ein wenig dauern, denn mit achtzehn heiratete Mary Nichols. Erst als ihre Kinder in der Schule waren, fand sie genügend Zeit, sich ganz dem Schreiben zu widmen und damit ihren Traumberuf zu ergreifen. Marys Lieblingsautorinnen und Vorbilder sind Jane Austen und Georgette Heyer.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Obwohl der Sommer schon fast vorüber war, schien die Sonne so hell durch das dichte Laub des alten Eichenbaumes, dass Mr Hartley Pennyworth sich die Augen mit der Hand beschatten musste, als er nach oben blickte. Nur vage nahm er die schemenhafte Gestalt wahr, die auf einem kräftigen Ast saß und sich bequem an den mächtigen Stamm lehnte. Hartley trat näher. Jetzt konnte er erkennen, dass die Gestalt einen angebissenen Apfel in der einen und ein aufgeschlagenes Buch in der anderen Hand hielt.
„Miss Feverel!“
Die junge Dame im Baum seufzte und beugte sich ein wenig vor. „Ach, du bist es, Hartley. Wer hat dir gesagt, wo ich bin?“
„Rafe.“
Miss Feverels Stirnrunzeln verhieß nichts Gutes für ihren jüngsten Bruder, aber Mr Pennyworth ließ sich dadurch nicht einschüchtern. „Miss Feverel, ich bin hier, um Sie um Ihre Hand zu bitten.“
„Oh Hartley, darüber haben wir doch schon gesprochen. Ich will dich nicht heiraten, und wenn ich es täte, würdest du es bestimmt bereuen. Hat deine Mutter dich wieder hergeschickt? Wie dumm von ihr.“
Mr Pennyworth ignorierte diese Bemerkung. Er war gekommen, um – wie seine Mutter es ausdrückte – „wie ein Mann zu handeln“ und als Serafina Feverels Bräutigam nach Pennyworth Lodge zurückzukehren. „Miss Feverel …“
„Ich wünschte, du würdest mich nicht ständig Miss Feverel nennen. Wir kennen uns seit einer Ewigkeit, und bis zu diesem Sommer hast du immer Serafina zu mir gesagt. Warum bist du auf einmal so förmlich?“
„Weil wir nicht länger Kinder sind“, erklärte Mr Pennyworth würdevoll. „Ich bin ein Mann mit den Bedürfnissen eines Mannes, Miss Feverel, und ich liebe Sie.“ Er räusperte sich und bat ein wenig einfältig: „Komm doch herunter, Serafina. Es ist sehr peinlich, dich um deine Hand zu bitten, wenn ich dich kaum sehen kann.“
„Aber ich will deinen Antrag nicht! Habe ich dir das nicht bereits klargemacht? Na schön, dann klettere ich eben hinunter. Meine Lesestunde ist ohnehin gründlich verdorben.“
Serafina warf den Apfel fort, steckte das Buch in die ausgebeulte Tasche ihres altmodischen Jacketts und machte sich an den Abstieg. Dabei rutschte ihr ein Stiefel vom Fuß und verfehlte Mr Pennyworth nur um Haaresbreite. Ein etwas humorvollerer Mann hätte sich vermutlich über den Kontrast amüsiert, den ihr zierlicher, weiß bestrumpfter Fuß und der klobige Männerstiefel boten.
