Nichols | The Bond - Vertrauter des Hexers | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

Nichols The Bond - Vertrauter des Hexers


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-96089-697-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

ISBN: 978-3-96089-697-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jude Sullivan hat nur noch eine Chance zu beweisen, dass er keine Gefahr für die paranormale Gemeinschaft darstellt. Wenn er jetzt versagt, wird ihm seine Magie entzogen, ein schmerzhafter Prozess, um eine Hexe menschlich zu machen. Jude ist nicht gefährlich, aber er ist mit seiner auf Elektrizitätsmagie nicht so vorsichtig gewesen, wie er hätte sein sollen. Als Test schickt ihn der Hexenzirkel nun nach Mercy South, Colorado, um eine Kreatur zu finden und zu stoppen, die Kühe verstümmelt und die Einwohner in Angst und Schrecken versetzt. Jude hasst Kühe - und Kleinstädte. Rob Mackenzie ist der örtliche Mechaniker und ein Bärenwandler. Wenn die Einheimischen wüssten, welches Geheimnis er verbirgt, würden sie ihn wahrscheinlich aus der Stadt jagen. Angesichts mehrerer angefressener Kühe und anderer seltsamer Vorkommnisse fragt er sich, ob er vielleicht nicht mehr die seltsamste Kreatur in Mercy ist. Die Leute fangen an, Mercy North als die Geisterstadt zu bezeichnen. Als Jude in der Stadt ankommt, werden seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Es gibt kein einziges anständiges Café. Dann lernt er Mack kennen und glaubt, die Ursache des Problems gefunden zu haben. Doch damit fängt der Ärger erst an ...

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Prolog


Dieses Mal hatte Jude Sullivan nichts falsch gemacht. Er hätte es gewusst, wenn er die Stromkreise einer Stadt durchgeschmort oder versehentlich den Strom eines Krankenhauses abgeschaltet hätte. Er war seit Jahren nicht einmal in der Nähe eines Krankenhauses gewesen. Das Schlimmste, was er in diesem Jahr getan hatte, war, sein Auto kostenlos aufzuladen. Warum sollte er für Strom bezahlen, wenn er ihn auf Knopfdruck abrufen konnte?

Sicherlich würde ihn nicht einmal der Hexenzirkel wegen eines so geringfügigen Missbrauchs seiner Magie verwarnen. Oder?

Von seiner Reise nach Vegas konnten sie nichts wissen. Und selbst wenn, er hatte nichts Falsches getan. Nichts, was die paranormale Gemeinschaft in Gefahr bringen würde, dass sie aufflogen. Oder, dass gar eine neue Runde von Hexenprozessen begann – oder Schlimmeres. Er verstand, warum der Hexenzirkel so heftig reagierte, aber was wollten sie von ihm? Dass er aufhörte, Magie zu verwenden? So sehr er sich auch davor gefürchtet hatte, als seine Talente zum ersten Mal aufgetaucht waren, er hatte gelernt, sie zu nutzen. Und es war auch cool, einer der wenigen Menschen zu sein, die Blitze herbeirufen konnten.

Er wippte mit seinen Stiefelspitzen, unfähig, die nervöse Energie zu zügeln, während er darauf wartete, in den Sitzungssaal des Coven gerufen zu werden. In der heutigen Zeit wirkte der Coven wie ein gut geführtes Unternehmen. Sein Geschäft war die Verwaltung der Magie und der Schutz aller Paranormalen – wie auch die Bestrafung derjenigen, die sich nicht daran hielten. Er holte tief Luft. So sehr er es auch hasste, vor den Ausschuss gerufen zu werden, er hatte nicht vergessen, dass sie ihn auch beschützt hatten, als sich seine Kräfte zum ersten Mal manifestiert und er versehentlich ein komplettes Krankenhaus kurzgeschlossen hatte. Aber sie hatten es nicht für ihn getan. Sie hatten es getan, um alle anderen Hexen zu schützen. Niemand wollte am Ende von allzu neugierigen Wissenschaftlern seziert werden.

Jude warf einen Blick auf den anderen wartenden Mann. Was hatte er wohl getan? Oder war er aus anderen Gründen hier als wegen eines vermeintlichen Fehlers? Manche kamen, um Hilfe zu erbitten. Manche hatten Schulden zu begleichen. Vielleicht war er nicht einmal ein Hexer. Vielleicht war er ein Shifter. Der Mann sah ihn nicht an; er starrte nur auf sein Telefon, sodass Jude nicht mal einen Blick in seine Augen erhaschen konnte. Es schien irgendwie unhöflich, nachzusehen, ob er eine tierische Aura hatte, wenn sie noch nicht einmal miteinander gesprochen hatten.

