Nichols | Erfüllen Sie meinen Herzenswunsch, Mylord! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

Nichols Erfüllen Sie meinen Herzenswunsch, Mylord!


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6701-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6701-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



England, 1817: Dem Schicksal hat Viscount Darton es zu verdanken, dass er die betörende Charlotte Hobart kennenlernt. Sie ist nicht nur leidenschaftlich und wunderschön, sondern auch edelmütig. Als er erfährt, welch ehrbaren Herzenswunsch sie hegt, weiß er sofort: Diese Frau will er zur Seinen machen. Doch ein teuflischer Plan ihrer geldgierigen Verwandten droht seine Hoffnung auf die große Liebe zu zerstören



Mary Nichols wurde in Singapur geboren, zog aber schon als kleines Mädchen nach England. Ihr Vater vermittelte ihr die Freude zur Sprache und zum Lesen - mit dem Schreiben sollte es aber noch ein wenig dauern, denn mit achtzehn heiratete Mary Nichols. Erst als ihre Kinder in der Schule waren, fand sie genügend Zeit, sich ganz dem Schreiben zu widmen und damit ihren Traumberuf zu ergreifen. Marys Lieblingsautorinnen und Vorbilder sind Jane Austen und Georgette Heyer.

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1. KAPITEL

Anfang 1817

Gedankenvoll beobachtete Charlotte Hobart, wie die Trauergäste in ihre Kutschen stiegen und abfuhren. Nicht viele Leute waren zur Beerdigung ihres Schwiegervaters, Sir William Hobarts, gekommen, denn der greise Gentleman hatte die meisten seiner Bekannten und Freunde überlebt und Easterley Manor die letzten vier oder fünf Jahre nicht mehr verlassen. Solange seine Gesundheit es zuließ, war er auf seinem Land spazieren gegangen, das sich in der einen Richtung fast bis zu der kleinen Ortschaft Parson’s End, in der anderen bis zu dem Leuchtturm auf den Klippen erstreckte. Der Baronet hatte zum Schluss das Leben eines Einsiedlers geführt und nur noch äußerst selten Besuch empfangen.

„Ein trauriger Tag, Mrs. Hobart.“

Die Stimme des Pastors unterbrach Charlotte in ihren Gedanken. Sie wandte den Blick von dem regennassen Vorplatz ab, auf dem sich gerade die letzte Kutsche in Bewegung setzte, und sah Mr. Fuller ruhig an. „Ja, Reverend. Ich vermisse Sir William sehr.“

„Was werden Sie jetzt tun?“ Peter Fuller war ein auffallend großer Mann, den man seiner hageren Gestalt wegen leicht mit einem seiner halb verhungerten Gemeindemitglieder hätte verwechseln können. Charlotte fragte sich, ob er seine Lebensmittelvorräte nicht zu großzügig an die Bedürftigen verteilte, und sie wollte nicht wissen, wie oft er auf den Zehnten eines Bauern verzichtete, wenn dieser in eine missliche Lage geraten war. Sie hielt den Reverend für einen wahren Christen und arbeitete gern mit ihm zusammen, wenn es darum ging, die Not der Armen im Dorf zu lindern und den Kindern der Bedürftigen ein wenig Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen zu erteilen.

„Wie meinen Sie das, Reverend?“

„Nun, Madam, Ihr Schwiegervater war hochbetagt. Sicherlich werden Sie sich schon lange Gedanken darüber gemacht haben, wie es nach seinem Tod weitergehen soll. Er hat einen zweiten Sohn, der ohne Zweifel bald eintreffen wird, um sein Erbe anzutreten.“

„Mein Schwager wurde von seinem Vater nach Indien geschickt, wie Sie bestimmt wissen, Reverend. Hier im Dorf kann man ja nichts geheim halten.“ Cecil Hobart, Sir Williams jüngster Sohn, galt als das schwarze Schaf der Familie. Bereits in jungen Jahren hatte er dem Glücksspiel gefrönt und den Vater durch sein verantwortungsloses Handeln mehrfach in die Verlegenheit gebracht, seine Spielschulden begleichen zu müssen. Irgendwann hatte Sir William einen Schlussstrich gezogen und Cecil auf einem Schiff der Ostindien-Handelsgesellschaft in die ferne Kolonie geschickt. Zu jenem Zeitpunkt war Cecils älterer Halbbruder Grenville, Charlottes Ehemann, noch am Leben gewesen, und die Verbannung des jungen Taugenichts hatte im Hinblick auf die Erbfolge keinerlei Auswirkungen nach sich gezogen. Leider war Grenville 1809 in Portugal gefallen und hatte sie als Witwe mit zwei kleinen Töchtern zurückgelassen.