Mr Pennyworth hingegen hatte keinerlei Sinn für Humor – und überdies war er verliebt. Er umfasste die schmale Fessel und drückte seine Lippen darauf, als Serafina sich herabließ. „Oh Miss Feverel“, rief er. „Mein Leben liegt in Trümmern, wenn Sie nicht die Meine werden.“
„Dein Leben wäre ruiniert, wenn ich einwilligen würde. Hör endlich auf, wie in einem billigen Liebesroman zu reden, Hartley“, erwiderte sie kühl, riss sich los und sprang anmutig zu Boden. „Wenn du so etwas Albernes noch einmal machst, werde ich mich bei deiner Mama beschweren.“
„Sie würde mich verstehen. Mutter weiß, wie sehr ich dich verehre. Sie war es auch, die mir empfohlen hat, dir meine Gefühle zu offenbaren.“ Er musterte betrübt Serafinas empörtes Gesicht. „Ich fürchte, jetzt habe ich dich verärgert.“
Sie seufzte erneut. „Es tut mir leid, wenn ich dir wehgetan habe, Hartley. Aber wir beide passen nicht zueinander. Du bist ein viel zu … würdevoller Mann für einen Wildfang wie mich. Im Gegensatz zu dir liebe ich Bücher und Diskussionen. Du bist immer gleich beleidigt, sobald ich mit dir debattiere, und du magst es überhaupt nicht, wenn ich über dich lache. Wie soll das erst werden, wenn wir verheiratet sind?“
„Mutter meint, dann würde sich das ändern. Als meine Frau würdest du dich natürlich meinen Wünschen beugen.“
„Verstehe. Nun, da ich nicht bereit bin, mich meinem Ehemann zuliebe zu ändern – ganz egal, was deine Mama behauptet –, solltest du den Gedanken aufgeben, mich zu heiraten, und dir eine andere suchen. Wie wäre es mit Lizzie Beaminster? Sie würde viel besser zu dir passen, und außerdem bewundert sie dich.“
„Tut sie das?“ Da Hartley von niemandem, mit Ausnahme seiner Mutter, bewundert wurde, war er von dieser Auskunft sichtlich beeindruckt. Doch dann verdüsterte sich seine Miene wieder. „Aber ich liebe dich! Ich kann nicht schlafen und nicht essen, weil ich pausenlos an dich denke. Mutter sagt, ich schwinde förmlich dahin. Niemand außer dir kann mich glücklich machen.“
„Unsinn!“ Serafina betrachtete Mr Pennyworth’ wohlgenährte Gestalt. „Ich habe keine Zeit und keine Geduld mehr für solche Torheiten. Mich wundert allerdings, dass sie deine Wahl billigt. Ich habe kein Vermögen, und der Feverel-Besitz wird eines Tages an Gabriel fallen.“
„Sie sagte, dass wir es uns leisten können, über deine fehlende Mitgift hinwegzusehen. Ihrer Meinung nach müsstest du entzückt sein, so eine vorteilhafte Partie zu machen, denn sonst würdest du als Blaustrumpf enden …“ Mr Pennyworth verstummte unbehaglich. Er ahnte, dass der letzte Satz nicht unbedingt dazu beitrug, seine Werbung zu unterstützen.
Serafinas Augen funkelten gefährlich. „Wie überaus freundlich von ihr, sich solche großen Sorgen um meine Zukunft zu machen. Richte ihr bitte meinen Dank aus.“
Mr Pennyworth blickte zweifelnd drein. „Und … äh … was soll ich noch sagen, Serafina?“
„Dass ich dich … nicht … heiraten werde. Nicht heute, nicht morgen und unter gar keinen Umständen! Außerdem will ich dich nicht wiedersehen, bis du deine Sinne wieder beisammenhast. Leb wohl, Hartley.“
Mr Pennyworth’ Gesicht rötete sich bedrohlich. „Du bist zu klug für eine Frau, Serafina Feverel. Bilde dir nur nicht ein, ich würde dich noch einmal fragen. Meine Mutter hatte recht: Wer will schon eine aufsässige Gelehrte als Gattin?“ Zutiefst entrüstet stolzierte er davon.
Serafina blickte ihm ohne Bedauern nach. Mrs Pennyworth würde zweifellos erleichtert sein, wenn ihr Sohn seine Absichten änderte. Als liebende Mutter würde sie ihr Möglichstes tun, um ihn über die gescheiterte Romanze hinwegzutrösten. Serafina wünschte ihr dabei von ganzem Herzen Erfolg und machte sich auf den Weg zum Haus.