Es war, als würde man ins Büro des Schuldirektors gerufen, nur dass dort drei Hexen saßen, die eine Erklärung verlangten, anstatt eines schrulligen alten Schuldirektors, der es leid war, Jude schon wieder zu sehen und ihm zu sagen, er solle den Mund halten, damit er keinen Ärger bekam.

Dies war sein vierter Besuch beim Hexenzirkel. Eigentlich sollte es ihm nicht schon bei der bloßen Vorstellung, durch diese Türen zu treten, übel werden, und doch zog es ihm immer wieder den Magen zusammen und es kribbelte unangenehm in seiner Kehle. Er hatte noch nie auf ihren schönen Teppich gekotzt, aber es gab für alles ein erstes Mal. Er mochte es einfach nicht, dass er nicht wusste, warum er herzitiert worden war.

Die Sekretärin starrte ihn über den Rand ihrer Brille hinweg an, und er zwang sich, die Füße still zu halten. Es war dumm, dass er sein Herz nicht einfach beruhigen und das Schwitzen einstellen konnte. Der lief ihm nämlich langsam den Rücken hinunter.

Diesmal war es noch schlimmer, denn er wusste, dass er nichts falsch gemacht hatte. Nichts, was irgendjemanden in Gefahr gebracht hätte.

Es war eigentlich noch schlimmer als beim ersten Mal, als er nicht einmal gewusst hatte, dass es Hexen gab oder dass er eine war. Er hatte gedacht, das MRT-Gerät hätte eine Fehlfunktion gehabt. Aber er war es, der die Fehlfunktion hatte. Seine Magie war an die Oberfläche gekommen und hatte das Krankenhaus kurzgeschlossen. Er hatte solche Angst gehabt.

Der Hexenzirkel hatte ihn zu sich geholt und ihm einen Lehrer an die Seite gestellt, damit er seine Magie unter Kontrolle bekam. Jetzt konnte er das Summen der Elektronen spüren, wenn sie durch die Drähte tanzten, und er konnte elektrische Stürme schmecken. Er mochte sie, denn so konnte er auf dem Dach seines Wohnblocks stehen und sie genießen, ohne dass jemand Verdacht schöpfte. Die meiste Zeit über war dies die einzige Magie, die er frei ausüben konnte, das Aufladen seines Handys und seines Autos. Er hatte drei Handys zerstört, um zu lernen, wie man es machte. Er starrte auf seine Hände. Magie zu haben, war nicht so toll, wie er es sich vorgestellt hatte.

Er konnte einfache Zaubersprüche wirken, aber er hatte keine nützlichen Fähigkeiten. Er konnte keine Gegenstände mit seinem Geist bewegen, keine Gedanken lesen und keine Tiere kontrollieren. Das waren die Talente von anderen Hexen. Früher hätte man ihn einen Sturmgott genannt, jetzt war er nur noch ein Unruhestifter.

„Jude Sullivan.“ Die Sekretärin stand auf. „Man wird Sie jetzt empfangen.“ Sie öffnete die Tür zum Sitzungssaal. Kein Telefon hatte geklingelt, um sie zu informieren. Sie hatte es einfach gewusst. Es war unheimlich, egal, wie oft er diesen Trick miterlebte.

Jude stand auf und wischte sich die Hände an seiner Anzughose ab, obwohl er wusste, dass ihm niemand die Hand schütteln würde. Er schenkte ihr ein knappes Lächeln, das sie nicht erwiderte, dann schritt er durch die großen Flügeltüren.

Magie fegte über seine Haut wie eine grobe Bürste. Sie waren bereits dabei, ihn zu untersuchen. Man würde ihn für unzulänglich halten. Das war er immer. Doch was immer sie ihm dieses Mal vorwarfen, er war unschuldig. Dessen war er sich fast sicher.

Wenn er unbeschadet aus dem Hexenzirkel herauskam, würde in ein paar Wochen sein Pass hier sein. Dann wäre er nicht mehr unter ihrer Beobachtung. Und irgendwo anders. Irgendwo anders wäre es besser. Mit einem leisen Klicken schlossen sich die Türen hinter ihm und er war im Sitzungssaal gefangen.