Selbst nach dem Tod ihres Gatten war Sir William nicht bereit gewesen, seinen jüngsten Sohn, den letzten männlichen Erben in der Familie, nach England zurückzurufen. Charlotte hatte weiterhin mit ihren Töchtern auf dem Hobart’schen Anwesen gelebt und das Herrenhaus mit lobenswerter Tüchtigkeit geführt. In den vergangenen zwei Jahren war sie ihrem gebrechlichen Schwiegervater eine fürsorgliche Tochter und Krankenpflegerin gewesen und hatte überdies die Aufgaben einer Haushälterin übernommen.

„Sobald er erfährt, dass sein Vater verstorben ist, wird er umgehend nach Hause kommen“, wiederholte Mr. Fuller seine Warnung. „Und falls er sich nicht geändert hat …“ Der Pastor zögerte und fragte sich, wie weit er gehen durfte. Cecil Hobarts Ruf war dergestalt, dass man um die Ehre einer jeden Dame fürchten musste, die unter seinem Dach lebte. Charlotte Hobart ging auf die dreißig zu, doch sie wirkte erheblich jünger. Sie war eine bemerkenswert attraktive Frau, die sich ein gewisses Maß an Arglosigkeit bewahrt hatte und mehr das Gute denn das Schlechte in den Menschen sah. Aus diesem Grund würde es für einen skrupellosen Mann ein Leichtes sein, ihren guten Ruf zu gefährden.

Mrs. Hobart sah ihn nachdenklich an. Ihre sanften blaugrünen Augen spiegelten die Trauer um den Verlust des Menschen wider, den sie wie einen Vater geliebt hatte. Sie wusste, dass ihr ruhiges, wohlgeordnetes Leben unweigerlich vor einer Wende stand; solange der Kummer jedoch an ihr zehrte, wollte sie nicht darüber nachdenken. Zurzeit sah sie sich lediglich in der Lage, die täglichen Pflichten zu bewältigen und sich um ihre Töchter zu kümmern. „Ich habe Cecil bereits vor einigen Wochen geschrieben, als ich einsehen musste, dass es mit Sir William zu Ende geht“, sagte sie. „Ich wusste, dass mein Schwiegervater ihn wiederzusehen wünschte, bevor er starb, obwohl sie einander fremd geworden waren. Leider sollte es nicht mehr dazu kommen, aber ich gehe davon aus, dass Cecil längst auf dem Weg nach England ist. Bis er in Parson’s End eintrifft, werde ich mich wie gehabt um alles kümmern. Vielleicht ist es ihm recht, dass wir unser gewohntes Leben in Easterley Manor fortführen.“

„Und wenn es ihm nicht recht ist? Haben Sie keine Familie, zu der Sie zurückkehren könnten?“

„Nein, abgesehen von Lord Falconer, den ich persönlich nicht kenne. Er ist der Onkel meiner Mutter. Als sein Bruder, mein Großvater, verstarb, erbte er den Titel. Er und Mama haben sich zerstritten, als sie und Papa heiraten wollten, und er verkündete, er breche den Kontakt zu ihr ab.“ Charlotte lächelte flüchtig. „Seine grässlichen Warnungen, sie werde es bitter bereuen, einem völlig unbedeutenden irischen Kapitän das Jawort zu geben, entbehrten jeder Grundlage. Meine Eltern waren sehr glücklich miteinander, bis zu dem Tag, an dem Papa in der Schlacht von Trafalgar ums Leben kam. Meine Mutter erkrankte an einem Fieber und folgte ihm weniger als ein Jahr später ins Grab. Lord Falconer hat uns damals nicht einmal sein Beileid ausgesprochen, und das, denke ich, besiegelte den Bruch. Ich war bereits mit Grenville vermählt …“ Sie verstummte betrübt, entsann sie sich doch lebhaft, wie verzweifelt und verzagt sie gewesen war, als sie vor acht Jahren die Nachricht erhalten hatte, ihr Mann habe in Spanien sein Leben für das Vaterland gelassen. Da ihre Eltern noch nicht lange verschieden waren, traf sie die Kunde umso schwerer. Zum Glück hatte Sir William sie und die Kinder väterlich unter seine Fittiche genommen und ihnen über die schwere Zeit hinweggeholfen. Und jetzt weilte auch er nicht mehr unter den Lebenden. Niemals zuvor hatte Charlotte sich so einsam gefühlt wie in den letzten Tagen.