An der Auffahrt traf sie mit einem Mädchen zusammen, das von einem kleinen Jungen begleitet wurde. „Ah, Rafe! Mit dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen.“
„Also, ehrlich, Sally … ich wollte ihm nichts sagen! Es ist mir einfach herausgerutscht.“
„Wirst du Hartley Pennyworth heiraten?“, fragte das Mädchen.
„Nein, das werde ich nicht. Und was dich betrifft, Rafe, so wünsche ich, dass du mir zuliebe darüber den Mund hältst. Gentlemen schätzen es gar nicht, wenn über gescheiterte Heiratsanträge geklatscht wird. Habt ihr mich verstanden – alle beide? Versprochen?“
Rafe legte ernst den Finger auf den Mund, und Angelica, als gesetzte junge Dame von fünfzehn Jahren, nickte zustimmend. Gemeinsam gingen die drei weiter.
„Wo ist Michael?“, erkundigte Serafina sich.
„Er hat Colonel Smithers zum Exerzierplatz begleitet“, erwiderte Angelica. „Sally, wo ist dein anderer Stiefel?“, rief sie dann erschrocken aus.
Serafina starrte auf ihre Füße – einer im schweren Männerschuh, der andere nur mit einem weißen Strumpf bekleidet. „Der liegt noch unter dem Baum, wo ich ihn verloren habe. Schaut euch nur meinen Strumpf an.“
„Ich hole dir den Stiefel.“ Rafe eilte zurück zur Eiche.
„Mama wird mit mir schimpfen, und Hetty wird sich über die Löcher beschweren.“ Serafina seufzte, als sie sich den Schuh wieder anzog.
„Mama hat dir oft genug gesagt, du sollst Michaels Stiefel nicht tragen“, erinnerte Angelica sie. „Sie sind viel zu groß. Darin wirst du nie lernen, dich wie eine Dame zu bewegen.“
„Man kann mit ihnen aber viel besser durch die Gegend wandern, auf Bäume klettern und über Zäune steigen. Die dünnen Slipper taugen dafür nicht.“
„Damen klettern auch nicht auf Bäume oder über Zäune“, mahnte Angelica würdevoll. „Ich fürchte, Mama hat recht, Sally. Du bist ein Wildfang.“
Rafe beeilte sich, seine geliebte ältere Schwester zu verteidigen. „Du bist ja nur neidisch, weil sie gewandter darin ist, auf Bäume zu klettern. Außerdem kann sie besser reiten. Eigentlich ist sie in allen Dingen geschickter als du.“
„Ist sie nicht! Sie ist nur älter, das ist alles.“
„Ist sie doch! Ist sie doch!“
Der Streit zwischen den Geschwistern dauerte an, bis sie das Haus erreichten. Serafina maß dem Geplänkel keinerlei Bedeutung bei, denn die Unstimmigkeiten wurden stets schnell beigelegt. Alle Feverel-Sprösslinge waren dazu erzogen worden, ihre Meinung frei zu äußern, wodurch niemals Langeweile aufkam.
Lucius Feverel, Serafinas Vater, war ein Gelehrter, der zudem die seltene Gabe besaß, seine Begeisterung auf die Kinder zu übertragen. Bis auf Gabriel, den ältesten Sohn, der derzeit in Oxford weilte, unterrichtete Lucius seine Kinder selbst. Bei den Nachbarn galt er als exzentrischer Kauz, da er sich weigerte, zwischen Jungen und Mädchen zu unterscheiden.
Mit zwölf Jahren hatte Serafina lateinische und griechische Texte fließend gelesen. Als sie fünfzehn gewesen war, hatte die Witwe eines französischen Emigranten für ein Jahr bei den Feverels Unterschlupf gefunden – seither sprach Serafina perfekt französisch. Sie hatte...