Der Raum war gut beleuchtet, aber es gab keine Kerzen, keinen Weihrauch oder andere Hexenutensilien. Dieser Raum hätte in jedes erfolgreiche Unternehmen gehören können. Jude saß auf dem einzigen freien Stuhl. Gegenüber dem großen Holztisch saßen drei Hexen, die er nur zu gut kannte.

Der Mann in der Mitte war Landstrom. Er mochte Jude nicht, seit sie sich das erste Mal getroffen hatten. Jude hatte keine Ahnung, was er getan hatte, um den Hexer zu beleidigen – wahrscheinlich hatte er falsch geatmet.

Holling war die dunkelhaarige Frau. Regeln schienen ihr sehr wichtig. Die andere Frau war Tomlins. Sie fragte ihn nicht viel, aber das brauchte sie auch nicht, denn sie konnte in seinen Gedanken stöbern, als wäre es eine billige Kleiderkammer. Er hoffte, dass dort heute ein großes Schild mit der Aufschrift „Unschuldig“ hing.

Jude presste die Lippen aufeinander, um nichts zu sagen, was missverstanden werden könnte. Sie würden zuerst reden, aber es drängte ihn, zu fragen, warum er hier war. Schon wieder. Er klopfte fast mit dem Zeh auf den Boden, als sich die Stille noch ein wenig weiter ausdehnte. Er wollte bereits ausbrechen und etwas sagen, aber Holling kam ihm zuvor.

„Danke, dass Sie gekommen sind.“ Sie lächelte.

Die Teilnahme an diesem Gespräch war nicht freiwillig. Das hatte er gelernt, als er zum zweiten Mal hergerufen worden war und ein Schlangenwandler geschickt wurde, um ihn herzubringen. Das war nicht gerade lustig gewesen. „Ich konnte die Einladung nicht ausschlagen.“

„Lass die Spielchen, Sullivan. Du weißt, warum du hier bist. Du kannst dich nicht aus Ärger heraushalten.“ Landstrom stützte seine Ellbogen auf den Tisch. Auf seinen Lippen lag ein selbstzufriedenes Grinsen.

Jude schluckte schwer. Landstrom fröhlich zu sehen, konnte nur schlecht sein. „Eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich hier bin.“

Tomlins beugte sich vor und flüsterte etwas, in der Hoffnung, dass er die Wahrheit sagte, aber jetzt, wo er hier war, begann er daran zu zweifeln. Er hatte es eindeutig vermasselt, und Landstrom dachte bereits, er hätte ihn.

„Sie waren vor zwei Monaten in Vegas?“, fragte Holling.

Jude drehte sich der Magen um, und ein Gefühl von Wärme breitete sich auf seiner Haut aus. Woher wussten sie davon? „Ja. Ich dachte, es könnte Spaß machen.“

Und das hatte es auch. Es war auch ziemlich profitabel gewesen. Nachdem er monatelang in den örtlichen Kasinos geübt hatte, um die Spielautomaten dazu zu bringen, kleine Gewinne auszuwerfen, hatte er es auf den Jackpot in Vegas abgesehen. Und er hatte ihn geknackt. Die Erinnerung daran brachte ihn jetzt leider nicht zum Lächeln.

„Du hast großes Glück gehabt“, sagte Landstrom vergnügt. Landstrom meinte damit wohl nicht den Cocktailkellner, der mit einer Flasche Tequila in Judes Zimmer gekommen war.

„Ja, Sie wissen ja, wie das ist. Man steckt hundert Dollar rein und am Ende fällt mehr raus.“ Er hatte vorsichtig gespielt, vier Stunden am Automaten verbracht, Münzen eingeworfen und kleine Beträge zurückbekommen. Er musste zunächst den Automaten und seine Schaltkreise kennenlernen. Er musste dafür sorgen, dass es echt aussah. Kein Wundergewinn im ersten Quartal, der unnötige Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.

Tomlins schüttelte den Kopf.

Verdammt noch mal. Sie wusste jetzt, dass er die Maschine mit Magie manipuliert hatte. Er musste aufhören, darüber nachzudenken, aber es war zu spät. Es hatte keinen Sinn, den Unschuldigen zu spielen. „Es ist niemandem etwas...



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