„Ich verstehe Sie, Madam, dennoch bitte ich Sie inständig, Ihrem Verwandten zu schreiben. Die vielen Jahre, die vergangen sind, mögen ihn versöhnlich gestimmt haben, und es könnte sein, dass Sie auf seine Hilfe angewiesen sind.“

Charlotte lächelte müde. „Ich danke Ihnen für Ihre Sorge und Anteilnahme, Reverend, aber ich werde nicht mit der Mütze in der Hand bei jemandem vorsprechen, der mein Dasein bis zum heutigen Tag nicht zur Kenntnis nehmen will. Übrigens möchte ich Parson’s End nicht verlassen, denn mich binden Verpflichtungen an diesen Ort. Und ich kann Easterley Manor nicht einfach den Rücken kehren, wenn unsere Dienstboten keine Aussicht auf einen neuen Posten haben. Außerdem vertrauen meine Schüler darauf, dass ich sie weiterhin unterrichte.“

Um nach Grenvilles Tod nicht in Schwermut zu versinken, hatte Charlotte den Entschluss gefasst, eine Schule für die Dorfkinder zu gründen, und was sie als Trost für ihr trauerndes Herz begonnen hatte, war bald zu einer Aufgabe geworden, der sie mit Leidenschaft nachging. Es beglückte sie zu sehen, welch große Fortschritte ihre kleinen Schüler im Unterricht machten und wie bereitwillig sie lernten.

„Das mag so sein.“ Mr. Fuller lächelte nachsichtig. „Wenn allerdings die Dinge eine unerträgliche Wendung nehmen, sollten Sie weniger an andere als an sich selbst denken, meinen Sie nicht auch?“

„Es gibt keinen Anlass, so schwarzzusehen, nur weil mein Schwager sein Erbe antritt und nach Easterley Manor zurückkehrt. Überdies sind Fanny und Lizzie durch den Verlust ihres Großvaters so aufgewühlt und fassungslos, dass es eine Zumutung für sie wäre, ihnen das einzige Zuhause zu nehmen, das sie haben.“

Der Reverend hatte Mrs. Hobart seinen Standpunkt dargelegt, und angesichts ihrer Reaktion blieb ihm nur noch, sich zu verabschieden. Er würde weiterhin väterlich auf sie achtgeben, mehr vermochte er vorerst nicht für sie zu tun.

Easterley Manor war ein altes Gemäuer mit unregelmäßig geschnittenen Räumen, unebenen Fußböden und schweren, wuchtigen Möbeln, die seit Generationen ihren festen Standort im Hause hatten. Einige Zimmer indes, so etwa Charlottes Boudoir und der große Salon, waren mit hellem, modischem Mobiliar und farbenfrohen Stoffen ausgestattet. Charlotte liebte das Zusammenspiel von neuem und altem Inventar; sie mochte den großen Kamin in ihrem Schlafzimmer ebenso gern wie die geräumigen Geschirrschränke und Kommoden und die hohen Fenster, die eine herrliche Aussicht auf den Garten boten. Auf der einen Seite durch kleinwüchsige, knorrige Kiefern, auf der anderen durch die Klippen begrenzt, war die Anlage in einem tadellos gepflegten Zustand. Charlotte fühlte sich wohl in Easterley Manor und wollte das Gut nicht verlassen.

Sir William war in den vergangenen zwei Jahren an sein Bett gefesselt gewesen, doch ohne ihn mutete das Haus jetzt leer an. Der vornehme, viel bewunderte Baronet hatte als strenger, aber gerechter Arbeitgeber gegolten, über den selbst die Dienstboten nur Gutes zu berichten...



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